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84. bis 98. Sitzung (18. November bis 13. Dezember 1919) 89. Sitzung. Mittwoch den 3. Dezember 1919

Full text : Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Ausgabe 6.1919/21 84. bis 98. Sitzung (18. November bis 13. Dezember 1919) (Public Domain)

7083 BVerfassunggebende Preußische Lande38versammlung 89. Sizung am 3. Dezember 1919 7084
sUnterrichtShaushalt - - Ministerium, Kultus Neuen beruht ja meist darauf, daß man mit diesem
usw] Neuen sich noh nicht beschäftigt hat.
[Frau Dr Wegscheider, Abgeordnete (Soz.-Dem.)] (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei)
nur im Ministerium, sondern auch in den Provinzial- ES ist das die natürliche Ablehnung des nicht mehr ganz
schulfollegien Frauen an entscheidender Stelle an der jungen Menschen gegenüber allem Ungewohnten. Diese
Verwaltung teilnehmen. natürliche Ablehnung kann "M überwunden Mennen
7 ; 2 ; . wenn auch von der Verwaltung her ein neuer, ein frucht-(Sehr
 gut! bei der Sozialdemokratischen Partei) barer Geist ausströmt, ein Geist, der niht mehr nur zu
Es ist Zeit dafür. Uns Sozialisten ist ja das Frauen- reglementieren, zu regieren, jondern der lebendig zu
stimmrecht nicht zufällig erst dur< den 9. November in machen jucht. Noch jereicht -- und das ist kein Wunder
den Schoß gefallen.- = Der Heilige Pr ratius auf außerordentli< vielen
jolher Büro3. ex heilige Bürokratius ist viel zu fest
(sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Partei) verwurzelt in diesen Büros, als daß er so schnell schwinden
. . . ; N . könnte. Ja, man muß sogar zugeben, daß der heilige
jondern, wie es immer Parteigrundsaß war, es im ersten Bürokratius augenblilih immer noch die Aufgabe hat,
möglichen Augenbli> zu verwirklichen, so ist es auc< eine die alte Ordentlichkeit in die neuen Dinge mit hinüber-Kulturfrucht,
 die gereift war und die nur abgepflüt zu zuführen, die alte verständige Anpassung an das Geseßwerden
 brauchte lihe. Aber das ist auch für den Herdes Dirnen
Zz 1.2067 4 ; ; nur eine leßte Zeit vor seiner Verabschiedung. 3
(Sehr gutt bei der Sozialdemötmiiihen Bet ne diefe Formen, dere Unerlälicteit ja/tlar liegt,
Die Massen, die hinter uns stehen, kennen die starke von pulsierendem, von jungem Leben durchdrungen
Trennung zwischen dem weiblichen und dem männlihen werden, dann wird eine solche Unstimmigkeit, wie sie jezt
Wesen, kennen alle diese großen Schwierigkeiten, die sih zwischen den einzelnen Gruppen der im Schulleben Verin
 den Entwilung3höhen der alten bürgerlichen Kultur einigten vorliegt, der Jugend, den Eltern, den Lehrern
gerade aus dem Verhältnis von Mann und Frau, aus und den regierenden Instanzen nic<t mehr eintreten.
diesem Sichauseinanderleben der individualistish zu- Mit dem heiligen Bürokratius sind gewiß nicht die Herren
gespißten, gerade die Gegensäße betonenden Wesen3art Juristen gemeint; sie sind an sich eine Notwendigkeit.
heraus ergeben, nicht -- diese Probleme sind dort nicht vor- (Heiterkeit)
handen. Hier sind Mann und Frau nicht gleich, o nein! Y
Eine öde Gleichmacherei, wie das Schlagwort heute heißt, Aber der fachtechnisc<he Mitarbeiter soll ihnen nicht nur
ist da gar nicht zu befürchten, sondern sie stehen neben- äußerlich gleichberechtigt zur Seite stehen, er soll die
einander al3 Wesen, die beide von unten her kommen Führung übernehmen. Der Fa<mann soll im Ministerium,
und jekt den Tag erkannt haben, an dem sie ebenso in soll in den Regierungen, soll in den Provinzialschuldie
 vordere Reihe treten können, wie vor ihnen die kollegien derjenige sein, der die Führung hat. Die Form
anderen. Der tiefste Sinn der bürgerlihen Frauen- für den Inhalt zu finden, gilt es, nicht erst die Form
bewegung wird erst durc< die sozialistische Auffassung zu geben und dann mühselig einen Inhalt zu suchen,
eigentlich erfannt und durchleuchtet. der diese Form kaum ausfüllen kann und dem es nie
- Aber nicht nur die Frau soll an der Verwaltung gelingen wird, diese Form lebendig zu machen. Der
teilnehmen, jondern ganz besonders fordern die Anträge, Ausdru> des Inhalts soll die juristische Form sein, nicht
daß Fachleute an der Verwaltung teilnehmen. Verehrte umgekehrt. Deswegen unterstüßen wir den Antrag Nr 6
Anwesende, die Verwaltungskörper, ganz besonders die und ähnliche Anträge wie den Antrag Nr 7, der ihn ex-Provinzialschulfollegien
 bedürfen ja einer großen Neu- gänzt, aber auch den folgenden Antrag Nr 8 unterorganisierung,
 einer großen Neubelebung. Sie haben sehr stüßen wir.
große neue Aufgaben bekommen, Aufgaben, die ernste Die körperliche Ertüchtigung der Jugend erscheint,
Schwierigkeiten machen. Das Verhandeln mit Lehrer- wie der Antrag selbst sagt, von der größten Bedeutung.
täten, mit Elternräten, das Vorhandensein einer organi- Sollte do< überhaupt die Jugend mehr als bisSher die
sierten Jugendvertretung an den einzelnen Schulen in Hauptsache bei der Schule werden. Die Jugend ist nicht
den VertrauenZ3ausschüssen oder Schülerbeiräten, oder wie nur Objekt der Schule, sondern sie ist ihr eigentlicher
man diese Dinge nun nennt, das gibt ihnen Aufgaben, Inhalt, die Jugend ist die Schule. Und daß diese
an die sie nicht gewöhnt sind; denn biSher hatten sie zu Jugend körperlich mehr ertüchtigt wird, daß sie vor allen
regieren oder hatten das, was vom Ministerium be- Dingen heute rechtzeitig gestählt wird, wo sich niemand
[<lossen war, einfach an die einzelnen Schulen zu über- mehr darauf ausreden kann: es kommt ja noh die
mitteln. Jetzt haben sie in Verhandlungen einzutreten Militärzeit, -- daß auch die weibliche Jugend durch Stählung
mit den Organen der nun wirklich vorhandenen schulischen des Körpers tüchtiger gemacht wird, das ist etwas, was,
Selbstverwaltung, und sie sollten außerdem die Möglih- wie allen Parteien, so auch uns als eine dringende Notfeit
 in sich - fühlen, Zentralstellen zu sein für die Ver- wendigkeit erscheint. Wir unterstüßen sowohl die Anträge,
Mutiung von pädagogischen Anregungen, pädagogischen die freie Pläge dafür fordern und Räume für Jugend-Reformen,
 pädagogischen Gedanken ihres Provinzbezirks, heime, die Anträge, die die Turnstundenzahl vermehren
ihres Arbeitögebiets. Hier sollten sie die Lehrerräte, sie wollen, ganz besonders aber auch die Anträge, die für
Iollten auch die gewiß mit der Zeit von den einzelnen die Schule und Fortbildungsschule freie und aufgabenfreie
Zhnien zu Krei3-, Bezirk8- und Provinzeliernräten zu- Nachmittage solcher körperlichen Übung widmen. Wir
len zufassenden Elternräte mit Aufgaben bedenken, sie wünschen, daß die gesamte Lehrerschaft ihre Pflicht darin
Olten die Lehrerschaft, auch ganz besonders die dem erblickt, in freudiger gemeinschaftlicher Arbeit mit dieser
heutigen Leben so feindselig gegenüberstehende Lehrer- Jugend zu leben und dieses große Werk zu vollbringen.
[Haft vieler höherer Schulen dadurch an das neue Leben Denn wenn wir nicht die körperlich gesunde Jugend
jewöhnen, daß sie ihnen Aufgaben stellen, durch deren haben, wie sollen wir dann die frohe Jugend haben ?
eistine Verarbeitung diese Lehrerschaft an die neuen Es geht durch unser Volk bis in seine jugendlichsten
ufgaben selbst sich gewöhnte; denn die Ablehnung des Mitglieder ein großes Traurigsein, ein großes Ent-89,
 Sitg Lande3vers. 1919
            
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