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Full text: Tätigkeitsbericht ... (Rights reserved) Ausgabe 2020 (Rights reserved)

TÄTIGKEITS BERICHT 2020 Global Nature Fund (GNF ) Internationale Stiftung für Umwelt und Natur Seite 02 190 Unternehmen und Organisationen, darunter der GNF, forderten die deutsche Bundesregierung im April 2020 in einem offenen Brief dazu auf, die Wirtschaft in Corona-Zeiten mit einem Klima-Konjunkturpaket zu unterstützen, das über die Pandemie hinaus ökologische Herausforderungen nicht aus dem Blick verliert. Unterm Strich / Vorwort 3.000 Schülerinnen und Schüler in der Stadt Sanchez nahe dem Mangroves of the Lower Yuna National Park nahmen an einem vom GNF unterstützten Bil­dungsprogramm über die Bedeutung von Mangroven als ökologischer Schatz der Dominikanischen Republik teil. 600 112 522 Partnerseen und -feucht­gebiete umfasst das vom GNF koordinierte Netzwerk Living Lakes, darunter seit 2019 die Sundarbans im Grenzgebiet von Indien und Bangladesch, den weltweit größten Mangrovenwald. Läuferinnen und Läufer liefen beim Comrades Charity Lauf für den Schutz bedrohter Nashörner im südafrikanischen Somkhanda Schutzgebiet insgesamt 7.717 km weit. Das entspricht ungefähr der Strecke von München nach Peking. Auch Mitarbeitende des GNF und Ehrenamtliche der Aktion „Trinkbecher für Trinkwasser“ waren dabei und spendeten ihre Teilnahmegebühr für das Projekt unseres Partners WILDTRUST. 140 Haushalte profitieren im schwimmenden Dorf Phat Sanday am kambodschanischen Tonle Sap-See von Mülltrennungsbehältern und einer Abfuhr per Boot, die der GNF und seine lokale Partnerorganisation FACT eingeführt haben. Wildbienenarten gibt es in Deutschland. Mit einem Leitfaden unterstützt der GNF Unternehmen der Lebensmittelbranche dabei, Insektenschutz zum Teil ihrer Businessstrategie zu machen — denn 80 Prozent aller Pflanzenarten, die unsere Nahrungsgrundlage sichern, sind auf den Besuch von bestäubenden Insekten angewiesen. 15.418 Menschen hat unsere Facebook-Nachricht erreicht, mit der wir das zehnjährige Jubi­läum unserer Living Lakes-Partnerschaft mit der Fundación Montecito an der kolum­­bianischen Laguna de Tota feierten. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Wie wird unsere Zukunft aussehen? Liebe Freundin, lieber Freund des GNF, kürzlich las ich in der Zeitschrift „Natur“ einen Artikel über eine Ausstellung, in der es um das fossile Zeitalter geht. Sie katapultiert uns in den schwedischen Alltag im Jahr 2053. Die weltweiten Treibhausgas-Emissionen haben 2050 die Netto-null-Marke erreicht. Gezeigt werden der „letzte Fast-Food Burger, der je serviert wurde“ (2038) oder Vielfliegerkarten mit dem Hinweis, dass häufiges Fliegen im fossilen Zeitalter als Statussymbol galt. Zeitungsartikel über Mikroplastik als Auslöser für tödliche Stressreaktionen im Körper oder gewaltsame Zusammenstößen zwischen Landwirt*innen und militanten Veganer*innen. Legosteine und Nylonstrümpfe als längst ausgestorbene, auf Erdöl basierte Produkte. Wie wird unsere Zukunft aussehen? Ohne eine Biologische Vielfalt, wie wir sie heute noch kennen? Ohne fruchtbare Böden und mit nur noch einem Bruchteil an Seen und Feuchtgebieten, die Verschmutzung und Übernutzung überlebt haben? Die Optimisten unter den Umweltschützer*innen und in der Gesellschaft hoffen darauf, dass die Corona-Krise die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft endlich zum Umdenken bewegt. Auch ich möchte gerne glauben, dass der Punkt gekommen ist, an dem auf die Verantwortungsvollen gehört wird und sich nicht die durchsetzen, die nur ihre egoistischen Ziele verfolgen zu Lasten der nachfolgenden Generationen. In unserem aktuellen Tätigkeitsbericht beschreiben wir unverdrossen, wie es nachhaltiger gehen kann: praktische Beispiele zum Schutz der Biologischen Vielfalt beim Anbau von Lebensmitteln, um Habitate und fruchtbare Böden zu sichern, nachhaltige Aquakultur und Küstenschutz in Indien und Bangladesch, solarbetriebene Kläranlagen in Jordanien, Maßnahmen gegen Mikroplastik in unseren Seen — ein Überblick über Projekte und Aktivitäten, die 2053 hoffentlich als Erfolgsmodelle gefeiert werden. Die Politik scheint ernsthaft daran zu arbeiten, die Weichen umzustellen. Der EU-Green Deal, die EU-„Farm to Fork Strategy“ oder die EU-Biodiversitätsstrategie 2030: Allesamt anspruchsvolle Ziele und Maßnahmen, die gezielt aufeinander aufbauen und gestärkt von europäischen Richtlinien und nationalen Gesetzen zur Umsetzung gebracht werden sollen. Wir Umweltorganisationen sind gefragt, die angekündigten politischen Weichenstellungen zu unterstützen, damit sich die Lobbyisten nicht wieder durchsetzen und alles beim Alten bleibt. Dafür bringen wir unsere Leidenschaft, Expertise und unsere Energie ein. Danke, dass Sie uns dabei unterstützen! Bitte bleiben Sie uns gewogen. Herzliche Grüße und passen Sie auf sich auf, Seite 03 Impressum Herausgeber: Global Nature Fund Fritz-Reichle-Ring 4 78315 Radolfzell T: +49 7732 9995-80 F: +49 7732 9995-88 E: info@globalnature.org www.globalnature.org V.i.S.d.P.: Udo Gattenlöhner Redaktion: Viktor Konitzer Katja Weickmann Texte: Udo Gattenlöhner Thies Geertz Marion Hammerl Martin Haustermann Stefan Hörmann Matthias Knüver Moritz Konz Tobias Ludes Dr. Thomas Schaefer Bettina Schmidt Manuela Uhde Ronja Volles Katja Weickmann Bildnachweis: Titel: WikimediaImages/Pixabay, S. 5: Detlev Seyb, S. 6: Hanna Kirschnick-Schmidt, S. 7: minka2507/Pixabay, S. 8: Pexels/Pixabay, S. 9: theresaharris10/Pixabay, congerdesign/Pixabay, S. 18: Peter Wey/Fotolia, S. 19: Marcel Gnauk/ Pixabay, S. 20: Freephotos/Pixabay/OroVerde, S. 23: Hanna Witte, Jakub Kaliszewski, S. 25: Umweltdachtverband Österreich, S. 29: TUI Group, S. 32 /33: Wildsight, S. 34 /35: Andrei Reinol, S. 38: frank2905215/ AdobeStock, S. 41: Martin Steffen, alle anderen: GNF-Archiv                               Konzeption und Gestaltung: RAYNA. Agentur für Markendesign, Berlin www.rayna-design.com Druck: LASERLINE GmbH, Berlin Marion Hammerl Präsidentin Klimaneutral gedruckt auf 100 % Altpapier © Global Nature Fund Radolfzell, März 2021 Seite Inhaltsverzeichnis 04 Themen und Projekte, die uns in 2019 und 2020 beschäftigt haben: 08 14 Nachhaltige Aquakultur und Küstenschutz in Indien und Bangladesch Life Blue Lakes — Mikroplastik in Gewässern 24 16 Neues. Denken. Wagen. Der GNF und seine Projekte zur Nachhaltigkeitsbildung Integrierte Gemeindeentwicklung in Südafrika und Kambodscha 18 Gemeinsam mit Unternehmen für biologische Vielfalt Tätigkeitsbericht 2020 26 Feuchtgebietsschutz, Nationalparkmanagement und Tourismus Global Nature Fund Living Lakes & Wasser Seite 06 bis 08 Ein See ist nicht genug: GNF zeichnet Seen der Holsteinischen Schweiz aus Seite 05 Naturschutz & Lebendige Landschaften Seite 24 bis 25 Seite 08 bis 09 Neues. Denken. Wagen. Der GNF und seine Projekte zur Nachhaltigkeitsbildung Life Blue Lakes — Mikroplastik in Gewässern Seite 26 bis 27 Seite 10 bis 11 Feuchtgebietsschutz, Nationalparkmanagement und Tourismus Mitglieder des Living LakesNetzwerks Seite 28 bis 29 Interview mit Mike Brauner 22 GNF im Interview mit Martin Schüller Nachhaltige Entwicklung Seite 12 bis 13 Nachhaltige Entwick­lung vor Ort: für Mensch und Natur Über den Global Nature Fund Seite 30 bis 35 Seite 14 bis 15 Fotostrecke: Lebensräume Nachhaltige Aquakultur und Küstenschutz in Indien und Bangladesch Seite 36 bis 37 Unser Team Seite 16 bis 17 Integrierte Gemeindeent­wicklung in Südafrika und Kambodscha Kooperationen Seite 39 41 Kooperationspartner GNF im Interview mit Carsten Oberhagemann Unternehmen & Biodiversität Seite 18 bis 19 Gemeinsam mit Unternehmen für biologische Vielfalt Seite 19 Versteckten Kosten auf der Spur Seite 20 bis 21 Hilfestellung für Unternehmen im Wald- und Klimaschutz Seite 21 Aktiv für mehr Biodiversität im Erdbeeranbau Seite 22 bis 23 Interview mit Martin Schüller Finanzen & Marketing Seite 41 Interview mit Carsten Oberhagemann Seite 42 bis 45 Darstellung des Jahresabschlusses Seite 46 bis 47 Partnerorganisationen in Projekten Seite 06 Living Lakes & Wasser Seit über 20 Jahren setzen wir uns für den Schutz von Seen und Feuchtgebieten ein. Manche Probleme standen schon damals auf unserer Agenda. Andere kamen im Laufe der Zeit dazu, weil wir Menschen uns mit einer nachhaltigen Lebensweise schwertun. Aber der GNF wird nicht müde, mit innovativen Lösungen auf die vielfältigen Herausforderungen im Gewässerschutz zu reagieren. Bettina Schmidt ist Diplom-Biologin und arbeitet beim GNF als Koordinatorin des Living Lakes-Netzwerks sowie als Projektleiterin im Bereich Naturschutz. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite See des Jahres 2020 zu erklären. Der Stress, unter dem der See steht, ist ihm deutlich anzusehen: Sein Wasser schimmert grün. Der Grund dafür sind Cyanobakterien, die im übermäßig nährstoffhaltigen Seewasser gut gedeihen. Dazu kommen Belastungen durch Agrochemikalien aus dem örtlichen Reisanbau und industrielle Abwässer. Auch der Klimawandel wirkt sich negativ aus: Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge entziehen dem See Wasser und beschleunigen den Sedimentationsprozess, der den flachen See ohnehin bedroht. Unsere spanische Partnerorganisation Fundación Global Nature arbeitet gemeinsam mit interna­ tionalen Living Lakes-Partnern intensiv an der Verbesserung der Situation im Naturpark Albufera. Sie fordert klare administrative Zuständigkeiten für das Gebiet, die Umstellung der Landwirtschaft im Einzugsgebiet auf nachhaltige Anbaumethoden, einen verstärkten Wasserzufluss aus dem Fluss Júcar und die Ausbaggerung des Seebodens, um das Gewässer zu bewahren. Kapitelbild: 07 Ein See ist nicht genug: GNF zeichnet Seen der Holsteinischen Schweiz aus In den 90er Jahren galt er in Schleswig-Holstein als ausgestorben — doch seit einiger Zeit gibt der Fischotter in der Region sein Comeback. Damit steht er exemplarisch für die gute ökologische Entwicklung der Holsteinischen Schweiz. Die über 200 Gewässer der Seenplatte zwischen Kieler Förde und Lübecker Bucht bieten einer Vielzahl von Tierund Pflanzenarten eine Heimat. In den klaren Tiefen des Suhrer Sees ist das seltene Große Nixenkraut sichtbar, die Schwentine, die mehrere der Seen durchfließt, beherbergt den Eisvogel und über allem kreist der stolze Seedadler. Mit ihrer Auszeichnung „Lebendige Seen des Jahres 2020/2021“ möchten der Global Nature Fund und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland das Engagement aller örtlichen Akteure würdigen, die sich im Seen- und Fließgewässerschutz engagieren. Die Netzwerkpartner Wasser Otter Mensch e.V. und die Integrierte Station Holsteinische Schweiz tragen vor Ort dazu bei, die attraktive Seenlandschaft zu erhalten und dem Druck auf das sensible Ökosystem entgegenzuwirken, der von Besiedlung, Landwirtschaft, Freizeitnutzung und Tourismus ausgeht. Auch der unermüdliche Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Naturschützer, die sich seit rund 30 Jahren im regionalen Seen-Beobachtungsprogramm engagieren, soll mit der Auszeichnung honoriert werden. Die Wilo-Foundation unterstützt die Arbeit des Netzwerks Lebendige Seen Deutschland langfristig. Auch das Team Deutschland-Achter, mehrfacher Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger im Rudersport, macht sich als Botschafter für die Umweltinitiative „Lebendige Seen Deutschland“ und das Engagement des GNF stark. « Der Albufera-See ist zu grün, um gesund zu sein Dürre, schlechte Wasserqualität, verschmutze Zu­ flüsse und eine immer intensivere Landwirtschaft bedrohen den Albufera-See nahe dem spanischen Valencia und haben das Living Lakes-Netzwerk da­zu veranlasst, das Gewässer zum Bedrohten « Über 200 kleine und große Seen prägen das vielseitige Landschaftsbild der Holsteinischen Seenplatte. Bild rechts: Hier tummeln sich wieder Otter & Co.: Die Seen der Holsteinischen Schweiz sind „Lebendige Seen 2020/2021“. Seite 08 Living Lakes & Wasser Was ist eigentlich Mikroplastik? Life Blue Lakes — Mikroplastik in Gewässern „Plastic Planet“ lautet der Titel eines Dokumentarfilms von 2010 — Plastik ist allgegenwärtig. Ohne Kunststoff ist unser modernes Leben und Arbeiten kaum vorstellbar. Doch das leichte und kostengünstige Material, das sich in jegliche Form bringen lässt und in allen Lebensbereichen Einzug gehalten hat, lässt zunehmend seine Schattenseiten sehen. Neben riesigen Müllteppichen, die auf den Ozeanen dahintreiben, zeigt sich ein weiteres Problem erst unter dem Mikroskop: das sogenannte Mikroplastik. Je intensiver Wissenschaftler*innen danach suchen, desto mehr finden sie — überall: im Wasser, im Boden, in der Luft und sogar in unserem Essen. Derzeit erforschen sie die gesundheitlichen Folgen, die die winzigen Partikel für Mensch und Natur haben. Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Als Kügelchen oder in flüssiger Form werden sie — leider immer noch — manchen Kosmetik- und Reinigungsartikeln zugesetzt, um eine Peeling-Wirkung oder eine gewünschte Konsistenz zu erreichen. Daneben entsteht Mikroplastik aber auch, wenn größere Kunststoffteile durch Wind, Regen und UV-Strahlung in immer kleinere Partikel zersetzt werden. Eine Menge wird auch infolge des Abriebs von Autoreifen auf dem Asphalt frei. Zudem geben Textilien aus synthetischen Stoffen beim Tragen und Waschen winzige Fasern ab, die in den Wasserkreislauf gelangen. Das geschieht, indem einerseits Regenwasser Mikroplastik von Straßen, aber auch Kunstrasenflächen direkt in die Umwelt spült, andererseits über häusliche Abwässer. Es gibt zwar Techniken, um die winzigen Partikel im Klärprozess aus dem Abwasser herauszufiltern, sie sind aber noch aufwendig und nicht flächendeckend verbreitet. Ein Teil der Partikel gelangt im Klärschlamm als Dünger wieder auf landwirtschaftliche Flächen und über Nahrungsmittel letztlich in unseren Organismus. Life Blue Lakes — ­ ein Ansatz auf verschiedenen Ebenen Gemeinsam mit italienischen Living Lakes-Partnerorganisationen und der Bodensee-Stiftung hat der GNF das Projekt Life Blue Lakes gestartet, um den Eintrag von Mikroplastik in unsere Gewässer zu vermindern. Gefördert wird Blue Lakes vom LifeProgramm der Europäischen Union. Die Partner setzen exemplarische Maßnahmen am Bodensee und Chiemsee und drei weiteren Seen in Italien (Garda, Trasimeno und Bracciano) um. Aktuell fehlt es noch an einheitlichen Normen und Testverfahren zum Thema Mikroplastik. Im Rahmen von Blue Lakes entwickeln italienische Expert*innen deshalb Standards, die helfen sollen, Verunreinigungen von Gewässern mit Mikroplastik genau zu erfassen. Zum Einsatz kommen sie zunächst in den beiden Pilotregionen Trasimeno und Bracciano. Auch die Bedeutung von Kläranlagen nehmen die Partner in den Blick: Sie entwickeln ein Tätigkeitsbericht 2020 technisches Protokoll, das in einer Pilotanlage am Gardasee getestet wird. Es soll helfen, Mikroplastik im Verlauf des Klärprozesses effektiver aus dem Wasser herauszuhalten. Auf politischer Ebene setzt sich Blue Lakes dafür ein, rechtliche Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass die Produktion und der Einsatz von Mikrokunststoffen wirksam reguliert und reduziert werden kann. Außerdem entwickeln die Projektpartner gemeinsam mit den Anrainergemeinden ein Seenpapier: eine freiwillige Selbstverpflichtung, Wege zu beschreiten, um die Mikroplastikbelastung zu verringern. Ein wichtiger Baustein dieser Strategie ist der Kontakt zur Reifen-, Kosmetikund Outdoorbranche: So wollen wir nicht gegen, sondern gemeinsam mit der Industrie Alternativen zum Einsatz von Kunststoffen entwickeln. Alles mit einem Ziel: Mikropartikel aus Seen und Flüssen, aber auch von unseren Tellern fernzuhalten. Global Nature Fund Für mündige Verbraucher*innen Deutschland ist in Europa leider Spitzenreiter in Sachen Plastikmüllproduktion, Tendenz steigend. Ein wichtiges Vorhaben von Blue Lakes ist deshalb eine Informations- und Aufklärungskampagne für Konsument*innen. Mit kostenlosem Infomaterial informiert der GNF darüber, was jede*r Einzelne tun kann, um den Verbrauch von Plastik und Mikroplastik zu reduzieren. Dazu gehören einfach umzusetzende Tipps zur Plastikvermeidung im Alltag. « Seite 09 Bild links: Der Abrieb von Reifen macht laut Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik den höchsten Anteil an Mikroplastik aus. Bilder rechts: Nutzen Sie Ihren Einfluss als Verbraucher*in und fragen Sie nach Produkten ohne Kunststoffverpackung. Fordern Sie Ihr kostenloses Exemplar unseres Infoflyers zum Thema Mikroplastik mit Tipps zu dessen Vermeidung an. Seite Living Lakes & Wasser 10 Mitglieder des Living LakesNetzwerks Nordamerika 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Columbia River Wetlands; Kanada Winnipeg See; Kanada Athabasca River; Kanada * Huronsee; Kanada * Skeena River; Kanada * Mono Lake; USA Chapala See; Mexiko Ignacio Allende Reservoir; Mexiko Laguna de Zapotlán; Mexiko Amatitlán See; Guatemala Atitlán See; Guatemala 3 5 1 16 17 18 19 4 6 7– 9 11 10 Südamerika 12 13 14 15 2 Laguna de Fúquene; Kolumbien Totasee; Kolumbien Titicaca See; Peru und Bolivien Pantanal Feuchtgebiet; Brasilien, Bolivien und Paraguay Lagunita Komplex; Paraguay Laguna de Rocha; Uruguay Mar Chiquita; Argentinien Río Gallegos; Argentinien 12 13 14 15 Europa 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 Norfolk & Suffolk Broads; Großbritannien Lake District; Großbritannien Albufera See; Spanien Delta de Llobregat; Spanien La Mancha Feuchtgebiete; Spanien La Nava; Spanien Salobrar de Campos; Mallorca, Spanien Kolindsund Feuchtgebiete; Dänemark Bodensee; Deutschland, Schweiz und Österreich Chiemsee; Deutschland * Dümmer; Deutschland * Lausitzer Seenland; Deutschland * Mindelsee; Deutschland * Oberschwäbische Seen; Deutschland * Plauer See; Deutschland * Schweriner See; Deutschland * Seen der Holsteinischen Schweiz; Deutschland * Stechlinsee; Deutschland * Steinhuder Meer; Deutschland * Trasimeno See; Italien Albaner See; Italien * Bolsenasee; Italien * Bracciano See; Italien * Colfiorito Feuchtgebiet und Park; Italien * Gardasee; Italien * Lago Maggiore; Italien * Nemi See; Italien * Ortasee; Italien * Piediluco See; Italien * Vicosee; Italien * Militscher Teiche; Polen Balaton (Plattensee); Ungarn 16 18 17 19 52 53 54 55 Nestos Seen und Lagunen; Griechenland Labanoras Regionalpark; Litauen Peipsi See; Estland und Russland Võrtsjärv See; Estland Afrika 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 Sonfon-See; Sierra Leone Nokoué-See; Benin Ossa-See; Kamerun Viktoriasee; Kenia, Tansania und Uganda Bogoriasee; Kenia * Bugesera Seenregion; Burundi * Bujagali Falls; Uganda * Bunyonyi-See; Uganda * Chalasee; Kenia * Ihemasee; Ruanda * 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 Jipesee; Kenia, Tansania * Kanyabolisee; Kenia * Katwesee; Uganda * Kiwusee; Demokratische Republik Kongo (DRC), Ruanda * Kyogasee; Uganda * Mau-Wald; Kenia * Nabugabo-See; Uganda * Naivashasee; Kenia * Ol Bolossat See; Kenia * Rwihindasee; Burundi * Shompole Feuchtgebiet; Kenia, Tansania * Wamalasee; Uganda * Tanganjikasee; Burundi, Demokratische Republik Kongo (DRC), Tansania, Sambia Malawisee; Tansania, Malawi, Mosambik Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund 55 54 53 21 20 50 28 – 38 51 27 22– 26 39 – 49 52 91 89 90 87 85 83 86 84 82 Seite 11 92 88 108 96 104 105 95 94 93 98 97 106 107 56 57 109 110 58 59 –77 100–102 99 103 78 79 80 81 111 112 80 Okavango Delta; Botsuana 81 St. Lucia See; Südafrika Asien Totes Meer; Israel, Jordanien, Palästina Paliastomi See; Georgien Eğirdir-See; Türkei Sapanca See; Türkei Uluabat See; Türkei Tengis See; Kasachstan Issyk-Kul See; Kirgisistan Hovsgol See; Mongolei Seen Ulaan, Airag, Khyargas, Angir-Nuden Mondohei; Mongolei 91 Uvs See; Mongolei 92 Baikalsee; Russland 82 83 84 85 86 87 88 89 90 93 Poyang See; China 94 Chao See; China * 95 Dian See; China * 96 Dongting See; China * 97 Tai See; China * 98 Biwa See; Japan 99 Tonle Sap See; Kambodscha 100 Laguna de Bay; Philippinen 101 Sampaloc See; Philippinen 102 Taal See; Philippinen 103 Jempang See & Mahakam Feuchtgebiete; Indonesien 104 Deh Akro Feuchtgebiete; Pakistan 105 Sundarbans Feuchtgebiete und Man­ grovenwälder; Bangladesch, Indien 106 Chilika See; Indien 107 Pulicat See; Indien 108 Wular See; Indien 109 Bolgoda See; Sri Lanka 110 Maduganga See & Madampe See; Sri Lanka Australien / Ozeanien 111 Wilson Inlet; Australien Antarktika 112 Wostok-See; Antarktis * Mitglied eines nationalen oder multinationalen Living Lakes-Netzwerks. Seite 12 Nachhaltige Entwicklung „Die Pandemie macht uns auf schmerzhafte Weise klar, dass der Raubbau an der Natur zu weit gegangen ist“, konstatiert Wolfgang Schäuble im Juli 2020. Diese Einsicht treibt die globalen Entwicklungsprojekte des GNF seit jeher an: Natur und Umwelt schützen, Grundbedürfnisse von Menschen absichern und die Resilienz stärken. Das sind unsere Eckpfeiler zukunftsorientierten und gerechten Handelns. Udo Gattenlöhner ist Agrarwissenschaftler und arbeitet seit 1999 für den GNF, seit 2001 als Geschäftsführer. Er koordiniert verschiedene Projekte für eine nachhaltige Entwicklung in Ländern des globalen Südens. Moritz Konz ist seit 2020 beim GNF und arbeitet an Lö­sun­gen für die Herausforderung durch nicht nachhaltige Aquakultur in den Küstenregionen Indiens und Bangladesch. Thies Geertz beschäftigt sich als Pro­ jekt­manager des Global Nature Fund mit dem Konzept integrierter Gemeindeentwicklung in verschiedenen Ländern, in denen die Folgen des Klimawandels bereits spürbar sind. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 13 Nachhaltige Entwick­ lung vor Ort: für Mensch und Natur Ein Bericht von Udo Gattenlöhner Der ungebremste Klimawandel, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt und die zunehmende Zerstörung von Lebensräumen sind große globale Herausforderungen und führen zu existentiellen Bedrohungen, die zuallererst die ärmsten Menschen der Welt treffen. Aber letztlich betreffen uns diese Themen alle — Luftverschmutzung, Klimaveränderungen, militärische Konflikte, Migration, Pandemien und viele andere Krisen machen nicht vor Ländergrenzen halt, wie wir gerade im Jahr 2020 erfahren mussten. Es geht bergauf In den vergangenen Jahren hat sich der Bereich Entwicklungszusammenarbeit des GNF äußerst positiv entwickelt. Neben Spender*innen und Förderern wie der EU Kommission, anderen Stiftungen und Unternehmen hat uns vor allen die zunehmende Unterstützung unserer Arbeit durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf globaler Ebene neue Möglichkeiten eröffnet. Schlüsselbereiche der Projektarbeit des GNF sind neben den ökologischen Themen die Absicherung der Grundbedürfnisse von Menschen in Gemeinden im ländlichen Raum und die Bildung. Weitere zentrale Ziele sind die Einhaltung von Menschenrechten, Verbesserung der Lebensbedingungen und die Resilienz im Einklang mit dem Schutz von Natur und Umwelt. Geographische Schwerpunkte unseres Projektengagements lagen in Jordanien, Burundi, Tansania, Südafrika, Indien, Bangladesch, Kambodscha, Kolumbien, Mexiko, Paraguay und der Dominikanischen Republik. Es geht nur global Die großen Zukunftsprobleme unserer Gesellschaft sind global: Der hohe Verbrauch fossiler Rohstoffe und die damit verbundenen Veränderungen des Klimas, die intensive Landwirtschaft und das ungebremste Wirtschaftswachstum stellen unsere Lebensweise in Frage und bedrohen die Zukunft kommender Generationen. Eine zukunftsorientierte Entwicklungszusammenarbeit muss daher neben den Bedürfnissen der Menschen immer auch den Umwelt- und Naturschutz sowie nachhaltige Wirtschaftsweisen fördern, um dauerhaft effizient und wirkungsvoll zu sein. Kapitelbild: Unsere Prinzipien: transparent und gemeinschaftlich Hier liegen die gesellschaftlichen und entwicklungspolitischen Stärken des GNF. Durch die jahrzehntelange Kooperation mit Partnerorganisationen in vielen Ländern der Welt können wir eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit in Form einer vertrauensvollen Partnerschaft auf Augenhöhe sicherstellen. Unsere Projekte werden immer gemeinsam mit den Menschen im jeweiligen Land auf partnerschaftlicher, gleichberechtigter Basis geplant und umgesetzt. Die Schlüssel zum Erfolg in der Entwicklungszusammenarbeit des GNF sind transparente Ziele, jahrelange Erfahrung, Vertrauen und gegenseitiger Respekt. Alle Projekte des GNF werden von unseren Mitar-beiter*innen direkt und unmittelbar koordiniert und begleitet. Darüber hinaus versuchen wir immer, die Wirkungen und Erfolge unserer Aktivitäten zu messen und die Effizienz unserer Projekte zu erhöhen. Das ist langfristig der Schlüssel zu nachhaltiger positiver Veränderung. « Indische Fischer an der Küste Westbengalens; im Hintergrund Mangrovenwald. Bild rechts: Mit seinen Projekten zur Integrierten Gemeindeentwicklung trägt der GNF wie hier in Kambodscha dazu bei, Menschen weltweit beim Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie zu unterstützen. Seite 14 Nachhaltige Entwicklung hin nach Bangladesch erstreckt. Das einzigartige Ökosystem, in dem die letzten wilden Exemplare des Bengalischen Tigers leben, wird durch intensive Garnelenzucht stark unter Druck gesetzt: Für die Aquakultur-Teiche werden große Flächen benötigt, weswegen in beträchtlichem Umfang Mangrovenwälder zerstört werden. Mangroven: effizient gegen den Klimawandel Nachhaltige Aquakultur und Küstenschutz in Indien und Bangladesch Ein Bericht von Moritz Konz Köstliche Garnelen — gegrillt, zur Pasta oder im Curry bei unserem Lieblingsasiaten. Kaum ein Feinschmecker mag sie nicht. Aber wo kommen diese Schrimps überhaupt her? Und zu welchem ökologischen Preis werden sie produziert? Um das herauszufinden, schauen wir ins südliche Asien. Hier werden weltweit die größten Mengen an Garnelen in künstlich angelegten Teichen gezüchtet. Insbesondere artenreiche Flussdeltas, oft mit ausgedehnten Mangrovenwäldern, eignen sich perfekt zur Aquakultur der schmackhaften Krebstiere. Das gilt auch für die Sundarbans, das größte zusammenhängende Mangrovengebiet der Erde, das sich von der östlichen Küste Indiens bis Dabei erfüllen Mangroven eine äußerst wichtige Funktion für unseren Planeten. Neben dem Binden großer Mengen an Klimagasen wie CO² halten ihre verzweigten Wurzeln, die wie Stelzen im Wasser stehen, wertvolle Sedimente zurück und dienen als Laichplatz und Kinderstube für unzählige Meeresfische. Die Wurzelstrukturen stabilisieren so die empfindlichen Küstenzonen und schützen dadurch die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort — auch vor tropischen Stürmen und Tsunamis, die eine wachsende Bedrohung darstellen. Aus sozial-ökologischer Perspektive ist es ein Dilemma: Die Garnelenzucht ist aus der Region nicht mehr wegzudenken, da sie die Existenz vieler Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sichert und für Indien und Bangladesch ein wichtiges Exportgeschäft darstellt. Deswegen hat der GNF in Kooperation mit Naturland und unseren lokalen Partnern NEWS und BEDS sowie mit finanzieller Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Daimler AG das Projekt SAIME ins Leben gerufen. SAIME: ein Projekt, viele Partner SAIME (Sustainable Aquaculture in Mangrove Ecosystems) ist eine sogenannte Multi-Akteurs-Partnerschaft, die Vertreter*innen verschiedener Interessengruppe an einen Tisch bringt: Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Gemeinsam suchen die Partner nach Lösungen, von denen alle — von der Kleinbäuerin bis zum verarbeitenden Betrieb — profitieren sollen. Auch den deutschen Einzelhandel bindet SAIME mit ein, denn die Kaufentscheidungen von Verbraucher*innen in Europa beeinflussen maß- Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund geblich die Garnelenzucht in Asien. Im Rahmen des Projektes haben wir bereits innovative Lösungsansätze entwickelt, zum Beispiel die nachhaltige Integrierte Mangroven Aquakultur (IMA). Bei dieser Kulturform werden Mangrovenbäume direkt in die Garnelenteiche gepflanzt, um so vielfältige positive Synergieeffekte zu nutzen. Die Bäume stabilisieren die Deiche, schützen die Teiche vor Flutereignissen und spenden Schatten. Das herabfallende Laub bietet den Garnelen sogar Futter. Gleichzeitig erhöht sich die Biodiversität auf der Garnelenfarm. Die neu angelegten Pilotfarmen nutzen wir für das Training und die Inspiration von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Umland. So wird das Wissen weitergegeben. Wichtig ist auch, den Marktzugang der teilnehmenden Farmer*innen zu verbessern, damit der Ansatz wirtschaftlich Erfolg hat und Verbreitung findet. Deshalb suchen wir den Dialog mit dem Lebensmitteleinzelhandel, um ökologisch verträglich produzierten Garnelen den Weg in die europäischen Märkte zu ebnen. Je erfolgreicher wir dabei sind, desto mehr zerstörte Küstenstreifen können wieder mit Mangroven bepflanzt und so dauerhaft geschützt werden — im Einklang mit der Garnelenzucht. « Seite 15 Bild links: In einer Baumschule im indischen Westbengalen werden Mangrovensetzlinge vorbereitet, um damit degradierte Küstenwälder aufzuforsten. Bild rechts oben: Frauen in den Sundarbans nehmen einen Fang in Augenschein. Bild rechts unten: Ein Krabbenfischer in den Sundarbans. Seite 16 Nachhaltige Entwicklung Entwicklungszusammenarbeit nach dem Prinzip Vielfalt Integrierte Gemeindeentwicklung in Südafrika und Kambodscha Ein Bericht von Thies Geertz „Armut ist kein Zufall. Genau wie Sklaverei und Apartheid ist sie von Menschen gemacht und kann durch die Aktionen des Menschen beseitigt werden.“ Das sagte Nelson Mandela einmal über sein Land. Südafrika verfügt tatsächlich über einen unglaublichen Reichtum — etwa an Bodenschätzen, aber auch an Ökosystemen: von den fischreichen Gewässern bei Kapstadt bis zu den Ausläufern der Ostafrikanischen Trockensavanne im Norden, die das weltweit größte Rückzugsgebiet für Nashörner bilden. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Wildtrust und gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Stiftung Ursula Merz setzt sich der GNF für den Er­ halt dieses einzigartigen Naturerbes ein. Das ist keine leichte Aufgabe für die Menschen in einem Land im Aufbruch — und mit einer extrem ungleichen Verteilung von Arm und Reich. Deshalb ist es entscheidend, die ärmere ländliche Bevölkerung in die Schutzmaßnahmen eng einzubinden und ihre Bedürfnisse nach wirtschaftlicher Entwicklung zu unterstützen. Genau darin besteht das Ziel der integrierten Gemeindeentwicklung, die der GNF in vielen ländlichen Gemeinden des globalen Südens umsetzt. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Gumbi-Gemeinde im südafrikanischen KwaZulu-Natal. Gemeinsam mit Wildtrust unterstützen wir die Gumbi seit vielen Jahren beim Management eines Wildtierreservats und beim Aufbau touristischer Angebote, um Einnahmen aus dem sanften Tourismus zu generieren. Damit die gesamte Gemeinde von dieser Entwicklung profitiert — was letztlich dem Tierschutz im Reservat nützt — haben wir im Jahr 2019 eine Wasserversorgung für die 5.000 Bewohner*innen und ihr Vieh geschaffen. Dadurch verkürzen sich die Wege zum Wasserholen deutlich und es bleibt genügend Wasser für Vieh und Wildtiere, auch in der Trockenzeit. Außerdem haben wir ein Gemeindezentrum errichtet, in dem die Menschen den Gemüseanbau in Permakultur erlernen und Gemüsesetzlinge erwerben können. Fast 500 Teilnehmer*innen belegen den Erfolg dieser Schulungen. Diesen Ansatz wollen wir von den Gemeinden auch auf die Schulen in KwaZulu-Natal übertragen und haben auch dort Gemüsegärten angelegt. In einer weiteren Projektgemeinde unterstützen wir Viehzüchter dabei, ihr Weidemanagement mithilfe eines Rotationssystems zu verbessern. Ziel ist es, die Überweidung von wertvollen Flächen am Rande des Maloti-Drakensberg Parks zu verringern. Gleichzeitig unterstützten wir die Viehzüchter*innen dabei, traditionelle Viehauktionen in ihrer Region wiederzubeleben. Wenn die Auktionen vor Ort stattfinden und nicht in der fünfzig Kilometer entfernten Kreisstadt, sparen die Züchter*innen die hohen Kosten für den Transport des Viehs. Dadurch steigen ihre Erlöse und die lokale Wertschöpfung. Drei Viehauktionen konnten wir bereits organisieren, auf denen 129 Züchter*innen ihre Tiere zu einem fairen Preis verkaufen konnten. Die einkommenssteigernden Maßnahmen schaffen Akzeptanz für die Schutzgebiete, in denen das Naturerbe Südafrikas bewahrt wird. Tätigkeitsbericht 2020 Ein schwimmender Kiosk für ein schwimmendes Dorf Anderer Kontinent, gleiches Erfolgsprinzip: Auch im schwimmenden Dorf Phat Sanday auf dem Tonle Sap-See in Kambodscha arbeitet der GNF gemeinsam mit seinem Partner FACT (Fisheries Action Coalition Team) an einer integrierten Gemeindeentwicklung. Mit der Unterstützung des BMZ und der Wilo-Foundation haben wir in dem Dorf einen schwimmenden Trinkwasserkiosk gebaut. Dieser versorgt rund eintausend Menschen mit sauberem Wasser. Der Vorteil des Kiosks liegt darin, dass das Wasser direkt aus dem See gepumpt und aufbereitet werden kann — ohne aufwendige Wasserleitungen. Nach der Reinigung durch Ultrafiltration wird das Wasser direkt in 20-Liter-Kanister abgefüllt, auf die Boote der Bewohner*innen verladen und abtransportiert. Das saubere Trinkwasser nutzt nicht nur den Bewohner*innen von Phat Sanday. Es ist auch die Grundvoraussetzung für die Entwicklung von naturbasiertem Tourismus als zweites wirtschaftliches Standbein neben der Fischerei. Bislang sind nahezu alle Menschen im Dorf ausschließlich von ihren Erträgen aus der Fischerei abhängig. Dank der neuen Trinkwasserversorgung können mehrere Familien in Phat Sanday schwimmende Hütten als Übernach- Global Nature Fund Seite tungsmöglichkeit für Touristen anbieten, die sich für die Lebensweise der Khmer und die Natur im nahegelegenen Biosphärenreservat Tonle Sap interessieren. Beim Ausbau der Hütten als Unterkünfte unterstützen wir das Dorf, indem wir gemeinsam mit der Dorfverwaltung Regeln für umweltgerechten, ethischen und nachhaltigen Tourismus entwickeln. Teile der Einnahmen aus dem Tourismus werden in neue Gemeindeprojekte investiert und kommen so allen Bewohner*innen zugute. Neben dem Aufbau einer touristischen Infrastruktur suchen wir Lösungen für das Problem der ausufernden Verschmutzung des Sees mit Plastikmüll: Gemeinsam mit FACT haben wir eine Müllsortier- und Wiederverwertungsstation aufgebaut und für zunächst 140 Haushalte Mülltrennungsbehälter und eine regelmäßige Abfuhr per Boot eingeführt. Das effiziente Zusammenwirken der verschiedenen Gemeindeentwicklungsmaßnahmen bietet den Menschen in den schwimmenden Dörfern eine bessere Wertschöpfung und ermöglicht den langfristigen Schutz ihrer Fischbestände und der einzigartigen biologischen Vielfalt der Region. Durch diesen Ansatz verbinden wir Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung — eine „Win-Win“-Situation für Mensch und Natur. « 17 Bild links: Das Somkhanda-Wildtierreservat in Südafrika beherbergt die „Big Five“. Der GNF unterstützt die lokale Gumbi-Gemeinde beim Management des Reservats und bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Bild rechts: Das kambodschanische Dorf Phat Sanday am Tonle Sap-See ist um eine ökologisch sinnvolle Attraktion reicher: einen Wasserkiosk. Seite 18 Unternehmen & Biodiversität Immer mehr Unternehmen in Deutschland und Europa machen „Grün statt Grau“ zum Teil ihrer Unternehmensstrategie. Nicht nur auf dem eigenen Grundstück, auch weltweit tragen sie Verantwortung für nachhaltige Lieferketten und biologische Vielfalt. Wir beim GNF entwickeln gemeinsam mit den Unternehmen Strategien, wie sie dieser Verantwortung gerecht werden können. Stefan Hörmann ist Verwaltungswissenschaftler und leitet beim Global Nature Fund den Bereich Unternehmen und Biodiversität sowie unser Bonner Büro. Martin Haustermann ist Ingenieur und beschäftigt sich mit Umweltkosten, Lebenszyklusanalysen und dem nachhaltigen Anbau von Naturkautschuk. Ronja Volles ist Geographin und erarbeitet in ihren Projekten Hilfestellungen zum Thema Wald- und Biodiversitätsschutz für Unternehmen. Tobias Ludes arbeitet als Projektmanager für den GNF und setzt sich für eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft in Europa und weltweit ein. Matthias Knüver ist Umweltmanager und engagiert sich für die naturnahe Gestaltung von Unternehmensstandorten und nachhaltige Landwirtschaft. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite Preis, der den tatsächlichen ökologischen Gesamtkosten dieses Gerichts entspricht. Das Schlüsselwort lautet Umweltkosten: Moderne Modelle zu deren Bestimmung machen berechenbar, welchen Wert die ökologischen Ressourcen der Erde für uns bereithalten — und was es kostet, sie zu verbrauchen. So sorgen die Rodung von Regenwäldern zum Anbau von Futtermitteln und die Aufzucht und der Transport der Tiere dafür, dass die Umweltkosten von Fleischgerichten deutlich höher liegen als die vegetarischer oder veganer Speisen. Trotzdem zahlt der Gast im Imbiss für den vegetarischen Kebab mit Falafel aus Kichererbsen nicht unbedingt weniger als für den mit Kalbfleisch, obwohl die Umweltkosten für einen Falafel-Kebab bei lediglich 20 Cent liegen. Diese und weitere Umweltkosten hat der GNF im Projekt „Naturkapital im Hotel- und Gastgewerbe“ bewertet und für Unternehmen anwendbar gemacht. Neben einem Leitfaden stellt der GNF Unternehmen aus der Lebensmittelbranche und Gastronomie auch Umweltkostenrechner zur praktischen Anwendung zur Verfügung. Die Maßnahmen werden vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt gefördert. Kapitelbild: 19 Gemeinsam mit Unternehmen für biologische Vielfalt Ein Bericht von Stefan Hörmann Seit drei Jahren engagieren wir uns im Projekt LIFE Food & Biodiversity für mehr Biodiversitätsschutz in der Lebensmittelbranche. Ein erfreuliches Ergebnis: Namhafte Produzenten und Einzelhändler sowie Akteure und Verbände aus der Landwirtschaft haben angekündigt, im Jahr 2021 eine Brancheninitiative zur Biodiversität zu starten. Dabei verständigen sie sich auf konkrete Ziele und einen Maßnahmenplan, um Insekten zu fördern, Böden zu schützen und Gewässer zu schonen. Wichtig sind praktische Leitfäden und Instrumente, die sich in Strategien und Abläufe der Unternehmen integrieren lassen. Zwei Beispiele, an denen wir maßgeblich beteiligt sind: 1. Mit dem Leitfaden für Wald- und Klimaschutz erfahren Unternehmen, wie sie zur Wiederherstellung von Wäldern beitragen können, die für den Kampf gegen die Globale Erwärmung wesentlich sind: angefangen bei der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen über Baumpflanzaktionen mit Mitarbeitenden bis hin zur nachhaltigen Lieferkettengestaltung.  astronom*innen können mittels eines Umwelt2. G kostenrechners erfassen, welche Schäden an Klima, Wasser, Biodiversität und Ökosystemen ein Lebensmittel und seine Erzeugung verursacht. Das Gute dabei: Sie erhalten Tipps zu Zutaten und Menüs, die besonders umweltfreundlich sind. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Mitarbeitende und interessierte Verbraucher*innen erhalten zahlreiche Anregungen für einen nachhaltigen Lebensstil. Zum Umweltkostenrechner haben wir einen praktischen Verbraucherleitfaden veröffentlicht, der wertvolle Erkenntnisse zu den wahren Kosten von Essen und Reisen beinhaltet. « Versteckten Kosten auf der Spur Ein Bericht von Martin Haustermann Ein Döner Kebab beim Imbiss um die Ecke kostet 3,50 €. Hätte es einen Einfluss auf unser Essverhalten, wenn wir noch einmal 2,50 € draufschlagen müssten? Folgt man einem Berechnungsverfahren, das sich in den letzten Jahren zunehmend durchsetzt, so handelt es sich dabei in etwa um den « Natur aus dem Bilderbuch — Unternehmen profitieren von intakten Ökosystemen und beeinflussen sie zugleich. Verkaufspreis und Umweltkosten im Verhältnis — wieviel sind wir für den Einfluss, den wir auf unsere Umwelt ausüben, bereit zu zahlen? + 2,50 € Umweltkosten 3,50 € Döner Kebab 6 Euro statt 3,50 — so viel muss uns ein Döner Kebab wert sein, wenn wir für die ökologischen Schäden aufkommen wollen, die seine Produktion verursacht. Seite 20 Unternehmen & Biodiversität weltministerium geförderten Projektes publiziert haben, macht deutlich, dass Kompensation nur eine von vielen Maßnahmen für den Ausgleich unvermeidbarer Umweltkosten bzw. Klimagasemissionen sein sollte. Und dass es zahlreiche Möglichkeiten für unternehmerisches Waldengagement gibt, die schädliche Umwelteinflüsse vermeiden, noch bevor sie entstehen. Waldschutz in der eigenen Lieferkette und darüber hinaus Hilfestellung für Unternehmen im Waldund Klimaschutz Ein Bericht von Ronja Volles Eine Möglichkeit, Umweltkosten auszugleichen, sind sogenannte Kompensationsprojekte. Der GNF unterstützt Unternehmen dabei, sich mittels solcher Modelle erfolgreich in den Waldschutz einzubringen. Immer mehr Unternehmen wollen klimaneutral werden, also unterm Strich ohne CO²-Emissionen wirtschaften. Mit der Unterstützung von Projekten, die häufig in Entwicklungsländern umgesetzt werden, lassen sich dort Klimagase einsparen oder speichern. Angebote für solche Kompensationsmaßnahmen gibt es viele. Und gerade Waldprojekte sind beliebt — aber welche sind wirklich förderwürdig? Unser neuer Leitfaden für Unternehmer*innen, den wir gemeinsam mit OroVerde im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesum- Zu Beginn sind strukturelle Veränderung im Unternehmen essentiell, um die eigenen Lieferketten in den Fokus zu rücken und auf mehr Transparenz und Nachhaltigkeit auszurichten. Viele Branchen sind zumindest indirekt für den Verlust von Wäldern auf der ganzen Welt verantwortlich. Deshalb lohnt es sich für Unternehmen, gezielt auf Zulieferer zu setzen, die über eine Zertifizierung nachweisen, dass sie nicht zur globalen Entwaldung beitragen. Das schützt nicht nur den Wald, sondern stärkt auch die eigene Reputation in Bezug auf Verantwortung und Nachhaltigkeit. Unternehmen können jedoch noch mehr für den Schutz des Waldes tun: zum Beispiel auf eigenen Firmengrundstücken Baumpflanzaktionen umsetzen. Auch Geld nachhaltig zu investieren und umweltfreundliche Kredite aufzunehmen, bietet Möglichkeiten, Wald zu schützen oder aufzuforsten. Gute Wiederaufforstung benötigt konkrete Kriterien und langfristige Planung. Es muss sichergestellt werden, dass neu gepflanzte Bäume nicht in zwanzig Jahren wieder abgeholzt werden. Das können wir beispielsweise erreichen, indem wir die Bevölkerung, die den Wald in vielfältiger Weise nutzt, einbinden, weiterbilden und Menschen dabei unterstützen, sich alternative Einkommensquellen zu erschließen. Neuer Wald sollte aus standortangepassten Baumarten in hoher Artenvielfalt gebildet werden, indem verschiedene heimische Arten miteinander kombiniert werden. Faszination Wald All das lohnt sich, denn Wälder sind ganz besondere Ökosysteme und für das Überleben der Menschheit unerlässlich: Sie speichern immense Mengen an CO², sind also essenziell für den Schutz unseres Klimas. Wälder regulieren außerdem Wasserkreisläufe, bewahren den Boden vor Erosion und regulieren das Mikroklima. Sie dienen der Erholung, ver- Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund bessern unsere Gesundheit und schaffen nachhaltige Einkommen, z.B. durch Tourismus, durch Entnahme und Weiterverarbeitung von Rohstoffen wie Holz, Kautschuk oder Kakao. Erdbeerproduzent*innen im Blick zu behalten. Dazu sollen Qualität und Ertrag verbessert, gleichzeitig aber negative Umweltauswirkungen reduziert werden. Dazu helfen die Projektpartner den Farmer*innen dabei, besseren Anschluss an Absatzmärkte für ihre Erdbeeren zu finden. Es freut uns, dass wir Madre Tierra mit unseren Erfahrungen im Erstellen effizienter Biodiversitätspläne bereichern können. Im konkreten Fall des Erdbeeranbaus legen wir das Augenmerk vor allem auf den Schutz bestäubender Insekten, die für die Produktion besonders wichtig sind. Die Insekten ermöglichen den Erdbeerpflanzen erst die Fruchtbildung. So führt der Schutz ihrer Population letztlich sowohl zu höheren Ertragsmengen als auch zu besserer Qualität der Früchte. Die auf Empfehlung des GNF umgesetzten Maßnahmen umfassen unter anderem das Pflanzen heimischer Hecken und Blühstreifen, um den Bestäubern neue Lebensräume zu bieten. Gleichzeitig reduzieren die Erzeuger*innen auf Grundlage unseres BAP in einem genau bestimmten Umfang Pflanzenschutz- und Düngemittel, ohne den Ertrag an Erdbeerfrüchten zu gefährden — eine Win-winSituation für Landwirtschaft und Umweltschutz. « Aktiv für mehr Biodiversität im Erdbeeranbau Ein Bericht von Tobias Ludes und Matthias Knüver In der Region Maravatío im mexikanischen Bundesstaat Michoacán hat der Anbau von Erdbeeren große Bedeutung — für viele Menschen ist er eine lebenswichtige Einkommensquelle. Leider hat der Erdbeeranbau auch negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt vor Ort. Verunreinigungen des Bodens durch Plastikabfälle, die bei der Produktion anfallen, und der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln gefährden die biologische Vielfalt. Umso wichtiger, dass zunehmend ein Umdenken hin zu ökologisch verträglicheren landwirtschaftlichen Praktiken stattfindet. Der GNF unterstützt seit 2019 ein Projekt, das diese positiven Tendenzen fördert. Im Januar 2020 waren wir vor Ort in Maravatío, um Schulungen von Berater*innen zur Methodik der sogenannten Biodiversity Action Plans BAPs durchzuführen. Die Methode zeigt Farmer*innen konkrete Möglichkeiten auf, ihre Landwirtschaft biodiversitätsverträglich auszurichten und trotzdem rentabel zu wirtschaften. Die Schulungen sind Teil des Projekts „Madre Tierra“, an dem sich zahlreiche Unternehmen, unter anderem Danone, Altex und Walmart, beteiligen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzen wir uns für eine regenerative Landwirtschaft im Erdbeeranbau in Mexiko ein. Die Initiative zielt darauf ab, die bestehende biologische Vielfalt zu schützen, bereits verlorene Arten wiederanzusiedeln und dabei die soziale und ökonomische Perspektive der mexikanischen Seite « 21 Bild links: Wer Waldprojekte unterstützen möchte, sollte sich gut darüber informieren, welche wirklich sinnvoll sind. Dabei hilft z.B. die Checkliste mit ökologischen und sozialen Kriterien in unserem neuen Leitfaden. Bild oben rechts: Die Früchte werden als Dammkultur unter Folientunneln produziert. Bild unten rechts: Erdbeeren aus Anbau in Maravatío, Mexiko. Seite Unternehmen & Biodiversität 22 „Mehr als die Hälfte aller Fairtrade-Produzentenorganisationen sind gleichzeitig Biozertifiziert und auch viele konventionelle Betriebe haben sich bezüglich Umweltschutz über die Zeit deutlich verbessert.“ Martin Schüller im Interview mit Stefan Hörmann Martin Schüller ist Agrar- und Umweltingenieur. Seit 2010 arbeitet er bei Transfair e.V. als Referent für Entwicklungspolitik sowie für Standards & MEL (Monitoring, Evaluation and Learning) Fairtrade wird häufig als sozialer Standard wahrgenommen, der für faire Löhne und Arbeitsbedingungen steht. Welche Bedeutung haben Umweltaspekte im Fairtrade-Siegel? Fairtrade ist Teil einer globalen Bewegung für mehr Handelsgerechtigkeit. Ursprünglich spielten Umweltaspekte darin keine Rolle, aber das hat sich geändert. Heute sind etwa ein Drittel der Standardkriterien Umweltkriterien. Zwar stellen wir nach wie vor Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Arbeiter*innen aus dem globalen Süden in den Mittelpunkt, aber deren Lebensgrundlage ist unmittelbar von intakten Ökosystemen abhängig. Umweltaspekte haben deshalb eine zentrale Bedeutung. Geht das Engagement für faire Produktionsbedingungen immer Hand in Hand mit dem Einsatz für Umweltschutz und biologische Vielfalt oder gibt es Fälle, in denen die Aspekte einander behindern? Ich würde nicht sagen, dass es immer Hand in Hand geht. Dafür sind die Fairtrade-Produzentenorganisationen zu unterschiedlich hinsichtlich ihres Entwicklungsstandes. Vor allem, wenn Kooperati- ven neu zu Fairtrade kommen, gibt es noch viel zu verbessern. Beispiele sind die Reduktion des Pestizideinsatzes in konventionellen Betrieben, verbesserte Bewässerungstechniken oder die Einfürung einer organisierten Abfallentsorgung. Auch die Bedeutung des Biodiversitätsschutzes ist nicht jedem/r Produzent*in klar. Es gibt aber auch viele positive Beispiele: Mehr als die Hälfte aller Fairtrade-Produzentenorganisationen sind gleichzeitig Bio-zertifiziert und auch viele konventionelle Betriebe haben sich bezüglich Umweltschutz über die Zeit deutlich verbessert. Hier greift der Entwicklungsansatz von Fairtrade, also die schrittweise Umsetzung von Umweltkriterien. Der Global Nature Fund ist seit 2016 Mitglied bei Fairtrade. Welche Bedeutung hat für euch die Mitwirkung des GNF? Wir haben 36 Mitgliedsorganisationen; einige seit der Gründung 1992, viele später dazugekommene und einige neuere. Der GNF gehört zu den neueren und ist eine der aktivsten. Er hat viel dazu beigetragen, dass das Thema Umwelt im FairtradeSystem deutlich an Priorität gewonnen hat, und zwar auf nationaler wie internationaler Ebene. Gemeinsam mit dem GNF engagiert ihr euch im „Initiativkreis Biodiversität in der Lebensmittelbranche“ für den Schutz von Artenvielfalt und Lebensräumen — warum? Agrarökosysteme sind weltweit durch Klima- wandel, Wassermangel und weitere Faktoren bedroht, besonders in den ohnehin schon stärker betroffenen tropischen Ländern. Wenn Agrarökosysteme kollabieren, ist die Lebensgrundlage von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zerstört. Oft ist das die Folge von Umwelt- und Sozialdumping, also extrem niedrigen Erzeugerpreisen. Noch lange nicht alle Unternehmen der Lebensmittelbranche stellen sich ihrer menschenrechtlichen Unternehmensverantwortung — und dazu gehört ausdrücklich auch die Umweltfrage in den Lieferketten, man spricht hier von „Environmental Due Diligence“. Das muss sich ändern. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 23 Bild oben rechts: Martin Schüller, Fairtrade Deutschland /   TrainsFair e. V. Bild unten rechts: In Deutschland tragen alle Fairtrade-Bananen auch ein Bio-Siegel. Zum Schluss: Wie entwickelt sich der Absatz von Fairtrade-Produkten in Deutschland und weltweit? In Deutschland entwickelt sich Fairtrade positiv, aber es gibt auch Länder mit Rückgängen — allerdings wegen äußerer Faktoren wie dem Brexit oder COVID-19. Die Pandemie hat viele Produzent*innen stark getroffen, über Nacht wurden Aufträge storniert oder Lieferketten unterbrochen, zum Beispiel weil Frachtschiffe festgesetzt wurden. Es wird einige Zeit dauern, bis das überwunden sein wird. Insgesamt scheint sich das Umfeld aber in eine Richtung zu verändern, in der die Fairtrade-Themen an Bedeutung gewinnen, Stichwort Lieferkettengesetz. « Umweltschutz und Fairer Handel Ein Kommentar von Stefan Hörmann Als Umweltschutzorganisation hat der GNF das Schubladendenken längst abgelegt. Wir wissen, dass soziale Verantwortung und der Schutz der Umwelt — insbesondere biologischer Vielfalt — eng miteinander verknüpft sind. Eine Erkenntnis, die unsere Arbeit prägt. Das spiegelt sich in den Projekten und Kooperationen des GNF wider: So sind wir seit fünf Jahren aktives Mitglied bei Fairtrade Deutschland, um einen gerechten und ökologisch verantwortlichen Handel zu fördern. Außerdem engagieren wir uns für Gruppen benachteiligter Erzeuger*innen in Ländern des Globalen Südens, etwa als Mitglied im Fair Rubber Verein für den fairen Handel von Produkten aus Naturlatex. Auf Projektebene ergänzt sich der GNF ideal mit Partnern wie Femnet und Südwind-Institut, die ihre langjährige fundierte Expertise in Fragen von Arbeits- und Menschenrechten mit uns teilen. « Seite 24 Naturschutz & Lebendige Landschaften Gerade in entlegeneren Gegenden der Welt fehlen in Schutzgebieten Kenntnisse, Konzepte und rechtliche Voraussetzungen, um fortschreitende touristische Erschließung nachhaltig zu organisieren. Deshalb arbeitet der GNF-Bereich Naturschutz an der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Tourismus. Dr. Thomas Schaefer ist Biologe, Nachhaltigkeitsmanager und seit 35 Jahren im Naturschutz aktiv. Als Leiter des Bereichs Naturschutz beim GNF schlägt sein Herz für Lebendige Seen und Landschaften in Deutschland und der Welt. Katja Weickmann ist seit 2009 beim GNF und beschäftigt sich mit den Themen Umweltbildung und nachhaltiger Tourismus. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite Wie begeistert man Menschen in Europa für das komplexe Thema Biodiversität? Mit dieser Frage beschäftigt sich das EU ERASMUS-Projekt „Inspiring for Biodiversity“. In den vergangenen Jahren ist der Klimawandel zum beherrschenden Thema geworden und beschäftigt immer mehr Menschen in Europa. Aktuelle Studien zeigen, wie wenig viele Menschen dennoch über die große Bedeutung der Biodiversität für die Umwelt und für ein intaktes Weltklima wissen. Deshalb bündeln der GNF und Partner der European Living Lakes Partnership aus Estland, Österreich, Polen, der Slowakei und Ungarn ihre Kräfte, um sich dazu auszutauschen, wie man mehr Menschen für Biodiversität begeistern kann. Die Partnerorganisationen analysieren die Bildungssituation zum Thema Biodiversität in ihren Ländern, legen eine gemeinsame Strategie fest und entwickeln ein Programm mit sechs pädagogischen Schwerpunktbereichen zur biologischen Vielfalt. Ziel ist die Entwicklung von 30 innovativen pädagogischen Instrumenten als Inspiration für den Schutz der Biodiversität, die in sechs europäischen Sprachen vorliegen und frei nutzbar sein werden. Kapitelbild: 25 Neues. Denken. Wagen. Der GNF und seine Projekte zur Nachhaltigkeitsbildung Ein Bericht von Dr. Thomas Schaefer und Katja Weickmann Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) war von Beginn an eine tragende Säule in der Projektarbeit des Global Nature Fund. Und das wird auch gewürdigt: Die Vereinten Nationen haben das vom GNF koordinierte internationale Seennetzwerk Living Lakes als offizielle Maßnahme der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung 2005 – 2014“ ausgezeichnet — eine besondere Wertschatzung für Initiativen, die einen langfristigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsbildung leisten. Der GNF möchte seinen Bildungsansatz konzeptionell, d.h. methodisch und thematisch, weiterentwickeln, Antworten auf alte und neue Fragen erarbeiten und neue Zielgruppen erschließen. Die aktuellen Projekte „Natur ohne Barrieren“ und „Inspiring for Biodiversity“ sind Teil dieser Strategie. Natur ohne Barrieren wurde 2020 zum offiziellen Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt 2011 — 2020“ im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur — Natur für alle“ ernannt. Damit zeichnen die Vereinten Nationen Projekte aus, die beispielhaft Natur und soziale Themen verbinden und deutlich machen, welche Chancen biologische Vielfalt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bietet. Natur ohne Barrieren wird mit Partnern aus Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn umgesetzt. Gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband unterstützen wir in der Naturpädagogik tätige Menschen dabei, Barrierefreiheit und Inklusion in ihren Angeboten noch besser zu verankern. Dabei hilft ein GNF-Leitfaden für geführtes und selbstbestimmtes Naturerleben für Menschen mit Behinderung, der kosten- und barrierefrei auf der Projektwebseite www.naturewithout-barriers.eu in vier Sprachen zur Verfügung steht. « Der Nationalpark Pico Bonito in Honduras — undurchdringlicher Urwald — noch! Bild rechts: Das Projektteam von „Natur ohne Barrieren“ bei einem Sensibilisierungstraining im Naturpark Donauauen, Österreich: eine Erfahrung, die den Blick auf Barrieren verändert. Seite 26 Naturschutz & Lebendige Landschaften Nutzung touristischer Infrastruktur, Verschmutzung durch Müll und Abwässer sind negative Folgen, die wir immer wieder beobachten. Der GNF-Bereich Naturschutz arbeitet deswegen schwerpunktmäßig an der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Tourismus, aktuell vor allem in Mittelamerika. Für gesunde Ökosysteme und biodiversitätsorientierte Unternehmen Feuchtgebietsschutz, Nationalparkmanagement und Tourismus Ein Bericht von Dr. Thomas Schaefer Ob am Hovsgol See in der Taiga der Nordmongolei, in Atlantida an der Karibikküste von Honduras, im schönen Saarland oder in der wilden Oberlausitz: Tourismus soll in strukturschwachen Regionen für wirtschaftliches Wachstum sorgen und Menschen in Arbeit bringen. Mit Unterstützung von Entwicklungsfonds werden Infrastrukturen geschaffen — Straßen, Flughäfen und Hotels — um Touristen anzulocken. Das Marketing stützt sich dabei auf vermeintlich unberührte Landschaften, spektakuläre Nationalparks und eine beeindruckende Tierwelt. Gerade in entlegeneren Gegenden der Welt fehlen in Schutzgebieten aber Kenntnisse, Konzepte und rechtliche Voraussetzungen, um die fortschreitende touristische Erschließung nachhaltig zu organisieren und Fehlentwicklungen zu vermeiden. Ungeregelte Seit 2015 sind wir in der Region tätig, oft gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Förderungen erhalten wir von der Deutschen Bundesregierung und der Europäischen Union. Immer geht es uns auch darum, Menschen zu sensibilisieren, das heißt, Fachleute ausbilden, Unternehmen einbinden und beispielhafte Maßnahmen anstoßen. Die Projektpartner sind neben der GIZ drei etablierte Umweltorganisationen aus Zentralamerika und der Karibik. Sie sorgen vor Ort für die konkrete Umsetzung der gemeinsam geplanten Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt. Eine aktuelle Kampagne richtet sich gegen die Überfischung von Papageifischen in der Karibik, deren Bestand entscheidend für das Überleben der Korallenriffe ist. Die Fische weiden Algen von Riffen ab und halten die Korallen dadurch gesund. Außerdem kümmern wir uns um Mangrovenwälder entlang von Flussmündungen in der Dominikanischen Republik und Honduras. Für viele Tier- und Pflanzenarten bilden Mangroven einen unverzichtbaren Lebensraum und zusammen mit vorgelagerten Korallenriffen einzigartige Ökosysteme. Zu dessen Schutz hat der GNF bereits zahlreiche Fortbildungen, Kurse und Runde Tische für Nachhaltigkeitsmanager und Verantwortliche aus Tourismusunternehmen organisiert. Wir haben viele Betriebe beraten und zahlreiche Publikationen veröffentlicht, um unsere Ziele und Maßnahmen erfolgreicher und bekannter zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf biodiversitätsfreundlichen touristischen Betrieben aus Deutschland und Europa. Ein aktueller Katalog stellt rund 30 Angebote vor, z.B. Naturexkursionen, biodiversitätsfreundliche Hotels und Restaurants. Viele Reiseanbieter haben solche Angebote in ihr Programm aufgenommen — ein großer Erfolg unserer Arbeit und Wertschätzung unserer Partner in der Karibik und Zentralamerika. Tätigkeitsbericht 2020 Nationalparkmanagement im Delta des Unteren Yuna Im dominikanischen Nationalpark Mangroves of the Lower Yuna sind allein in den vergangenen zehn Jahren 250 Hektar wertvoller Mangrovenwald zerstört worden, eine kleine Naturkatastrophe. Dafür verantwortlich sind auch örtliche Fischer*innen. Rund 2.000 von ihnen leben mit ihren Familien in der kleinen Gemeinde Sanchez an der Mündung und dem Unterlauf des Flusses Yuna. Neben der Abholzung von Mangroven übt die Übernutzung negativen Druck auf die Bestände von Fischen, Krebsen, Muscheln und Shrimps aus. Für die Fischer ist diese Arbeit jedoch die einzige Einnahmequelle; ein existentielles Dilemma, das man sich als Mitteleuropäer kaum vorstellen kann. Um einerseits die Lebensgrundlagen der Fischerfamilien in Sanchez zu erhalten und andererseits den Nationalpark zu schützen, hat der GNF mit seiner dominikanischen Partnerorganisation CEBSE ein Projekt zum Schutz des Mangrovenwaldes gestartet. Dabei werden zunächst achtzig Hektar verlorener Lebensraum wiederhergestellt. Außerdem erarbeiten wir ein wirksames Managementkonzept für den Nationalpark. Hierbei geht es darum, mit touristischen Angeboten wie Kajaktouren und Vogelexkursionen alternative Einkommensmöglichkeiten zur Subsistenzfischerei aufzuzeigen. Außerdem wird eine Marke für den Nationalpark entwickelt, unter der verschiedene nachhaltige Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Transforming Tourism Auch das Projekt „Transforming Tourism“ zeigt in der Dominikanischen Republik bereits positive Wirkungen. Im Jahr 2019 wurde dort die Gemeinde Las Galeras als erste biodiversitätsfreundliche Tourismusdestination weltweit ausgezeichnet. Die GNF-Partner von Tour Cert haben ein Zertifizierungsschema mit Schlüsselkriterien für biologische Vielfalt entwickelt, das in der Pilotgemeinde Las Galeras erstmals zur Anwendung kam. Transforming Tourism will zeigen, dass Reisen und Urlaub auch nachhaltig und biodiversitätsfreundlich sein können. Wir bringen die Entwicklung in Las Galeras weiter voran, sorgen aber auch dafür, dass der Ort kein Einzelfall bleiben muss. Dazu entwickeln wir die Anwendung des Zertifi- Global Nature Fund Seite zierungsschemas mit zwei anderen Tourismusdestinationen weiter, Sarapiqui und Saitchi in Costa Rica. Plastikfreiheit, nachhaltige Gastronomie und Klimaneutralität sind die Meilensteine in diesem Projekt. „Transforming Tourism“ profitiert dabei vom Wissens- und Technologietransfer, den wir im Living Lakes-Netzwerk erfolgreich organisieren. Felipe Valderrama, Spezialist für Pflanzenkläranlagen in Kolumbien, wird in die Projektregionen reisen und Potentiale für sauberes Abwasser besprechen. Aber auch unsere Maßnahmen finden nicht außerhalb wirtschaftlicher Rahmenbedingungen statt. Deshalb ist es wichtig, die Marktposition der neuen Angebote zu stärken. Touristische Betriebe sind v. a. dann bereit, Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit umzusetzen, wenn es dafür eine Nachfrage gibt. Hier sind einerseits die Reisenden gefordert, solche Angebote zu suchen und zu buchen. Andererseits kommt es auf Expert*innen an, diese Möglichkeiten zu entwickeln, zu bewerten, zu kontrollieren und darüber zu berichten — und dadurch immer mehr Reisende zu begeistern, nachhaltig Urlaub zu machen. « 27 Bild links: Der Nationalpark Mangroves of the Lower Yuna — nur mit dem Boot kann man diesen Urwald erkunden. Bild rechts: Der Palast von Christopher Kolumbus und seinen Nachfolgern in Santo Domingo ist heute ein Hotel. Hier hat der GNF einen von 45 Biodiversitätschecks durchgeführt. Seite Naturschutz & Lebendige Landschaften 28 „Die aktuelle COVID-19Krise wird sicherlich Veränderungen mit sich bringen. Ich glaube, dass die Wertschätzung für das Reisen steigen wird, Touristen werden stärker auf Nachhaltigkeit achten.“ Mike Brauner im Interview mit Dr. Thomas Schaefer Mike Brauner arbeitet seit 2003 im Bereich Umweltmanagement und Nachhaltige Entwicklung für den Touristikkonzern TUI und ist seit 2014 Senior Manager Sustainability der TUI Group TUI und GNF haben gemeinsam einen Online-Ratgeber für nachhaltige Souvenirs veröffentlicht. Wie nehmen die Reisenden den Guide an? Die Zugriffe wachsen mit dem Inhalt, aktuell hat die Souvenir-Seite beim Thema Nachhaltigkeit mit die meisten Zugriffe. Wir haben einen QR-Code eingeführt, das Thema wird international gestreut und demnächst möchten wir das in die TUI App integrieren. Die Seite gibt es sogar schon auf Dänisch. Viele Experten gehen davon aus, dass der Tourismus nach COVID-19 nicht mehr derselbe sein wird. Welche Veränderungen erwarten Sie? Die COVID-19-Krise wird sicherlich Verände- rungen mit sich bringen. Ich glaube, dass die Wertschätzung für das Reisen steigen wird, Touristen werden stärker auf Nachhaltigkeit achten. Hygiene und Sicherheit sind aktuell noch die größere Herausforderung, wie wir ja zur Zeit sehen. Aber Aspekte der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit, die Rolle von Natur und Mensch in den bereisten Ländern werden in der Kundenwahrnehmung eine große Rolle spielen. Der Tourismus ist eine wichtige Säule nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung in vielen Ländern weltweit. Wie wirkt sich die Pandemie darauf aus? Selbst Regionen, die zuvor zu stark bereist waren, setzen weiter auf den Tourismus. Ohne ihn bricht viel weg an Wertschöpfung, Wohlstand und Bildung. Ob vor dem Hintergrund sinkender Staatseinnahmen noch genug Geld beispielsweise für Schutzgebietsmanagement zur Verfügung steht, ist fraglich. Aus Kenia hören wir bereits, dass die Wilderei zunimmt. Nachhaltigkeit war bei der Entwicklung des Tourismus schon immer ein Thema. Gehen Sie davon aus, dass es nach der Pandemie noch mehr Aufmerksamkeit erhält? Die TUI wird ihre Nachhaltigkeitsstrategie 2030 mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN abgleichen und Handlungsziele entwickeln. Zugleich werden auf politischer Ebene weitreichende Rahmenwerke erarbeitet und umgesetzt, z.B. der European Green Deal. Hieraus ergibt sich eine Verpflichtung für viele Industrien wie auch den Tourismus, Nachhaltigkeit im Kerngeschäft zu verankern. Das kann auch eine große Chance sein, etwa durch Investitionen und Förderprogramme im Bereich neuer nachhaltiger Antriebsstoffe oder im Hotelbau. Tourismus spielt sich in schützenswerten Landschaften ab und betrifft einzigartige Ökosysteme wie Korallenriffe. Wird das Thema Biodiversität in den kommenden Jahren verstärkt in den Fokus rücken? Biodiversität ist aus deutscher TUI-Sicht schon lange ein Megathema. International gibt es weiterhin Nachholbedarf, hier spielt Klimaschutz die größere Rolle. Eine positive Ansprache von Kundinnen und Kunden ist mit biologischer Vielfalt leichter möglich. Und während Klimawandel ein komplexes und für ein touristisches Unternehmen sehr weitgefasstes Thema ist, sind bei biologischer Vielfalt auch kleinere Schritte erfahrbar und messbar. Wir sehen übrigens viel politischen Nachholbedarf beim Thema Biodiversität, das in unserer Wahrnehmung in der Umweltdebatte wenig auftaucht, gerade auch in vielen Urlaubsländern. Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Tourismus in der Natur ist ein wesentlicher Motor für nachhaltigere Urlaubsangebote. Gibt es davon in Zukunft mehr? Was TUI anbietet, ist ein Volumen-Produkt. Das authentische Erleben im Gastland wird immer wichtiger: Die Gäste wollen wissen, wo Nahrungsmittel für das Buffet herkommen, sie wollen selbst in den Destinationen unterwegs sein und die Umgebung ihrer Hotels erfahren. TUI wird ein nachhaltiges Erleben „Mensch-Natur-Umwelt“ fördern, ein absolutes Trendthema. Was in die Unternehmensführung übersetzt werden muss, ist der Business Case. Geldverdienen einerseits, aber auch den Wert des Strandes und des Riffes schätzen und bewerten. Dieses Naturkapital gehört keinem Unternehmen — wir dürfen nicht am Ast sägen, auf dem wir sitzen. Wie bereitet sich ein Unternehmen wie TUI auf den erwarteten Wandel vor und wie können wir als NGO die Tourismusindustrie auf ihrem Weg in eine nachhaltigere Zukunft unterstützen? Manches bleibt ein Spagat bei den vielen Mil- lionen Touristen, die TUI jährlich bewegt. Die Isla Saona in der Dominikanischen Republik ist ein Beispiel dafür, dass Naturerleben nicht leicht zu bewältigen ist. Touristenströme müssen gelenkt werden. Da sind Sensibilisierungen notwendig, die wir nicht allein leisten können. Wir sehen aber eine Zukunft in kleinen Exkursionen mit Naturschutzorganisationen vor Ort. Ein gutes Beispiel dafür ist aus meiner Sicht das kürzlich gestartete Projekt des GNF mit Unterstützung der TUI Care Foundation: Das Ziel ist, einen Ökotourismus gemeinsam mit lokalen Gemeinden zu entwickeln. « Seite Rum, Gewürze, Kunsthandwerk: Global Nature Fund und TUI mit Ratgeber für nachhaltige Souvenirs Ein Kommentar von Dr. Thomas Schaefer Traumhafte Sandstrände und fantastisches Wetter passen leider nicht in den Koffer — Souvenirs dagegen schon. Produkte aus Elfenbein, Haifischzähnen, Korallen, Krokodil- und Schlangenleder oder Gegenstände aus tropischem Holz gehören aber nicht in den Koffer! Tierische und pflanzliche Produkte sind häufig durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES und nationale Gesetze streng geschützt. So wird Tourist*innen die Souvenirjagd spätestens beim Zoll zum Verhängnis. Zusammen mit der TUI Group hat der Global Nature Fund deshalb einen Online-Souvenir-Ratgeber erstellt. Eingebettet in das Internetangebot der TUI empfiehlt der Ratgeber Produkte, die für das jeweilige Land und seine Kultur typisch und gleichzeitig legal sind — etwa Rum aus der Karibik, Gewürze aus Nordafrika, bunte Stoffe aus Südasien oder der spanische Fächer. Dazu zeigt der Guide, was Reisende weltweit meiden sollten. Aktuell enthält der Ratgeber Tipps für die Dominikanische Republik, Thailand, Griechenland, Spanien und die Türkei. Die Liste wird fortlaufend erweitert, Kenia und Südafrika sind die nächsten Destinationen. Zum Online-Souvenir-Ratgeber: www.tuigroup.com/de-de/souvenir-ratgeber « 29 Anmerkung: Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES regelt seit 1973 als internationale Konvention den nachhaltigen internationalen Handel mit gelisteten Tieren und Pflanzen. Jeder Mitgliedsstaat ist für die Umsetzung verantwortlich, in Deutschland kümmern sich darum der Zoll und das Bundesamt für Naturschutz. Seite 30 Über den Global Nature Fund „Faszinierend schön und doch verletzlich. Naturnahe, intakt wirkende Lebensräume geraten immer mehr in Gefahr, etwa durch intensivere Nutzung oder die Folgen des Klimawandels. Umso wichtiger ist es, ihren Schutz zu verbessern — auch in unserem ureigensten Interesse.“ Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 31 Der Pulicat-See ist das zweitgrößte Binnengewässer Indiens. Die mit dem Meer verbundene Lagune ist reich an Fischen und Krustentieren, die Menschen leben seit Generationen vom Fischfang. Etwa 30.000 Berufsfischer*innen gibt es hier. Die traditionelle Fischerei wird seit Jahrhunderten über ein Padu genanntes System geregelt, das die Fangmengen der Dörfer am See festlegt und ihn so vor Überfischung schützen soll. Seit Jahren steigt jedoch die Zahl der Menschen und der Fischer*innen, die rund um die Lagune leben. Übernutzung der Fischgründe und zunehmende Konflikte innerhalb des Padu-Systems sind die Folge. Der GNF setzt sich gemeinsam mit seinem Living Lakes-Partner CReNIO für Mensch und Natur am Pulicat-See ein, unter anderem mit einem Projekt zur Mangroven-Renaturierung. Dieses und die folgenden beiden Bilder gehören zu den Siegern eines Anfang 2020 GNF-intern unter dem Motto „Lebensräume“ ausgerufenen Fotowettbewerbs: Mitarbeitende wählten ihre Favoriten aus einer Reihe von Bildern, die Gewässer des Living Lakes-Netzwerks zeigen. Sieben von ihnen verschönern nun unseren Büroflur am Standort Radolfzell. Seite 32 Über den Global Nature Fund Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 33 Die kanadischen Columbia River Wetlands liegen im Rocky-Mountains-Graben. Sie gliedern sich in periodisch überschwemmte Flächen und Sümpfe sowie zwei Seen, Windermere Lake und Columbia Lake. Letzterer ist die wichtigste Wasserressource des pazifischen Nordwestens auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Seenregion beheimatet Grizzlybären, Pumas, Vielfraße, Dickhornschafe und Fischadler und ist noch spärlich besiedelt. Allerdings steigen die Zahlen an Einwohner*innen und vor allem an Besucher*innen rapide an: Aktuell mit einem jährlichen Zuwachs von 30 Prozent bei touristischen Übernachtungen. Der GNF engagiert sich im Team mit seinem Living LakesPartner Wildsight für den Erhalt der natürlichen Ressourcen des weltweit einzigartigen Feuchtgebiets zwischen kanadischen Rockies und Purcell Mountain Range. Seite 34 Über den Global Nature Fund Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 35 Der Võrtsjärv ist Teil des Baltischen Seebeckens, der größte Binnensee Estlands und trotz seiner Größe von 270 Quadratkilometern ein Flachwassersee: Im Durchschnitt ist er nur 2,80 m tief. Im Võrtsjärv kommen 35 Fischarten vor, darunter Barsche und Plötze sowie die auch kommerziell wichtigen Fischarten Zander, Aal, Brachse und Hecht. Mehr als ein Drittel des Jahres ist der See von einer Eisschicht bedeckt. Die rasche Ausbreitung von Schilfdickichten und der Rückgang der biologischen Vielfalt deuten auf die zunehmende Eutrophierung des Võrtsjärv während der letzten Jahrzehnte. Unzureichend geklärtes Wasser und Nitrateinträge stellen die Ökologie des flachen Sees vor große Probleme — und rufen den GNF und seine Partner auf den Plan. Gemeinsam stärken wir regionale Netzwerke für nachhaltiges Wirtschaften und den Ökotourismus am See. Seite Über den Global Nature Fund 36 Nachhaltige Entwicklung Udo Gattenlöhner Geschaftsfuhrer und Leiter Nachhaltige Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit, Büro Radolfzell Thies Geertz Projektmanager, Büro Radolfzell Laura Maeso Velasco Projektmanagerin, Büro Bonn Michaela Aschbacher Projektassistentin Nachhaltige Entwicklung, Büro Radolfzell Moritz Konz Projektmanager, Büro Radolfzell Martin Haustermann Projektmanager, Büro Bonn Tobias Ludes Projektmanager, Büro Bonn Julia Gossenberger Projektmanagerin, Büro Bonn Unternehmen und Biodiversität Stefan Hörmann Stellv. Geschäftsführer, Leiter Unternehmen und Biodiversität, Büro Bonn Andrea Reuter Projektmanagerin, Büro Bonn Präsidium Almut Weis Webmasterin & Personalwesen, Büro Radolfzell Viktor Konitzer Kommunikationsmanager, Büro Radolfzell Hanna Kirch Projekt- und Marketing­ assistentin, Büro Radolfzell Marion Hammerl Präsidentin Prof. Dr. Manfred Niekisch Vize-Präsident Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 37 Naturschutz und Living Lakes Dr. Marlene Bär Lamas Projektassistentin, Büro Radolfzell Dr. Thomas Schaefer Leiter Naturschutz, Büro Radolfzell Bettina Schmidt Projektmanagerin, Büro Radolfzell Katja Weickmann Projektmanagerin, Büro Berlin David Marchetti Projektassistent, Büro Radolfzell Finanzen, Verwaltung und Marketing, Kommunikation Ronja Volles Projektmanagerin, Büro Bonn Matthias Knüver Projektmanager, Büro Bonn Manuela Uhde Claudia Maier Leiterin Finanzen, Marketing Finanz- und Verwaltungsund Verwaltung, assistentin, Büro Radolfzell Büro Radolfzell Heike Schläfle Finanz- und Verwaltungsassistentin, Büro Radolfzelll Jörg Dürr-Pucher Präsidiumsmitglied Kat Hartwig Präsidiumsmitglied Barbara Metz Präsidiumsmitglied Sebastian Winkler Präsidiumsmitglied Dr. Andrew Venter Präsidiumsmitglied Seite Kooperationen 38 Für viele Unternehmen war es vor dem Hintergrund von Umsatz- oder Gewinneinbrüchen nicht einfach, ihr soziales und ökologisches Engagement aufrechtzuerhalten. Trotzdem hat kein Förderunternehmen die Unterstützung unserer Projektarbeit beendet. terien oder der EU-Kommission, keines unserer Projekte wurde im Stich gelassen. Ganz besonders schätzen wir auch die wertvolle Unterstützung unserer Förderer aus dem privaten Sektor. Für viele Unternehmen war es vor dem Hintergrund von Umsatz- oder Gewinneinbrüchen nicht einfach, ihr soziales und ökologisches Engagement aufrechtzuerhalten. Trotzdem hat kein Förderunternehmen die Unterstützung unserer Projektarbeit beendet. Gedankenlosigkeit im Hinblick auf ökologische Fragen, Lebensraum- und Biodiversitätsverlust befördern Pandemien, da ist sich die Wissenschaft einig. Insofern lehrt uns Corona, dass unsere Gesellschaft nicht trotz, sondern gerade wegen dieser Krise noch mehr in den Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas investieren muss — ohne Rücksicht auf umwelt- und klimaschädliche wirtschaftliche Interessen. Das schon lange geforderte Verursacherprinzip muss auf globaler Ebene in alle wirtschaftlichen Entscheidungen einfließen, um ökologisch gerechte und zukunftsorientierte wirt- Es berichtet Udo Gattenlöhner Udo Gattenlöhner ist Agrarwissenschaftler und arbeitet seit 1999 für den GNF, seit 2001 als Geschäftsführer. Er koordiniert verschiedene Projekte für eine nachhaltige Entwicklung in Ländern des globalen Südens. Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf unser Leben und die gesamte Gesellschaft. Der Global Nature Fund hat sich, wie viele andere Organisationen auch, den von COVID-19 verursachten Herausforderungen stellen müssen. Wir sind in vollem Umfang einsatzfähig geblieben und trotz gewisser Einschränkungen nicht in unmittelbare existentielle Probleme geraten. Das könnte daran liegen, dass wir vor dem Hintergrund unserer globalen Arbeit schon seit vielen Jahren OnlineInstrumente in der Projektkommunikation nutzen. Auf der Basis von regelmäßig aktualisierten Risikobewertungen, die wir gemeinsam mit unseren Partnern erstellen, passen wir die Ausrichtung unserer Projekte den sich ändernden Bedingungen an und erstellen alternative Maßnahmenpläne. Gewisse organisatorische und finanzielle Probleme blieben aber auch für uns nicht aus. Wir sind allen Spender*innen und Förderern besonders dankbar, die uns gerade in diesen schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben. Ob von Seiten von Einzelpersonen oder Stiftungen, der Bundesminis- schaftliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Letztlich hoffen wir, dass so immer mehr Menschen erkennen, dass wir uns nicht dauerhaft gegen Natur und Umwelt stellen können und mit unserem Planeten und seinen Ressourcen umsichtiger umgehen müssen — für uns und zukünftige Generationen. « Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Wir bedanken uns bei unseren Kooperationspartnern. Öffentliche Hand — Deutschland Europäische Union LIFE Programm der Europäischen Union Weitere europäische Unterstützer / Förderer Stiftungen / Vereine Wirtschaft Standards Kooperationspartner Seite 39 Seite Finanzen & Marketing 40 Die Finanzierung unserer Projekte erfolgt zum großen Teil über projektbezogene Bewilligungen der öffentlichen Hand. Daneben bleiben Verbandsaufgaben, deren Ausgaben nicht über Projekte finanziert sind, wie eine effiziente Verwaltung oder Kommunikationsaufgaben. Es berichtet Manuela Uhde Manuela Uhde ist seit 1998 Mitarbeiterin des Global Nature Fund und gestaltet die Stiftung seit den Anfängen mit. Sie leitet die Abteilung Finanzen, Marketing & Verwaltung des GNF und ist Ansprechpartnerin für private Spender*innen. Den Spagat zwischen Aufgabenerfüllung und Beschaffung der erforderlichen Geldmittel müssen wir jedes Jahr aufs Neue bewältigen — bislang dank eines engagierten Teams und wertvoller Fördergeber mit gutem Erfolg. Das Corona-Jahr 2020 vergrößert diese Herausforderung aber noch. Mittelbeschaffung Die Finanzierung des Global Nature Fund steht auf verschiedenen Standbeinen. Wir bemühen uns um öffentlich geförderte Projekte ebenso wie um private Zuschüsse oder Spenden. Gerade die letztgenannten sind unabdingbar für die Kofinanzierung unserer Projekte, denn Drittmittel und Eigenmittel sind notwendige Voraussetzungen für öffentlich geförderte Projekte. Nur mit allen Förderern gemeinsam, also Spender*innen, Firmen, Stiftungen oder dem öffentlichen Sektor können wir weiterhin erfolgreiche Projekte durchführen und unseren Verband auch durch bewegte Zeiten steuern. Mittelverwendung Im Geschäftsjahr 2019 haben wir mit unserem Team fast 30 Projekte erfolgreich durchgeführt. Unsere Projekte werden immer komplexer und beinhalten Aspekte von Biodiversität, Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen, Klimaschutz und Umweltbildung. Dabei scheuen wir die Begegnung mit Unternehmen nicht, um gesellschaftspolitische Ziele des Umweltschutzes in Deutschland und Europa zu erreichen. Wir bedanken uns ausdrücklich bei unseren Projektpartnern inner- und außerhalb unseres Netzwerks Living Lakes, ohne die wir diese zukunftsrelevanten Aufgaben nicht erfolgreich durchführen könnten. Offenlegung und Transparenz Unser jährlicher Tätigkeitsbericht zeigt auf, wie erfolgreich die Projektarbeit des vergangenen Jahres war, und berichtet über die finanzielle Entwicklung des Verbands. Dabei verpflichten wir uns seit der Gründung der Stiftung zur freiwilligen Prüfung des Jahresabschlusses durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer. Es werden sowohl eine Gewinn- und Verlustrechnung als auch eine Bilanz nach HGB und Stiftungsrecht erstellt. Die Erhaltung des Stiftungsvermögens und die satzungsgemäße Verwendung der Stiftungsmittel im Geschäftsjahr sind Bestandteil dieser Prüfung. Die Prüfungsergebnisse werden in einem Prüfungsbericht zusammengefasst und den Aufsichtsbehörden offengelegt. Den Tätigkeitsbericht erhalten alle aktiven Spender, Förderer und Kooperationspartner. Auf unserer Webseite stellen wir die Tätigkeitsberichte und unsere Satzung zum Download bereit. Dabei beachten wir die freiwilligen Veröffentlichungspflichten der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. « Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund „Naturschutz und die Erhaltung von Ökosystemen und Lebensräumen sind aktuell wichtige Themen. Wenn es darum geht, sich für die Zukunft unserer Lebensgrundlage einzusetzen, sollte man nicht zu lange überlegen und solche Projekte fördern.“ Seite 41 fördert Projekte des Global Nature Fund. So kamen wir zusammen und haben überlegt, wie wir uns beim GNF sinnvoll einbringen können. Der Deutschland-Achter ist seit diesem Jahr stolzer Botschafter des Netzwerks Lebendige Seen Deutschland, das der GNF koordiniert. Zur Auszeichnung der Seen der Holsteinischen Schweiz als „Lebendige Seen des Jahres 2020“ wäre eigentlich ein Ruderer aus dem Weltmeister-Achter vor Ort gewesen. Doch die Corona-Pandemie hat diesen Besuch leider verhindert. Carsten Oberhagemann im Gespräch mit Viktor Konitzer Carsten Oberhagemann ist Diplom-Ökonom und Journalist und unterstützt das Team DeutschlandAchter seit 2003. Ursprünglich Pressesprecher, ist er seit 2010 Kommunika­t ionschef, Stützpunktleiter, Vermarkter und Geschäftsführer in Personalunion. Die Wilo-Foundation, mit der auch der GNF kooperiert, konnte er als Hauptsponsor für die Deutschland-Achter GmbH gewinnen. Herr Oberhagemann, als Geschäftsführer der Deutschland-Achter GmbH stehen Sie für traditionsreichen deutschen Spitzensport und Höchstleistungen auf dem Wasser. Mehrere Olympiasiege sowie Europa- und Weltmeistertitel sprechen eine deutliche Sprache. Wo kommt da für Sie und das Team Deutschland-Achter die Leidenschaft für die Natur und ihren Schutz ins Spiel? Das liegt in erster Linie schon in der Natur der Sache. Wir Ruderer benötigen Wasser, um unseren Sport ausüben zu können. Was natürlich umso schöner ist, wenn es sich um ein gesundes, ökologisch intaktes Gewässer handelt. Morgens alleine oder im Team auf einem See rudern – was gibt es Schöneres? Da ist es naheliegend, dass wir uns auch für den Schutz der Gewässer und der Natur einbringen. Wir freuen uns sehr, dass der Deutschland-Achter die Projektarbeit des Global Nature Fund begleitet. Können Sie uns berichten, wie die Verbindung zum GNF zustande kam? Das Team Deutschland-Achter wird seit vielen Jahren von der Wilo-Foundation als Nachwuchsförderer unterstützt. Die Wilo-Foundation ihrerseits Der Fokus der Öffentlichkeit richtet sich glücklicherweise immer stärker auf Umwelthemen. Es gibt hier viele Möglichkeiten, sich zu engagieren – warum sollten Menschen gerade die Arbeit des Global Nature Fund mit ihrer Spende unterstützen? Naturschutz und die Erhaltung von Ökosystem- en und Lebensräumen sind aktuell wichtige Themen. Wenn es darum geht, sich für die Zukunft unserer Lebensgrundlage einzusetzen, sollte man nicht zu lange überlegen und solche Projekte fördern. Der Global Nature Fund bietet hier gute Ansatzpunkte und ist aus unserer Sicht deswegen zu unterstützen, weil er als Umweltschutzorganisation von Beginn einen Schwerpunkt im Bereich Gewässerschutz verfolgt und sich dafür in Deutschland wie auch weltweit intensiv einsetzt. Herr Oberhagemann, wir danken Ihnen für das Gespräch. « Seite Finanzen & Marketing 42 Darstellung des Jahresabschlusses Der Global Nature Fund unterzieht sich jährlich einer freiwilligen Prüfung der Bücher. Die Vermögenslage wird durch eine Bilanz offengelegt, die nach den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches, des Berliner Stiftungsgesetzes sowie unserer gültigen Satzung erstellt wird. Einnahmen und Ausgaben werden in einer Gewinn- und VerlustRechnung dargestellt. Die Jahresrechnung wird durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft und den Aufsichts- und Finanzbehörden vorgelegt. Für das Geschäftsjahr 2019 hat der Global Nature Fund ein vollumfängliches Testat der unabhängigen Wirtschaftsprüfergesellschaft Dr. Herberger GmbH erhalten. Die Prüfungsergebnisse sind im Bericht über die Prüfung des Jahresabschlusses zum 31.12.2019 sowie im Erläuterungsbericht festgehalten. 6,8 % 2% 70,5 % 2,72 10,7 % Mio. Euro 14,9 % 1,5 % 0,3 % -6,7 % Haushalt 2019 — Einnahmen in Euro 10,7 % 2,0 % 6,8 % 70,5 % 0,3 % 1,5 % 14,9 % - 6,7 % Private und unternehmerische Spenden Sponsoring (mit MwSt.) Sonstige Zuschüsse Projektzuwendungen (aus dem öffentlichen Sektor) Honorare für Projekte (mit MwSt.) Sonstige Erlöse (Zinsen, Zuweisungen) Abgrenzung ins Folgejahr Zuführung zu Freien Rücklagen Summe 291.308,15 € 54.000,00 € 186.197,92 € 1.925.605,06 € 7.110,00 € 40.315,86 € 406.230,94 € -182.063,21 € 2.728.704,72 € Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 18,2 % 49,3 % 2,72 5,7 % Mio. Euro 6,9 % 2,2 % 17,7 % Haushalt 2019 — Ausgaben in Euro 5,7 % 18,2 % 49,3 % 17,7 % 2,2 % 6,9 % Living Lakes & Wasser 154.137,42 € Unternehmen & Biodiversität 497.851,23 € Nachhaltige Entwicklung & Entwicklungszusammenarbeit 1.347.967,41 € Naturschutz & Umweltbildung 482.105,96 € Mittelbeschaffung & Öffentlichkeitsarbeit 59.114,97 € Allgemeine Verwaltung 187.527,73 € Summe 2.728.704,72 43 Die Bilanzsumme zum 31.12.2019 betrug 6.346.728,40 Euro (Vorjahr 5.542.476,61 Euro). Darin enthalten sind (unter Verbindlichkeiten ausgewiesen) 790.810,46 Euro zweckgebundene Mittel, die für die zukünftige Projektarbeit bereitstehen. Die Einnahmen der Gewinnund-Verlust-Rechnung weisen 2.504.536,99 Euro aus. Daraus entsteht ein Verlust von 224.167,73 Euro. Nach Berechnung der notwendigen Abgrenzungen ergibt sich eine Zuführung in freie Rücklagen in Höhe von 182.063,21 Euro (Vorjahr Entnahme aus freien Rücklagen 13.582,09 Euro). Freie Rücklagen zum 31.12.2019 betragen somit 601.023,20 Euro (Vorjahr 418.959,99 Euro). Das Stiftungskapital ist mit 417.638,04 Euro unverändert. Seite 44 Finanzen & Marketing Global Nature Fund, 78315 Radolfzell Gewinn- und Verlustrechung vom 01.01. bis 31.12.2019 1. Spenden und Zuwendungen a)Allgemeine Spenden und Zuwendungen · Im Geschäftsjahr zugeflossene Spenden und Zuwendungen: 217.308,15 - Private und unternehmerische Spenden 54.000,00 - Sponsoring · Für 2019 zur Verfügung stehende allgemeine Mittel · Verbrauch im Vorjahr zugeflossene Spenden · Noch nicht verbrauchte Spenden des Geschäftsjahres Ertrag aus Spendenverbrauch des Geschäftsjahres € 271.308,15 0,00 0,00 271.308,15 b)Zweckgebundene Spenden und Zuwendungen · Im Geschäftsjahr zugeflossene Spenden und Zuwendungen: - Öffentliche Zuschüsse 1.925.605,06 - Private und unternehmerische Spenden 74.000,00 - Sonstige Zuschüsse 186.197,92 2.185.802,98 2.457.111,13 Ertrag aus Spendenverbrauch des Geschäftsjahres 2. S  onstige Einnahmen und Erträge a) Zins- und Vermögenserträge 1.869,91 43.605,95 b) Sonstige Erträge 1.950,00 c) Zuweisungen aus Geldauflagen (erhaltene Bußgelder) 0,00 d) Legate Summe Einnahmen 2019 2.504.536,99 Aufwendungen aus satzungsgemäßer Betätigung in Euro € Projektaufwand · Projektausgaben lfd. Jahr 1.700.681,70 Personalaufwand 705.876,63 · Löhne und Gehälter · Soziale Abgaben und Altersversorgung 180.134,41 886.011,04 Sonstige Aufwendungen · Allgemeine Geschäftskosten 109.668,91 · Mittelbeschaffung und Öffentlichkeitsarbeit 23.634,09 · Zinsen und ähnliche Aufwendungen 1.390,00 · Abschreibungen 7.318,98 142.011,98 Summe Aufwendungen 2019 2.728.704,72 Saldo Einnahmen /Ausgaben 2019 – 224.167,73 Nebenrechnung Bestandsveränderungen · Verbrauch in Vorjahren zugeflossene Spenden und Zuwendungen 4.374.582,07 für laufende Projekte (Erhaltene Anzahlungen Vorjahr) · Verbrauch in Vorjahren zugeflossene Spenden 156.784,96 4.531.367,03 · Noch nicht verbrauchte Spenden des Geschäftsjahres - 40.789,44 · Noch nicht verbrauchte zugeflossene Spenden und Zuwendungen des laufenden Geschäftsjahres für laufende Projekte (Erhaltene Anzahlungen) - 5.165.392,53 - 5.206.181,97 · Verbrauch Projektausgaben laufende Projekte Vorjahr -1.060.638,42 · Projektausgaben für laufende Projekte (Aufwand Folgejahre) 2.141.684,30 1.081.045,88 · Mittel für Folgejahr 406.230,94 Jahresüberschuss vor Mittelverwendung 182.063,21 Zuführung zu freien Rücklagen -182.063,21 0,00 Abbildung links u. rechts: Die Prüfung des Jahresabschlusses erfolgte gemäß § 316 ff HGB durch die Dr. Herberger GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft, Konstanz Einnahmen aus satzungsgemäßer Betätigung in Euro Tätigkeitsbericht 2020 Global Nature Fund Seite 45 Global Nature Fund, 78315 Radolfzell Bilanz zum 31.12.2019 AKTIVA A. Anlagevermögen I. Sachanlagen · Betriebs- und Geschäftsausstattung II. Finanzanlagen · Beteiligungen 31.12.19 € PASSIVA Vorjahr € 3.425,24 3.038,60 306,78 306,78 B. Umlaufvermögen I. Vorräte · Laufende Projekte 5.175.878,80 A. Einlagekapital I. Stiftungskapital · Errichtungskapital · Zustiftungskapital II. Rücklagen Freie Rücklagen · Stand 01.01.2019 · Entnahme / Einstellung · Stand 31.12.2019 III. Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten 284,60 326,19 · Kassenbestand · Giroguthaben 477.977,83 721.148,23 583.056,84 652.297,50 · Festgeldguthaben 1.061.319,27 1.373.771,92 € 86.919,62 330.718,42 417.638,04 86.919,62 330.718,42 417.638,04 418.959,99 182.063,21 601.023,20 432.542,08 -13.582,09 418.959,99 B. Noch nicht verbrauchte Spenden und Zuwendungen · Noch nicht satzungsgemäß verwen0,00 dete Spenden und Zuwendungen · Längerfristig gebundene Spenden 3.038,60 und Zuwendungen 3.038,60 C. Rechnungsabgrenzungsposten 19.619,28 5.542.476,61 0,00 3.038,60 3.038,60 C. Rückstellungen · Rückstellung für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen · Sonstige Rückstellungen Summe der Aktiva Vorjahr € 4.094.832,92 II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände · Forderungen aus Lieferung 12.163,44 30.295,30 und Leistung 75.434,64 17.767,70 · Forderungen an EU Projekte · Sonstige Forderungen und 2.843,62 2.844,11 Vermögensgegenstände 90.441,70 50.907,11 15.356,61 6.346.728,40 31.12.19 0,00 0,00 39.026,95 39.026,95 55.088,42 55.088,42 D. Verbindlichkeiten · Erhaltene Anzahlungen auf 5.165.392,53 Projekte · Verbindlichkeiten aus Liefe­rungen und Leistungen 17.007,79 · Verbindlichkeiten aus Zuschüssen 0,00 · Verbindlichkeiten aus noch nicht zweckentsprechend verbrauchten 40.789,44 Spenden und Zuwendungen · Sonstige Verbindlichkeiten 42.811,85 5.266.001,61 4.374.582,07 38.603,13 0,00 156.784,96 32.781,40 4.602.751,56 E. Rechnungsabgrenzungsposten Marion Hammerl, Präsidentin Summe der Passiva 20.000,00 6.346.728,40 45.000,00 5.542.476,61 Seite 46 Unsere Partnerorganisationen Partnerorganisationen in Projekten A Action for Environmental Sustainability (AfES) www.afesmw.org Action pour le Développement et l´Encadrement Rural ( ADER ) www.globalnature.org/trinkbecher African Wildlife Foundation ( AWF ) www.awf.org Agentur auf! www.agentur-auf.de agood for good www.agoodforgood.com Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen www.seenprogramm.de All India Spices Exporters Forum AISEF www.aisef.org Amis de l’Afrique Francophone — Benin (AMAF-Benin) http://amafbj.wixsite.com/amafbj Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Umwelt- und Klimaschutz (IVe) www.vorarlberg.at/umwelt Arpa Umbria — Agenzia regionale per la protezione ambientale www.arpa.umbria.it Association Biraturaba www.biraturaba.bi Asociacion de Hoteles de la Zona Este, Inc. www.facebook.com/asochoteleseste/ Asociación Vivamos Mejor Guatemala www.vivamosmejor.org.gt Autorità di Bacino Distrettuale dell’Appennino Centrale Centro Agronómico Tropical de Investigación y Enseñanza (CATIE) www.catie.ac.cr Counterpart International (CIP) www.counterpart.org www.autoritadistrettoac.it B —– ­ C Balatoni Integrációs és Fejlesztési Ügynökség Közhasznú Nonprofit Kft (LBDCA) www.balatonregion.hu/balatoniintegracios-kft Bangladesh Environment and Development Society (BEDS) www.bedsbd.org Biodiversity-Based Economy Development Office (BEDO) www.bedo.or.th 'Biodiversity in Good Company' Initiative e. V. www.business-and-biodiversity.de Biodiversity Partnership Mesoamerica (BPM) www.bpmesoamerica.org Bodensee-Stiftung www.bodensee-stiftung.org Brugger GmbH www.brugger-magnet.de Bükk National Park Directorate www.bnpi.hu Cantonal Public Institution for the Protected Natural Areas Sarajevo www.zppks.ba/bijambare/o-podrucju Center for the Conservation and Eco-Development of the Bay of Samaná and its Surrounding (CEBSE ) http://naturecaribe.org/profile/cebse/ Centre for Ecological Research, Hungarian Academy of Sciences www.okologia.mta.hu/en/node/2 Centre for Research on New International Economic Order (CReNIEO) www.crenieo.org D —– ­ G Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH www.giz.de Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) www.dbsv.org DuniaNet e. V. www.dunianet.org Ecoacsa Reserva de Biodiversidad, S. L. www.ecoacsa.com EcoPeace Middle East www.ecopeaceme.org Ekopolis Foundation www.ekopolis.sk EMACE Foundation of Sri Lanka www.emace.org FEMNET e. V. — feministische Perspektiven auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft http://femnet.de Fisheries Action Coalition Team (FACT) http://fact.org.kh Fundación Amigos del Rio San Juan FUNDAR www.fundar.org.ni Fundación Cuenca Lerma Lago Chapala Santiago A. C. www.fundacionchapala.org Fundación Ecoturismo Sostenible www.ecoservices.com.do/dominicana Fundación Global Nature (FGN) www.fundacionglobalnature.org Tätigkeitsbericht 2020 Fundación Grupo Punta Cana www.puntacana.org Fundación Humedales www.fundacionhumedales.org Fundación Moisés Bertoni (FMB) www.mbertoni.org.py Global 2000 www.global2000.at H —– ­ L ILbA — Institut für Lebensbezogene Architektur e. V. www.ilba.info Instituto Corazón de la Tierra www.corazondelatierra.org.mx Instituto Superior Técnico (IST), MARETEC ⁄ DEM www.maretec.org; http://tecnico.ulisboa.pt Italian National Agency for New Technologies, Energy and Sustainable Economic Development (ENEA) www.enea.it/en KATE Umwelt & Entwicklung e. V. www.kate-stuttgart.org Legambiente Onlus www.legambiente.it M —– ­ N Global Nature Fund Nature Environment & Wildlife Society (NEWS) http://naturewildlife.org Naturland — Verband für ökologischen Landbau e. V. http://naturland.de Notranjska Regional Park www.notranjski-park.si O —– ­ R OroVerde — Die Tropenwaldstiftung www.oroverde.de Parks Dinarides — Network of Protected Areas of Dinarides www.parksdinarides.org PDS Organic Spices www.pdsorganicspices.com Public Institute "Nature Park Žumberak-Samoborsko gorje" www.park-zumberak.hr Public utility "National Park Tara" www.nptara.rs Rainforest Alliance www.rainforest-alliance.org RNP — Romsilva — Administraţia Parcului Natural Apuseni R.A. www.parcapuseni.ro S —– ­ T Seite 47 Stadt Iserlohn www.iserlohn.de Stadt Marl www.marl.de Stadt Remscheid www.remscheid.de Stadt Vreden www.vreden.de Stowarzyszenie Ekologiczne "Etna" www.etna.eko.org.pl Südwind e. V. — Institut für Ökonomie und Ökumene www.suedwind-institut.de Sustainable Agriculture Network (SAN) www.sustainableagriculture.eco Tanzania Forest Conservation Group (TFCG) www.tfcg.org Technische Universität Darmstadt www.tu-darmstadt.de TourCert gGmbH www.tourcert.org U —–­ W Umweltdachverband (UWD) www.umweltdachverband.at Union for Ethical Biotrade (UEBT) www.ethicalbiotrade.org Mittetulundusuhing Peipsi Koostoo Keksus www.ctc.ee Solagro www.solagro.org Universidad Politécnica de Madrid www.upm.es Module University Vienna www.modul.ac.at/de/universitaet Slovenian Forest Service www.zgs.si/eng Universität Osnabrück www.uni-osnabrueck.de Nagenahiru Foundation — Center for Conservation of Lakes and Wetlands www.nagenahiru.org Spice Board of India www.indianspices.com Wasser Otter Mensch e. V. & Integrierte Station Holsteinische Schweiz www.wasser-otter-mensch.de Nanjing Universität www.nju.edu.cn/en Nationalpark Kalkalpen www.kalkalpen.at Stadt Bocholt www.bocholt.de Stadt Frankfurt / Main www.frankfurt.de Wildtrust (Wildlands Conservation Trust) www.wildtrust.co.za Wissenschaftsladen Bonn e. V. www.wilabonn.de Helfen Sie uns, damit wir helfen können! Spendenkonto: GLS-Gemeinschaftsbank Bochum IBAN: DE 53 4306 0967 8040 4160 00 BIC: GENODEM1GLS Hauptgeschäftsstelle Fritz-Reichle-Ring 4 78315 Radolfzell Tel.: +49 7732 9995-80 Fax: +49 7732 9995-88 E-Mail: info@globalnature.org Büro Bonn Kaiser-Friedrich-Straße 11 53113 Bonn Tel.: +49 228 1848694 - 0 Fax: +49 228 1848694 - 99 Büro Berlin Hackescher Markt 4 10178 Berlin Tel.: +49 30 2400867- 341 Fax: +49 30 2400867-19 www.globalnature.org
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