7079 Verfassunggebende Preußische Lande8versammlung 89. Sizung am 3. Dezember 1919 7080
[Unterricht8haushalt -- Ministerium, Kultus Kompromiß nötig war; sie haben erfannt, daß e3 nötig
ujw] ist. Denn es mußte zwischen den großen von dem
- Willen de3 Volkes getragenen Parteien eine Einigung
[Frau Dr Wegscheider, Abgeordnete (Soz.-Dem.)] stattfinden.
Verwaltungen aufhört; wir wünschen, gerade weil wir Das Schulkompromiß als Ausdruk> dieser Einigung
die Möglichkeit auch der wirklichen Entwielung religiöser muß von denen, die es beschlossen haben, gehalten und
Lebensimpulse für möglich halten, daß diese Dinge in exnst geachtet werden. Es muß infolgedessen die konreinlicher
Scheidung möglich j<nel vor sich gehen. Es fessionelle Volköschule weiter ermöglicht bleiben. Wir
find dies ja gar nicht unbedeutende Dinge. 1907 betrug legen aber den größien Wert darauf, daß das notwendige
die Gesomteinnahme der Kirche beider Konfessionen Neichsgeseß, das die Bestimmung der Verfassung, welche
65,2 Millionen, heute wird sie auf 100 Millionen und die simultane She os die Grundform, die weltliche
vom Reich auf noch höher geschäßt. Der Etat allein enthält Sd<ule als möglicht Form edenso wie die konfessionelle
„ine Summe von 38,5 Millionen in seinen verschiedenen Scule hinstellt, in nicht zu langer Zeit vorbereitet und
Kopiteln von 110 bis 116. Es find das außerordentlich dur<gearbeitet werde. Wir fordern außerdem, daß dex
große Ausgaben, die anders verwertet und anders gestellt Sinn dieses Kompromisses erhalten bleibe. Wir stehen
werden müssen, die auch nicht länger dazu dienen können, auf dem Standpunkt, daß die Bildung der jungen Lehrer
einen Vorwand dafür zu geben, die Ehule in konfessio- auf höheren Schulen zu geschehen hat, und daß das
nellem Sinne weiter zu beeinflussen. SIe : für Dien höheie Smien Nie Kön
Dann die zweite große Forderung, die freilich au eifipnalm m orsicht und insolgedesjen Die Dorzum
Schlagwort a + das Na ie 4 u bildung der Lehrer auf simultanen hößeren Schulen mögzin
Kiesel, der an den Rand des Baches gespült worden lic) und zu fordern ist. ;
ist, das eine Fahne ist, die vor der Masse in der neuen (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratishen Partei =
Zeit hergetrogen wird, die sie alle zusammenhält, der sie | Sehr unrichtig! im Zentrum)
niht untreu werden, =- dieses Schlagwort ist die Cin- ; | vie .
heitssc<hule, die Einheitss<hule in bezug auf den Aufbau Wir werden diese Forderung mit allem Nachdrud, den
von unten, in bezug darauf, daß alle Kinder des Wir nur entwideln können, aufrechterhalten und durchdeuts<en
Volkes zusammen geschult werden sollen. zusetzen suchen. Denn es geht uns nicht um die Ent-Verehrte
Anwesende, sreie Bahn dem Tüchtigen ist fernung religiösen Unterrichts aus der Entwieklung des
nur die eine und, ich muß es sagen, die unwesentlichere Kindes. Wir würden sehr zufrieden sein, wenn in jeder
Sache, die der Einheitsschule zugrunde liegt; der Tüchtige Schule ein wirklich religionskundlicher Unterricht erteilt
fönnte sich vielleicht auch ohne Einheitsschule durchsegen. "D- |
Mes Wesentliche ist, daß die Kinder unjerer bürgerlichen (Bewegung im Zentrum)
fulturtragenden Ehi<hten in äußerster Gefahr sind, mit Wir werden ihn erstreben, während uns der flache Moral-REIEN
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| 2 4 Gen, Ww ; atur des Unterri ericheint und von uns gar ni
Ango Dern mit dem Mutterboden des ge= erst in Betracht gezogen wird. y
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(sehr richtig! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten) us ME Kennen Sit ium enn)
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nicht nur in sprachlicher Beziehung, wo ja unsere hoch- 4 .
deuts<e Sprache der ständigen Verlebendigung durch die (Lachen im Zentrum)
Buh mit den Volksdialekten bedarf, um nicht abzuz Es werden andere über diese Dinge noc< ausführlicher
seven, mum in RDNR NEE BAUG GE en 4 Inf: sprechen. Man kann über den Unterricht eines Landes
Folkes fic) der Kinder | / get M F% M jel De nach den dafür bestehenden Bestimmungen und Lehrbüchern
rebrien EIT I Gt wn I di vn wn und der darüber bestehenden Literatur wohl ein all-Fen
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lihem Zusommenarbeiten aller Stände als jene notürliche
Ursprünglichkeit herausstellen, von der sich auch das ge<= (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei =
bildete Kind nicht ungestraft entfernen darf. Unruhe im Zentrum)
(Zustimmung links =- Widerspruch und Zurufe rechts) Auch Haun stehen nir auf dem Boden des Kom---
E8 ist das nicht eine Rovsseousche Illusion. Rousseau Ppromisses, daß er den Erziehungsberechtigten ==> wobei
ließ seinen Emile nicht in in ES when wir nur wünschen, daß dieser Begriff recht bald gründlich
Rousseou läßt ihn als echtes Kind des Bürgertums Privat- und genau geseßlic< definiert wird == das Recht gibt,
unterricht nehmen und privot erziehen. die Kinder, ehe sie das religionsmündige Alter erreicht
“Ee EE haben, in der Konfession zu erziehen, die sie wünschen.
(Sehr gut! links =- Zuse rc<ts) 5. ist uns da je ze Überzeugung heilig, Nie des
Das ist da8 bürgerliche eigentli ; 2. Katholiken, des Protestanten, des Juden, aber auch die
ideal. j Berüiehie eineni Rosennme ERLE jedes andern zuin jedes Freigeistes. Sede joll
(Wiederholt j8 dieses Recht haben. Das Elternrecht in der Schule ist
Si tanie ZWienerhoite Zune th 5 etwas, was als Prinzip des Kompromisses gerade unserer
Sie inheitsschule darf „av<h nicht auf die Tauer dur; Partei eine sehr erfreuliche Bereicherung des Schulwesens
ie Trennung der Konfessionen gefährdet werden. : zu sein scheint. 5 würden, verehrte Anwesende, iu
(Sehr richtig! bei Tan Saa : Deutschland auf Grund des Elternrec<tes allein niemals
r richtig! bei der rebsängigen Sozialdemokratischen zu der allgemeinen Schulung der Jugend gekommen sein;
aber wir sind jeßt in Deutschland so weit, daß durch die
nN Verehrte Anwesende, meine Freunde stehen auf dem generationenlange allgemeine Schulpfliht die Allgemeinoden
des Kompromisses. Sie bedauern, daß dieses heit des Volkes, alio auch der Eltern, eine solche selbst-89.
Sita Lande3vers. 1919