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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 99. Sitzung. Montag den 15. Dezember 1919

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8049 Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 99. Sizung am 15. Dezember 1919 8050 
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j/Busführungsgeseß zum Reichsfieslungsgeses] endgültige Beleihung der Stelle vorzunehmen. Er hät 
REET ferner biSher Geld gebraucht und hergegeben, um die 
iWeissernmel, Abgeordneter (D.-nat. V.-P.)] K 425 S7 der Rentenneieie ZU een Si 
Ar ; . > . qo- zuügleichen; denn Ihnen allen ist ja bekannt, daß auch dieses 
fie zur Arbeit gehraßt werden, zwei Stunden vorher Se boranglice Bapice üher AUM-Die verdiente Bu 
füttert werden, und wenn sie nach der Arbeit nach Hause . D . 0 
kommen, müssen fie wieder gefüttert werden. Die mensch- tung gesünden hat und daß es nicht unwesentlich 
liche Arbeit läßt sich in den Achtstundentag nicht ein- "iedriger gestanden hat als Staatsanleihen. Ferner habe 
schachteln. ich schon erwähnt die Überteuerungszuschüsse, zu 
k s | Dun | denen der Staat sehr erhebliche Kapitalien hergegeben hat. 
(Zuruf bei der Sozialdemokratischen Partei: Braucht sie Dann aber komme ich noch zu einem weiteren Punkt, 
auch gar nicht!) der auch geldliche und andere Anforderungen stellt, die bei 
Die Siedlungslustigen, die aufs Land hinausgehen, werden der Siedlung beachtet werden müssen. ES ist ja nicht ein- 
nicht immer die Illusionen erfüllt sehen, die sie vielleiht fach [o, daß man ein Gut von 2000 Morgen aufteilt, die 
in" der Stadt gehabt haben; sondern sie werden die Er- Leute ansekt und dann davongehen und die Leute sich selbst 
fahrung machen, daß auf dem Lande nur schwere und überlassen kann = damit würde man ein großes Unrecht 
tüchtige Arbeit überhaupt die Existenz ermöglicht und ein begehen --, sondern man muß auch weiter für geregelte 
Fortkommen zuläßt. Serpöitniie NE 2 gehört die Regelung der Ko u 
EIN EREN RENNER munalverhältnisse. Wenn Sie ein großes Gut 
| (Sehr richtig! reihte) | aufteilen, müssen Sie eine Landgemeinde errichten. Die 
Dann aber ist Geld notwendig, =- um mit Monte- Landgemeinde muß lebensfähig sein, damit sie nachher 
evcculi zu sprehen: Geld und nochmals Geld und zum durch ihre Steuern die Einwohner nicht erdrückt. Wenn 
dritten Mal Geld. Sie ein Gut von 2000 Morgen in Stellen von 20 Morgen, 
Geld braucht erstens der Siedler. Den ganzen Kauf- auch nur von 40 Morgen. aufteilen, so ist weiter die Ex- 
preis kann er selbstverständlich nicht bezahlen -- darüber richtung einer neuen Sh ule notwendig, und wenn Sie 
wird noch bei der Frage der Finanzierung zu reden sein=-3z feinere Flächen aufteilen, sei es bei der Randsiedlung, sei 
aber es muß von ihm verlangt werden, daß er wenigstens es bei kleineren Parzellierungen, so werden die bestehenden 
eine Anzahlung von 104, am besten noch darüber, leisten Scdulen einen solchen Zufluß von Kindern bekommen, daß 
fann. Früher wurden bis 25% verlangt. Denn wenn mindestens die Einrichtung von zweiten Klassen und die 
Leute ohne jedes Geld angeseßt würden, so ist ihr Zu- Anstellung von neuen Lehrkräften notwendig ist; und auch 
sammenbruch vorau2zusehen; aber wir wollen doch wirt- diese Angelegenheiten erfordern Geld. Auch die Regelung 
schaftliche Existenzen schaffen. Geld ist weiter notwendig, von Kir<enverhältnissen kommt in Frage. Rü>- 
um die nötigen Gebäude zu errichten; ich brauche Ihnen sicht zu nehmen ist bei der Schaffung von solchen Gemeinden 
keinen Vortrag darüber zu halten, daß dazu in der jehigen endlich auch auf eiwa mögliche Armenlasten. E3 wäre 
Zeit ganz besonders viel Geld notwendig ist, soviel Geld, ja ein erwünschter, idealer Zustand, wenn Armenlasten 
daß es die Kräfte des Ansiedler3 überschreitet und der Staat überhaupt nicht mehr zu entstehen brauchten. Solange es 
zu den Überteurungszuschüssen hat greifen müssen. Geld aver Menschen gibt, wird es auch menschliches Elend geben. 
ist notwendig zur Anschaffung von Inventar, von lebendem Dieses muß erleichtert werden, und es muß daher auch bei 
Inventar, Vieh, Maschinen und Gerät. Auch wenn man den Gemeinden für die Möglichkeit von Armenlasten Vor- 
dem Ansiedler den Grund und Boden schenkt, auch wenn sorge getroffen werden. 
man ihm die Gebäude errichtet und das Inventar schenkt, Eine weitere Maßregel, die Geld erfordert, sind die 
dann braucht er immer no< Geld; denn er muß auch ein sogenannten Folgeeinrichtungen. Wenn Sie ein großes 
Betriebskapital haben. Die Eigenart der landwirtschaft» Gut in einzelne Wirtschaften aufteilen, so müssen Sie 
lichen Verhältnisse bringt es mit sich, daß die Einnahmen Wege schaffen, Sie müssen große Kommunikation3wege 
eigentlich nur einmal im Jahre, nach der Ernte, fließen. herstellen, Sie müssen aber auch jedes einzelne Grundstück 
Wenn man ein Geschäft aufmacht, braucht man einen Laden durch einen Weg zugängig machen. Eine ganz besondere 
und die nötigen Waren; dann kommen vom ersten Tage Rolle spielt diese Zuwegung bei den Randsiedlungen. Da 
nach der Eröffnung des Geschäftes an die täglichen Ein- müssen Verkehrsstraßen, da müssen Wohnstraßen angelegt 
nahmen. Aber bei der Landwirtschaft ist =- vielleiht mit werden, weil sonst der Verkehr absolut unmöglich ist. . 
Ausnahme des Milchverkaufs und geringer Einnahmen Vei der ländlichen Siedlung muß man auch daran 
durc< das Geflügel =- eine Einnahme eigentlich erst nach denken, die Entwässerung sicherzustellen. Dazu sind Gräben 
einem Jahre zu erzielen, und für dieses Jahr braucht der notwendig, dazu ist eventuell die Drainage erforderlich. 
Ansiedler Geld zur Bezahlung der Steuern und der Leben8- Vor allen Dingen kommt e3 aber auch darauf an, daß diese 
bedürfnisse für sich und seine Familie und ganz besonders Ynlagen nicht nur angelegt, sondern auch in ihrer Unter- 
no<h, wenn er Cesinde oder Arbeiter hält. Ohne jedes haltung sichergestellt werden. 
Betriebskapital ist eine Ansiedlung unmöglich. | Dann ist ein Punkt, der bei den Siedlungen vielfach 
Zweitens brauchen die Siedlungsgesell- vergessen wird, die Schaffung von Brunnen, und ehe man 
schaften Geld. Sie brauchen es zum Ankauf der Grund= an die Aufteilung eines Gutes geht, sollte man sich ver- 
stücke, zur Ablösung der Hypotheken, zur Zwischenwirts<haft gewissern, daß auch das nötige Wasser vorhanden ist, 
und für den eigenen Betrieb; sie brauchen Geld für ihre damit nicht, wie es früher manchmal vorgekommen ist, die 
Beamten und für die Vermessung. Siedler nachher die größte Not an gutem Wasser leiden 
Drittens: der Staat. Der Staat braucht auß und ihren Wasserbedarf aus Torflöhern und Seen be- 
Geld, und zwar gleichfalls viel Geld für die Siedlung. friedigen müssen. 
Denn er ist derjenige, der nach den jehbigen Bestimmungen Ganz besonder3 viel Geld kostet die Regelung dieser 
den Zwischenfredit gewährt, welcher dazu dient, über Angelegenheiten bei den Randsiedlungen. Denn wenn 
die Zeit vom Ankauf des Grundstüc>3 bis zur endgültigen größere Arbeiterkolonien oder Kolonien von kleineren Be- 
Beendigung des Verfahrens und Übernahme auf die Renten- amten oder Pensionären angeseßt werden, ist es durchaus 
banf über die finanziellen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. notwendig, daß die Wasserversorgung geregelt wird. Wenn 
Er braucht aber auch Geld zum Rentenbankkredit, um die Die nun Stellen von einem halben Moraen machen, dann
	        
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