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Angestellten fuͤr einen solchen Fall sich erfahrungs⸗
gemaͤß empfehle.
„Frauen sind Frauen,“ so sagte er, „und die eine ist
dann immer auf die andere eifersuͤchtig.“ Aber Annen
schrieb davon ein dunkles Rot sich auf die Backen.
Dann, noch ehe Anna fortging, und auch wohl
noch vor der voͤllig ehelichen Verbindung, zog das
Fraͤulein, das Herrn Holleufer heiraten wollte, in die
Wohnung. Sie brachte außer ein paar schoͤnen Kleidern
und einem nur halb gefuͤllten Korbe nichts mit als ihre
frische Schoͤnheit, die freilich jung war und kaum
uͤber dreiundzwanzig Jahre weit hinaus. Einen Tag
spaͤter traf ein neues Dienstmaͤdchen ein, doppelt so
alt wie sie selbst, haͤßlich wie die Nacht, wie man sich
landlaͤufig ausdruͤckt, obwohl die Naͤchte fast wunder—
barer als die Tage sind, und auch in der Gestalt
ganz sichtlich irgendwie benachteiligt. Man sah, wie
hier alle Vorsicht am Werke war, eine nicht ganz
sichere Stellung zu befestigen. . ..
Anna aber fuhr einige Tage vorher nach dem Witten⸗
bergplatz und stellte sich dort zum Verkauf. Es war
ganz leer, kein Mensch war da, und die Vorsteherin
des Bureaus, Frau Lachmanski, eine Dame von so
außerordentlichem Umfang, daß zuweilen halbwuͤchsige
Jungen ihre Nasen an die Fensterscheiben klemmten,
um sie anzustarren, hatte gleich Zeit, sie zu
mustern. Sie fuhr dabei die wichtigsten Stationen
ihres Lebens an und erklaͤrte dann mit rechter Zuver—