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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 105. Sitzung. Dienstag den 27. Januar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8725 Verfässunggevende Preußische Landesversammlung 105. Sitzung am 27. Jantar 1920 8726 
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[Förderung des Landbaus] wirtschaft bezeichnen möchte, und die schleunigst voll- 
WIER fommen weggefegt werden müßten, sondern e3 wird auf 
[Koepper, Abgeordneter (Zentr.)] den Landwirt geschimpft. 
ficht läßt fich nicht ohne weitere von der Hand weisen, mag (Zustimmung) 
fier zutreffen oder nim. Wenn ein Geschäftöma oder Landwirt mit ei 
| Dieses System ist veshalb so verfehlt, weil es die Syesengebilde, das so viel Unsinn. Unwahrheit und 
einzelnen Berufsstände, anstatt zur Versöhnung beizu- Grampf aufweist, vor eine Justizbehörde gestellt wird, gibt 
tragen, immer mehr gegeneinander aufreizt. Wenn Herr 3 nur ein Kopfschüiteln, und das Urteil wegen Preis- 
Abgeordneter Graf v. Kaniß ausgeführt hat, was un- tr 6iborei und Wucher ist gesprochen. Geseßgeber und Ver- 
widersprochen blieb, daß die Reichsgetreidestelle am braucherkreise sind sich der furchtbaren Gefahr und der an- 
Zentner Mehl 10 X verdient, wie kommen wir Landwirte haltbaren Zustände, -welche die von zuständiger Stelle ge- 
dazu, uns als Prügelknaben für die Verbraucher hinzu- benen Zahlen enthüllen, wirklich noch nicht bewußt ge- 
tellen, daß uns die Schuld dafür aufgeladen wird, die ENSE ID wi - MWH E07 
st . | “ ; ; worden. Dasselbe trifft auch auf andere Artikel zu, die wir 
eigentlich gewisse Behörden und andere Faktoren, die da- brauchen 
nr Pe 88 4.1 008 fm DG HE Dar. Nun hat Herr Kollege Mehrhof von der unabhängigen 
daSjelbe gilt für die Festseßung der Preije für Kar- 1 utokratischen Partei uns in seinen Ausführungen über die 
toffeln. I< habe und viele meiner Berufskollegen unsere 6: Gorrung der Zwangswirtschaft im Zuerrübenbau ein 
Kartoffeln bereits im Frühherbst geliefert, und wir können Kolleg gehalten über alles Mögliche und Unmögliche, 
uns jeht darüber freuen, daß diejenigen unserer Berufs- ur den Zuer und die Rüben hat er vollständig vergessen. 
kollegen, die mit der Lieferung nicht jo ängstlich) gewejen <h wisl hier nicht näher untersuchen, ob diese Unterlassungs- 
waren, jeßt 2 HK auf den Zentner mehr bekommen. ES ist inde. == perzeihen Sir. "meine Winnen AB Sexren, von 
doch unmöglich, und es widerstrebt uns jet, zu den einzelnen Sund, barf ich bei meinem lieben Kollegen von der unab- 
Haushaltungen hinzugehen und zu jagen: die hoc<hwohl- hängigen autofratischen Partei ja nicht sprechen, weil er ja 
gelahrten Herren in Berlin haben allergnädigst geruht, eine nach jeiner politischen Richtung fündenfrei ist und arge 
Prämie von 2 H zu geben, bitte, gebt noh 2 M jept Der M inder in seinem Sinne nur alle diejenigen sind, die außer- 
aus! Die Folge ist, daß es die Landwirte im nächsten halb der Linie des Programms der Weltrevolution und 
Jahre mit der Lieferung nicht so eilig haben werden; sie | ; 4 MER Og . . 
I 05 ZIEREN höhte Breise, wir Räterepublik, seiner Lieblingskinder, stehen. Er hat über 
jagen fi<: es kommen do< wieder erhöhte HEU IDie platonische Erklärungen des Christentums, über die Nicht- 
wollen unsere Kartoffeln noch aufbewahren. Diejer Zi>- anwendung des Lehrsatße3: Liebe deinen Nächsten wie dich 
za>furs in Bezug auf die Preisfestseßung ist für die Wirt- selbst, und über viele andere Lehren des Christentums, von 
jchaft3po eit Fein je: ; .. . denen er nichts versteht, gespro<en. Er hat über Welt- 
Überhaupt ist der Landwirtestand derjenige, auf dem royolution, über die Sowjetrepublik und andere schöne 
gegenwärtig am meisten herumgehat, ich kann wohl jagen Sachen geredet. Ih muß offen gestehen, ich weiß eigentlich 
herumgeprügelt und herumgeschimpft wird. nicht, in welchen Beziehungen das Christentum zu diesem 
(Sehr richtig!) Antrag stehen sollte. Wenn er gemeint hat, das Christen- 
| | . | tum hätte seine Aufgabe nicht erfüllt, so wird seine Au3- 
Er kann es niemand recht machen. Unlängst hat einmal führung hier mit Recht als deplaziert zu bezeichnen sein, 
ein hochgestellter Herr gesagt, wenn die Landwirte genügend und ich möchte ihn bitten, sich mit den betreffenden Lehren 
zu essen hätten, wären ihre Ansprüche ans Dasein vollauf des Christentums, - ebenso wie mit dem Zuderrübenbau, 
erfüllt, andere geistige Bedürfnisse hätten sie nicht, es wäre etwas näher zu beschäftigen. Seine Kenntnisse der Lehren 
wohl nicht der Mühe wert, sich mit dem Bauern länger des Christentums scheinen auf derselben Höhe zu stehen wie 
zu befassen, weil sie sozusagen geistig minderwertig seien. seine Kenntnisse über den Zu>errübenbau. Eine 3jährige 
Wieder andere sagen, auf dem Bauernstand ruhe allein die [andwirtschaftliche Tätigkeit im Alter von 14 bis 17 Jahren 
ungeheure Verantwortung für die Ernährung unseres genügt auch heute noc< nicht, den wahren Geist des 
Volkes, und im Hinbli> auf die diesem Stande aufge- Christentums sowohl, als auch den rationellen Anbau der 
bürdete Verantwortung werden die Bauern aus Gründen, Zuerrüben halbweas zu erfassen. 
die böSwillige Gegner der Landwirtschaft auch nicht wür- , : 
digen wollen oder können, hingestellt als Wucherer, Gauner (Heiterkeit) 
und Halsabsc<hneider. I< kann versprechen, daß die Land- Wenn wirtschaftliche Klagen vorhanden sind -- wie ich ohne 
wirte von jeßt ab keinen Anlaß mehr geben werden, daß weiteres zugebe --, so ist nicht das Christentum allein dafür 
sich jemand darüber beklagen muß, daß sie keine geistigen verantwortlich zu machen. Ein ähnliches ist au< in bezug 
Bedürfnisse hätten. Vielleicht kommt die Zeit, daß man auf die Futtermittel zu bemerken. Herr Kollege Mehrhof 
ihnen das Lob aussprechen kann, daß sie viel zu viel geistige hat gemeint, der Grundsat: liebe deinen Nächsten wie dich 
Bedürfnisse haben. . selbst, werde von uns Anhängern des Christentums nicht be- 
Anvererseits ist die Verurteilung der Landwirte auch achtet. Da möchte ich Herrn Kollegen Mehrhof nur eins 
nicht im Mindesten gerecht. I< kann hier auf den Preis sagen: wenn er in der Lage wäre, sich eine Kuh zu halten=- 
für einen Zentner Kartoffeln hinweisen, wie er sih von der ich will recht prosaisch und klar sprechen -- und er den 
Versandstation bis zum Verbraucher in der Großstadt ent- Ventner Heu mit 50 XA kaufen müßte, so bin ich neugierig, 
wikelr. Während auf dem Lande im Herbst vorigen Jahres ob er den Liter Mil<h, wie wir jeßt, mit 45 FX abzugeben 
je Zentner 7,25 H bezahlt werden, erhält ein Waggon in der Lage wäre. Wenn er den Zentner Futtermittel, Kleie 
von 200 Zentner durch Aufschläge verschiedener Art, die und andere künstliche Futtermittel mit 50 X kaufen müßte 
ich nicht vorlesen möchte, weil es zu lange dauert und ih und gezwungen würde, Roggen und Gerste für 20 XA ab- 
Ihre kostbare Zeit nicht zu lange in Anspruch nehmen will, zuliefern, so bin ich doch sehr im Zweifel, ob er nicht etwa 
einen Zuschlag von 1930 X, so daß der Verbraucher an eines Tages auch zu der Erkenntnis käme: dabei hängt 
Ort - und Stelle je Zentner zirka 17 XA zahlen muß. nicht3 heraus, ich mache die Sache jeßt umgekehrt, um mein 
Selbstverständlich richtet sich die Wut nicht gegen die Portemonaie nicht vorzeitig in die Gefahr der hoffnungs- 
Kriea8gesellschaften, die ich al8 Drohnen unserer Volk3- losen Schwindsucht zu bringen. Und wenn er für Butter
	        
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