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156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) 172. Sitzung. Sonnabend den 30. Oktober 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue10.1919/21 156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) (Public Domain)

13397 BVerfassunggebende Preußische Landes8versammlung 172. Sitzung am 30. Oktober 1920 13398 
[Verfassung für Preußen] DesSwegen mache ich keiner Seite dieses Hauses einen Vor- 
= " wurf, ich erhebe keine Anklage, ich konstatiere lediglich ge- 
[Dr Lauscher, Abgeordneter (Zentr.)] shichtlihe Tatbestände, wenn ich sage: das alte Preußen 
länder unbedingt erwarten --, es ist gesagt worden: der hat an Oberschlesien und am oberschlesischen Volke so sc<wer 
Staatsrat und überhaupt alles, was man jett in der Ver- ZefÜndigt,  WETELRESTUGEAT: 
fassung in der Richtung auf die Verselbständigung der (sehr richtig! im Zentrum) 
Provinzen schafft und festlegt, bedeute eine Erschütterung daß e3 nicht über einen Mangel an immanenter Gerechtig- 
des preußischen Staatswesens und damit eine Gefährdung keit der Geschichte klagen könnte, wenn Preußen die Folgen 
Deutschlands. I<h will Sie mit der Erörterung dieses dieser Vergehen zu tragen hätte. Es sind Mißgriffe ge- 
Problems nicht lange aufhalten. I< beschränke mi< wesen, ich urteile in keiner Weise über die moralische Seite 
darauf, das eine zu sagen, das allerding3 mit allem Nac<- der Sache, man war ehrlich überzeugt, die Germanisierung 
dru>: Wenn es nicht anders mögli ist, den sei das einzige Mittel, um diese Landschaften fest an 
Preußischen Staat zusammenzuhalten, als Preußen und Deutschland anzuschließen, man war davon 
mit den veralteten Methoden des mec<ha- überzeugt, und man hat in den Richtlinien, die sich aus 
nischen Zwanges, wie e3 die Vergangenheit dieser politishen Anschauung von selbst ergaben, gehandelt. 
getanhat, Gesebgebung und Verwaltung haben sich in dem Gleis be- 
(sehr wahr! im Zentrum) wegt, das ihnen durch diese politische Orientierung von 
. N | jelber gezogen war. Aber es ist nichts daran zu ändern: 
wenn man kein weiteres Mittel kennt oder der Erfolg dieser Politik ist natürlich schädlich gewesen. Wir 
zulassen will, um den Preußis<hen Staat hoffen zuversichtlich, daß niemand in diesem Hohen Hause 
aufrehtzuerhalten,als5 daß man die Politik ixgend etwas versäumen, irgend etwas ungetan lassen wird, 
der Gewaltsamkeiten, wie die Vergangen- yas geschehen kann, um das uns allen teuere Volk Ober- 
Heit sie zunächst in Einzelhandlungen wie schlesien3 dauernd an unser geliebtes deutsches Gesamtvater- 
Friedenss<hlüssen, Verträgen und der- sand geschlossen zu halten. Wir hoffen auch, daß der gesunde 
gleichen schuf und dann weiter zu dauernden Sinn der Oberschlesier, die do< wahrhaftig bei einex 
politis<en Zuständen sich verfestigen ließ, Trennung von Deutschland auch allerlei zu verlieren hätten, 
dann -- das gesteheich Ihnen ganz ehrlic< - NSE 
bin ic< der Meinung, daß der Preußische (jehr richtig! im Zentrum) 
Staat verloren ist. ser genus sein 22 die WERNE an 
1; ie Interessengemeinschaft, die ershlesfien mit Deutsch- 
ehr wahr im Zenttum) land verbinden, so lebhaft zu empfinden und [so energisch 
daß er naturnotwendig auseinanderfallen auch praktisch sich auswirken zu lassen, daß wir einen-Ver- 
muß. I< bin aber der Meinung, daß das, was Sie vom lust Oberschlesiens für Deutschland nicht zu befürchten 
Standpunkt der Rechten und, von anderen Gesichts3punkten haben. Aber die Krise, die dort entstanden ist, die Sorge, 
aus, auch vom Standpunkt der Linken für eine Gefahr die wir in dieser Stunde zu tragen haben, meine Herren, 
halten, nicht verstärkt, sondern im Gegenteil verringert das muß ich aufrechterhalten, ist die Folge, die Aus- 
wird, wenn Sie dazu beitragen, daß die Provinzen, soweit wirkung einer verfehlten Politik, die an diesem Lande und 
es Zuerhonpt 59m ist - dei De SENE iin ins an diesem Volke geübt worden ist. 
viele, eben wegen der großen Verschiedenheit der einzelnen > 14047 
Bestandteile Preußens --, soweit es möglich ist, sich in (Sehr wahr! im Zentrum) 
Preußen wohl fühlen. I< will nicht behaupten, meine Herren, daß das in dem 
Herr Kollege Heilmann hat vorhin auch auf Ober- gleichen AuS8maß auch etwa im Rheinland der Fall ge- 
Ihlesien exemplifiziert. Es war, glaube ich, ein hervor- wesen sei, =- in dem gleichen Ausmaß, das wäre eine un- 
ragend unglücklicher Gedanke, sinnige Übertreibung. Das eine aber ist sicher, daß auch die 
| rheinische und speziell die katholische Bevölkerung über eine 
Zustimmung des Abgeordneten Beyer (Oberschlesien)) ganze Reihe von Dingen im alten Preußen Grund hatte, 
Oberschlesien als Beweis dafür anzuführen, daß es keinen iO Leschwert zu fühlen, 
Zwe habe und zu keinem Erfolge führe, den Provinzen (sehr wahr! im Zentrum) 
iE Antenne nberha SEU Schpitänbigteit and und diese immer wieder erhobenen' und niemals berüc- 
säumt hat, sich beizeiten vorzusehen, dann hat man aller- sichtigten und abgestellten Klagen und Beschwerden sind der 
dings nachträglich das Nachsehen. Grund dafür, daß der ursprünglich vorhandene gute Wille, 
sich in Preußen einzuleben und mit Preußen auszukommen, 
(Sehr wahr! im Zentrum) im Laufe der Jahrzehnte eine Schwächung erlitten hat, die 
. . EEE Ee . dann schließlich zu der bekannten Rheinlandbewegung ge- 
Klugheit und Gerechtigkeit, die sich erst einstellen, nachdem 78674 hat und <arakteristischerweise ihren Ausdrue gefunden 
das Haus bereits in Flammen steht, dürfen sich nicht be- ; Je 
EN | . ; hat in der befannten Parole „Los von Berlin“. 
tagen, wenn es ihren verspäteten Bemühungen nicht. mehr Der Herr Abgeordnete Heilmann hat mir die Be 
Delft, dus Brennende naus au Iten. Ihläfse der 1heinischen Demokratie aus Jüngster" Zeit ent- 
(Sehr gut! im Zentrum) gegengehalten. Sie haben mir damit einen Gefallen getan, 
Es fällt mir gar nicht ein, nach irgendeiner Richtung hin DIE Ron: Deine und mbh RE RUEPEEN 
die Leidenschaften zu schüren, irgend etwas wie eine Heß- : | | 
rede zu gelsen Ih meine Nohrh0fn: wir haben in wnserem (Heiterkeit) 
armen deutschen Vaterlande sehr viel anderes und besseres ..m SAHIN ; : I. 
73 fun, als die orteigegenfäße und aud) == das fage 1 Ei Ne 
Ihnen, Herr Kollege Obuch, noc< ganz besonders -- die ei Bab ir insof inen Gefalle =< t 7 SI0ONUT 
Klassengegensäte stet8 von neuem aufzupeitschen. Ie HUN NN NIEREN . UAE 208 Zi M 
Gelegenheit geben, mich selbst über meine politischen An- 
(Zustimmung) Ihauungen in diesem Punkte mit aller Unzweideutigkfeit und
	        
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