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50. bis 66. Sitzung (18. September bis 16. Oktober) 51. Sitzung, Freitag den 19. September 1919

Full text : Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Ausgabe 4.1919/21 50. bis 66. Sitzung (18. September bis 16. Oktober) (Public Domain)

4071  Verfassunggebende Preußische Landesversammlung 51. Sizung am 19. September 1919: 4072
[Erhebung von Zuschlägen im Güter- und Tier- EZ wird nun die Frage aufgeworfen werden, ob aus
verfehr] der Entlassung der überzähligen Arbeitskräfte sich
Schwierigkeiten ergeben, konnen us au rrüßen
Dr ich), „nat. V-P.)] in der Arbeiter- und Beamtenschaft zu befür<ten sind.
! Seelmann (Erich) Ahnenhneter S EE PI Hier muß einmal gefragt werden, ob für sol<e Fälle der
Arbeiter diesen Zustand als höchst unerwünscht, auf die Herr Minister bereit wäre, die Arbeitswilligen zu schüßen,
Dauer unerträglich bezeichnet haben, und wie es mit der Behandlung der bei den früheren
( ihtig! ig Streiks beteiligten Beamten und Arbeiter steht. Meine
sehr richtig! rechis) Freunde haben in der Beziehung Anfragen gestellt, die
und es ist von mir dazu besonders hevorgehoben worden, Lisher nicht beantwortet worden sind. Wenn wir
daß die Arbeitslust und Arbeitsfreude bei den Arbeitern Ordnung im Eisenbahnbetrieb haben wollen, muß diese
notwendig darunter leiden muß, Frage in klarer Weise gelöst und beantwortet werden.
(sehr richtig! rechts) (Sehr richtig! bei der Deutsc<h-nationalen Volkspartei)
und zwar nicht allein im Eisenbahnbetrieb, sondern auh Da sind die Gesichtspunkte, die ich für meine politischen
an allen anderen Arbeitsstellen, ie die Arbeiter am Freunde zum Ausdruf zu bringen hatte. Wenn die
einander in Berührung kommen. Wir können aus der Bedenken, die von uns ausgesprochen sind, wie wir an-Begründung
 der Vorlage nichts darüber entnehmen, ob nehmen, hier im Hause oder im Ausschuß behoben werden
der Zustand beseitigt ist. Die Beseitigung des Zustandes kn “ WPI0CH MIET Peti Fane Der Sine
halten aber meine Fru |“ unbedingt nötig. DE Dei DUUSTOUSAUSIONE! ZU
(Sehe: rchtim? remis) (Bravo! bei der Deutsc<h-nationalen Volkspartei)
Das soll nicht bedeuten, daß diese 170 000 Arbeiter nach
unserer Meinung plößlich auf die Straße geworfen werden Vizepräsident Dr Porsch: Da3 Wort hat der
und ganz erwerb3lo3 und unterstüßungslos dastehen sollen. Abgeordnete Paul Hoffmann.
Hier muß einstweilen die Erwerbslosenfürsorge eintreten,
über die das Haus sich wahrscheinlich demnächst näher Baul Soffmann, Abgeordneter (U. Soz.-Dem.):
zu unterhalten haben wird. Vom Standpunkt einer ge» Meine Damen und Herren! Die Frachtsäte für Güterjunden
 Eisenbahnverwaltung aus kann aber der biSherige und Tierverkehr sollen erhöht werden. Die Begründung
Zustand nicht bestehen bleiben, daß die Eisenbahn- liegt in der Defizitwirtshaft. Wir werden um diese
verwaltung gewissermaßen Erwerbslosenfürsorge treibt. Dinge nicht herum kommen. Es ist selbstverständlich,
Wollen wir überhaupt gesunde Zustände in dem Eisen« daß für die Ausgaben, die gemacht werden, auch De>ung
vahnfinanzwesen haben und nach dem Grundsaß wirt- gesucht werden muß. Auch wir werden dieser Vorlage
schaften, daß die Eisenbahn ihre Ausgaben aus den Be nach Lage der Verhältnisse zustimmen müssen. Wir
triebSeinnahmen zu deen hat, und sollen die Tarife [o stehen selbstverständlich auch, wie bereits von dem Herrn
gestaltet werden, daß der Erfolg erreicht werden kann, Vorredner hervorgehoben worden ist, auf dem Standpunkt,
jo muß ein Ende damit gemacht werden, daß die Eisen- daß ein Betrieb, wie der' Eisenbahnbetrieb, sich selbst
bahnverwaltung Aufgaben löst, füc die andere Rec<t8- ohne Zuschüsse der Gesamtheit, erhalten muß. Wir
träger da sein müssen. Sonst werden wir nie die ge= bekämpfen aber auch jene3 System, welches bei den Eisenshäftlihen
 Ergebnisse der Eisenbahnverwaltung richtig bahnen in früheren Jahren unter dem alten Regime
übersehen können. Wir bitten den Herrn Minister um geübt wurde, jenes System, daß auf Kosten der breiten
Aufklärung, wie es mit der Beschäftigung der über- Urbeiterschihten Überschüsse erzielt wurden, und zwar
zähligen Arbeitskräfte in der Cisenbahnverwaltung steht, auf Grund der geringen Bezahlung und der langen
ob schon Arbeitsfräfte abgestoßen sind, und wann das YrrbeitSzeit.
eventuell geschehen wird. In der Begründung dieser Vorlage heißt es auch =-E3
 ist nach Ansicht meiner politischen Freunde ferner und es hat auch der Vorredner darauf Bezug genommen --,
die Frage aufzuwerfen, ob nicht noh weitere Ersparnisse daß durc< Streiks und gesunkene Arbeitskraft die
in den Au8gaben möglich sind. I< möchte mir erlauben, Leistungsfähigkeit zurückgegangen sei, und daß auch dieser
hierbei auf folgendes aufmerksam zu machen. Unser Zustand, in dem wir uns befinden, darauf zurü&zuführen
ETisenbahnbetrieb ist außerordentlich eingeschränkt, troß- sei. Diese Begründung ebnet ja den Weg für. die
dem ist die Zahl der Kontrolleure und Aufsichtsbeamten reaktionären Bestrebungen zur Bekämpfung der Arbeiterin
 derselben Höhe gehalten, oder es scheint vielmehr ihre schaft. Der jeßige Zustand, der dieses gewaltige Defizit
Zahl noc< erhöht zu sein, so daß gewissermaßen auf hervorgebracht hat, ist nicht herbeigeführt worden, wie es
jeden tätigen Beamten ein Kontrolleur oder Aufsiht8- in der Vorlage heißt und worauf sich auch die Redner
beamter kommt. Das ist vielleicht etwas drastisch au8- beziehen, durch die Streiks und die Arbeit3unlust, sondern
gedrüdt und übertrieben. Aber die Ansicht, daß wir durch den Krieg. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien
nach den gegenwärtigen Betriebsverhältnissen zuviel Aufz werden aber nicht müde -- sie haben es heute wieder
sicht3personal haben, daß hier erspart werden könnte, so- hervorgehoben =, den Zusammenbruch der Wirtschaft,
lange die Eisenbahn so geringe Betriebsleistungen auf- die jetzigen wirtschaftlihen Zustände auf das Konto der
weisen kann, wird offenbar än (ENE NgnnerItisen geteilt Revolution zu buchen.
und wird kaum zu widerlegen sein. enso werden ee
wahrscheinlich in den Werkstätten vielzu viel Werkmeister (Sehr. rimtig: ems)
vorhanden sein, angepaßt der Zahl der wirklich vorhandenen -- Das ist sehr unrichtig, =-- Sie werden auc<h nicht
Arbeiter, ohne daß für die Arbeiter und Werkmeister müde, die Arbeiterschaft der Faulheit änzuklagen, zu
eine Tätigkeit da ist. Nun glauben wir nicht, daß hier- behaupten, daß dieser Zustand auf die Faulheit der
bei Ersparnisse in die Hunderttausende eintreten können; Arbeiter zurückzuführen . sei. Diese Darstellung ist eine
immerhin sind e8 Ersparnisse, die bei dem ungünstigen ganz infame Unterstellung, und ganz besonders trampeln
Stand des Eisenbahnetats nicht abgewiesen werden dürfen. tie auf den Bergarbeitern herum, indem sie ihnen vor-51.
 Sitg LandeSvers. 1919
            
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