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Volume VI. Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten

Full text: Steglitzer Adressbuch (Public Domain) Issue 19.1900 (Public Domain)

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Geschichtkiches und Seßenswürdigßeiten. 
Bei der Besitzergreifung des Teltow durch Albrecht 1. war Steglit der Sit 
de3 altritterlichen märkijchen Geschlechts der Stegelie, welches dort, wahrscheinlich auf 
der Anhöhe des Schloßberges, eine Grenzburg gegen die Wenden errichtete. 
1413 waren v. Torgzow zu Zossen und 1480 Schum zu Buckow Lehnsbensiper. 
1542 gingen die Einfünfte und 1598 der Besitz des Ritterguts Steglitz an die Gebr. 
v. Spiel zu Dahlem über. 
1670 waren v. Kalenberg, 1724 9. Kamede, 1778 Heinrich IX. von Reuß, 
1782 Oberst v. Fronhofer Besiznachfolger. 1784 kaufte es der Großkanzler v. Carmex, 
1795 der Geh. Ober-Finanz= und Kammerrath v. Kamecke, 1801 Kammerrath 
v. Ekardtstein und später der Großkanzler v. Beyme. Die Tochter des Letzteren, 
Frau Landrath v. Gerlach, verkaufte 1841 Dahlem an den Domänenfiskus. 
1805 unter v. Beyme wurde das bis dahin belastete Grundeigenthum des Yitter- 
gutes freies Eigenthum der vorhandenen drei Bauern und vicr Kossäthen. 
1806 2. April wurde Steglitz bäuerliche Gemeinde. 
1848 wurden die Ländereien in Parzellen zerlegt und veräußert. Einen größeren 
: Theil des Hauptgutes, die Schäferei Birkbusch, erwarb der Lederfabrikant Perkuhn. 
1855 erwarb diesen Theil der Wirkl. Geh. Ob.-Reg.-Rath v. Raumer, Nittersit mit 
Gebäude und Park verblieb dem Domänenfisku3. 
Königliche Blindenanstalt. 
Die einzige Königliche Blindenanstalt des preußischen Staates und älteste Blinden- 
anstalt Deutschland3, gegründet den 13. Oktober 1806 im Auftrage König Friedrich 
Wilhelms 111. durch Professor Zeune in Berlin, eröffnet mit zwei Zöglingen. Die 
Anstalt war während der Kriegsjahre in Mieth8wohnungen untergebracht. 1812 
erhielt sie ein ehemaliges Militärlazareth auf dem Georgenkirc<hof zugewiesen; 1833 
fiel ihr das gesammte Vermögen des Domherrn Freiherrn von Rothenburg in Höhe 
von 88000 Thlrn. zu, der während einer Cholera-Epidemie sich in die Anstalt 
geflüchtet hatte und dort von der Krankheit verschont geblieben war. Aus dem Erbe 
erwarb sie das Haus Wilhelmstraße 139, und als die Räume hier zu eng wurden, 
siedelte fie 1877 nach Stegliß, in einen mit einem Kostenaufwande von 600000 Mk. 
aufgeführten Neubau über. Die Anstalt hat gegenwärtig 141 Zöglinge (davon 29 
im Externat) u. gliedert sich in Vorschule u. Hauptanttalt, leztere wieder in eine 
Schul- u. eine Arbeit8abtheilung. Die Schul-Abtheitung hat 7 aussteigende Schul- 
klassen, von denen zwei der Vorschule, fünf der Hauptanstalt angehören, außerdem 
eine Hülfsklasse für schwachsinnige Zöglinge und eine Fortbildungsklafse. In den 
Werkstätten werden Flechtarbeiten, das Bürstenbinden, die Korbmacherei und die 
Seilerei gelehrt. Musikalisch besonders begabte Zöglinge werden zu Organisten u. 
Klavierstimmern ausgebildet. Es sind 29 Königliche Freistellen und 5 Stiftungsstellen 
vorhanden. Für die Pensionäre sind in der Vorschule 300 Mk., in der Hauptanstalt 
600, ausnahm3weise auch nur 400 Mk. zu zahlen. Das Schulgeld für Schulgänger, 
die zum Unterricht in die Anstalt kommen, dort aber nicht Wohnung und Beköstigung 
nehmen, beträgt 96 Mk. jährlich. -- In der Anstalt befindet sich auch eine Ver- 
kaufsstelle für Blindenarbeiten (Bürsten-, Korb-, Seiler- u. Flechtarbeiten 
aller Art). Die Waaren sind anerkannt gut u. preiSwerth u. werden zum Besten 
der Blinden, die auf ihren Arbeitöverdienst angewiesen sind, verkauft. Ausführliche 
Preislisten werden auf Wunsch gern verabfolgt.
	        
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