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156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) 169. Sitzung. Mittwoch den 27. Oktober 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue10.1919/21 156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) (Public Domain)

13199 Verfassunagebende Preußische Landesversammlitng 169. Sizung am 27. Oktober 1920 13200 
[Saushalt der Sandels-und Gewerbeverwaltung] Rechnung arbeiten, auch Facharbeiter aus in- 
= dustriellen Betrieben nach Beendigung der Fabrik- 
[Esser, Abgeordneter (Zentr.)] arbeit in anderen IRREN M1 bei Drikat 
Stahlwerk Krieger in Düsseldorf-Oberkassel reden in dieser Pern GEWETTET Anme 
Beziehung eine sehr deutliche Sprache. Soeben noch wurde gno 0 002 eiyeniie Handwerk schädigen. In der 
mir aus einem Berliner Betriebe die Mitteilung gemacht, 
daß dort am lebten Freitag der Arbeiterrat erklärt hat: .. und das ist besonders interessant 
join die as 0 ap 20% Vit 0115 Dein Au iAED0: fand der verfürzte Arbeitstag nicht einhellige Zu- 
REESE N ERC RERE MRM 2105 0 stimmung. Zum Teil hielt sie, namentlich in den 
' R " N | Städten und deren Umgegend, streng darauf, daß 
(Hört, hört!) die achtstündige Arbeit8zeit nicht überschritten 
Und tatsächlich ist, weil der betreffende Betriebsunter- 0: . 501,0 -. Ann - Wen en Dm 
nehmer fich weigerte, Schritte nach dieser Richtung 33 tun, größeren Teil aber NE eitadteie sie es direkt als eine 
mit der Begründung, daß er auf den freien Willen seiner Jreiheit3be] Wränkünm: Wenn Rie INTO ehindert 
Arbeiter gar keinen Einfluß habe, am Samstag Abend die Ds S % Eetite bart + : 
ganze Belegschaft in den Streik getreten. UN RH Im 1600 HG e-iberüunden: een 
(Hört, hört!) | | | 
Zu einem solchen Verfahren steht doch die Streiktaktik der Dann Heißt es 29 weitern ; 
<hristlichen Gewerkschaften in einem wohltuenden Gegen- Nicht bestätigt hat sich die Annahme, daß bei ver- 
saß. Sie haben, wenn auch hier Ausnahmen vorgekommen kürzter Arbeitszeit die Intensität der Arbeit zu- 
sein mögen, im allgemeinen ihre Leute doch fest in der nimmt, im Gegenteil wird allgemein über den 
Hand und nehmen Rücficht auf die dringenden Notwendig- Rücgang der Produktion geklagt. 
keiten des Wirtschaftslebens und die verzweifelte Lage des | ? 
Vaterlandes. I< habe diesen amtlichen Feststellungen der preußischen 
(Sehr richtig! im Zentrum) Gewerbeinspektoren nichts hinzuzufügen. . 
% . 2 Meine Damen und Herren, ein weiteres Gebiet der 
Getreu morn EEEPEEN Ei Damen und BYoynruhigung liegt in den immer lauter werdenden 
Gn De UneG ) kar n Bericht der Preußischen Syzialisierung3bestrebungen, die neuerdings derartig in 
be a Ne ies OEl En für 2506 veröffentlicht in den Vordergrund des Interesses getreten sind, daß der 
21. dM. finwerien. 5 reußischen Staatsanzeigers vom Scwerpunkt unserer inneren Politik in dieser Frage liegt. 
die Wirk WINE x sehr teren Streiiticer auf Unsere Sozialdemokratie hat das auf ihrem Kasseler 
tages wirt ge h int d NN s rA Un 7 en Barteitag offen ausgesprochen und wiederum ihr gründsäh- 
vi - 35 heißt dort unter anderem, und ich muß liches Festhalten an der Vollsozialisierung betont. Troß- 
diesen Passus mit Genehmigung des Herrn Präsidenten 56m war für den, der die Dinge etwas kritischer beschaut, 
re BN ' a SIR | erkennbar, daß der erste Rausch bereits verflogen. ist und 
In den größeren Betrieben und den in Stadt- nüchternen Erwägungen auch in diesen Reihen allmählich 
gemeinden gelegenen gewerblichen Anlagen haben Plaß macht. Wenn Hermann Müller, der frühere Reich3- 
sich die Arbeitgeber mit dem achtstündigen Arbeit8- Ffanzler, sagt: Das Erfurter Programm war nicht der Weis- 
tag als einer den Verhältnissen Rechnung heit letzter Schluß, -- so zeigt sich aus diesem Bekenntnis, 
tragenden Einrichtung meist schnell abgefunden. daß die Sozialdemokratie aus der Entwicklung der Dinge 
Die auf die Warenausfuhr angewiesenen Unter- auch gelernt hat und in der Sozialisierung, obwohl sie es 
nehmer aber, die in einer möglichsten Förderung nach außen nicht zugeben will, noch lange nicht das Allheil- 
HERTER and ver jhteuniurn Michet: mittel für die wirtschaftlichen: Nöte unserer Zeit sicht. 
; Üheren Märkte das einzige Mitte Meine Damen und Herren, unsere Auffassung Über 
des (20Des wsjtiegs m jehen, halten vie diese Frage ist, daß. e2 sich um eines der allerschwierigsten 
stündigen Arbeit8zeit für eine ) 10 er 1 Probleme handelt, die mit der größten Vorsicht angefaßt 
der wirtschaftlihen Dem ilm rend der Zeit 1yorden müssen. Unser Standpunkt det sich mit Artikel 156 
botene, zweentsprechende A ung zwar ge der Reichsverfassung, der da besagt, daß für die Vergesell- 
FANTIETET Ep % en iu BODI die aper als jhaftung nur „geeignete private wirtschaftliche Unter- 
derungen. des elrerblihen 5 En DUL) “ 3927- nehmungen“ in Frage kommen. Es muß ernstlich geprüft 
wegs "begründzie EE N eiern eine werden, welche Unternehmungen hierfür geeignet sind, ob 
Vertragsfreiheit bilde 0 cn e Zei fo ung der mit der Sozialisierung dem allgemeinen Wohl gedient ist 
deutschen Wirtschaftslebe GI ie 5 unft des ymnd ob namentlich die Produktion gefördert und verbilligt 
Tolgenhaben mü ch D 5 s<wersten wird. Vor allem scheint es doch notwendig zu sein, nicht 
in der Verkürzung d B enn schon jekt würde eher das gute Bestehende zu zerschlagen, bis da3 neue ge- 
erhebliche Sei ne er De imhuftigmmgsbaner eine prüft-ist. Hermann Müller hat in Kassel auch gesagt: Wir 
Inhaber der Benn Er 30 19:08 erkannt. Die kommen aus unserem Elend nicht heraus, wenn nicht alle 
daß der acßtstündi erksbetriebe erflären ferner, Yyjybeiter zur höchsten Leistung angespornt werden. =“ Das 
Eilhung ernstlich ige Arheitsing die Lehrling8aus- ist richtig. Es kommt nicht allein darauf an, daß Be- 
die"Ansbildun gesät e, und es nmögim sei, triebe zur Gemeinwirtschaft reif sind, sondern vor allen 
weiterhig: zu in V ke biSher tien ehrzeit Dingen -- das ist unsere Auffassung =“ ist es notwendig, 
der Stol En HB 0 Suninle zu bringen, die dahin zu streben, daß die Menschen zur Soziolisierung 
3 des deutschen Handwerks war und nicht reif sein werden. und davon sind wir heute noch sehr weit 
zuletzt zu dessen fortschreitender Hebung beigetragen entfernt. 
hat. Vielfach wird aus Handwerkertreisen auch (Sehr rimtig im 5 . 
dann geklagt, dan Gesellen in Zur freien Zeit ehr ri<tig! im Zentrum) 
in Konkurrenz mit dem eigenen Meister und niht Wenn wir keine arbeitsfreudigen, selbstlosen, das allgemeine 
selten mit dessen Material und Werkzeug für eigene Interesse über das eigene HE en as an hoch 
189. Sits LandeSvers. 1919/20 269
	        
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