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156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) 170. Sitzung. Donnerstag den 28. Oktober 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue10.1919/21 156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) (Public Domain)

13235 Verfassunggebende Preußische Lande8versammlung 170. Sizung am 28. Oktober 1920 13236 
[Verfassung für Preußen] gewisser Seite beliebt wird. Ebenso könnte ich ja auch 
- verallgemeinern und könnte daraus, daß mancher Agrarier 
[Sirsch, Abgeordneter (Soz.-Dem.)] = "nd die Zahl derselben ait zii Je en während 
. : . ... “ es Krieges bereichert und während des Krieges un 
über die allgemeine politische Lage gehört "haben, wovon nachher das Volk ausgewuchert haben, den Schluß ziehen, 
ich Ihnen eben einige Proben gegeben habe, tiefstehend, daß "alle Aqrarier Ausbeuter des Volkes: find 
so war noch tiefstehender, und geradezu widerlih und 96 ae Qgrarier TZusdeuter des «<So:tes nnd. 
abstoßend die antesimitische Heße, die dort getrieben (Zuruf rec<ht38: Die Verfassung muß bis zum 15. November 
worden ist. fertig sein!) 
(Sehr gut! links -- Lebhafte Zurufe recht) -- Sind Sie der Präsident? 
Nach vein berühmten Muster „Haltet den Dieb!“ haben (Zuruf rec<ht8: Nein! -- Heiterkeit) 
die Herren in Hannover es versucht, die Aufmerksamkeit (53 Fässt mir gar nicht ein, einen solchen Schluß zu ziehen; 
von sich abzulenken. - aber ebenso gut verlange ich von Ihnen, daß Sie sich vor 
(Sehr richtig! links) Verallgemeinerungen hüten. 
; . ; ill auf da3 einzelne, was dort über die Juden 
Sie haben versucht, e3 so darzustellen, als ob nicht sie an I< will G ; | 
dem ganzen Unglüd schuld sind, unter dem wir heute gejant i pi Be RANE eing: hen: Gs war j tief- 
leiden, sondern die Juden. Sie haben weidlich gegen die stehend, daß es wirklich ni VYNE CS ADEN LZUFEUEN: 
Juden gewettert und sich sogar nicht ges<eut, zu Pogromen (Sehr richtig! links =- Zurufe rechts) 
zu heben. . | Sie wollen doch nicht bestreiten, daß zahlreiche jüdische 
(Hört, hört! links -- lebhafte Zurufe rechts) Mitbürgnt es in aun aM das, war je wee des 
Meine Herren, ih muß annehmen, daß Sie den Ver- rieges für die A gemeinheit geleistet AIN 49197 m 
handlungen nicht mit Aufmerksamkeit gefolgt sind und Felde als in der Sein getrost mit einem jeden von 
nicht einmal die ZeitungsSberichte darüber gelesen haben. Ihnen aufnehmen DINER . : : 
Ich sagte vorhin, daß Sie sich die Wirkungen Ihrer 
(Zurufe rechts) Rede in Hannover nicht überlegt haben, weder die 
I< war ja nicht dabei. Wirkung auf die Bevölkerung der übrigen deutschen Länder 
07 no< die Wirkung auf das Ausland, und ich füge hinzu, 
(Zurufe re<ht38: Na also!) daß Sie sich auch nicht überlegt haben, wel<e Wirkung 
Meine Herren, bringt denn Ihre Presse falsche Berichte? sol<e Reden auf die unreife Masse ausüben müssen. 
(Erneute Zurufe rechts) (Zuruf rechts) 
Ich bin sehr gern bereit, Ihnen nachher die Berichte der IH bin gern bereit zu sagen, daß die Masse, die Ihnen 
NN ER ern Mien 3) en Moher, < nachläuft, Herr Graef, reifer ist. als Sie selbst. 
(Zurufe rec<ht3: Verlesen! =- Lebhafte Zurufe links) (Sehr gut! bei der Sozialdemokratishen Partei) 
Sie müssen mir schon gestatten, daß ich sage, was i< für Haben Sie noch nicht genug damit, daß Sie das Bof 
angebracht halte. ix jo gamealoies Anglia im lend getrieben jane 
. ollen Sie dur re Tätigkeit dazu beitragen, daß da 
(Lebhafter Widerspruch und lebhafte Zurufe re<ts = eutsche und preußische Volk überhaupt nict zur Ruhe 
Glode des Präsidenten) kommt ? I< kann nur sagen, die Herren, die in Hannover 
. jol<he Reden gehalten haben, sind entweder politische 
- Präsident Leinert (den Redner unterbrechend): Kinder, die sich der Tragweite ihrer Hand- 
Meine Damen und Herren, ich möchte doh bitten, den lungen nicht bewußt sind und denen man deShalb 
Redner reden zu lassen, dem das Wort erteilt ist. Wenn mildernde Umstände zubilligen muß, oder es sind ganz 
die Beratungen so weiter fortgeführt werden, dann sind gewissenlose Elemente, die bewußt auf die Ver- 
die Stenönraphen nicht mehr in der Lage, die Verhandlungen ewigung der Not des deutschen Volkes hinarbeiten. 
aufauneamen. (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
Hirsch, Abgeordneter (Soz.= Dem.) (fortfahrend) : Nach dieser Abshweifung erlaube im mir, zu dem 
Meine Herren, wollen Sie bestreiten, daß dort eine Juden- eigentlichen Thema. zurückzukehren. 
hetze inszeniert worden ist, (Zuruf rechts) 
Dum | (Zurufe rec<t8: Jawohl!) I< lasse mir von Ihnen keine Vorschriften über das 
wie wir sie seit Au8bruch der Revolution no<h nicht er- machen, was ich sagen soll. Daß das Ihnen nicht an- 
jeht haben? Wollen, Sie bestreiten, daß das, was dort genehm ist, glaube ich 
gesagt worden ist, die unreife Masse dex Bevölkerung ; 
geradezu zu Pogromey aufreizen Rais, (Widerspruch rechts) 
Aber ich lasse mi durchaus nicht beirren, Ihnen das zu 
4 (Lachen und Zurufe rechts) | jagen, was ich für erforderlich halte. I< sagte also, ie 
-=- Die Masse, die Ihnen nachläuft, ist unreif. Verfassung Tegt di Tepubiifauisihe Staatsform fest. Gleich- 
- Flinta zeitig heißt es aber in der Verfassung, daß Preußen ein 
| (Sehr gut fints Kaijei: rechte) Glied des Deutschen Reiches ist. Darin kommt zum 
Meine Herren, ich will durchaus nicht bestreiten, daß es Ausdrut, daß wir nicht mehr der frühere führende Bundes- 
auch unter den Juden, ebenso wie unter allen Schichten staat sind, der weit größere Rechte hatte als alle übrigen 
der Bevölkerung, Elemente gibt, von denen sich jeder Bundesstaaten, shon infolge der Personalunion zwischen 
anständige Mensch mit Abscheu abwendet. Aber wogegen dem König von Preußen und dem Deutschen Kaiser, 
wir uns wenden, das ist die Verallgemeinerung, die von sondern das wir fortan ein einfaches Glied des Deutschen 
170. Sitza LandeSvers. 1919/20
	        
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