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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 104. Sitzung. Freitag den 23. Januar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8681 - Verfassunggebende Preußische Landesversammtung 104. Sitzung am 23. Januar 1920 8682 
[Förderung des Landbaus] Dann fordern wir die Umwandlung, Veredlung 
=- - >= = mödhte im. sagen =- des gänzli< unwirksamen 
[Graf v. Kanitz, Abgeordneter (D.-nat. V.-P.)] und önnen riesen : Die pre kisen 
; ' “ E ; andräte sind neulich in einer Sißung, in der sie |f 
KEEN nn marron ind Ex hat mir mit dieser Frage befaßt haben, zu der Ansicht gekommen, 
daß das Prämiensystem in der jetzigen Art praktisch und 
(Heiterkeit) Fenin anerhaup; UE unnsührar Ke erfordere 
; . NT» Mi u. a. viel zu komplizierte Arbeiten. Der Landwirt versteht 
I< bitte Sie, sich da nicht täuschen zu lassen. Wir wissen im übrigen das Prämiensystem zum Teil gar nicht. | 
ganz genau, daß der Bund der Landwirte im September liest grundsäßlich heute feine Kreisblätter mehr 
1914 für die Zwangsbewirts<aftung des Roggens ein- : 
getreten ist; aber die sämtlichen Landwirte Deutschlands -(jehr richtig!) 
eins<hließlic< des Bundes der Landwirte haben, je länger NN in 
der Krieg dauerte, desto mehr die Weiterführung des und bei diesem komplizierten Verfahren fragt er sich: 
Zwanges und den Ausbau des Zwanges verurteilt. Also „wer wird mich nun richtig einschäßen, ob ich 70 oder 80 
ich bitte den Herrn Staatskommissar Peters von vorn- oder , 90% abgeliefert habe? JI< kann das gar nicht 
herein, diesen Hinweis, der erheblich hinkt und heute, na<- kontrollieren.“ Das Prämiensystem muß also geändert 
dem alle Verhältnisse sich verschoben haben, nicht zutrifft, werden, und ich glaube, es wäre möglich, wenn ich mir 
zu unterlassen. aud iht gun Savon verspreine Zaß jana ein für 
Meine Damen und Herren, ich sehe ein, daß Aazema! das Lieserungs[ol als zu 100 5 erfülli annimmt. 
mein Antrag auf Aufhebung der A ien in Wenn man auch dann dem Landwirt dur<weg für das 
Oo c ; EX - : Brotgetreide die Prämie gibt, die er für 10049 Lieferung 
Ostpreußen mit der im Interesse der Verbraucher ge- ; En ; 0 
machten Einschränfung, nämlich des Landlieferung3ver- 3 erwarten hätte, dann ist die Mehlpreiserhöhung auf 
fahrens, heute niht mehr gangbar ist, nicht etwa weil 26 bis 18 ch no< immer nicht nötig, da ja 
ver Ans im 3 Monaten nichts taugte, sondern weil die Mahlkosten sich gar nicht zu erhöhen brauchen. 
eine Grundlage, nämlich das Landlieferung3verfahren iht 
heute nicht mehr durchführbar ist. Man kann nicht, (Sehr rimrig 7 remis) 
nachdem man 5 Monate lang alles hat gehen lassen, Aber auch, wenn e8 zu diesem Modus käme, muß ich 
plößlich das Landlieferungsverfahren gegen Ende des bezweifeln, daß es ein durchschlagender Erfolg wäre. 
Dreschjahres einführen. Der Antrag ist also in seiner Dann bitte ich auch darum, selbst auf die Gefahr 
ursprünglichen Form nicht mehr angängig, und ich ziehe hin, bei den Verbrauchern in den Verdacht zu kommen, 
ihn damit zurük. Wir Ostpreußen sind, wie es jcheint, daß ich für die Landwirte rede, daß jede Art von 
auf Selbsthilfe angewiesen. I< werde vielleicht in ab- Prämien, die die Reichsernährungsstellen angeblich 
jehbarer Zeit einen neuen Antrag stellen in bezug auf für die deutsche Landwirtschaft bewilligen, 
die besonderen ostpreußischen Verhältnisse. wirklich den Landwirten zukommen und nicht an allen 
Nun wird uns Deutschnationalen immer gesagt, wir möglichen Zwischenstellen oder womöglich sogar in der 
schimpften über alles, sc<lügen aber nichts vor, trieben Reichskasse hängen bleiben! 
keine positive Mitarbeit. Ja, meine Damen und Herren, Nac< meiner Meinung wird das Reichöwirtschafts- 
unsere Vorschläge werden doch prinzipiell nicht angenommen, ministerium erst dann die deutsche Volk8ernährung bessern 
und nachher jollen wir in jeder Phase der von können, wenn es sich zu der Binsenweisheit bekehrt, die 
uns vorausgesagten Katastrophe eine QLQehensnotwendigkeiten für Erzeuger und Verbraucher 
Za ie 4 ; 1 | ung finden! Das ist wirklich ziemlich sozusagen auf einen Genetalnennet ZU Heingen, und dieser 
: ißt: Förderun r Bro ion! 
(Sehr richtig! rechts) BEE SOE DeEUnG Den Drobuttion 
Trotzdem will im die Wünsche Ihnen zu Gehör bringen, (Schr richtiat) 
die ich persönlich hege im Interesse der sofortigen Besserung No<h akuter ist allerdings heute die Frage: wie 
unserer Ernährung, soweit eine solche überhaupt nom; kommen wir durc< die nächsten Monate hindur<? Die 
möglich ist. Wir fordern die sofortige Aufhebung der Erhöhung der nächstjährigen Produktion ist eigentlich 
Sc<hweinewirtsc<<aft. „Cura POSterior geneniber der Jeane: wi e ern auren 
EE : wir uns bis zum Juni a möchte ich nun den 
(große Heiterkeit) u Stnatschreiur Priers Prägen en uns ganz 
ich meine: der Shweinebewiris<haftung! Sie bestimmte Daten zu geben, und auch uns als Volfks- 
wissen genau, daß e3 auf legalem ie. Schweinefleisch vertretern die Möglichkeit zu schaffen, diese Daten nach- 
überhaupt nicht mehr gibt, oder so gut wie gar nicht. zuprüfen. Meine Damen und Herren, wir tun dem 
.., Volke keinen Gefallen, wenn wir weiter alles auf dem 
(Sehr richtig!) Ernährungsgebiet beschönigen! Rücsichtslose Offenheit ist 
Da wollen wir diesen Unsinn des Scheinzwanges doh Heute unbedingt notwendig. Wir wollen unbedingt ohne 
nicht länger aufrecht erhalten! Sie können sich fest darauf parteipolitische Tendenzen diese Fragen behandeln, und 
verlassen: wenn die Schweinebewirtschaftung aufgehoben wir werden die Regierung unterstüßen, wenn sie mit 
ist, jo wird allmählih mehr Sc<weinefleis< auf dem offenen Karten spielt und nicht weiter fortfährt in diesem 
Markt erscheinen, weil man es nicht mehr mit Angst und planlosen Experimentieren mit wirt- 
Zittern zu produzieren braucht. 192 ns 3 är möglimfeiten und phan 
| asti n en! 
(Zuruf: Zu welchem Preise?) ann m | 
| vn : (Sehr gut! und lebhaftes Bravo! bei einem großen Teile 
-- Ja, meine Damen und Herren, sicher billiger als jezt; des Hauses) 
denn jetzt gibt es Schweinefleisch nur „jm Schleichhandel 
ie Ri Gin Schlei ä ! 
und die Risikoprämie des Schleichhandels fällt dann weg! Erster Vizepräsident Dr Porsch: Das Wort 
(Sehr richtig! rechts und in der Mitte) hat der Herr Unterstaat3sekretär.
	        
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