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99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) 101. Sitzung. Mittwoch den 17. Dezember 1919

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue 7.1919/21 99. bis 113. Sitzung (15. Dezember 1919 bis 5. Februar 1920) (Public Domain)

S3 Verfassunggebende Preußische Landesveryammtung 101. Sizung am 17. Dezember 1919 8312 
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[Dritte Beratung des Staatshaushaltsplans zuwenden. Sein Kollege Herr Wachhorst machte aller- 
für 1919] dings ein etwas betretenes Gesicht zu der Sache. 
| | Lachen und Zurufe link5) 
endel, Abgeordneter (D. V.-P.)] ( 
iSt en, daß er heute nicht mehr unter den Lebenden 77 DV kenne Herrn Wachhorst länger als Sie; ich habe 
gem ! E shon mit ihm Wahlkämpfe durchgefochten, als er bei uns 
weilt. Namen unh Aure) fund: ht eint Z jp beiteten rn 
Z 3 wollen, als e3 früher seine Art war. Herr v. Richthofen, 
ZD Bitte, meine Herren, Sie reden von den Lehrern, die werden Sie mir entgegenhalten, ist nicht die demokratische 
sich unter dem alten System so gekränkt gefühlt haben, daß Partei. Eigentlich haben Sie sich doch des Rechts durch 
fie sich aufgehängt haben. Wollen Sie mir bitte gestatten, Ihren Beifall begeben. Herr v. Richthofen ist jedenfalls in 
Ihnen zu sagen, wie schwer es diesem Mann, der lange Ihren Kreisen eine gewisse Größe, und de3halb werden Sie 
Jahre Landrat gewesen ist, dex von seinen Leuten im mir damit nicht kommen können. 
Kreise, auch von Ihren Parteigenossen, ein Vertrauens- Ich darf Sie auch darauf aufmerksam machen, daß ein 
votum bekommen hat, geworden ist, daß er so kurzerhand SGexr aus der Nationalversammlung, ein Mehrheitssozial- 
abgetan wurde. demofrat, in Leipzig einem meiner Parteifreunde erklärte: 
(Lebhafte Zurufe links) ja, wir haben nicht den Drang nach der Futterkrippe; wenn 
Wm | nurdie Herren von der Deutschen Demokratischen Partei 
=- Daß er natürlich nicht allein daran gestorben ist, ist nicht so wären, so daß wir immer gezwungen wären, uns zur 
selbstverständlich. Jutterkrippe zu drängen. 
(Erneute Zurufe) (Lachen links = Hört, hört! rechts) 
| Venn =< das nicht verstehen wollen, will ich nicht der Sie mögen zu dieser Frage stehen, wie Sie wollen; das ist 
Interpret dafür sein. Ihr gutes Recht, aber gehen Sie dann bitte nicht in das 
Auch die Herren der Deutschen Demokratischen Volk8- Land hinaus und behaupten Sie, daß Sie eine bürgerliche 
partei schienen einen Standpunkt einzunehmen, der von Partei seien, die bürgerliche Interessen zu wahren sich be- 
dem Standpunkt, den ich eben nicht gerade als nen be- redtigt fühlt. 
zeichnet habe, nicht so sehr weit entfernt ist. Darf ich Sehr richtig! recht3 =“ Zurufe link3 
Ihnen einmal sagen, was ich Ihnen das letztemal schon . ns 6 9 n . H: 3 2 .. :al 
jagen wollte? Ich fuhr eines Tages im D-Zuge mit Herrn Wir unters jeiden bewußt in diesem Falle: wenn Sie jozia 2 
Richthofen von Osnabrüc> und auch mit Herrn Abgeord- demokratischen Grundauffassungen zum Siege verhelfen 
neten Wachhorst. Ich bedauere, daß Herr v. Richthofen wollen =- und das tun Sie --, wenn Sie überall Bürgexr- 
nicht hier ist; das leßtemal ist er hier gewesen. I< fuhr meister und Landräte aus den Sozialdemokraten nehmen, 
alfo im Zuge mit Herrn v. Richthofen und Herrn Wach- v91 denen Sie in Ihrer politischen Überzeugung entfernt 
horst zusammen und unterhielt mich mit Herrn Wachhorst. stehen, dann werden Sie zugeben, daß Sie unter keinen 
Gerr v. Richthofen kam dazu und erklärte, nachdem er sich Umständen den Beifall Ihrer Leute auf dem Lande finden 
mie vorgestellt hatte: wenn wir Ihre deuts<h- wPerden. (Zuruf) 
volfsparteilichen Landräte und Bürger- 
nt : iste : hier in der Nin erst abgesägt haben -- M -. Da3 werden wir abwarten. 
as wird in nächster Zeit geschehen =, dann ist Ihre Sie mi . - IGET 
Deutsche VolkSpartei absolut aus den Angeln gehoben. Als SW + AE Bes ET WR EIGE TUN 
ich erflärte, er verstände sehr viel, aber von den Sachen in urüdfommen. Herr Dr Friedberg sprach davon wir seien 
der Provinz Hannover verstände ex nichts, obwohl er dort 3 EHUD DVerg M I 
gewährt. sei ertlärte er: - Ihr! OPErPTäfid ent wird ihm zu reaftionär und wir seien ein Anhängsel der 
jhon in den nächsten paar Wochen fliegen; dafür werden Deutichnationalen. 
wir sorgen. (Sehr richtig! links) 
(Hört, hört! rechts) E3 läßt sich gewiß darüber streiten, ob es von Herrn 
Einstweilen ist der Herr Minister des Innern noch nicht DE SticD erg gerade fehr gorünien ist, 
dazu gefommen. I< habe Herrn v. Richthofen entgegen- (große Heiterkeit) 
sehalten: wenn Sie sich auf diesen Standpunkt stellen daß ex sich berufen fühlt, seinen alten politischen Freunden 
wollen, wie wollen Sie sich dann zu den Wahlen, die wir einen solchen Vorwurf zu machen. Wir meinen jedenfalls, 
sir die Bürgermeister und Landräte haben, stellen? =- daß wir uns bislang gescheut haben, gerade die Persönlichkeit 
+ erflärte er mit dürren Worten: es ist für uns von der des Herrn Dr Friedberg zum Ziel unserer Angriffe zu 
euts<men Demokratischen Partei selb- machen, aber nach dem heutigen Verhalten des Herrn 
verständlich, daß wir bei einem Wahlkampf zwischen Dr Friedberg kann ich ihm sagen, daß ich für meine Person 
gem deu ie Tp art ei ich en 3: wr rbe NEE absolut feine Veranlassung habe. diese Rücksicht zu nehmen. 
mehrheitssozialdemokratishen Be- . I | , 
werber in all en 'Zällen den mehrheitsivzialistischen (Lebhafte Zurufe bei der Deutschen Demokratischen Partei) 
Kandidaten nehmen werden. Wir sind uns darüber klar: wir haben es bei einem andern 
TEE EETN 4 WER H Herrn erleben müssen, der aus unseren Reihen ausschied 
(Sehr gut! links =- Hört, hört! re<t2) und nachher am allerstärksten in das Horn gegen die alte 
= Selbstverständlich ist e3 gut, daß Sie das auc no< nationalliberale Partei gestoßen hat, das war Dr Diederich 
bestätigen. Ich habe Herrn v. Richthofen damals gesagt, Hahn. Wenn Sie, Herr Kollege Friedberg, sic) mit dem auf 
ich hätte das längst gewußt; es wäre mir interessant, daß eine Stufe stellen wollen, dagegen habe ich nichts. 
Ct mir das authentisch bestätigt, und ich würde von dieser Die Dortmunder Zeitung hat Herrn Dr Friedberg 
seiner Äußerung in der breitesten Öffentlichkeit Gebrauch wenige Tage nach. der Beratung, nach meiner Auffassung 
machen. Er sagte mir: dagegenhabeichnic<htö3ein- mit aller Gründlichkeit, gesagt, wie wenig Berechtigung er 
101. Sitg Lande8vers. 1919 555
	        
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