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Band Nr. 103

Volltext : Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Ausgabe 1915 (Public Domain)

ZentralbUtt  der  Bauvervaltung.

688

21».  foeata  itj|.

%

Wasserstände  zwischen  MNW  und  MW  vor,  ebenso  an  der  Eins  und
den  meisten  Nebenflüssen.  An  der  Netze,  Havel  und  Spree  hatten
sie  dabei  durchschnittlich  die  für  November  normale  Höhe,  an  der
Warthe  waren  sie  etwas  höher,  an  den  Flüssen  im  Westen  etwas
niedriger.
Der  starke  Frost,  der  gegen  Ende  des  Monats  in  ganz  Deutschland
herrschte,  rief  sowohl  in  den  östlichen  wie  in  den  westlichen  Stromgebieten ­
  lebhafte  Eisbildung  hervor.  Zum  Stehen  kam  das  Eis  u.  a.
im  Rußstrom  und  in  der  Oilge,  zuletzt  auch  schon  im  ungeteilten
Meinelstrom,  im  Pregel,  in  den  Mündungsarmen  der  Nogat,  in  der
Warthe  bei  Posen,  in  der  Oder  an  den  Breslauer  Wehren  sowie  im
Mündungsgebiet  des  Stromes  (West-  und  Ostoder)  und  in  der  Weser
oberhalb  ihrer  Wehre.  Besonders  schnell  dehnte  sich  die  Eissperre
über  die  Kanäle  und  kanalisierten  Flußstrecken  aus,  so  z.  B.  im
Gebiete  der  märkischen  Wasserstraßen,  Meist  dauerte  sie  aber  nur
kurze  Zeit.
Wasserstände  im  November  1915.

Gewässer

Pegelstelle

November  1915

MW
Nov.

Jahresmittel  U6/16 4 )

NW

uw

HW

MNW

MW

MHW

Memel

Tilsit

63

OO

215

1S9

80

239

602

Pregel

Insterburg 3 )

—38

22

74

1

—48

37

362

Weichsel

Thorn

63

97

188

78

—4

137

463

Oder

liatibor

166

20G

262

154

76

181

605

>?

Frankfurt

210

232

259

126

57

163

375

Warthe

Landsberg

24

59

78

23

—36

60

237

Netze

Vordamm

—  11

15

30

11

-37

27

137

Elbe

Barby

132

199

282

116

28

177

451

J?

Wittenberge

164

211

262

130

50

J92

435

Saale

Trotha  U.  P.

130

152

170

182

121

212

486

Havel

Rathenow  U.  P.

38

47

57

50

6

89

160

Spree

Kersdorf  U.  P.

240

257

293

254

19G

255

345

Weser

Minden

176

189

206

241

164

266

563

Aller

Westen

184

195

206

260

186

293

480

Ems

Lingen

—122

-88

-40

—32

-136

—26

233

Rhein

Maximil.-Au

311

350

426

356

286

426

668

n

Kaub

110

142

199

170

100

236

501

n

Köln

75

117

209

189

78

261

621

Neckar

Heilbronn

20

36

88

75

18

97

415

Main

Hanau

102

103

121

141

95

161

397

Mosel

Trier

8

47

138

98

—2

100

450

')  November  der  Abilußjahre  1896/1915,  also  der  Kalenderjahre*
1895/1914.
2 )  Ebenfalls  Abflußjahre  (=  1.  Nov.  1895/31.  Okt.  1915).
s )  Bei  Insterburg  enthalten  die  letzten  vier  Spalten  Mittelwerte
aus  den  Abflußjahren  J908/15.
Berlin.  Karl  Fischer,
Wilhelm  Werner  Nach  kurzem,  schwerem  Leiden  ist  am
1*2,  Mai.  1915  der  Geheime  llegierungsrat  und  etatmäßige  Professor  für
Geodäsie  an  der  Technischen  Hochschule  Berlin  Wilhelm  Werner
verschieden.  —  Am  13.  Juni  1850  in  Mühlhausen  l.  Thüringen  geboren,
besuchte  er  in  Erfurt  das  Realgymnasium,  auf  dum  er  auch  das  Reifezeugnis ­
  mit  Auszeichnung  erwarb.  Darauf  widmete  er  sich  auf  der
damaligen  Gewerbeakademie  in  Berlin  dem  Studium  der  technischen
Wissenschaften  und  wurde  hier  mit  mehreren  Preisen  ausgezeichnet.
Schon  1873  wurde  er  Assistent  am  Geodätischen  Institut  in  Potsdam,
das  damals  unter  der  Leitung  vom  General  Baeyer  stand.  Hier  bot  sich
dem  jungen  Geodäten  Werner  reichlich  Gelegenheit  zu  Arbeiten,  die
seinen  Fähigkeiten,  genaue  wissenschaftliche  geodätische  Messungen
und  Berechnungen  auszuführen,  entsprachen.  Werner  würde  der
geodätischen  Sektion  unter  Professor  Sadebeck  zugeteilt,  die  zunächst
den  Auftrag  hatte,  Triangulierungsarbeiten  zur  Verbindung  der  vorhandenen ­
  Triangulationen  unter  sieh  und  mit  den  Nachbarstaaten
rfuszuführen.  Er  beteiligte  sich  1873  bis  1876  an  den  Winkelmessungen
des  märkisch'hessischen  Netzes  und  1877  an  denen  des  rheinischen
Netzes.  Darauf  bestimmte  er  im  Harz  zur  Ermittlung  der  „Lotabweichungen“
  die  geographischen  Breiten  für  sechs  Stationen  und  die
Azimute  für  sieben  Stationen.  Als  es  sich  darum  handelte,  in  Helgoland ­
  einen  Fiatmesser  aufzustellen  und  zu  dem  Zweck  die  Höhenlage
eines  Punktes  auf  Helgoland  durch  trigonometrische  Höhenmessungen
von  Neuwerk  und  Wangeroog  aus  festzulegen,  beobachtete  Werner
mit  Sadebeck  1878  die  Zenitdistanzen  auf  Neuwerk.  Als  dann  später
die  Höhenlage  des  Pegels  auf  Helgoland  gegen  den  Pegel  in  Kuxhaven
  bestimmt  werden  sollte,  führte  Werner  das  dazu  erforderliche
geometrische  Nivellement  zusammen  mit  Professor  Dr.  Börsch  aus.
1884  und  1885  beobachtete  Werner  zur  Verbindung  der  schlesischen

Grundlinie  mit  den  sächsischen  Dreiecken  die  Winkel  auf  vier
Stationen  zusammen  mit  Börsch.  I8t>6  und  1887  führte  Werner,  der
schon  vorher  zum  ständigen  Hilfsarbeiter  ernannt  war,  •  das  „astronomische ­
  Nivellement“  im  Harz  von  Braunschweig  bis  zur  dänischen
Grenze  aus,  welches  in  der  Bestimmung  von  „Lotabweichungen“  mit
kleinen  Punktabständen  von  etwa  10  km  in  meridionalen  Zügen  besteht. ­
  —  1887  wurde  Werner  als  Professor  für  Geodäsie  an  die  Technische ­
  Hochschule  in  Aachen  berufen.  1902  folgte  er  einem  Rufe  als
Professor  an  die  Technische  Hochschule  in  Berlin.  —  28  Jahre  ist
also  Werner  als  Hochschullehrer  tätig  gewesen.  Alle,  die  ihm  näher
standen,  Lehrer  und  Studierende,  bewunderten  seine  außerordentliche
Arbeitskraft  und  seinen  unermüdlichen  Eifer,  Er  kannte  keine  Rücksicht ­
  auf  sich  selbst,  seine  ganze  Kraft  stellte  er  in  den  Dienst  des
Hochschulunterrichts  und  war  stets  darauf  bedacht,  die  Studierenden
in  jeder  Weise  zu  fördern.  Der  Dank  für  seine  Mühen  blieb  nicht
aus.  Oft  genug  kamen  Briefe  von  Herren  aus  der  Praxis,  die  sich
für  den  ihnen  auf  der  Hochschule  gebotenen  Unterricht  bedankten.
Bei  seinen  Amtsgenossen  genoß  Werner  das  größte  Vertrauen.
So  wurde  er  in  Aachen  1888/89,  1891/92,  1895/96  und  1899/1900  zum
Abteilungsvorsteher,  in  Berlin  1904/05  zum  Senator  und  1905/06  zum
Abteilungsvorsteher  gewählt.  1905  wurde  ihm  der  Charakter  als
Geheimer  Regierungsrat  verliehen,  1910  erhielt  er  den  Kronen-Orden
IIL  Klasse,  1913  den  Roten  Adler-Orden  IIP  Klasse  mit  der  Schleife,
Dr.  H.  Wolff.
Bücherschau.
Alois  v.  Negrelli.  Die  Lebensgeschichte  eines  Ingenieurs.  Von
Alfred  Birk.  Erster  Band:  1799  bis  1848.  In  der  Heimat,  in  der
Schweiz,  in  Österreich.  Wien  u.  Leipzig  1915.  Wilhelm  Braumüller.
X  u,  274  S.  in  gr.  8 Ü  mit  einem  Bildnis.  6  JC,  geh.  7,Ü0M-Alois
  v.  Negrelli,  Sohn  eines  echt  italienischen  Vaters  und  einer
deutschen  Mutter,  1799  in  Primiero  in  Südtirol  geboren,  wo  jetzt
unsere  österreichischen  Bundesgenossen  die  treulosen  Italiener  blutig
abwehren.  zuerst  im  Bereiche  der  italienischen  Sprache  aufgewachsen,
fühlte  sich  doch  in  seinem  späteren  Leben,  wie  er  selbst  ausgesprochen,
mehr  deutsch.  Nachdem  er  am  Schluß  einer  heutigen  Anschauungen
nicht  ganz  entsprechenden  Ausbildung  mit  21  Jahren  die  Prüfung
zum  Baupraktikanten  abgelegt  hatte,  folgte  eine  Tätigkeit  im  Straßenund
  Wasserbau  in  Tirol  und  Vorarlberg  bis  1832.  Seine  Bewährung,
namentlich  bei  den  ihm  übertragenen  Rheinwehrbauten,  führte  sodann
zu  seiner  Berufung  nach  der  Schweiz,  wo  er  vor  immer  größere  Aufgaben ­
  gestellt  wurde.  1840  erging  an  ihn  der  Ruf,  nach  Österreich
zurückzukehren,  um  die  Bauleitung  der  Kaiser-Ferdinand-Nordbabn
zu  übernehmen.  Die  reiche  Bautätigkeit,  die  er  in  dieser  Stellung
entwickelte,  ließ  ihm  noch  Zeit  und  Neigung  zur  Ausarbeitung  von
Verkehrsplänen  für  Tirol  und  für  die  Schweiz.  Er  ist  der  Schöpfer
des  Entwurfs  und  beratende  Sachverständige  für  die  Ausführung  der
Eisenbahnverbindung  Zürich—Basel.  Von  1842  bis  1848  wirkte  er  in
der  Generaldirektion  der  Staatsbaimen.  Von  da  als  Sektionschef  in
das  lieugegründete  Ministerium  der  öffentlichen  Bauten  berufen,  wurde
er  bereits  nach  drei  Monaten  in  besonderem  Aufträge  nach  Oberitalien ­
  gesandt.
ln  dem  hier  nur  angedeuteten  Rahmen  gibt  der  Verfasser  ein
anschauliches  Bild  von  dem  Leben  und  Wirken  eines  hervorragenden
Ingenieurs,  der  an  der  Wiege  der  österreichischen  Eisenbahnschöpfungen
  gestanden  hat.  Wenn  wir  erfahren,  wie  Negrelli  kraft  seiner
technischen  und  politischen  Begabung  und  seinem  weiten  Blick  in
einer  Zeit  gewaltiger  technischer  Fortschritte  als  Pionier  wirkte  und
auch  unter  den  verwickelten  politischen  Zeitverhältnissen  zu  besonderen ­
  Leistungen  befähigt  war,  wenn  wir  ihn  als  liebenden  Sohn
und  Gatten  und  treu  sorgenden  Familienvater  kennen  lernen,  so  bilden
alle  diese  Schilderungen  doch  nur  einen  Bruchteil  des  Buchmhalts,*
Die  dem  Leser  vorgeführte  Lebensgeschichte  erweitert  sich  unter  den
Händen  des  Verfassers  zu  einem  Ausschnitt  aus  der  Zeitgeschichte.
Wir  lernen  die  Zustände  der  Straßen-  und  Wasserbautechnik  der
damaligen  Zeit  und  die  Stellung  ihrer  Vertreter  kennen,  wir  erhalten
lebensvolle  Eindrücke  aus  der  ersten  Entwicklung  des  Eisenbahnwesens. ­
  an  der  Negrelli  tatkräftig  mitgewirkt  hat.  Alles  dies  wurzelt
aber  in  den  bewegten  Vorgängen  der  staatlichen  Entwicklung,  die
den  bis  dahin  selbstherrlich  gelenkten  Staaten  Mitteleuropas  eine
freiere  Regierungsform  gaben.  Hier  und  da  mag  dem  Leser  die  Fülle
des  mitgeteilten  Stoffes  etwas  ermüdend  erscheinen.  Im  ganzen
erhält  er  ein  fesselndes  Bild  aus  einer  Zeit,  die  für  unsere  heutige
Technik  grundlegend  war  und  deren  politische  Ereignisse  durch  die
Gegenwart  erhöhte  Bedeutung  gewinnen.  Mit  Spannung  darf  man
dem  zweiten  Bande  entgegensehen,  der  das  letzte  Lebensjahrzehnt
Negrellis  schildern  und  mit  der  Vorgeschichte  des  Suezkanals  seine
schöpferische  Tat  zur  Darstellung  bringen  soll.
Berlin.  Cauer.

Ende  des  Jahrgangs  1915.
Verlag  von  "Wilhelm  Ernst  &  Sohn,  Berlin.  —  Für  den  nichtamtlichen  Teil  verantwortlich:  Fr.  Schnitze,  Berlin.  —  Druck  der  Buchdruckerei  Gebrüder  Ernst,  Berlin.

Nr.  103,
            
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