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156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) 168. Sitzung. Freitag den 22. Oktober 1920

Full text: Sitzungsberichte der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung (Public Domain) Issue10.1919/21 156. bis 175. Sitzung (22. September bis 15. November 1920) (Public Domain)

13173 -Verfassunggebende Preußische Lande8versammlung 168. Sizung am 22. Oktober 1920 | 13174 
[Saushalt der Sandel8s- und Gewerbever- daß die gewerbsmäßige Stellenvermittlung 
waltung] ein KrebSsshaden unseres Wirtsc<afts8- 
| lebens ist, 
[Haberland, Abgeordneter (Soz.-Dem.)] (jehr wahr! links) 
. Bei den bisherigen Beratungen ist immer wieder anter dem vor allen Dingen die unerfahrensten Arbeits- 
darauf. hingewiesen worden, daß es angesichts unserer fräfte: die ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen, die 
überaus traurigen Finanzlage notwendig sei, auf allen Hausgangestellten und ähnliche Berufsgruppen zu leiden 
ebieien, 3u sparen. Wir erkennen natürlich diese Not- haben. 
wendigkeit durchaus an, müssen aber auch sekt wieder vor Erneute Zustimmung links 
der Sparsamkeit am unrechten Plaz warnen. Deshab = 5, . i zi 3 . Z ; ; | . 
müssen wir auf die shon im Vorjahre. geäußerten Wünsche Zur Bekämpfung dieser Schäden muß also alles nur Mög- 
nach weiterer Ausbildung des Fortbildungs- und Fach- 12 geihehen. NEN 
schulwesens zurückkommen. In allen wirtshaftlihen Er- 1 Fotwendig ist es auch, daß noc< mehr als bisher für den 
örterungen, in jeder Auseinandersezung über die Möglich- Ausbau des Arbeitsnachweiswesens geschieht. Auch auf 
keiten der Erfüllung des FriedensSvertrages wird immer diesem Gebiete greift ja die Tätigkeit verschiedener 
wieder auf die Notwendigkeit der Leistung von Qualität8- Ministerien ineinander. I< möchte in dieser Beziehung 
arbeit in Deutschland hingewiesen, durc< die unser Land nur ganz kurz mit allem Nachdru> betonen, daß die Re- 
in allererster Linie wieder wettbewerbsfähig gemacht gierungsbehörden endlich darauf hinwirken müssen, daß der 
werden könnte. Diese Qualitätsarbeit kann aber nur dann Bau des großen Mittellandkanals aus dem 
in genügendem Maße geleistet werden, wenn unser Fac<- Stadium der Beratung in da8 der Ausführung gebracht 
und Fortbildungsschulwesen auf eine höhere Stufe gebra<mt wird, gleichviel, ob die endgültige Fertigstellung dieses 
wird. Die heutige Ausbildung des gewerblichen und indu- Kanals von Preußen oder vom Reiche erfolgt. Die Voll- 
striellen Nachwuchses genügt troß mancher Fortschritte im endung dieses großen Kulturwerks dient in gleicher Weise 
einzelnen weder in den handwerk8mäßigen, noch den indu- der Hebung unseres Wirtschaft8lebens8 durc< die Verbesserung 
striellen und auch kaufmännischen Betrieben. Sie genügt und Verbilligung der Warentransporte, in8besondere der 
um so weniger, als die ansteigende Entwieklung, die vor- Fohlen- und Lebensmitteltransporte, wie auch die sofortige 
handen war, durc< die Kriegsjahre unterbrochen, zum Teil Ausführung dieser Arbeiten die beste produktive Arbeits8- 
fast vollständig vernichtet worden ist. 3 [osenfürsorge darstellt. 
„Auf eine Lüke in unserem Ausbildungswesen, be- Daß wir für die weitere Förderung der Bautätigkeit 
jonders im Fortbildungsschulwesen möchte ich hier nom durch das Ministerium eintreten, wo dieses zuständig ist, 
besonders hinweisen: sie besteht darin, daß in unseren Fort- brauche ich nach dem biSher Ausgeführten nicht besonders 
bildungsschulen die heranwachsenden Mädchen bis vor zu betonen. Die Schaffung von Arbeitsgelegenheit, gute 
furzem Überhaupt nicht berücksichtigt wurden. Soweit jekt YArbeit3nachweise, die die Arbeitsgelegenheiten den Fähig- 
Besserung eingetreten ist, begrüßen wir sie. .Es wäre aber reiton der Erwerbsl s | ssen, unter Einhalt 202 De- 
notwendig, daß nicht nur die direkt gegen Lohn be- DEr CHDIR APE REL jalUng DE 9 
Eis 2 5% EHI ut stehenden tariflichen Bestimmungen bei der Ausführung von 
jchäftigten, sondern alle im fortbildungsschulpflichtigen 5yrheiten find in jedem Falle besser als die jetzt vielfach 
Alter stehenden Mädchen dem Schulzwange unterworfen Üblich bl He Art > s 8 terstü Tes = 
würden. Unterliegen die Bestimmungen darüber nicht dem HE DERE jen erftngung. : 
Machtbereich des Ministeriums für Handel und Gewerbe, . „Sinige Wort au ng der Sozialdeinatrakischen 
jo ist es notwendig, darüber eine Verständigung mit dem Partei ZUm einhan wert ind m. Heingewer iM en 
Unterehtsminister MIRELA res Kreisen überhaupt. Auch diese Frage hat in den vorjährigen 
nterricht3ministerium und selbstverständlich auch mit dem ; ; 2.4 ; 
; EN X ; ; Beratungen eine große Rolle gespielt, und ich irre wohl nicht 
Finanzministerium zu suchen. I< bitte jedenfalls den . 0" | . ; 
Serrn Minister, diesen Fragen in der nächsten Zeit die der Annahme, daß das auch diesmal wieder der Fall sein 
größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. I< bin überzeugt, '0ird- Wir haben schon bei der vorjährigen Beratung “- 
daß er troß aller unserer Finanznöte auch bei dem Herrn ih möchte es hier vorbeugend noch einmal betonen =- nach- 
Finanzminister auf diesem Gebiete weitgehendes Entgegen- Wiesen, daß von der uns Sozialdemokraten vorgeworfenen 
kommen finden wird. Feine gegen die Krie der EN IPTEONE BENN 
Die Wünsche der früher zum Teil sehr mangelhaft "Vt im Geringsten die Rede sein kann. Nicht wir Sozial- 
entschädigten Lehrer. besonders auf dem Gebiete m demokraten sind es, sondern der Großkapitalismus ist es, 
Fortbildung8- und Fachschulwesens, müssen jelbstverständlich der die kleinen Betriebe verdrängt und niederkonkurriert. 
soweit wie möglich durch entsprechende Aufbesserung ihrer (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen Partei) 
Bezüge berücksichtigt werden. Näher darauf einzugehen Wogegen wir als Vertreter der Arbeiter uns allerdings 
FIM Miete ds ja die Besoldunasfragen besonders wehren, das ist diese8: wir wollen niht den Kampf zwischen 
1 - den Klein- und Großbetrieben auf dem Rücken der Arbeiter 
- In Verbindung mit dem gewerblichen Unterrichts- und austragen lassen und verlangen für die Arbeiter und An- 
Fortbildungsschulwesen ist die Berufsberatung und die Ar- gestellten in den Kleinbetrieben dieselben günstigen Ar- 
beitsverwittlung zu fördern. Auch wenn hier in Zukunft vbeitsbedingungen wie in den Großbetrieben. Wenn das 
vielleicht die Zuständigkeit des Reiches an erster Stelle maß- die» Inhaber der Kleinbetriebe nicht immer leisten können 
gebend sein jollte, so wird doch bei der Ausführung den jo ist es nicht die Schuld der Arbeiter oder der Sozial- 
Landesbehörden ein wichtiges Arbeit8gebiet zufallen. I< demokratie, sodern es liegt an unserer wirtschaftlichen Ent- 
bedaure es desShalb sehr, daß die im HauShalts8plan vor- wicklung, die wir weder aufhalten können no< wollen. 
gesehene Ausgabe zur Förderung der nicht gewerbömäßigen Jedenfalls sind wir nicht gewillt, wirtschaftlich überflüssige, 
Stollenvermittlung, der Berufsberatung und der Lehr- das Wirtschaftsleben unnötig belastende Betriebe künstlich 
stellenvermittlung von 200009 4 auf 149000 4 herab- aufrecht zu erhalten, wie es z. B. im Ausschuß für Handel 
geseßt werden foll. UMR. und Gewerbe die bürgerlichen Parteien wollten, die sich für 
Z Wir haben im Ansschuß für Handel und Gewerbe diese die Erhaltung der privaten Stellenvermittlung und des 
Fragen schon verschiedenlich behandelt und sind darauf im privaten Pfandleihgewerbes ausgesprochen haben, obwohl 
Eaufe der voriährigen Brian emen: eit haben: jepabe diese Betriebe auf Kosten der Ärmsten im Volke er- 
< 1 jermit wiederholen möchte, darauf hingewiesen. halten werden.
	        
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