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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 106. Sitzung. Mittwoch den 28. Januar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8517 "Verfassunggebende "Preüßische Landesversammlung 105. Sizüng am 28. Januar 1920 881 
[Arbeitsrecht für SausSangestellte] geber die Wohnung in Lohn stellt, dann kann ich etwäß 
. | Anständiges dafür verlangen. 
[Frau Kähler (Berlin), Abgeordnete (Soz.-Dem.)] (Sehr richtig!) 
Absicht, diesem Geseke vorzuarbeiten, ist un3 nicht gelungen. EPE Ns : 
Notwendig ist, daß die Regierung in Ee LI Cs muß weiter deShalb Rücfiht genommen werden 
angestellten genau wie für die übrige Arbeiterschaft eine Uf die Verkürzung der Arbeitszeit, damit die Haus 
Arbeit3zeit in diesem Gesetze festlegt. angestellien, die einmal vorübergehend in der Fabrik ge- 
| ? arbeitet haben und früher HauSangestellte waren, jeßt ab 
(Zuruf: 6 Stunden!) vieder Zur Du mitinen nenen wollen, eine g& 
-- Rein, eine sechsstündige Arbeitszeit verlangen wir gar kegelte Arbeit3zeit im Haushalt vorfinden. Weiter muß 
Rie ' Ie Zam 28 Te ausdrüflich hier erflärt, daß 1123 darauf Rücksicht nehmen, daß die Danang eli 
wir den Arbeitgebern in der weitgehendsten Weise entgegen- weni Feine Beifang der Arheitegeit eintritt. in die 6 
gefommen sind und eine zwölfstündige Arbeitsbereitschaft "cro1ichen Berufe, d. h. Hotels, Gastwirtschasten, Pensionen 
gefordert haben. Da sollte man hier nicht erklären, wir übergehen werden 1 Man Fann es in jaliegtim feinen 
wollten nur sechsstündige Arbeit3zeit, das ist ganz depla- enschen verdenken, wenn er vile Verkürzung der Arbeits: 
ziert. Wir wissen, weil wir selbst HauSangestellte waren, geit erreithen Tann daiierieben in jolche Stellungen gell 
daß fich das Haus nicht mit einemmal umkrempeln läßt. und so wird man es auch der Hauzangestellten nict ve 
DeS3halb sind wir bereitwilligst entgegengekommen und venen daß M Iod Zun K m M SMS 
haben nur die zwölfstündige Ärbeitsbereitschaft gefordert. san in der Vossischen Zeitung, daß die Hausfrauen das 
I< sage, daß wir unter allen Umständen die Regierung H: Es MWE Ai: 50 .. DAUS Bi 
bitten, daß-ke uns Jo Imnell wie möglim: zu Hilse komme. Zimmer der HauSangestellten mit 365 X anrehnen müssen. 
damit auch die Arbeiterklassen, die nicht mehr wie früher (Hört, hört! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
zu der zweiten Klasse der Mensc<heit gerechnet werden, x . 2 . 
endlich mal über ihre freie Zeit verfügen können. Wir müssen wir SOE RG Re: ein mon ig 
haben geglaubt, als wir im März des vorigen Jahres diesen cinmal nachzusehen, wie diese Zimmer beschaffen sind, für, 
Antrag einreichten, daß Preußen veranlassen könnte, daß die pro Tag den Hausangestellten 1 -K angerechnet wirds 
da3 Reich eine Notverordnung herau3bringt, denn wir ; . m , . ij 
wissen, daß das in Bayern schon geschehen ist, und dort hat (Sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
es sich sehr gut bewährt, daß von der Regierung der zehn- Denn nach den Sachbezügen der Krankenkassen wird die 
stündige Arbeit3tag verordnet worden ist. Infolgedessen Wohnung pro Tag mit 194 berechnet, weil man schon 
wäre es hier sehr zu begrüßen gewesen, wenn eine sol<e weiß, wie schleht die Hängeböden und sonstigen Zimmer 
Mpeg NM Nus Mien wäre. Sie ist der HauSangestellten sind. 
nicht gefommen. abe shon gesagt, wir wollen dem vent He (924 7 : 
Geset vorarbeiten und wollen einen Vertrag, der eine Sehr mg: ve Ge Seätademnotraishen Parte) 
gewisse Regelung jeßt sofort schafft. Wir dürfen doch I< mödte hier nebenbei noch bemerken, daß die Haus 
nicht vergessen, daß unter allen Umständen au< die Hau3- angestellten tatsächlih nicht so schlehte Wohnungen zu 
angestellte heute eine Arbeiterin ist, deren Beruf wir erst haben brauchten, wenn die Herrschaften, wo ein und zwei 
vollständig aufbauen müssen. Denn bigher war das Personen sind, nicht 8 bis 9 Zimmer für sich in Anspruch 
Dienstmädchenspielen kein Beruf. Eine Berufsarbeiterin nähmen. EE 
wollen wir jebt erst aus der HauSangestellten machen. (Sehr richtig!) 
DeShalb müssen wir auch Grundlagen haben, um darauf Yber das ist es ja; wenn man bei den Herrschaften einmal 
aufzubauen. Es kann nicht heißen, wie in diesem An- yorstellig wird, können sie von den 8 bis 9 Zimmern nicht 
trag, daß wohl den berechtigten Wünschen der Hau3- xvjn3 entbehren. | 
angestellten und der Eigenart des häuslichen Dienstver- Was aber auch in dieses Geseß gehört, das ist die 
hältnisses und den Bedürfnissen eines geordneten Wirt- Unfallversiherung der Hausangestellten. Wir wissen, daß 
schaft8lebens und eines gesunden Familienlebens Rehnung die Hausangestellten bi8her niht der Unfallversicherung 
getragen ist. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die unterstellt sind, troßdem sehr viele Unfälle in den einzelnen 
Arbeiterschaft nicht immer darauf Rüsi<ht nehmen kann, Haushaltungen vorkommen. I< erinnere bloß an Ver? 
no< dazu, wen es ihre Gesundheit shädigt. Nachdem die brühungen, an das Fallen von der Leiter, an das Aus-" 
HauSangestellten heute einer Krankenversiherung unter- rutschen in der nassen Küche oder im nassen Zimmer, an 
stellt sind, wissen wir ganz genau, daß der HauSangestellten« das Verheben beim Waschen; wer die großen Zuber kennt, 
beruf nicht mehr einer der gesündesten Berufe ist, Nen einem u iim deien ue pornen werden 
EEE? . : . . müssen, wird zugeben, daß dadur< Brüche und dergleichen 
(jehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) entstehen und die HauSangestellten wohl schwere Krank-" 
was sich ergibt aus der überlangen Arbeit8zeit, die die heiten davon tragen können. Wenn sie heute einen solchen 
HauSangestellten bis dato hatten. Wir müssen also unter Unfall haben, erhalten sie keine Rente dafür. 
allen Umständen darauf dringen, daß mindestens die neun- Wir wünschen weiter, daß in diesem Arbeitsrecht fest-] 
stündige Arbeit3zeit in dem Arbeitsrecht festgelegt wird. gelegt wird, daß eine Stelle zu schaffen sei, die den Ge- 
Wenn wir aber weiter in diesem Arbeitsrecht fordern, daß werbegerichten angegliedert wird, die die Streitigkeiten 
auch die Wohnungen, weil sie zum Lohn gehören, ent- zwischen Hausangestellten und Hausfrauen sofort regelt. 
sprechend sein müssen, so ist das ganz selbstverständlich, und Wir haben hier in Berlin, auc<ß in einzelnen anderen 
ich muß da dem, wa3 vorhin hier gesagt worden ist, daß Städten Schlihtung3ausschüsse, die den Arbeitsönachweisen 
nämlich die Gewerkschaften doch die Macht in den Städten angegliedert sind. Hier in Berlin haben wir den 
hätten, um die Wohnungsfrage besser zu lösen, wider- Sdölichtungsausshuß Groß-Berlin, der eine Kammer für 
sprechen und sagen, daß der Herr Redner sich in der Be- siß hat, Kammer 60, wir wissen aber auch, daß der De- 
ziehung vollständig im Irtum befindet. Denn ich kann mobilmachungskommissar sich weigert, die Beschlüsse der 
für mein Geld so schle<t und so gut wohnen, wie ih Kammer für verbindlich zu erklären. 
will, wenn ich e3 bezahle. Wenn mir aber mein Arbeit- (Hört, hört! bei der Sozialdemokratis<hen Parkei)
	        
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