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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 108. Sitzung. Freitag den 30. Januar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8957 BVerfässunggevende Preußische Ländesverjammung 105. Sizung am 39. Fänttar 1920 zeig 
[Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnungs ständlich eine solche Tat mißbilligt werden müsse 
NEN an nicht weniger als an 5 Stellen des Artikels ist 
jLeid, Antragsteller (U. Soz.-Dem.)] vorgehoben, was alles für die edle Gesinnung des Täter 
Ic<h möchte mich de8halb zum Schluß dahin zusammen- 3 jagen ist. Mh 
fassen: Sie tonnen Gewaltmittel gegen 655 (Hört, hört!) 
anwenden, Sie können uns3 wirtsc<haftli . . . . | 
shädigen, Siekönnen uns beschimpfen, EZ fängt shon im dritten Absag dieses Artikels an: 
Sie [önnen MUS Me 121907 und Site er In dem jugendlichen Hirn bildeten sich wit: 
Es BRN Jour 3 "22 age 2 AEN: worrene Pläne. Als Graf Arco Eisner erschoß) 
ir ur ; 9 ven, wie -. wol En b- ie nahmen sie festere Gestalt an. „Der war 8 
er zn u "80 auferer SIGE GEIAEEN Kerl, der hat dem Vaterland genüßt !“ Diese 
8 kettenteste üb ne un : ie viele Worte iprah er zu einer Mutter, als. enn 
5 Menne deb e 8 g1 5 9, wis Ee ersten Male von dem Attentat hörte. Er träumte 
HR 4 ende von deut| wn rover n davon, ein Märtyrer seiner VolkSgenossen zu 
Mn teilen, uns nicht aus dem Herzen werben, zir kin Vaterland ien Sten 
' N. ; | ., eine Art zu sterben. Der möglichen politischen 
: Wir wiire: Ian ver Soaiatiemns Folgen seiner Tat war sich der Knabe nicht bs 
Sie muß, br inge ei "R ahin, wußt, auc) daran dachte er nicht, daß die Politik 
Ei: monen sich drehen EN wen en wie der Straße von jedem aufs Scärfste verurteilt 
&:: DTN ner "muß mr "5 emeniarer werden muß. Charakteristisch ist ein Brief, den 
5ewaltkommen; und desShalb möchte ich er aus der Haft an seine Eltern soeben geschrieben 
Shnen zurufen: hat und der folgendermaßen lautet: „Liebe Eltern! 
Ihr könnt das Wort verbieten, Cs ist mir gelungen, Minister Grzberger anzu: 
Ihr tötet nicht den Geist, jhießen. Hoffentlich mit dem Erfolg seines 
Der über eurer Lüge, Ausscheidens aus der Regierung. Mein Leben 
Ein fühner Adler, kreist. ist zu Ende, avs, ich scheide 8 Pe Bewußt- 
(Bravo ! bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen jein. meinem. Bule gennbtau aben. 
Partei -- Zischen) An einer weiteren Stelle de3 Artikels heißt es: 
.. 2 E3 ist ja richtig, wir leben heute in einer seht 
Sher vent Ir Freisielt Dos Wort hat der überhißten Temperatur, und es gehört nicht mehr 
s Z 7 zu den Seltenheiten, daß besonders iugendliche 
Seine, Minister des Innern: Ich glaube, um an RTE Ii ANSE SOIGei NN DN 5 
das Lehte anzuknüpfen, daß es in der Tat umgekehrt ist, in WEER TEG Ars 537 eichen Motiven tal der 
wie der Herr Vorredner geschlossen hat. Bei einer Politik 93-jährige Graf Arco in München gehandelt, und 
wie die, die uns hier einige Stunden hindurc< vorge- dem 20-jährigen Oltwig v. Hirschfeld darf "wohl 
tragen worden ist, ist es in der Tat sehr viel schwerer, ohne weiteres geglaubt werden, daß ex ein pq- 
205 Wort zu töten -- denn dieses Wort redet immer triotisches Werk zu tun DETEN ) 
(Heiterkeit) D Daun, amt wieder ein Protest gegen die Tat? 
als den Geist, der gar nicht da ist. ron OE Z Gert Erzb bekannten Griffs 
; ; | ! ohl ist Herr Erzberger aus bekannten Gründen 
(Sehr wahr! und Heiterkeit =- Zurufe bei der Unab- in weiten Kreisen des deutschen Volkes unbeliebt, 
: hängigen Sozialdemokratischen Partei) wie selten ein Politiker e3 vor ihm war. 
Meine Herren, ih muß zunächst auf etwas zurü- RENS as ; 9.0 
fommen, wa3 ich in der gestrigen Sitzung gesagt habe. Dann veiht EN ine namen nicht mit der 
I< habe angeknüpft an das, was Herr Abgeordneter Gräf geg g : 
über die Presse der Rechten und ihre Haltung zu dem So kommen wir 
Attentat auf den Herrn Reichsfinanzminister Erzbergr heißt es dann = 
gesc<rieben hatte, und als Zweifel geäußert wurden, daß ; 
ein konservatives Blatt diesen Attentäter verherrlicht hätte, nicht weiter, das sollte auch der heißblütigste 
da habe ich den Namen des Lokal- Anzeigers genannt. Vaterlandsfreund schließlich einsehen. | 
Der Lokal- Anzeiger ist darüber sehr böse und hat in »So entschieden wir hiernac< den Mordversuch 
em Deihtgen Jul va Terim mann on air ge- an dem Reichsfinanzminister verurteilen, so IR 
ordert. in nun hier noc) einmal ausdrücdlich er- müssen wir auch von vornherein dagegen Ber? 
klären: ic) habe das Stenogramm nicht zur Stelle und mühen ne wenn nn ber Bert gemalt 
weiß nicht, ob ich gestern von einer Verherrlichung des werden sollte, den jugendlichen Täter dieser ode? 
Zito ober von einer Verherrlichung de3 Attentäters jener Bartei an die Roichöße zu hängen. 
(Zuruf rec<ht3: das Erstere! (Hört, hört! links) 
. . ' * , , „- ' : n 
Wenn ich das Erstere gesagt haben sollte, dann ist das IV habe das nicht getan; einer Partei hänge ich ihn 
ein Sprachfehler gewesen; gemeint habe ich eine Verhexr- niht an die Rodschöße. | 
lichung des Attentäters. Das kann ich aber nicht zurüc- ES handelt sich um einen 20-jährigen Jüngling, 
nehmen. In dem Artikel des Lokal-Anzeigers, in dem bei dem man wohl annehmen kann, daß aufrichtig 
Meldung von dem Mordanschlang gemacht worden ist, empfundener Schmerz um das Unglü> des Bater? 
steht allerding3 an verschiedenen Stellen, daß selbstver- lande3 sein Her2 durchwühlte.
	        
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