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Full text: (Gem)einsame Stadt? / Dittmer, Lothar (Rights reserved)

Spotlight Demografie ? t d a t S e m a s n (Gem)ei on im Alter le Isolati zia Kommunen gegen so is ehlungen für die Prax pf Em d un ds en Tr , Fakten tif tung icklung und Körber-S tw En d un g un er lk vö -Institut für Be von ­Berlin Eine Kooperation von Im Lebenslauf sind Menschen vor allem mit 30 und 60 einsam. Ab steigt Einsamkeit dann stark und kontinuierlich an. 75 Jahren Editorial Einsamkeit nimmt gesellschaftlich zukünftig zu, weil es mehr Ältere gibt. Mit den Babyboomern steht fast der Bevölkerung vor dem Ruhestand. 1/3 Einsamkeit im Alter wird verstärkt durch Armut, Krankheit und mangelnde Bildung. 14,7 Prozent der Älteren mit niedrigem Bildungsstand fühlen sich einsam; nur 7,3 Prozent derer mit hoher Bildung. G roßbritannien gründet ein Ministerium zur begünstigen. Und diesen können altersfreundliche Bekämpfung von Einsamkeit, Städte wie Aar- Kommunen gezielt begegnen. Entscheidend ist die hus in Dänemark widmen dem Phänomen soziale Teilhabe – und zwar schon bevor Menschen ganze Strategien, und die psychologische Forschung überhaupt vereinsamen. Diese Teilhabe findet in den spricht sogar von einer Epidemie der Einsamkeit oder Städten, Quartieren oder Dörfern statt. Unsere Kom- einer neuen Volkskrankheit. Es ist von zunehmen- munen sind Schlüsselakteure in der Bekämpfung der dem Individualismus in der Gesellschaft die Rede, in Einsamkeit. Altersfreundliche Kommunen sind sich der Alte, Schwache und Kranke außen vor bleiben. dieser Herausforderung bewusst, sie nehmen sie an Das Zusammenleben verschiedener Generationen, in und gestalten sie. Sie schaffen offene Räume für Be- dem Senioren im Kreise ihrer Familie integriert sind gegnung und Engagement, aktivieren und ermögli- und dort versorgt werden, ist zum Auslaufmodell ge- chen. Sie erproben innovative Wohn- und Kommu­ worden. Stattdessen leben immer mehr Ältere alleine nikationskonzepte, die auf ein lebendiges soziales oder in Pflegeheimen. Fest steht, Einsamkeit ist eine Miteinander setzen. Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, daher Einsamkeit kostet – den Einzelnen Lebensqualität und die Gesellschaft hohe Gesundheitskosten. höhere Einsame Menschen haben z. B. eine um etwa Wahrscheinlichkeit, dement zu werden. 40 Prozent Kommunen sind Schlüsselakteure in der Bekämpfung der Einsamkeit ihrer älteren Bewohner und Bewohnerinnen. Bis wird der Anteil der über 64-Jährigen stark steigen. 2035 Eine Gesellschaft, die es schafft, Einsamkeit gar lohnt ein Blick hinter die dramatische Beschreibung. nicht erst entstehen zu lassen, kümmert sich aktiv Verschiedene Studien bestätigen, dass der Anteil um das Wohlergehen der Menschen. Sie spart neben- von Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, ab bei enorme Pflege- und Unterbringungskosten. Sie ge- einem Alter von 75 Jahren kontinuierlich ansteigt. winnt aktive und engagierte Bürgerinnen und Bürger Allerdings ist diese Einsamkeitsquote über die letzten und kreiert gleichzeitig ein lebenswertes Umfeld für Jahre und Jahrzehnte konstant geblieben. Die Heraus- alle Generationen. Das dient dem Gemeinwohl und forderungen sind somit keinesfalls neu und sie wer- verhilft zugleich dem Einzelnen zu einem gesunden, den auch nicht durch Entwicklungen wie die Digita- aktiven, inhaltsvollen Leben. lisierung verstärkt. Auch von einer flächendeckenden Vereinsamung älterer Menschen kann nicht die Rede Das Zeitfenster für Prävention steht jetzt offen – und es öffnet sich lokal! sein.1 Das Problem liegt darin, dass in unserer Gesell- Werfen Sie mit uns einen Blick durch dieses Fens- schaft die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboo- ter und planen Sie die altersfreundliche Kommune mer vor der Verrentung stehen und damit eine stark von morgen. wachsende Zahl von Menschen in ein Alter kommt, in dem die Einsamkeit ein Thema werden kann. Die Eine gesellige Lektüre wünschen Babyboomer führen uns vor Augen, dass wir dem Ri- Kommunen können Einsamkeit und soziale Isolation vor Ort verringern: durch Begegnungsorte, Mehrgenerationenwohnen und Teilhabemöglichkeiten für Ältere. Eine Faustregel: Infrastruktur und Angebote sind für Ältere attraktiv, wenn sie in maximal erreichbar sind. 20 Minuten b (Gem)einsame Stadt? sikofaktor Einsamkeit mehr Aufmerksamkeit schen- Karin Haist, ken sollten. Denn sie hat Folgen für die Betroffenen, Leiterin Projekte demografische Zukunftschancen aber auch für uns alle als Gesellschaft: Einsame Men- der Körber-Stiftung schen sind weniger gesund, neigen häufiger zu Demenz und sind früher und länger pflegebedürftig. Soziale Isolation im Alter ist jedoch keine Zwangsläufigkeit. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die sie Catherina Hinz Direktorin, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Gem)einsame Stadt? 1 Einsamkeit und soziale Isolation als gesellschaftliche Phänomene Der Begriff Einsamkeit beschreibt ein subjektives Empfinden, während mit sozialer Isolation objektiv fehlende Kontakte von Menschen bezeichnet werden. Beides nimmt zum Ende des Lebens hin zu. Ab 75 nur noch aufwärts Entwicklung der Einsamkeit über die Lebenszeit, Abweichung von der durchschnittlichen Einsamkeit aller Befragten (= 0,0) Einsamkeit in jungen Jahren Mehrere Studien machen darauf aufmerksam, dass ­aktuell insbesondere die Einsamkeit unter jungen Er­wachsenen zunimmt. In einer repräsentativen Einsamkeit (standardisiert) Um­frage des Marktforschungsinstituts Splendid unter 0,6 Personen zwischen 18 und 69 Jahren erreicht die Gruppe der 18- bis 39-Jährigen mit Abstand die höchsten Einsamkeitswerte. Zwischen 2017 und 2019 stieg der Anteil 0,4 M der ­Einsamen in dieser Altersgruppe von etwa 17 auf 23 Prozent.8 Die Ursachen für Einsamkeit im jungen enschen haben als soziale Wesen das Unabhängig von individuellen und kulturellen ­Bedürfnis nach Beziehungen. Fehlt der re- Unterschieden ist Einsamkeit in Deutschland ein gelmäßige Kontakt zu anderen, die mit Rat breites gesellschaftliches Phänomen. Verschiedene und Tat zur Seite stehen, fühlen sich viele Menschen Umfragen kommen zum Ergebnis, dass Menschen im einsam. Laufe des Lebens immer wieder Phasen von Einsam- Die Forschung versteht unter Einsamkeit das sub- keit erleben. Welche Altersgruppen dabei am stärks- jektive Empfinden, dass die Qualität und Quantität ten betroffen sind, variiert je nach Untersuchung der vorhandenen sozialen Beziehungen nicht den ei- leicht. Mehrere Studien sind sich aber einig, dass Ein- genen Erwartungen entspricht. Einsamkeit ist daher samkeit und soziale Isolation zum Ende des Lebens nicht gleich Alleinsein: Ist dieses gewollt, muss es hin ansteigen.5, 6 Erwachsenenalter sind schlecht erforscht: Viele der 0,2 ­Risikofaktoren, die für andere Altersgruppen relevant sind, können sie nicht oder nur teilweise erklären. 0,0 Die Einsamkeit scheint mit den unterschiedlichen Erwartungen an das eigene Leben je nach Alter zu variieren: Beispielsweise empfinden junge Erwachsene mehr -0,2 ­Einsamkeit, wenn sie einer Vollzeit­beschäftigung ­nachgehen. Erwachsene mittleren Alters sind mit 20 40 60 80 100 Alter Erwartung an diese Lebensphase ­entspricht.9 Eine großangelegte Studie mit repräsentativen Daten über nicht schlecht sein. Einsamkeit hingegen ist mit ne- Einsamkeit ist also für Menschen aller Altersgrup- gativen Emotionen und Auswirkungen auf die Ge- pen ein Thema. Die Ursachen für und Folgen von Ein- alle Altersgruppen hinweg legt nahe, dass Erwachsene in sundheit verbunden. Umfragen erfassen Einsamkeit samkeit sowie sinnvolle Wege, sie zu bekämpfen, Deutschland im Durchschnitt ungefähr mit 30 und dann meist, indem sie Erwartung und Realität gegenüber- dürften sich aufgrund der unterschiedlichen Lebens- ­wieder mit 60 Jahren leicht erhöhte Phasen der Einsamkeit stellen: Die Befragten sollen bewerten, inwieweit sie umstände der verschiedenen Altersgruppen jedoch erleben. Dazwischen nimmt die Einsamkeit wieder ab. Aussagen wie »Ich vermisse Leute, bei denen ich mich mitunter stark unterscheiden. Das vorliegende Papier Ab dem Erreichen des 75. Lebensjahres steigt sie konstant an wohlfühle« zustimmen. Ob ein Mensch Einsamkeit beschäftigt sich vorwiegend mit der Einsamkeit im und erreicht Höchstwerte. Im Durchschnitt empfanden die empfindet, variiert daher stark mit den persönlichen Alter, ihren speziellen Ursachen und den Möglichkei- Befragten über alle Altersgruppen hinweg selten Einsamkeit. Erwartungen an das eigene soziale Umfeld. Kulturelle ten, ihr auf kommunaler Ebene effektiv zu begegnen. (Quelle: Luhmann & Hawkley 20167) 2 ­Vollzeitjob da­gegen weniger einsam, da dies eher der Vorstellungen beeinflussen diese. Menschen in Osteuropa etwa haben einer Studie zufolge eine vergleichsweise niedrige »Einsamkeitstoleranz«, da starke familiäre Bindungen hier traditionell als die Norm gelten.3 Soziale Isolation bezeichnet im Gegensatz zur subjektiv empfundenen Einsamkeit die objektive Abwesenheit sozialer Kontakte, messbar unter anderem Psychologie der Einsamkeit Beziehungen gefährdet oder beschädigt sind. Sie hat die evo­lutionsbiolo­ gische Funktion, einsamen Menschen an der Zahl der Vertrauenspersonen.4 Sozial isolierte 2 Warnsignal anzeigen, dass soziale Menschen sind nicht automatisch einsam. Jedoch ha- Einsamkeit ist ein negativer und stress- den Impuls zu geben, sich mit für sie ben sie ein höheres Risiko, in die Einsamkeit zu rut- reicher emotionaler Zustand. Dieser bedeutsamen Menschen zu verbinden Indikator dafür, dass nicht nur schen: Stirbt beispielsweise plötzlich der Partner, entsteht aus der Diskrepanz zwischen und heilsame Beziehungen (wieder) einzelne Menschen a ­ usgeschlossen ohne dass regelmäßiger Kontakt zu anderen Vertrau- gewünschtem und aktuellem Ausmaß herzustellen, zu verbessern oder neu ­werden, s­ ondern dass sich ganze enspersonen besteht, ist die Gefahr groß, Einsamkeit der sozialen Verbundenheit eines aufzubauen. Damit legt E ­ insamkeit ­soziale Gruppenver­bin­dun­gen, also zu empfinden und darunter zu leiden. Aufgrund des ­Menschen. Die Evolutionary ­Theory im Gehirn eine wichtige Grundlage für der gesellschaftliche Zusammenhalt, starken Zusammenhangs werden die Begriffe Ein- of Loneliness erklärt das Erleben von Verhaltensinitiierung und kann als auf­lösen und wichtige Kompetenzen samkeit und soziale Isolation in diesem Papier nicht Einsamkeit durch eine Kombination ­Risikowahrnehmung, Änderungsmoti- der Mitglieder der ­Gruppe nicht Sonia Lippke, streng getrennt. aus Anlage (d. h. Genen) und Umwelt- vation und intentionsbildend wirken. mehr ­ausreichend aus­geprägt sind Gesundheitspsychologin, faktoren. Einsamkeit kann wie ein Gesellschaftlich ist E ­ insamkeit ein (z. B. Empathie). Jacobs University Bremen (Gem)einsame Stadt? (Gem)einsame Stadt? 3 Einsamkeit in der alternden ­Gesellschaft Deutschland altert Prozentualer Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung nach Kreisen und kreisfreien Städten Einsamkeit ist schon deshalb ein wichtiges demografisches Thema, weil mit dem Älterwerden der ­Babyboomer die absolute Zahl der Älteren – und damit der von Einsamkeit Gefährdeten – zunimmt. I n Deutschland sind Frauen und Männer, die im keit unter ihnen ist damit mindestens doppelt so weit Alter Einsamkeit erleben, eine Minderheit. In un- verbreitet wie bei Älteren, die in den eigenen vier terschiedlichen Studien liegt der Anteil der ein­ Wänden leben.18 samen Menschen zwischen 60 und 85 Jahren bei Wie aber wird sich die Einsamkeit im Alter in Zu- 11, 12, 13 etwa sechs bis elf Prozent.10,2017 Dabei variieren al- lerdings die Definitionen: Während manche Studien kunft entwickeln? Der Deutsche Alterssurvey legt 2035 nahe, dass die Tendenz, im hohen Alter stärker zu von phasenweiser Einsamkeit sprechen, haben an­ vereinsamen, für künftige Generationen schwächer dere strengere Kriterien und berücksichtigen nur ausgeprägt sein könnte. In Umfragen unter verschie- Menschen, die unter tiefer, regelmäßiger Einsamkeit denen Altersgruppen im Alter von über 60 Jahren leiden. zeigt sich, dass die jüngeren Jahrgänge mit einem Laut dem Deutschen Alterssurvey, der eine sehr niedrigeren Ausgangsniveau der Einsamkeit starten strikte Definition anwendet, leiden rund acht Prozent und voraussichtlich einen weniger steilen Anstieg im in der Gruppe der 65- bis 84-Jährigen unter Einsam- Alter erleben werden. Die künftigen 70- bis 80-Jähri- keit. Damit waren 2017 etwa 1,2 Millionen Menschen gen dürften daher seltener einsam sein als die heuti- dieses Alters einsam. gen.19 Trotz dieser rückläufigen Tendenz wird jedoch 14 Internationale Studien zeigen eindeutig, dass die die absolute Zahl der einsamen Älteren aus demogra- Einsamkeit im hohen Alter zunimmt. Dies ist für fischen Gründen zunehmen. Die sogenannten Baby- Deutschland allerdings für die Gruppe der Hochaltri- boomer, also die geburtenstarken Jahrgänge der gen über 85 Jahren unzureichend erfasst. Selbst al- 1950er und 1960er Jahre, machten 2017 etwa 30 Pro- tersbezogene Studien wie der Deutsche Alterssurvey zent der Bevölkerung in Deutschland aus. Zum Ver- oder die Generali Altersstudie beziehen Personen gleich: Der Anteil aller 1949 oder früher Geborenen über 85 Jahren kaum oder gar nicht ein. Die nicht- an der Gesamtbevölkerung lag 2017 bei lediglich 18 repräsentative Generali Hochaltrigenstudie zeigt je- Prozent.20 Wenn die Babyboomer altern, wird sich das doch, dass Einsamkeit für besonders alte Menschen Gewicht der Älteren in der Gesellschaft also spürbar immer relevanter wird: Während ein Drittel der Be- erhöhen. Zudem steigt die Lebenserwartung und da- fragten zwischen 85 bis 89 Jahren angab, unter Pha- mit auch die Zahl derer, die ein sehr hohes und da- sen von Einsamkeit zu leiden, traf das für die Hälfte durch einsamkeitsgefährdetes Alter erreichen. Wäh- der 90- bis 94-Jährigen und fast 60 Prozent der 95- bis rend 2018 Männer und Frauen mit 65 Jahren davon 98-Jährigen zu.17 ausgehen konnten, noch 19,5 respektive 23 Lebens- 15, 16 Ähnlich schlecht dokumentiert ist die Einsamkeit jahre vor sich zu haben, dürften es 2031 bereits von Heimbewohnern: Der Deutsche Alterssurvey 23,5 Jahre für Männer und 26,5 Jahre für Frauen geht gar nicht auf sie ein, in der Generali Hochalt­ sein.21 rigenstudie sind sie unterrepräsentiert. Eine Auswertung internationaler Studien zum Thema erlaubt immerhin eine grobe Einschätzung: Die Autoren nehmen an, dass 22 bis 42 Prozent der über 60-jährigen Heimbewohner sich einsam fühlen. Die Einsam- 4 (Gem)einsame Stadt? 2017 2017 2035 2035 ­ ­ ­ unter 20 20 bis unter 23 23 bis unter 26 26 bis unter 29 29 bis unter 32 32 bis unter 35 35 bis unter 38 38 und mehr ­ ­ ­ Die Alterung der deutschen Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Während die attraktiven Großstädte in Ost und West viele junge Menschen anziehen, altern andere, oft ländlichere Kreise besonders schnell. So dürfte 2035 in den thür­in­gi­ unter 20 20 bis unter 23 23 bis unter 26 26 bis unter 29 29 bis unter 32 32 bis unter 35 35 bis unter 38 38 und mehr schen und brandenburgischen Kreisen Spree-Neiße, Greiz, Elbe-Elster und dem Altenburger Land der Anteil der über 64-Jährigen bei mehr als 40 Prozent liegen. (Datengrundlage: Statistisches Bundesamt 22; CIMA23, 24) (Gem)einsame Stadt? 5 Warum die Einsamkeit Einzelner die Gesellschaft als Ganzes angeht Was zu Einsamkeit führt und welche Trends zu erwarten sind Einsamkeit kann krank machen, und sozial isolierte Ältere brauchen früher Pflege. Die Bekämpfung und ­Prävention von Einsamkeit sind also gesellschaftlich sinnvoll. Besonders die Kommunen sind gefragt. Die Faktoren, die Einsamkeit begünstigen, lassen sich benennen. Die demografische Entwicklung wird manche Auslöser für Einsamkeit abschwächen, andere aber auch verstärken. Wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind, fehlt sozial isolierten Älteren die emotionale und praktische Unterstützung ihres Umfelds, die sie benötigen, E insamkeit ist ein subjektives Gefühl. Unsere Altersarmut wiegt auch deshalb schwer, weil persönlichen und kulturellen Vorstellungen, Menschen im Alter kaum noch Gelegenheit haben, wie soziale Beziehungen aussehen sollten, prä- an ihrer schlechten finanziellen Situation etwas zu gen es. Dennoch lassen sich eine Reihe objektiver ändern. Im Vergleich zu früheren Lebensphasen hält Die Konsequenz: Einsame und isolierte Senioren wer- Faktoren identifizieren, die über zahlreiche wis­sen­ die Armut fast immer an und wirkt sich bis ins höchs- den früher pflegebedürftig, unabhängig von sons­ schaft­liche Studien hinweg mit Einsamkeit in Verbin- te Alter aus. In der Generali Hochaltrigenstudie be- tigen Erkrankungen. um weiter unabhängig zu Hause leben zu können. Auch wurde nachgewiesen, dung gebracht werden. Diese Faktoren unterliegen richtet die Hälfte der 85- bis 99-Jährigen, die unter dass Ältere, die unter chronischer Einsamkeit leiden, demografischen und gesellschaftlichen Trends und Altersarmut leiden, von Phasen der Einsamkeit, wäh- öfter zum Arzt gehen, ohne jedoch häufiger zur Be- dürften sich in Zukunft anders auf die Einsamkeit rend das nur für ein Drittel der finanziell besser handlung ins Krankenhaus eingewiesen zu werden.30 unter Älteren auswirken als heute. Das Kapitel wirft ­Gestellten zutrifft. Einsamkeit im Alter bringt somit nicht nur einen daher auch einen Blick auf diese Entwicklungen. 29 Trend: Mehr Arme im Alter enormen Verlust an Lebensqualität für den Einzel- In Armut eher einsam Generell sind Personen mit langen Phasen der Ar- stehen. Menschen mit niedrigem Einkommen sind häufig beitslosigkeit sowie niedrigem Bildungsstand stark Einsamkeit beeinflusst auch das Umfeld der be- von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. gefährdet, im Alter zu wenig zum Leben zu haben. troffenen Person. Soziologen fanden heraus, dass Wer schauen muss, wie er oder sie über die Runden Laut einer Prognose der Bertelsmann Stiftung wird ahlreiche Studien zeigen, dass sich Einsam- enge Freunde und Angehörige von Einsamen nach kommt, hat wenig Zeit, Freunde zu treffen oder sich die Altersarmut in Deutschland moderat zunehmen. keit negativ auf die Gesundheit auswirkt: Ein- einer Weile selbst Gefühle der Einsamkeit entwi- sozial zu engagieren. Es fehlt an finanziellen Mitteln, Im Zeitraum 2015 bis 2029 haben etwa neun Prozent samkeit führt zu erhöhtem Blutdruck und ckeln – die Gefühle werden auf das soziale Umfeld um kommerzielle Angebote wie Sportkurse wahrzu- der Rentnerhaushalte34 Anspruch auf Grundsiche- steigert damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkran- übertragen. Einsamkeit ist gewissermaßen »anste- nehmen oder um sich mit Bekannten im Café zu ver- rung im Alter. Ihr Anteil dürfte 2035 bis 2039 auf kungen. Im Falle eines Herzinfarkts oder Schlagan- ckend«, weshalb auch betreuende und pflegende An- abreden.32 Die Häufigkeit von Kontakten und die falls ist das Risiko, daran zu sterben, für einsame gehörige und Pflegekräfte gefährdet sind.31 ­Größe von sozialen Netzwerken sinken nachweislich Z Menschen höher. Einsamkeit und soziale Isolation Das Gesundheitssystem muss die durch Einsam- mit geringerem Einkommen. Ein höheres begünstigen auch psychische Erkrankungen sowie keit ausgelösten oder beschleunigten Erkrankungen, Einkommen dagegen steigert das Selbst- Demenz. In einer englischen Langzeitstudie mit etwa die frühere Pflegebedürftigkeit und die Belastung von wertgefühl und macht eine Person attrak- 6.700 Teilnehmenden über 50 Jahre weisen einsame Pflegenden, die sich mit dem demografischen Wan- tiver in den ­Augen anderer, der Freundes- Menschen im Vergleich zu nicht einsamen Menschen del verschärfen werden, auffangen. Die Kosten dafür kreis wird d ­ iverser.33 eine um 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, dürften hoch sein. Prävention und ein höheres Be- Die vorhandenen Studien zu Einsamkeit dement zu werden. Verheiratet zu sein und eine gro- wusstsein für die Problematik müssen daher in die im Alter zeigen einen eindeutigen Zusam- ße Anzahl an engen Kontakten milderten das De- Öffentlichkeit getragen und gesellschaftlich veran- menhang zwischen Altersarmut und der menzrisiko dagegen ab.26 Eine andere Studie stellt ein kert werden. Den Kommunen kommt dabei eine Gefahr, zu vereinsamen: Im Deutschen Al- erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, etwa wichtige Rolle zu, denn im Zusammenleben vor Ort terssurvey 2014 gab etwa jeder fünfte Be- Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, bei Ein- entscheidet sich, ob Menschen sich einsam fühlen. fragte, der unter Altersarmut litt, an, auch samen fest.27 Auf die Gesundheit wirkt sich auch aus, Um der Einsamkeit im Alter gezielt entgegentreten tiefe Einsamkeit zu erleben. In der Ver- dass einsame und sozial isolierte Menschen ver- zu können, sollten Entscheiderinnen und Entschei- gleichsgruppe, die nicht mit Armut zu gleichsweise häufig rauchen, unter Über­gewicht lei- der in den Kommunen die Risikofaktoren kennen, die kämpfen hat, war dagegen nur jeder Drei- den und seltener Sport treiben.28 Einsamkeit bedingen oder fördern. zehnte einsam. 25 6 nen, sondern kommt auch die Gesellschaft teuer zu (Gem)einsame Stadt? Diese Faktoren bedingen die Einsamkeit im Alter 1. Armut sorgt für Einsamkeit 2. Krankheit isoliert 3. Geringe Bildung ist ein lebenslanger Einsamkeitsfaktor 4. Alleinstehende sind eher einsam 5. Mangel an sinnvollen Aufgaben macht einsam 6. Wer nicht mobil ist, kann nicht teilhaben (Gem)einsame Stadt? 7 Darmstadt Mannheim Nürnberg Saarbrücken Regensburg Karlsruhe Stuttgart etwa zwölf Prozent steigen. Da aufgrund des demo- oft für Kinder oder zu pflegende Angehörige unterbro- grafischen Wandels die Gruppe der Älteren in der Ge- chen oder gänzlich zurückgestellt. Das führt zu Ulmgerin- sellschaft größer wird, ist in absoluten Zahlen mit gen Rentenanwartschaften und bei Scheidung oft in einem deutlichen Anstieg der von Armut betroffenen die Altersarmut.36 Doch auch die GrundsicherungsKempten Älteren zu rechnen.35 quote in den neuen Bundesländern wird sich zukünf- Ingolstadt Augsburg München Freiburg Konstanz Dabei lassen sich klare Trends erkennen: Altersar- tig erhöhen. Altersarmut dürfte weiterhin vermehrt mut ist aktuell ein sehr weibliches und überwiegend alleinstehende Frauen treffen – und zwar in Ost wie in den alten Bundesländern auftretendes Phänomen. West. Auch wenn die Erwerbsbeteiligung von Frauen Westdeutsche Rentnerinnen haben ihr Erwerbsleben gestiegen ist, arbeiten sie häufiger in ­schlechter Wo es sich in Deutschland länger lebt Lebenserwartung von Neugeborenen in Jahren, 2013 bis 2015 GarmischPartenkirchen unter 79 79 bis unter 80 80 bis unter 81 81 bis unter 82 82 und mehr Sylt Flensburg Fehmarn Rügen Kiel Usedom Rostock Lübeck Cuxhaven Bremerhaven Hamburg Wilhelmshaven Emden Oldenburg Zunehmende Altersarmut im Osten Anteil der Haushalte, in denen mindestens eine Person Rente bezieht und Anspruch auf Grundsicherung im Alter hat Bremen Lüchow in Prozent 25 Duisburg Dortmund Hildesheim Magdeburg Cottbus Paderborn Köln Siegen Leipzig Jena Würzburg Mannheim Nürnberg Regensburg Karlsruhe 10 Stuttgart Ulm 5 Konstanz 2015–2019 0 Ingolstadt Augsburg München Freiburg 5 0 Dresden Coburg Saarbrücken 10 Chemnitz Zwickau Fulda Koblenz 15 Gera Erfurt Wiesbaden Frankfurt Mainz Darmstadt 15 Halle Göttingen Aachen Bonn 20 Berlin Potsdam Hannover Kassel Düsseldorf 20 Neuruppin Wolfsburg Osnabrück Münster Bielefeld in Prozent 25 Neubrandenburg Schwerin 2020–2024 2015–2019 2025–2029 2020–2024 2030–2034 2025–2029 2035–2039 2030–2034 Kempten GarmischPartenkirchen 2035–2039 alleinstehende Frauen alleinstehende Frauen Migrationshintergrund 1. Generation Migrationshintergrund 1. Generation Denn im Osten w ­ erden vermehrt Menschen mit Brüchen in ihren Erwerbsbiografien West West Gesamt in Rente gehen, die durch die hohe Arbeitslosigkeit nach der Wende entstanden Gesamt Ost sind. Gleichzeitig werden die Rentner, die in der DDR ein stabiles Erwerbsleben Ost In Zukunft nähern sich die alten und neuen Bundesländer bei der Altersarmut an. Die Lebenserwartung ist ein Querschnittsindikator: Je besser es den Menschen finanziell geht, unter 79 79 bis unter 80 80 bis unter 81 81 bis unter 82 82 und mehr je höher sie gebildet sind und je mehr Chance sie zur gesellschaftlichen Teilhabe haben, desto länger leben sie. Zwischen einzelnen Regionen bestehen große Unterschiede: Während Neugeborene im ohne Unterbrechungen erlebt haben, immer weniger. 2039 werden daher etwa reichen Landkreis Starnberg bei München durchschnittlich 83,4 Jahre alt werden, können Menschen zwölf Prozent der Rentnerhaushalte in Ost und West Grundsicherung beziehen. im rheinland-pfälzischen Pirmasens nur mit etwa 77,4 Jahren rechnen. (Datengrundlage: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung 37) (Datengrundlage: BBSR 38) 8 (Gem)einsame Stadt? (Gem)einsame Stadt? 9 Trend: Steigende (gesunde) Lebens­ erwartung Je jünger, desto besser gebildet Allgemeine Schulausbildung der Bevölkerung ab 50 Jahren, 2017 Aufgrund des medizinischen Fortschritts steigt die Lebenserwartung in Deutschland nahezu konstant. Ob eine Zunahme der Lebensjahre auch ein Mehr an gesunder, aktiver Lebenszeit bedeutet, wird in der in Prozent Fachwelt schon länger diskutiert. Nach der Expan­ 100 sionsthese, etabliert durch den Psychiater und Epidemiologen Ernest Gruenberg, führt der Anstieg der Lebenserwartung auch zu mehr Krankheitsjahren. Dank verbesserter Therapien können Menschen ­Infektionen besser überstehen und auch mit chroni­bezahlten Branchen und öfter in Teilzeit als Männer. schen Leiden immer länger leben. Ähnliches gilt für Frauen und Männer mit Migrations- tischere Kompressionsthese des Philosophen und Me- hintergrund: Aufgrund von Niedriglohnbeschäfti- diziners James Fries besagt dagegen, dass sich die gung und phasenweiser Arbeits­losigkeit treten sie die chronischen Erkrankungen, wie sie für das Alter Rente oft mit niedrigeren Ansprüchen an. ­typisch sind, zunehmend ans Ende der Lebenszeit 40 Die optimis­ verlagern und die Phase eingeschränkter Gesundheit Krankheit isoliert damit anteilig kürzer ausfällt. 41 90 70 80 60 70 50 60 40 50 30 40 20 In Deutschland hat die gesunde Lebenszeit zwi- samkeit eine Zunahme gesundheitlicher Probleme, schen 2010 und 2016 insgesamt zugelegt. Dennoch 10 eine frühere Pflegebedürftigkeit und sogar eine müssen 2016 geborene Mädchen und Jungen mit etwa 0 ­höhere Sterbewahrscheinlichkeit mit sich bringen. 16 respektive 13 Krankheitsjahren im Alter rechnen.42 Doch Krankheit kann nicht nur Folge, sondern auch Einiges deutet darauf hin, dass es insbesondere Men- Ursache von Einsamkeit und sozialer Isolation sein. schen mit besserer Bildung und höherem Einkom- Die kranke Hüfte, die am Besuch der Sportgruppe men gelingt, ihr gesundes Leben zu verlängern.43 Der oder des Tanzkurses hindert, das nachlassende Ge- sozioökonomische Status entscheidet also nicht nur hör, das vom Telefonieren abhält, oder die vermin­ über die Lebenserwartung, sondern auch über die derte Sehkraft, die dazu führt, dass man seltener aus Zahl der Jahre, die von Krankheit geprägt sind. 30 20 50–54 Jahre 10 55–59 Jahre schränkungen machen einsam. So berichten in Umfragen ältere Menschen, die ihren Gesundheits­ Im Deutschen Alterssurvey 2014 zeigen sich klare Un- zustand als schlecht beurteilen, auch von höherer terschiede im Einsamkeitsempfinden zwischen den Einsamkeit: In der repräsentativen Generali Alters­ verschiedenen Bildungsschichten: Befragte mit nied- studie 2017 unter 65- bis 85-Jährigen in Deutschland rigem Bildungsstand fühlen sich doppelt so häufig erleben 13 Prozent der Befragten mit schlechter Ge- einsam wie jene mit hoher Bildung (14,7 Prozent ge- sundheit häufig Einsamkeit, und 35 Prozent dersel- genüber 7,3 Prozent). 60–64 Jahre 65 Jahre und älter 0 50–54 Jahre 55–59 Jahre 60–64 Jahre 65 Jahre und älter ohne allgemeinen Schulabschluss Haupt- / Volksschulabschluss der polytechnischen Oberschule ohne allgemeinen Schulabschluss In der Altersgruppe der über 65-Jährigen haben fast 60 ProzentAbschluss der Menschen Realschule oder gleichwertiger Abschluss Haupt- / Volksschulabschluss einen Hauptschulabschluss. Unter den 50- bis 54-Jährigen halbiert sich der Fachhochschul- oder Hochschulreife Abschluss der polytechnischen Oberschule Anteil der Hauptschulabgänger auf knapp 30 Prozent, genausoohne vieleAngabe konnten zur Art des AbschlussesRealschule oder gleichwertiger Abschluss die Hochschulreife erlangen. Geringe Bildung – ein lebenslanger ­Einsamkeitsfaktor Rückgang ihrer sozialen Kontakte. Körperliche Ein- 100 80 Wie im vorangehenden Kapitel geschildert, kann Ein- dem Haus geht, bedeuten für ältere Menschen oft den 10 in Prozent 90 (Datengrundlage: Statistisches Bundesamt 46) Fachhochschul- oder Hochschulreife ohne Angabe zur Art des Abschlusses ben Gruppe erleben sie immerhin gelegentlich. Unter Generell bestimmt die Bildung, die ein Mensch lichkeit, arbeitslos zu werden und später unter Alters- Trend: Die Bildungsexpansion ­ trägt Früchte den Befragten, die ihren Gesundheitszustand als gut von Kindheit an erfährt, wesentlich, wie sich das wei- armut zu leiden.47 Damit wirkt Bildung indirekt auf Heutige Ältere sind im Vergleich zu ihren Kindern einschätzen, fühlen sich dagegen nur ein Prozent tere Leben entwickelt – denn sie wirkt entscheidend das Risiko, im Alter zu vereinsamen. Doch sie hat und Enkeln formal schlechter gebildet: Während häufig und neun Prozent gelegentlich einsam. Deut- auf andere Faktoren wie Gesundheit und Einkom- auch einen ganz direkten Einfluss auf Einsamkeit: heute mehr als die Hälfte eines Geburtsjahrgangs die lich wird der Zusammenhang auch bei der bereits men. Der Zusammenhang zwischen höherer Bildung Menschen mit höherem Bildungsniveau gelingt es in allgemeine Hochschulreife erreicht, waren die Abitu- erwähnten hohen Einsamkeit unter Bewohnerinnen und höherer Lebenserwartung ist weltweit gut be- der Regel, ein größeres Netzwerk aufzubauen und rienten unter den 1952 und früher Geborenen mit und Bewohnern von Pflege­heimen: Der Verlust der legt. Bildung führt statistisch betrachtet dazu, dass stabilere Beziehungen zu führen. Bildung sorgt au- 18 Prozent in der Minderheit. Die Babyboomer-Gene- Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen, der den Umzug in Menschen gesundheitliche Prävention betreiben, ßerdem dafür, dass Menschen weniger chronischen ration war die erste, die in Nachkriegsdeutschland eine Pflegeeinrichtung ­nötig macht, bedeutet auch Übergewicht vermeiden und eher auf Rauchen und Stress empfinden und unter weniger Angst, Nervosi- spürbar von der Bildungsexpansion profitierte: Von die Aufgabe der gewohnten Umgebung und damit oft übermäßigen Alkoholkonsum verzichten, was das tät und emotionaler Labilität leiden – was vorbeu- den zwischen 1958 und 1962 Geborenen verließen der sozialen Kontakte.39 (gesunde) Leben verlängert.45 Bildung steigert darüber gend gegen Einsamkeitsgefühle wirkt.48 bereits 28 Prozent die Schule mit der Hochschulreife. (Gem)einsame Stadt? 44 hinaus das Einkommen und senkt die Wahrschein- (Gem)einsame Stadt? 11 1 0,5 2020 2010 zwei Prozent beziehungsweise elf Prozent der Befrag2000 1990 1980 1970 Hochaltrige Singles Zahl der Einpersonenhaushalte0 in Deutschland nach Altersgruppen, in Millionen, 1972 bis 2018 ten mit Partner ­zutrifft. Die Beziehung zu den Kindern kann ebenso gegen Einsamkeit helfen, auch weil durch die Kinder Kon- 75 Jahre und mehr 70 bis unter 75 Jahre 65 bis unter 70 Jahre 60 bis unter 65 Jahre 55 bis unter 60 Jahre 4 3,5 3 takt zu anderen Menschen jüngeren Alters entsteht.53 Jedoch sind Eltern nicht unbedingt von Einsamkeit ausgenommen und Kinderlose nicht automatisch einsam: Die Qualität der Beziehung entscheidet, ob sie vor Einsamkeit schützt. Ist das Verhältnis gut, sind echte Begegnungen wirksamer als das Kontakthalten über Distanz. Doch es bringt wenig, wenn die Kinder 2,5 in der Nähe oder sogar im selben Haus leben, solange 2 1,5 die Beziehung nicht positiv und vertrauensvoll ist, wachsenen Kinder der jüngeren Alterskohorten wei- wie eine Studie unter deutschen und türkischstämmi- ter von ihren Eltern weg als in den Elterngeneratio- gen Älteren in Deutschland zeigt. nen davor. Gleichzeitig bleiben Kinder und ihre 54 Eltern auch über die Entfernung hinweg in engem 1 0,5 2020 2010 2000 1990 1980 1970 0 75 Jahre und mehr Einpersonenhaushalte haben bei allen Altersgruppen über 60 Jahren 70 zugenommen. bis unter 75 Jahre ­Besonders ausgeprägt ist der Anstieg bei den über 74-Jährigen. Das liegt anderem 65 bisunter unter 70 Jahre 60 bis unter 65 Jahre an der stark gestiegenen Lebenserwartung allgemein. Da Frauen in Partnerschaften meist 55 bis unter 60 Jahre Trend: Öfter Single, weiter weg vom Nachwuchs Kontakt und Austausch: Die Kontakthäufigkeit und Während in den älteren Generationen die Ehe beina- ren nicht verändert – hier dürften die neuen Kommu- he die universale Lebensform beim Eintritt in die nikationsmedien eine entscheidende Rolle spielen. Qualität der Beziehung hat sich seit den 1990er Jah- Rente war, haben viele der Babyboomer das traditio- Die Lebensrealität der älteren Generationen hat nelle Familienmodell hinter sich gelassen. Waren die sich also insgesamt stark gewandelt: Mehr Menschen 40- bis 54-Jährigen 1996 noch zu 83 Prozent verheira- erreichen das dritte Alter ledig, geschieden, ohne Kin- tet, galt das im Jahr 2014 für lediglich 67 Prozent. 55 der oder mit Kindern, die weit entfernt leben. Fami- Dafür steigt der Anteil der Ledigen und Geschiede- liäre Aufgaben sind für Senioren daher zur Ausnah- nen. Damit sind auch die Einpersonenhaushalte auf me geworden: Auch wenn die Zahl zuletzt leicht dem Vormarsch. gestiegen ist, ist aktuell lediglich weniger als ein Drit- Die Babyboomer entschieden sich deutlich selte- tel der Großeltern in die Betreuung der Enkelkinder die Jüngeren sind und zudem eine höhere Lebenserwartung als Männer haben, sind ner für Kinder als ihre Vorgängergenerationen. Seit es in den höchsten Altersgruppen vor allem sie, die verwitwet oder alleinstehend leben.49 den 1970er Jahren nimmt der Trend zu kleineren Fa- Für immer mehr Menschen ist es auch schon im (Datengrundlage: Statistisches Bundesamt 50, keine Daten für 1983 und 1984) milien beziehungsweise Kinderlosigkeit immer mehr mittleren Alter normal, das Leben ohne Partner und zu. Während Frauen, die 1930 geboren wurden, im mit weit entferntem oder gar keinem Nachwuchs zu Laufe ihres Lebens durchschnittlich 2,1 Kinder zur verbringen. Dies könnte bedeuten, dass die Menschen Welt brachten, hatten 1960 geborene Frauen nur früh ein außerfamiliäres Netzwerk aufbauen, auf das noch durchschnittlich 1,7 Kinder. sie auch im Alter zurückgreifen können. 56 eingebunden.58 Und auch die Beziehung zum eigenen Nachwuchs 12 hat sich gewandelt. So ist die Wohnform des Mehrge- Ohne Aufgabe – und ohne Netzwerk Dabei sind es vor allem die weiblichen Angehöri- Alleinstehende sind eher einsam nerationenhaushaltes stark vom Aussterben bedroht: Wer in soziale Aktivitäten eingebunden ist, ist weni- gen dieser Jahrgänge, die deutlich höhere Bildungs- In vielen Umfragen zur Einsamkeit geht das Vorhan- Drei- und Mehrgenerationenhaushalte machen nicht ger einsam – Engagierte sind öfters unter Menschen, abschlüsse als ihre Mütter erlangten. densein eines Partners oder einer Partnerin Hand in einmal mehr ein Prozent der Haushalte in Deutsch- die Zahl und die Häufigkeit der sozialen Kontakte Die Babyboomer dürften sich dank ihres höheren Hand mit geringeren Einsamkeitswerten. Für Ältere land aus.57 Die Wohnentfernung zwischen Eltern und steigen.59 Dabei zeigen Untersuchungen, dass man Bildungsniveaus also besser vor Einsamkeit schützen scheint insbesondere die Beziehung zum Ehepartner ihren erwachsenen Kindern hat sich dagegen in den sich für die positiven Effekte nicht einmal mit allen können als ihre Vorgängergenerationen. Jedoch konn- ein wichtiger Schutz vor Einsamkeit zu sein. Dies letzten Jahrzehnten ständig vergrößert. Lebten 1996 Kontakten bestens verstehen muss: Ein großes Netz- ten längst nicht alle ihre bessere Bildung auch in ein hilft allerdings nur, ­sofern der Partner als Vertrauens- bei etwa 40 Prozent der Eltern die erwachsenen Kin- werk ist unabhängig von der Qualität der Beziehun- hohes und regelmäßiges Einkommen umsetzen. Ob person gesehen wird. In der Generali Altersstudie der in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort, traf gen schon hilfreich gegen Einsamkeit. Unbedeutend, für den Taxi fahrenden Geisteswissenschaftler der 2017 geben alleinstehende Befragte höhere Einsam- dies 2014 nur noch bei einem Viertel der Eltern zu. wie groß und gut ihr bestehendes Netzwerk ist, füh- ­höhere Bildungsstand den Effekt eines geringeren keitswerte an: In der Altersgruppe der 65- bis 85-Jäh- Die Kinder von Hochgebildeten leben dabei im Durch- len sich Menschen auch weniger einsam, je öfter sie Einkommens in Sachen Einsamkeit im Alter abmil- rigen fühlen sich zehn Prozent der Singles häufig schnitt besonders weit weg. Der Trend dürfte sich in die Gelegenheit haben, unter Leuten zu sein und dern kann, bleibt abzuwarten. und 35 Prozent gelegentlich einsam, was für lediglich Zukunft weiter verstärken: Schon heute leben die er- neue Kontakte zu knüpfen.60 (Gem)einsame Stadt? 48 52 (Gem)einsame Stadt? 13 80 70 sind nur noch zehn Prozent gesellschaftlich aktiv. rufstätige Männer und Frauen aus der Arbeit heraus Prozent gesteigert. Besonders stark wuchs es bei den Enga­gement ist ebenso eng mit dem Bildungsstand soziale Kontakte und Freundschaften ergeben, müs- 65- bis 74-Jährigen, von denen sich 2014 etwa 42 Pro- verknüpft. Unter den Älteren wird dies besonders sen sich Ruheständler aktiv bemühen und mitunter zent engagierten – ein Indikator dafür, dass die Men- deutlich: Von den über 75-Jährigen 16.000 mit hohem Bil- eine neue Aufgabe suchen, um regelmäßig unter schen heute kurz nach dem Eintritt in den Ruhestand dungsstand bringen sich doppelt so viele gesellschaft- Menschen zu kommen. so fit und motiviert sind wie nie zuvor. lich ein (39 Prozent) wie von den über 75-Jährigen mit Ältere für Ältere Zielgruppe der freiwilligen Tätigkeit von Engagierten, Mehrfachnennung möglich, 2014 Menschen mit Migrationshintergrund über 75-Jährigen mit schlechtem Gesundheitszustand der über 55-Jährigen seit 1999 insgesamt um zehn Männer schen Freiwilligensurvey hat sich das Engagement werden immer wichtiger. Während sich für viele be- Ältere Menschen 0 Der Freundeskreis und außerfamiliäre Netzwerke Menschen mit Behinderung 10 auf. Der Grund ist oft die Gesundheit – unter den Frauen 20 lich einzubringen, wächst seit Jahren. Laut dem deut- finanziell / sozial schlechter gestellte Menschen 30 Im höheren Alter geben viele ihr Engagement Hilfe- oder Pflegebedürftige 40 Die Motivation, sich im Ruhestand gesellschaft- Kinder und Jugendliche 50 Trend: Hohe Motivation zu partizipieren – unter geeigneten Bedingungen Familien 60 55–64 Jahre 65–74 Jahre 75+ Jahre 18.000 14.000 niedriger Bildung (18 Prozent). Auch das Beschäfti12.000 gungsniveau spielt eine Rolle: In Regionen mit nied10.000 riger Arbeitslosigkeit engagieren sich mehr Menschen als in Regionen mit vielen Arbeitslosen. Da 8.000 Menschen, die in der Vergangenheit soziale Aufgaben Immer weniger kleine Läden Anzahl der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland nach Betriebsformen, 2010 bis 2018 18.000 16.000 14.000 12.000 10.000 8.000 übernommen haben, eher bereit sind,6.000 dies auch spä- 6.000 ter wieder zu tun, dürften es Regionen mit niedriger 4.000 4.000 Arbeitslosigkeit besonders leicht haben, ihre Ruhe2.000Das Gegenständler fürs Engagement zu gewinnen. teil gilt für Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit.62 0 Für das Engagement spricht für Ältere an vor­ 2010 2.000 0 2011 2012 2013 2014 derster Stelle die Gelegenheit, sympathischen Men- 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 schen auch aus anderen Generationen zu begegnen und Spaß zu haben. Ein Hindernis ist die Befürchin Prozent tung, sich zu hohem Stress auszusetzen und sich zu 80 sehr zu binden. So berichtete fast die Hälfte der über 65-Jährigen, die sich noch nie engagiert haben, dass 70 Discounter Supermärkte Kleine Lebensmittelgeschäfte Große Supermärkte SB-Warenhäuser 2015 2016 Discounter Supermärkte Kleine Lebensmittelgeschäfte Große Supermärkte SB-Warenhäuser sie keine Verpflichtungen haben wollen.63 Generell bevorzugen Senioren zeitlich flexible, häufig auch 60 zeitlich begrenzte Formen des Engagements.64 50 Während die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland insgesamt sinkt, sind es insbesondere die kleinen 40 30 20 Mobilität und Infrastruktur für ­gesellschaftliche Teilhabe Geschäfte mit weniger als 400 m2 Verkaufsfläche, die Wer regelmäßig aus dem Haus geht, um eine Kleinig- die auf Flächen bis zu 1.000 m2 umschlagstarke Artikel keit einzukaufen, den Arzt aufzusuchen oder andere anbieten. Zuletzt nahmen auch die Supermärkte mit einer schließen. In Deutschland sind Discounter am häufigsten, Menschen mit Migrationshintergrund Männer Menschen mit Behinderung Frauen Kontakt. Ältere haben dabei oft einen verringerten finanziell / sozial schlechter gestellte Menschen 0 Hilfe- oder Pflegebedürftige (Datengrundlage: EHI Retail Institute e.V.67) Kinder und Jugendliche tisch leichter unter Menschen und hat mehr sozialen Familien Fläche zwischen 400 bis 2.500 m2 zu. Ältere Menschen Notwendigkeiten zu erledigen, der kommt automa10 Aktionsradius: Was oder wen ein Mensch innerhalb von 20 Minuten erreichen kann, ist für die altersfreundliche Stadt Newcastle eine entscheidende Frage, wenn es darum geht, ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.65 Besonders Senioren sind daher auf kurze Wege und eine gute Trend: Weniger vor Ort, mehr digital? Verkehrsanbindung angewiesen, um Freunde im Café Das Angebot an Geschäften und Mobilitätsinfrastruk- zu treffen, ihr Engagement ausüben zu können, oder tur ist ­momentan einem starken Wandel unterwor- auch, um im höheren Alter noch selbstständig ein- fen. So leidet der Einzelhandel überall unter dem für andere ältere Menschen mit. Von den Engagierten über 75 Jahren setzen sich fast kaufen zu gehen. Echte Kontakte sind zwar wertvol- wachsenden Onlinegeschäft. Experten erwarten, dass 70 Prozent für ihre Altersgenossen ein. ler, um Einsamkeit vorzubeugen, aber auch das Inter- zahlreiche etablierte Einzelhandelsketten ihre statio- (Datengrundlage: Vierter Deutscher Freiwilligensurvey 61) net kann für manche als Fenster in die Welt dienen.66 nären Geschäfte nicht auf Dauer halten können.68 Im Gegensatz zu Engagierten aus jüngeren Altersgruppen, die sich besonders häufig für Kinder, Jugendliche und Familien einsetzen, arbeiten die Älteren besonders oft in Projekten 14 2017 2018 (Gem)einsame Stadt? 55–64 Jahre 65–74 Jahre 75+ Jahre (Gem)einsame Stadt? 15 Fazit: Randgruppen sind besonders gefährdet Trends für das Alter in der Zukunft 1. Altersarmut nimmt zu 2. Die Anzahl gesunder Lebensjahre wächst Nicht jeder ist von Einsamkeit gleichermaßen betroffen – es gibt Hochrisikogruppen. Dennoch geht das Thema alle an. Ein nationaler Dialog könnte weiterhelfen. 3. Das Bildungsniveau steigt 4. Familiäre Nahbeziehungen werden seltener 5. Engagement wird gesucht, muss aber passen 6. Digitalisierung ermöglicht neue Mobilität Regionen dürften daher automatisch mehr von Einsamkeit und Isolation betroffen sein. Dass ältere Dorfbewohner bereits jetzt zunehmend Schwierigkeiten haben, mobil zu bleiben, zeigt sich seit einiger Zeit 16 E insamkeit im Alter hat verschiedene Gründe, das mit Einsamkeit verbundene Stigma zu reduzie- die von unterschiedlichen gesellschaftlichen ren. Breite Aufklärung über die Risikofaktoren kann Trends beeinflusst werden. Einerseits wird dazu beitragen, Menschen für die Einsamkeit ihrer die Altersarmut insgesamt steigen, mehr Menschen Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder zu sensi- an der Zunahme von Krankenfahrten. Neue Mobili- werden ohne Partner und ohne Kinder alt, und der bilisieren sowie der eigenen Einsamkeit ­vorzubeugen. täts- und Versorgungskonzepte wie Bürgerbusse, Infrastruktur-Abbau im ländlichen Raum wird eher Dies wird in Großbritannien bereits umgesetzt: Die In ländlichen Regionen ist der Rückbau und Wandel Sammeltaxis und mobile Dienste sind also dringend zunehmen. Diese Entwicklungen begünstigen Ein- britische Regierung ernannte 2018 eine Einsamkeits- des Einzelhandels schon länger und deutlicher zu notwendig, damit die ältere Landbevölkerung nicht samkeit. Andererseits werden sich mehrere Trends ministerin. Einsamkeit fließt seither als Querschnitts- spüren als in der (Groß-)Stadt. Die Zahl kleiner Einzel- den Anschluss verliert. Leider laufen solche Projekte auch positiv auf die Einsamkeit der morgigen Älteren thema in verschiedene Strategien der Ministerien für händler in der Dorfmitte nimmt seit Jahren ab, zu- bisher kaum flächendeckend und häufig nur als Pilot- auswirken: Diese werden durchschnittlich so mobil, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Wirtschaft, Digitales gunsten großer Discounter am Ortsrand, die meist projekte in einzelnen Gemeinden. gesund, gebildet, engagiert und digital aktiv alt wie und Transport ein und wird in Zukunft beispiels­ keine Generation vor ihnen. weise im Schulunterricht thematisiert. Zusätzliche 71 nur mit dem Auto zu erreichen sind. Auch Banken Die Digitalisierung und die neuen Kommunikati- ziehen sich zunehmend aus den kleinen Ortschaften onsmedien wecken die Hoffnung, neue Formen des Die genannten Faktoren wirken nicht nur unab- Gelder stehen für Präventionsmaßnahmen wie die zurück, während Hausärzte auf dem Land häufig kei- Austausches zu bieten und neue Mobilitätsangebote hängig voneinander, sondern stehen in engem Zusam- Etablierung von Gemeinschaftsorten zur Verfügung.73 nen Nachfolger finden. in dünn besiedelten Gebieten zu ermöglichen. Die menhang. Niedriges Einkommen, zeitweise Arbeitslo- Eine große Kampagne mehrerer britischer Stiftungen Zum nachlassenden Einkaufsangebot kommt im heutigen Senioren stehen den digitalen Medien je- sigkeit, schlechte Gesundheit, niedriger Bildungsstand, sorgt für zusätzliche mediale Aufmerksamkeit: In ländlichen Raum auch noch ein Aussterben des öf- doch mehrheitlich kritisch oder desinteressiert gegen- digitaler Analphabetismus und geringes freiwilliges den sozialen Medien wird dafür geworben, wieder fentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV ): Der hohe über – zwei Drittel der 75- bis 85-Jährigen sind »inter- Engagement kommen häufig zusammen und stellen mehr auf andere Menschen zuzugehen und Einsam- Motorisierungsgrad sowie der anhaltende Bevölke- net-abstinent«. In den älteren Jahrgängen ist auch die Menschen an den Rand der Gesellschaft. Leben keit im eigenen Umfeld nicht einfach auszublenden.74 rungsschwund aus ländlichen Regionen führen dazu, noch das traditionelle Geschlechterbild spürbar, in sie zudem in Regionen mit nachlassender Infrastruk- Solche nationalen Kampagnen würden es auch den dass immer weniger Menschen Busse und Bahnen dem Technik einen »typisch männlichen« Bereich dar- tur, haben sie noch geringere Chancen, der Gefahr deutschen Kommunen erleichtern, lokale Maßnah- nutzen und der ÖPNV stark ausdünnt. Häufig sind die stellt: Ältere Frauen nutzen die neuen Technologien der Vereinsamung zu entkommen. In Zeiten zuneh- men gegen Einsamkeit durchzusetzen. einzigen regelmäßigen Verbindungen am Tag Schul- deutlich weniger als die Männer. Noch stärker als ein mend individueller Lebensstile nimmt zudem die Be- busse. Wenn durch den demografischen Wandel im- hohes Alter ist allerdings der Effekt des Einkommens deutung außerfamiliärer Netzwerke zu: Diese aufzu- mer weniger Kinder eingeschult werden, dürften je- auf die Internetnutzung: Unter über 65-Jährigen mit bauen, ist für Arme und Kranke jedoch schwerer. So doch auch diese langsam wegfallen. Mobilität und niedrigem sozioökonomischen Status nutzen es ledig- erstaunt es nicht, dass im Deutschen Alterssurvey damit auch die soziale Einbindung sind auf dem Land lich 23 Prozent. Für die große Mehrheit dieser Grup- 2014 fast die Hälfte der Befragten, die sich als sozial immer mehr vom Auto abhängig. pe besteht also die Gefahr der digitalen Exklusion. exkludiert, also auf gesellschaftlicher Ebene ausge- 69 Zwar sind die heutigen Senioren mobil wie nie, Die jüngeren Generationen werden den »digitalen schlossen wahrnehmen, auch Einsamkeit empfindet. insbesondere weil sich inzwischen deutlich mehr Graben« teilweise überwinden: Denn die heute 65- bis Kommunen müssen daher mit gezielten Angebo- Frauen hinters Steuer setzen als früher. Doch Auto- 74-Jährigen haben die Anfänge der digitalen Revolu- ten auf diese Hochrisikogruppen zugehen. Das fol- fahren kann sich nicht jeder leisten: Weniger als die tion teilweise noch im Berufsleben miterlebt und gende Kapitel gibt dazu konkrete Vorschläge. Doch Hälfte der Senioren mit niedrigem sozioökonomi- sind dem Internet und Smartphones gegenüber deut- auch auf überregionaler Ebene sollte das Thema Ein- schem Status nutzt einer Umfrage zufolge regelmäßig lich aufgeschlossener. 51 Prozent nutzen das Internet samkeit – insbesondere, aber nicht nur im Alter – ein Auto im Alltag. mehrmals pro Woche oder häufiger. mehr Platz einnehmen. Ein nationaler Dialog kann 70 Auch aus gesundheitlichen 72 Gründen ist selbst zu fahren für manche keine Op­ zum Ziel haben, die Vermeidbarkeit und »Heilbarkeit« tion. Arme oder kranke Senioren in den ländlichen von Einsamkeit in den Vordergrund zu stellen und (Gem)einsame Stadt? (Gem)einsame Stadt? 17 Handlungsempfehlungen für Kommunen Das Dokk1 in Aarhus ist eine Bibliothek – und gleichzeitig ein für alle ­einladender Ort der absichtslosen Begegnung Was Verwaltung, Politik und ihre Verbündeten aus Wirtschaft, Sozial-, Kulturund Bildungsinstitutionen vor Ort gegen Einsamkeit tun können Strategie entwickeln Wohnen »mit Anschluss« fördern Soziale Partizipation ermöglichen Öffentliche Orte gestalten Wenn Kommunen die Gefahren der Einsamkeit für ihre älteren Kaum etwas prägt das subjektive Gefühl, einsam zu sein, so stark Menschen, die an Aktivitäten mit anderen teilhaben und sich Begegnung und soziales Miteinander verhindern Einsamkeit – Bewohner und die Gesellschaft erkennen, ist bereits ein erster wie die eigene Wohnsituation. Kommunale Verwaltungen und engagieren, sind weniger gefährdet, einsam zu sein. Deshalb ist und brauchen Orte. Im Umkehrschluss gilt: Wo Begegnungsorte Schritt getan: die Sensibilisierung der Verwaltung und lokaler Wohnungswirtschaft haben keinen Einfluss auf private Lebens- alles zu fördern, was ältere Menschen in sozialen Kontakt und im öffentlichen Raum fehlen, sind mehr Menschen isoliert. In der Organisationen für die Relevanz des Themas. Die Vermeidung führung. Aber sie können bei Wohnungsbau und -modernisie- Verantwortung für andere bringt. Wichtig zu wissen: Engage- Stadtentwicklung und ihrem Sozialraummanagement sollten von Einsamkeit im Alter gehört zur Altersfreundlichkeit von rung, Quartiers- und Stadtentwicklung wichtige Weichen stellen ment und soziale Aktivitäten sollten Menschen angeboten wer- Kommunen attraktive Orte daher mitbedenken. Das bedeutet Kommunen. Denn altersfreundlich zu sein, bedeutet mehr, als dafür, dass Ältere nicht nur möglichst lange im gewohnten den, bevor sie vereinsamt sind, im besten Fall schon in Lebens- einerseits, soziale Orte, an denen sich Menschen sowieso über nur Sitzgelegenheiten oder Aufzüge im öffentlichen Raum zu Umfeld in altersgerechten Wohnungen leben können, sondern phasen, in denen sie beruflich und familiär gut eingebunden den Weg laufen, wie Bahnhofsplätze oder Dorfkerne, attraktiv zu schaffen: Ganz wichtig ist auch die gesellschaftliche Einbindung auch an Gemeinschaftsangebote und Begegnungsräume ange- und gesundheitlich fit sind. Solche Angebote sollten primär ein gestalten, z. B. durch ansprechende Architektur und Möglich- Älterer. Wird auf nationaler Ebene mehr zu Einsamkeit disku- schlossen bleiben. Gerade für sozial Schwächere, die stärker gemeinsames Interesse oder ein Lernziel in einer Gruppe verfol- keiten zum Austausch, wie Sitzgruppen. Es bedeutet aber auch, tiert, kann das Kommunen helfen, das Thema auf lokaler Ebene von Einsamkeit bedroht sind, muss es bezahlbare Angebote für gen, mit sozialem Kontakt als Nebenprodukt. Aber auch Men- viel stärker quartiersnahe Bürgerhäuser und Treffpunkte jeder aufzugreifen und in Maßnahmen umzusetzen. Eine Prüfung der »Wohnen mit Anschluss« geben. Spätestens mit den Baby­ schen, die bereits von Einsamkeit betroffen sind, müssen gezielt Größe einzurichten. Wichtig: Besonders den finanziell Schwä- Risikofaktoren vor Ort und Bürgerbefragungen bilden dabei die boomern werden auch Generationen alt, die neuen Wohnfor­ angesprochen werden. Hier reicht es nicht, Angebote zu schaf- cheren fehlen Orte, an denen sie ohne Konsumzwang unter Leute Basis, um geeignete Konzepte zur Prävention und Minimierung men wie z. B. Alters-WGs gegenüber aufgeschlossener sind. fen, die auf Eigeninitiative in Anspruch genommen werden kön- kommen. Vieles können Städte auch mit Partnern gemeinsam von Einsamkeit zu entwickeln. Die Kommunen sollten beson- nen. Diese Hürde ist für Betroffene oft zu hoch. Denn Menschen organisieren. Bibliotheken, Sporthallen, Supermärkte – vor­ deres Augenmerk auf Gruppen legen, die häufig von Einsamkeit MÖGLICHE MASSNAHMEN: ziehen sich durch lange Einsamkeit immer mehr in die private handene Infrastruktur kann vielfach neu genutzt werden. Eine betroffen sind, aber noch selten in Untersuchungen vorkommen • Altersfreundliche Wohnungssanierungen unterstützen: Sphäre zurück. Sie müssen durch zugewandte, aktivierende Faustregel, die sich im britischen Newcastle bewährt: Begeg- Beratungsangebote und ein sensibles, nicht stigmatisierendes nungsorte und Angebote zur sozialen Versorgung sollten von Umfeld an Teilhabemöglichkeiten herangeführt werden. Dazu den ­Bürgern in maximal 20 Minuten erreicht werden können, um gehören individuelle und aufsuchende Angebote, wie Telefon- auch für Ältere mit eingeschränkter Mobilität attraktiv zu sein. oder von Programmen angesprochen werden: Dazu gehören Hochaltrige (im Alter von über 85), Pflegeheimbewohner, aber auch pflegende Angehörige. Älteren ermöglichen, im gewohnten sozialen Umfeld zu b ­ leiben • Mehr kleine Wohnungen in zentraler Lage für alleinlebende Ältere anbieten • Gemeinschaftsräume in Neubauten einplanen MÖGLICHE MASSNAHMEN: • Datencheck durchführen: Welche Risikofaktoren treffen auf die lokalen Alterskohorten zu? • Bürger befragen: Wie leben die Älteren und was brauchen sie? • Besonderes Augenmerk auf Risikogruppen legen: Hochaltrige (85+/90+), Pflegeheimbewohner, Ältere mit körperlichen ­Einschränkungen wie schwindendes Hören oder Immobilität, pflegende Angehörige • Das Thema enttabuisieren: Kampagnen und Veranstaltungen zu Einsamkeit oder Besuchsdienste durch Ehrenamtliche. • Generationenübergreifendes Wohnen fördern MÖGLICHE MASSNAHMEN: • Innovative Wohnformen erproben und fördern: Junge Alte MÖGLICHE MASSNAHMEN: ­frühzeitig zum Zusammenleben motivieren, solange Umzug • Öffentliche soziale Orte bewusst gestalten, damit (zufällige) • Gute Rahmenbedingungen für Engagement schaffen noch gesundheitlich möglich ist • Selbstorganisation durch Ältere zulassen Orte aufwerten • Engagementbörsen anbieten BEISPIELE: • Selbst neue Angebote schaffen: Gruppenaktivitäten zur Modellprojekt LeNa Hamburg – lebenslanges Wohnen ­Prävention, Individualangebote für stark Isolierte in lebendigen Nachbarschaften75 • Angebote für Senioren mit Blick auf soziale ­Einbindung Stiftungsdorf Ellener Hof, Bremer Heimstiftung76 ­umbauen, z. B. »Oma auf Rädern« statt »Essen auf Rädern« Generationernes Hus, Aarhus/Dänemark (siehe Seite 22 – 24) • Politische Partizipation Älterer zum Beispiel in Senioren­ • Kommunale Partner, zum Beispiel Bildungs-, Gesundheits-, beiräten ermöglichen und ernst nehmen Kultureinrichtungen sensibilisieren Angeboten, Partnern, Standorten BEISPIEL: Digitale Plattform Genlyd, Aarhus/Dänemark (siehe Seite 22 – 24) 18 (Gem)einsame Stadt? • Explizite Treffpunkte schaffen, z. B. multifunktionale Geschäfte mit Einkaufsmöglichkeit, Kaffee-Ecke, Bibliothek, Behörden­funktion, kulturellem Angebot • Orte ohne Konsumzwang konzipieren, um finanziell ­Schwächere einzubeziehen • Für Menschen im ländlichen Raum: Gute Mobilitätsangebote zu diesen Orten schaffen Foto: Dokk1/Adam Mørk • Angebote bündeln: Synergien erzeugen zwischen ­vorhandenen generationenübergreifende Begegnung möglich wird • Durch ansprechende Architektur und Bauweise soziale BEISPIELE: Good morning Louth, County of Louth/Irland 77 BEISPIEL: Silbernetzhotline, Berlin und Brandenburg Dokk1, Aarhus, Dänemark (siehe Seite 22 – 24) 78 SeniorPartner-Tandems, Diakonie Hamburg79 Kotitori und Lähitori, Tampere/Finnland 80 DORV-Zentrum Barmen81 (Gem)einsame Stadt? 19 Quellenangaben 1 Bundesministerium für Familie, Senioren & Frauen und Jugend (2019). Frauen und Männer in der ­zweiten Lebenshälfte – Älter­werden im sozialen Wandel. Zentrale Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 1996 bis 2017. Berlin. 2 Mahne, K. et al. (2017). Altern im Wandel. Zwei ­Jahr­zehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS). s. l.: ­Springer. bit.ly/2krcYLF (14.10. 2019). 3 Hansen, T. & Slagsvold, B. (2016). Late-Life Loneliness in 11 European Countries: Results from the Generations and Gender Survey. Social Indicators Research, 129(1), S. 445 – 464. bit.ly/1GH66sg (14.10. 2019). 4 Jong Gierveld, J. de & van Tilburg, T. (2010). The De Jong Gierveld short scales for emotional and social loneliness. Tested on data from 7 countries in the UN generations and gender surveys. European journal of ageing, 7(2), S. 121 – 130. Aktiv informieren, sensibel kommunizieren 5 Vogel, C. et al. (2019). Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte. Älterwerden im sozialen Wandel. Wiesbaden: Springer VS. bit.ly/2lChOFX (14.10. 2019). Wenn Einsamkeit als kommunales Thema erkannt und gezielte Angebote und Orte zur Partizipation und Begegnung geschaffen viele Kanäle an die Bürger getragen werden. Neue digitale 6 Luhmann, Maike Hawkley, Louise C. (2016). Age differences in loneliness from late adolescence to oldest old age. Developmental Psychology, 52(6), S. 943 – 959. bit.ly/2lCi0VH (14.10. 2019). ­Kommunikationskanäle können genutzt werden, um Kontakt- 7 börsen und Nachbarschaftsangebote auszubauen. Während 8 SPLENDID RESEARCH GmbH (2019 & 2017). Wie einsam fühlen sich die Deutschen? Repräsentative Umfrage. bit.ly/2lLtOos (14.10. 2019). wurden, sollten die Informationen dazu auch über möglichst heutige Ältere noch an die digitalen Medien herangeführt wer- 9 den müssen, sind die Babyboomer gegenüber Smartphone und 10 Internet schon deutlich aufgeschlossener. Nur scheinbar ein »einsam« stigmatisiert werden. Immer zu bedenken: Wer schon in Einsamkeit lebt, hat auch seine Kommunikationskanäle 13 ­eingeschränkt, kann aber vielleicht mit Informationen an Orten MÖGLICHE MASSNAHMEN: • Die Risikogruppen über die Angebote der Kommunen aktiv informieren: Zum Renteneintritt oder zu runden Geburtstagen 15 Deutscher Bundestag 19. Wahlperiode (2018). Einsamkeit im Alter – Auswirkungen und Entwicklungen. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Katrin Werner, Dr. Petra Sitte, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 19/4314. dipbt.bundestag.de​/​ dip21/​btd/​19/​047/​1904760.pdf (14.10. 2019). im hohen Alter Informationsmaterial verschicken oder Haus­ besuche abstatten, um so auch Daten zu Problemregionen zu erheben (analog zu Besuchen bei der Erstgeburt in vielen • Ärzte ermuntern, chronisch einsamen Älteren soziale S. Endnote 8. 14 Huxhold, O., Engstler, H. & Hoffmann, E. (2019). Entwicklung der Einsamkeit bei Menschen im Alter von 45 bis 84 Jahren im Zeitraum von 2008 bis 2017. www.dza.de​/​informationsdienste/​gerostat/​index. php?eID=tx_​securedownloads&p=112&u=0&g=0&t=1562 676776&hash=03a61b7bcdc4b2f2516699b01c68a126754 1914b&file=/​fileadmin/​dza/​pdf/​factsheets/​Fact_​Sheet_​ Einsamkeit_​2019_​05_​16_​Internet.pdf (14.10. 2019). wie Arztpraxen oder in Apotheken erreicht werden. ­sensibilisieren, sodass diese auf Angebote hinweisen können S. Endnote 5. 12 Generali Deutschland AG, Köcher, R. & Sommer, M. (2017). Generali Altersstudie 2017. Wie ältere Menschen in Deutschland denken und leben. Berlin, Heidelberg: Springer. sollten nicht explizit als solche benannt sein. Niemand will als Kommunen) S. Endnote 6. 11 Ruhr-Universität Bochum (2019). Einsamkeit und soziale Isolation im hohen Alter. bit.ly/2lE9Qw8 (14.10. 2019). Widerspruch: Infrastruktur und Angebote gegen Einsamkeit • Hausärzte, Pflegedienstleister, Apotheken, Friseure, Bäcker S. Endnote 6. »Sollen wir zusammen einen Kaffee trinken?« oder »Wollen wir uns bald mal sehen?« – simpel und ansprechend funktionieren die Postkarten aus dem Genlyd-Programm in Aarhus als Gesprächseröffnung. Sie sind in der ganzen Stadt präsent 16 S. Endnote 12. 17 Zeckra, C., Amrhein, A., Sittler, L. & Kruse, A. (2014). Generali Hochaltrigenstudie: Teilhabe im hohen Alter. Köln und Heidelberg. bit.ly/2aEBu53 (14.10. 2019). 18 Victor, C. (2012). Loneliness in care homes: A neglected area of research? Aging Health. (8), S. 637 – 646. bit.ly/2lDowf1 (14.10. 2019). ­Angebote zu »verschreiben« BEISPIELE: 19 Social Prescribing, Rotherham/England82, ­nationale 20 Statistisches Bundesamt (2019). GENESIS-Online Datenbank. Wiesbaden. bit.ly/2BYrYDp (14.10. 2019). ­Ausweitung des Programms durch Einsamkeits­strategie Digitales Schwarzes Brett: Plattform www.genlydaarhus.dk der Stadt Aarhus (siehe Seite 22 – 24) Nachbarschaftsplattform nebenan.de 20 (Gem)einsame Stadt? 84 Postkarten: Genlyd Aarhus der Regierung geplant 83 S. Endnote 1. 25 Hakulinen, C. et al. (2018). Social isolation and ­loneliness as risk factors for myocardial infarction, stroke and mortality. UK Biobank cohort study of 479 054 men and women. Heart (British Cardiac Society), 104(18), S. 1536 – 1542. 26 Rafnsson, S. B. et al. (2017). Loneliness, Social ­Inte­gra­tion, and Incident Dementia Over 6 Years. Prospective Findings From the English Longitudinal Study of Ageing. The journals of gerontology. Series B, Psycho­ logical sciences and social sciences. 49 S. Endnote 2. 50 S. Endnote 20. 51 S. Endnote 20. 52 S. Endnote 32. 53 S. Endnote 4. 27 Jacob, L. et al. (2019). Relationship between living alone and common mental disorders in the 1993, 2000 and 2007 National Psychiatric Morbidity Surveys. PloS one, 14(5), e0215182. 54 S. Endnote 28. 55 S. Endnote 2. 56 S. Endnote 20. 28 Fokkema, T. & Naderi, R. (2013). Differences in late-life loneliness. A comparison between Turkish and native-born older adults in Germany. European journal of ageing, 10(4), S. 289 – 300. 57 Statistisches Bundesamt (2016). Pressemitteilung Nr. 263. bit.ly/2k7pNdI (14.10. 2019). 29 Hanratty, B. et al. (2018). Loneliness as a risk factor for care home admission in the English Longitudinal Study of Ageing. Age and ageing, 47(6), S. 896 – 900. 30 Gerst-Emerson, K. & Jayawardhana, J. (2015). Loneliness as a public health issue. The impact of loneliness on health care utilization among older adults. American journal of public health, 105(5), S. 1013 – 1019. 31 Cacioppo, J. T. et al. (2008). Alone in the Crowd. The Structure and Spread of Loneliness in a Large Social Network. SSRN Electronic Journal. 32 Hawkley, L. C. et al. (2008). From social structural factors to perceptions of relationship quality and loneliness. The Chicago health, aging, and social relations study. The journals of gerontology. Series B, Psychological sciences and social sciences, 63(6), S. 375 – 384. 33 Böhnke, P. & Link, S. (2017). Poverty and the Dynamics of Social Networks. An Analysis of German Panel Data. ­European Sociological Review, 33(4), S. 615 – 632. 34 Haushalte, in denen mindestens eine Person Rente bezieht und Anspruch auf Grundsicherung im Alter hat 35 Geyer, J. et al. (2019). Anstieg der Altersarmut in Deutschland: Wie wirken verschiedene Rentenreformen? www.bertelsmann-stiftung.de​/​de/​publikationen/​ ­publikation/​did/​anstieg-der-altersarmut-in-deutschlandwie-wirken-verschiedene-rentenreformen/​(14.10. 2019). 36 Damm, T. & Klingholz, R. (2017). Frauen im Ruhestand. bit.ly/2yaWkEC (14.10. 2019). 37 S. Endnote 35. 38 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2017). Lebenserwartung neugeborener Mädchen/neugeborener Jungen – Landkreise und kreisfreie Städte. Bonn. bit.ly/2lYzXhe (14.10. 2019). 39 S. Endnote 18. 40 Statistisches Bundesamt, Deutsches Zentrum für Altersfragen & Robert Koch Institut (2009). Gesundheit und Krankheit im Alter (Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes). bit.ly/2k7jEON (14.10. 2019). 41 Sütterlin, S. (2017). Hohes Alter, aber nicht für alle. Wie sich die soziale Spaltung auf die Lebenserwartung auswirkt (Originalausgabe Juni 2017). Berlin. 42 Eurostat (2019). Healthy life years statistics. bit.ly/2k7k3kh (14.10. 2019). 43 Max-Planck-Institut für demografische Forschung (2016). Interview: Die Jahrhundert-Frage der Demografie. bit.ly/2kng0k1 (14.10. 2019). 44 Baker, D. P., Leon, J., Smith Greenaway, E. G., Collins, J. & Movit, M. (2011). The education effect on population health. A reassessment. Population and ­development review, 37(2), S. 307 – 332. 21 Holtemöller, O. et al. (2018). Zu den rentenpolitischen Plänen im Koalitionsvertrag 2018 von CDU, CSU und SPD: Konsequenzen, Finanzierungsoptionen und Reformbedarf (IWH Discussion Papers 5/2018). bit.ly/2kbJjG6 (14.10. 2019). 45 Klingholz, R. & Lutz, W. (2016). Wer überlebt? Bildung entscheidet über die Zukunft der Menschheit (1. Aufl.). Frankfurt: Campus Verlag. 22 S. Endnote 20. 46 23 Cima (2019). Cima Deutschlandprognose. Hannover. 47 Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufs­ forschung (IAB) (2014). Lebensverdienste nach Qualifikation: Bildung lohnt sich ein Leben lang (IAB-Kurzbericht). bit.ly/2lGjVsi (14.10. 2019). 24 Slupina, M. et al. (2019). Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind (1. Auflage). Berlin: Berlin Institut f. Bevölkerung u. Entwicklung. 48 Bishop, A. J. & Martin, P. (2007). The Indirect Influence of Educational Attainment on Loneliness among Unmarried Older Adults. Educational Gerontology, 33(10), S. 897 – 917. S. Endnote 20. 58 S. Endnote 2. 59 S. Endnote 6. 60 S. Endnote 32. 61 Vogel, C. et al. (2017). Freiwilliges Engagement älterer Menschen. Sonderauswertungen des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys. Berlin. 62 S. Endnote 61. 63 Simonson, J. et al. (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer Fachmedien. 64 Institut für Demoskopie Allensbach (2012). ­Generali Altersstudie 2013. Frankfurt am Main (21.06.19). 65 Kiziak, T. et al. (2014). Stadt für alle Lebensalter. Wo deutsche Kommunen im demografischen Wandel stehen und warum sie altersfreundlich werden müssen (Originalausg. Nov. 2014). Berlin: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. 66 ZDF heute (2018). Problem Einsamkeit. Interview mit der Psychologin Maike Luhmann. bit.ly/2lK79ca (14.10. 2019). 67 EHI Retail Institute e. V. (2019). Anzahl der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland nach Betriebsformen (2010 – 2018). Köln. bit.ly/2kcf3uM (14.10. 2019). 68 Kolf, F. (03.01.19). Der Einzelhandel droht 2019 zum Opfer der Digitalisierung zu werden. Handelsblatt. bit.ly/2m8j8Rn (14.10. 2019). 69 Klingholz, R., Slupina, M. & Sütterlin, S. (2015). Von Hürden und Helden. Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt (Originalausg.). Berlin. 70 S. Endnote 12. 71 S. Endnote 69. 72 S. Endnote 12. 73 Büro der britischen Premierministerin (2018). PM launches Government’s first loneliness strategy. 10 Downing Street, London. bit.ly/2kzvfX3 (14.10. 2019). 74 Campaign to End Loneliness (2019). About the ­campaign. bit.ly/IX7ZJz (14.10. 2019). 75 https://www.saga.hamburg/fuer-unsere-mieter/ service-center/lena-lebendige-nachbarschaft, http:// www.proquartier.de/quartiersentwicklung/lena-leben­ dige-nachbarschaft/ (14.10. 2019) 76 https://www.bremer-heimstiftung.de/wohnen/ haeuser/stiftungsdorf-ellener-hof/ (14.10. 2019) 77 https://www.netwellcasala.org/good-morning-louth/ 78 https://www.silbernetz.org/ (14.10. 2019) 79 https://www.diakonie-hamburg.de/de/rat-und-hilfe/ pflege/unterstuetzung-zu-hause/besuchs--und-begleitdienste/ (14.10. 2019) 80 https://www.koerber-stiftung.de/haus-im-park/ offene-orte/tampere (14.10. 2019) 81 https://www.dorv.de/konzept---idee/index.php (14.10. 2019) 82 https://www.varotherham.org.uk/social-prescribingservice/ (14.10. 2019) 83 S. Endnote 77. 84 https://nebenan.de/about (14.10. 2019) (Gem)einsame Stadt? 21 EINE EXPEDITION NACH AARHUS Stadt gegen Einsamkeit Im Rahmen der Expedition Age & City 2019 besuchte die Körber-Stiftung Aarhus. Die Teilnehmenden aus deutschen Kommunen lernten viele innovative Angebote gegen Einsamkeit kennen. Und eine visionäre Verwaltung. D ie zweitgrößte dänische Stadt hat der Ein- Älteren fit und zufrieden bleiben, damit sie die Ange- selbst organisierte Treffen und Aktivitäten. So wird samkeit den Kampf angesagt. Dafür steht bote des Wohlfahrtsstaates so spät wie möglich in ein Ökosystem für absichtsvolle und absichtslose Be- eine umfassende städtische Strategie, die ein Anspruch nehmen müssen. Um auch Menschen zu gegnungen geschaffen. Auch das Folkestedet, ein lebendiges Miteinander fördert und soziale Isolation erreichen, die bereits von Einsamkeit betroffen sind, Quartierstreff mit Café, Bühne und Seminarräumen, bekämpft. Mit seiner Active Citizenship Policy stärkt schafft die Stadt Bewusstsein für das Thema. Sie in- ist einer von vielen solchen Orten. Dort können ältere der Stadtrat Engagement und Partizipation. Und in formiert umfassend und positiv über offene Angebo- Bürgerinnen und Bürger ihren Interessen nachgehen, der Verwaltung zielt das für das Thema Alter zustän- te und sensibilisiert die Menschen, die potenziell mit z. B. Rockkonzerte veranstalten oder sich bis ins hohe dige Health and Care Department (HCD) darauf, dass Betroffenen in Kontakt kommen. So dürfen z. B. Ärz- Alter weiterbilden. Insgesamt 38 solcher Zentren gibt Ältere möglichst lange und selbstständig zu Hause tinnen oder Apotheker mit Einverständnis der Betrof- es in der Stadt. leben, in das gesellschaftliche Leben vor Ort einge- fenen Kontaktdaten an Ansprechpersonen des HCD In Aarhus werden auch neue Wohnkonzepte er- bunden sind und gemeinsam mit der Kommune Ver- weitergeben. Diese speziell geschulten Fachleute neh- probt. Mit dem Generationernes Hus entsteht ein Hosea-Che Dutschke, antwortung für sich übernehmen. Das überraschen- men dann Kontakt auf und unterstützen Betroffene Mehrgenerationenwohnhaus der Superlative. Über Direktor des Health and de Motto des Departments lautet dabei: »Wir halten bei ihrem Weg aus der Einsamkeit. mehrere Stockwerke werden derzeit im neu erschlos- Care Departments, Aarhus die Bürger fern«. Direktor Hosea-Che Dutschke erläu- Aarhus bietet außerdem digitale und analoge senen Stadtteil Aarhus Ø insgesamt 304 Wohnungen tert die von ihm erdachte provokative Strategie: Je ­Begegnungsorte, die offen für Menschen aller Her- und WGs für Studierende, Familien, Ältere und Pfle- besser die Bürger leben, desto weniger brauchen sie kunft und Altersklassen sind. Mit genlydaarhus.dk gebedürftige gebaut. Auch eine Kita und eine multi- die Serviceleistungen seiner Abteilung. wurde eine Onlineplattform für selbstorganisierte funktionale Theaterfläche sind im Gebäude enthal- Einen Schwerpunkt legt das HCD deshalb auf Prä- Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ten. Das Vorzeigeprojekt legt viel Wert auf zufällige, vention. Denn wenn Menschen gar nicht erst in die ­geschaffen. Vom gemeinsamen Kaffeetrinken bis zu aber häufige Begegnungen der künftigen Bewohne- Situation kommen, einsam zu sein – mit allen indivi- großen »Clean Ups« – also gemeinsamem Stadt-Put- rinnen und Bewohner. So gibt es zum Beispiel keine duellen und gesellschaftlichen Folgen –, kann die zen – können die Aarhuserinnen und Aarhuser hier Privatbalkone in den einzelnen Apartments, dafür Stadt eine große Menge an Ressourcen sparen. Das ihr gesellschaftliches Miteinander organisieren. Vier aber große Gemeinschaftsterrassen. dänische Sozialsystem sieht die Verantwortung für ­Sozialarbeiter unterstützen als »Brückenbauer« die Einen weiteren Faktor, mit dem die Stadt Einsam- Ältere bei den Kommunen. Mit einer stark alternden Kontaktaufnahme, vor allem bei Menschen, die sich keit und Alterung begegnet, nennen die Dänen »fri- Bevölkerung, die in Dänemark wie auch überall sonst damit schwertun. Simpel, praktisch und niedrig- hedsteknologi« – Freiheitstechnologie. Damit sind in Europa existiert, hat selbst Aarhus als junge Uni- schwellig sind auch die ansprechend gezeichneten technische Innovationen gemeint, die die Selbststän- versitätsstadt gar keine andere Wahl, als sich Gedan- Postkarten, die überall in Aarhus auf Genlyd hin­ digkeit und Mobilität von Menschen fördern, die an- ken über die Zukunft des Umgangs mit älteren Bür- weisen – und selbst als Gesprächseröffnung dienlich dernfalls auf Pflege oder Unterbringung angewiesen gerinnen und Bürgern zu machen. Die Konzentration sind: »Sollen wir zusammen essen?« steht darauf oder wären – auch als Welfare Technology oder Ambient auf herkömmliche kostenintensive Heimunterbrin- »Wollen wir ausgehen?«. Assisted Living Technology bekannt. Mit dem DokkX Engagement und Begegnung brauchen aber auch unterhält das HCD ein eigenes Center for Assisted Konkret bedeutet das: Mit der aktiven Bekämp- reale Orte. Dieser Tatsache wird die Stadt gerecht, ­Living Technologies: Von der Treppe, die auf Knopf- fung von Einsamkeit und der Aktivierung von älteren indem sie attraktive Zentren für und mit der Bevöl- druck zur Hebebühne wird, bis zum tremorsicheren Bürgerinnen und Bürgern für gesellschaftliches En- kerung gestaltet. Das Dokk1, die größte Bibliothek Essbesteck können die Bürger und Bürgerinnen von gagement und Selbstorganisation werden ihre Ge- Skandinaviens, liegt im Herzen der Stadt und bietet Aarhus hier mitten in der Stadt alles finden, was gu- sundheit und Selbstständigkeit umfassend unter- als multifunktionale Einrichtung städtische Dienst- tes Leben im Alter technisch unterstützt. Mit dem stützt. Die Verwaltung selbst sorgt dafür, dass die leistungen, kulturelle Angebote und viele Räume für DokkX schafft Aarhus gleichzeitig auch Räume für gung und Pflege ist auf Dauer schwer zu leisten. 22 »Wir sind dazu da, unseren Bürgern ein besseres Leben zu ermöglichen – am besten, indem wir sie von uns fernhalten.« (Gem)einsame Stadt? (Gem)einsame Stadt? 23 Alter und Kommune als Thema der Körber-Stiftung In unseren Städten und Gemeinden konkretisiert sich, wie das Zusammenleben in einer Gesellschaft gelingt, die älter und vielfältiger wird. Die Körber-Stiftung begleitet Kommunen im demografischen ­Wandel. Sie lädt lokale Entscheiderinnen und Entscheider ein, Expertenimpulse und gute Praxis k­ ennenzulernen und sich kollegial auszutauschen. 2 3 1 2 3 4 Körber Demografie-Symposien Die jährliche Fachkonferenz für die kommunale Gestaltung des demografischen Wandels widmet sich Begegnungen im öffentlichen Raum ARoS Aarhus Kunstmuseum Stadtteilzentrum Folkestedet DokkX – Center of Assisted Living Technologies ­wechselnden Themen. Wissenschaft und gute Praxis zeigen, wie Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zu einem guten Zusammenleben vor Ort beitragen können. Aarhus ist nicht nur eine junge, attraktive ­Handels- und Universitätsstadt, sondern ­kümmert sich auch strategisch und praktisch um gutes Altwerden vor Ort 4 Start-up-Unternehmen: In gezielter Kooperation mit leben und gesellschaftlich teilhaben können. Denn der städtischen Universität wird so eine kreative HCD-Direktor Hosea-Che Dutschke will weg vom Ver- Gründerszene in diesem Bereich unterstützt. Dabei ständnis eines sozialen Selbstbe­dienungsladens, wo- geht man über reine Assistenzsysteme weit hinaus nach Verwaltung den Bürgern eine wohlfahrtsstaat- und schafft Möglichkeiten, dank derer unterstüt- liche zungsbedürftige Menschen mit technischen Mitteln öffentliche Sektor müsse für den Rahmen sorgen. weiter am sozialen Miteinander teilhaben können. Aber das, was »Wohlfahrt« ausmache, könne nur ge- Ganz nebenbei entwickelt sich Aarhus so als Innova- meinsam von der Verwaltung und den Bürgerinnen tionsstandort zur Heimat von Unternehmen in einem und Bürgern geschaffen werden. Zukunftsmarkt. Rundumversorgung bieten müsse. Der Die Körber-Stiftung besuchte die Stadt Aarhus im Wer nicht persönlich in das Technologie-Center Rahmen ihres Projekts »Expedition Age & City« im DokkX kommen kann, für den transportiert ein Aus- September 2019. Den Expeditionsteilnehmenden, stellungsbus die innovativen Hilfsmittel auch regel- ­Demografieverantwortliche aus verschiedenen deut- mäßig ins eigene Quartier. Erproben, ausleihen oder schen Kommunen, wurde vor Augen geführt, dass es Verbesserungswünsche anmelden sind ausdrücklich nicht nur die Einrichtungen und strategischen Pla- erwünscht. Verwaltung auf Dänisch – das heißt nie, nungen sind, die Aarhus besonders machen, sondern nur gute Angebote zu machen, sondern ­immer auch, die Haltung der Verantwortlichen in der ­Verwaltung. sie proaktiv an die Bürgerinnen und Bürger heranzu- Berichte und Filme zu Aarhus unter www.koerber- tragen und sie gemeinsam mit ihnen weiterzuentwi- stiftung.de/age&city ckeln. Zum 75. Geburtstag erhält jeder Bewohner und jede Bewohnerin ein briefliches An­gebot der Stadt zum persönlichen Besuch. Wer zustimmt, kann zu Hause oder an einem öffentlichen Ort einen Mitarbeiter des HCD treffen. Ziel ist es, verbindliche Verabredungen zu treffen, wie die Besuchten eigenständig 24 In der Workshop-Reihe kommen die Schlüsselakteure für Demografie aus kommunalen ­Verwaltungen (Gem)einsame Stadt? Fotos: Visit Aarhus/Anders Hede, ARoS Aarhus Kunstmuseum/Anders Trærup, Folkestedet/Thorbjoern Wangen, Center of Assisted Living Technologies/Aarhus Kommune 1 Stadtlabor demografische Zukunftschancen bei drei zweitägigen Treffen zusammen. Sie lernen innovative Ansätze und bewährte Konzepte für ­Altersfreundlichkeit kennen. Für eine der Teilnehmerstädte ­ent­wickeln sie selbst kreative Lösungen. Expedition Age & City Kommunale Alters- und Demografieverantwortliche reisen in eine internationale altersfreundliche Stadt. Sie erhalten Einblick in strategische Konzepte und wegweisende Modelle und reflektieren gemeinsam, was davon ihre Arbeit inspirieren kann. Spotlight Demografie Die Reihe präsentiert Analysen und praktische Handlungsempfehlungen zu den Themen Alter und Demografie. Die Broschüren sind kostenfrei bestellbar unter www.koerber-stiftung.de/publikationen/koerber-topics Die Babyboomer gehen in Aufbruch: Gründergeist Die superdiverse Stadt. Rente. Was das für und soziale Verantwortung. Empfehlungen und gute Praxis. die Kommunen bedeutet. Spotlight Demografie 2 Spotlight Demografie 1 Spotlight Demografie 3 Impulse für eine neue Gründer­ Inspirationen für den Umgang Informationen für lokale Ent­ generation 60plus. mit einer Gesellschaft, die viel­ scheiderinnen und Entscheider. fältiger wird. (Gem)einsame Stadt? 25 Körber-Stiftung Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Gesellschaftliche Entwicklung braucht Dialog und Verstän- Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist digung. Die Körber-Stiftung stellt sich mit ihren operativen ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regiona- Projekten, in ihren Netzwerken und mit Kooperations­ ler und globaler demografischer Veränderungen beschäf- partnern aktuellen Herausforderungen in den Handlungs­ tigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung feldern Innovation, Internationale Verständigung und gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den Lebendige Bürgergesellschaft. Die drei Themen »Neues demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwick- Leben im Exil«, »Technik braucht Gesellschaft« und lung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen »Der Wert Europas« stehen derzeit im Fokus ihrer Arbeit. und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten. 1959 von dem Unternehmer Kurt A. Körber ins Leben ge­ rufen, ist die Stiftung heute mit eigenen Projekten und In seinen Studien, Diskussions- und Hintergrundpapieren Veranstaltungen national und international aktiv. Ihrem bereitet das Berlin-Institut wissenschaftliche Informatio- Heimatsitz Hamburg fühlt sie sich dabei besonders ver­ nen für den politischen Entscheidungsprozess auf. Das bunden; außerdem unterhält sie einen Standort in Berlin. Berlin-Institut erhält keinerlei öffentliche institutionelle Unterstützung, sondern finanziert sich durch Projektförderungen, Forschungsaufträge, Spenden und Zustiftungen. Körber-Stiftung Haus im Park Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Gräpelweg 8 Schillerstraße 59 21029 Hamburg 10627 Berlin Telefon +49 · 40 · 72 57 02 - 30 Telefon +49 · 30 · 31 01 68 - 35 Telefax +49 · 40 · 72 57 02 - 24 Telefax +49 · 30 · 22 32 48 - 46 E-Mail demografie@koerber-stiftung.de E-Mail info@berlin-institut.org www.koerber-stiftung.de www.berlin-institut.org Impressum »(Gem)einsame Stadt? Kommunen gegen soziale Isolation im Alter« erstellt vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und der Körber-Stiftung, November 2019 Studie: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung; Expedition Aarhus: Körber-Stiftung Herausgeber: Körber-Stiftung, Hamburg V. i. S. d. P.: Dr. Lothar Dittmer, Körber-Stiftung Text und Recherche Studie: Ann-Kathrin Schewe, Tanja Kiziak, Catherina Hinz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Text und Recherche Aarhus: Karin Haist, Jonathan Petzold, Körber-Stiftung Redaktion: Karin Haist, Jonathan Petzold Titelgrafik: Oliver Sperl | oliversperl.de Infografiken: Christina Ohmann | christinaohmann.de & Jörg Scholz | traktorimnetz.de Gestaltung: Groothuis |groothuis.de Druck: GutenbergBeuys | feindruckerei.de © Körber-Stiftung 2019 26 (Gem)einsame Stadt?
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