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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 102. Sitzung. Mittwoch den 21. Januar 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

8441... Verfässunggevende Preußische Landesverjammlung 102. Sizung am 21. Jäntar 1920 8419 
[Hochwasser in der Rheinprovinz] Ähnlich verhält es sih mit dem Vorwurf, daß 
<== - ESSE aunichit 28 Verfnoung gesteüten, Mil ungute 
. En . ewesen seien und Anlaß zur Kritik gegeben hätten. Wi 
Dr Südekum, Finanzminister: Meine Damen und a in der Tat biSher nur 125000 X den Verwaltungs 
Herren, wenn man sich die Lage unsres armen gequälten ßehörden im Rheinland in die Hände gelegt, weil mehr 
Landes vor Augen hält, so ist es, als ob Himmel und zunächst nicht angefordert worden ist, weil für mehr auc< 
Hölle sic) versc<woren hätten. nicht Verwendung ist und weil endlich auch eine Vers 
(Sehr richtig!) wendung SE RO We wnlienenden Wit Shar weiteres 
. . ' N . . on uns gutgeheißen worden wäre = darüber sind di 
Das trifft namentlich auf die westlichen Teile des preußischen NARICEH ERIN informiert =, wenn ihn Ber 
Staates zu. Während dort die grausamen Feinde das Be- ausgabung sich als dringend notwendig erwiesen hätte, 
sahungsreht ausüben, steht ein Teil unsrer deutschen Be- Meine Damen und Herren, wenn jene von mir 
völkerung in einem unablässigen inneren Kampf gegen „3 <harafkterisierten Elemente, die den Abfall der 
diejenigen Elemente, die diesen Augenbli> für geeignet Rheinlande vom Deutschtum betreiben wollen, die Not 
halten, um ihren Abfall von Deutschland vor zubereiten; ihres Landes zu einer neuen unlauteren Propaganda 
und während dieser Kampf tobt, erschüttern immer neue benußen, wenn fie aus dem Umstande, daß biSher it 
Unruhen in der Arbeiterschaft und in der Beamtenschaft 125 000 4 nn virsen: Barben anne dot LAER. 
das Wirtschaftsleben und zerstören so neue Ansäte des herleiten wollen, die Preußische Re ieruna und Volks 
Weiterbaues und des Wiederaufbaues. Zu dem allen WE IE sche. Regierung ie 
treien nun die Flüsse über ihre Ufer und tragen Zer- vertretung hätten kein Herz für die geschädigten Gebiete, 
störung und Not über das Land hin. Daß dabei die 19, hoffe ich, daß die rheinische Bevölkerung diesen elenden 
Regierung, so rasch es ihr überhaupt nur möglich ist, Menschen ihre Verachtung ins Gesicht speien wird. 
zu ent Sation bereit war, 33 1578 8 po (Sehr gut!) 
ie hat damit nichts anderes als ihre einfachste Shuldig- 3 47 Di 3 : 
feit getan. und danft dem Sohen Haufe, dar, daß & 8 1 de Meien nit gesundem Verand H 
ihr unbeschränkte Mittel zu dieser Hilfsaktion, die selbst- find, nicht hatten abgelten fönnen,. sondern daß es sic 
Beritänelie jenen sassen? und gerecht sein sol, zur 5,7" nyr um ein erstes Eingreifen für eine unmittelbare 
ersngunmn stellen will. | . Abwendung drohender, sozusagen Leben3gefahr handelt. 
IH muß noch mit wenigen Worten auf das ein- Wenn dann weiter darauf verwiesen worden ist, daß 
gehen, was an Einzelheiten von den Herren Vorrednern 5: Stgatsregierung bemüht bleiben möge, für die rasche 
vorgebracht worden ist. I< sc<hi>e dabei eine Erwiderung Dyfuhr von Kohlen, von Leben3mitteln, von- Baustoffen, 
auf den leisen Vorwurf voraus, daß biSher niemand von 351 Kunstdünger und ähnlichen Gegenständen zu sorgen, 
der Preußischen Staatsregierung in die überschwemmten ;5 wird auch damit nur etwas Selbstverständliches an- 
Gebiete geeilt ist. | | | gedeutet, was unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen 
Meine verehrten Anwesenden, eine Reise verschiedener ist und was auch bereit3 alles in die Wege geleitet 
Staatsminister in das beseßte Gebiet steht schon lange auf worden ist. Aber, meine Herren, wenn einer nach dem 
unserem Programm. Aber solange der Friede nicht ratifiziert anderen meiner Herren Vorredner sagt: es müssen 
war, solange also eine Einreiseerlaubnis von fremden Be- reihli< Kohlen hingebracht werden, e3 müssen a us- 
sjaßungsbehörden hätte erbeten werden müssen, war naeM giebig Baustoffe naß dem Rheinland geschafft werden, 
meiner festen Überzeugung eine Reise eines preußishen Kunstdünger muß in großen Mengen kommen, 
Ministers in diese Gebiete vollkommen unmöglich; Lebensmittel vor 'allen Dingen sollten in Mengen 
zur Verfügung gestellt werden, dann kann ich Ihnen 
(ehr gut! rechts) immer wieder nur das Eine sagen: das ist etwas Selbst: 
denn wir haben nicht nur ein Herz für die besezten Ge- verständliches, aber das Maß unserer Hilfe ist an das 
biete, sondern in unsere Hand ist auch die Wahrung der Maß des Vorhandenen gebunden. 
Würde des Preußischen Staats gelegt, und die verbietet (Sehr richtig!) 
uns, einen fremden BesatßungSoffizier um die Erlaubnis . 
zu bitten, Kohle, die nicht gefördert wird, können wir nicht in das 
(Bravo!) Rheinland bringen, Leben3mittel, die nicht vorhanden 
„PC - sind, können wir nicht verteilen, Baustoffe, die heute nut 
in ein Land zu gehen, das nach dem Friedensvertrage in den Lehmgruben oder in der Zdee existieren, können 
und nach dem Waffenstillstandsvertrage nicht einen Augen« wir nicht verwenden, um niedergebrochene Häuser wieder? 
bli& unserer Souveränität hätte entzogen werden dürfen, gqufzubauen. Es ist hier mit elementarer Deutlichkeit 
aber tatsächlich entzogen worden ist. uns allen vor Augen geführt, daß an einen Wieder 
S | aufbau unseres Landes nicht nur in den jeßt be 
(Sehr gut!) 2 ; , 
' . 7 , WAEEENEE troffenen Gebieten, sondern unseres ganzen Landes nut 
Nachdem jeht dieses Hindernis beseitigt ist, werden sih zu denken ist, wenn das Gefühl der menschlihen Soli“ 
die dazu berufenen Mitglieder der Preußischen Staat3- darität wieder in allen Kreisen lebendig wird und wenn 
regierung alsbald, d. h. sobald die parlamentarische und siv wieder einsehen werden, daß wir alle für einen und 
vie algemein Geschäftslage es ermöglicht, nach dem Rhein- einer für alle einstehen müssen. 
ande begeben. 
I< bitte aber inbesondere zu bedenken, daß ein (Sehr gut!) 
preußischer Minister nicht dorthin gehen konnte, um sih E53 kommt auf die Gesamtleistung von uns an, und nur 
als feiler Zuschauer die Üb.rshwemmung anzusehen, bei einer Steigerung der gesamten Produktivität ist es 
sondern daß er an Ort und Stelle gehört, wenn man die möglich, soviel zu erübrigen, um in besonderen Notfällen 
Schäden übersehen kann, wenn das Wasser abgelaufen ist, eine besondere Hilfe zuteil werden zu lassen. 
damit er helfen kann und nicht nur zus<haut und die Einige von den Herren sind darauf eingegangen, 
Schar derer- vermehrt, die müßig herumstehen, um das daß wir auch vorbeugend für die Zukunft sorgen müßten 
Schauspiel einer großen Übers<wemmung zu bestaunen. durch Stromregulierungen, durch Anlegung von Talsperren
	        
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