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Full text: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen / Hesekiel, Friedrich (Public Domain)

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Auch Sie, mein theurer, tief gebeugter Freund, auch 
Sie hat er mächtig gemacht; Sie fühlen an diesem Grabe, 
mitten in Ihrem gewaltigen und so gerechten Schmerz, 
die Kraft, sich zu erheben über diese Schmerzen, ja selbst 
fröhlich und getrost zu seyn in Hoffnung des Wieder- 
sehens und der Wiedervereinigung in dem Lande des 
Lichtes und des Friedens. Sie fühlen und erkennen es, 
daß Sie nicht alles verloren haben, daß Sie im treuen, 
liebenden, sehnsüchtigen Herzen, das sich nie von der 
geliebten Entschlafnen trennen kann, das Beste bewahren, 
was sie in ihrem liebevollen und frommen Herzen trug, 
und daß Sie eben dadurch mit ihr und in ihr leben, 
immer und überall umgeben von ihrem Geiste, gesegnet 
von ihrer Liebe. Und wie viel Trost hat die Gnade des 
Herrn Ihrem verwundeten Herzen bereitet! Sie sind 
Vater, Sie sehen in lieblichen Kindern Ihrer Entschlum- 
merten treues Bild „.Sie können dem trauernden Vater- 
und Mutterherzen den Trost Ihrer Liebe bereiten, Sie 
sind mit Eifer und Liebe thätig in dem schönen Berufe, 
der Sie als ein Engel des Trostes an die Lagerstätten 
der Kranken und Sterbenden führt. O wenn Sie mit 
aller Treue und Liebe ein Vater, ein Führer und Lehrer 
der Kinder sind, die Ihnen der Herr geschenkt hat, ihr 
Herz mit allem Fleiß behüten, ihren Geist mit allem Ei- 
fer ausbilden; wenn Sie dort, wohin Sie die Liebe und 
Menschenfreundlichfeit ruft, mit al? der Treue, deren 
Ihr Herz fähig ist, thätig seyn werden, Schmerzen zu 
lindern, Gefahren zu entfernen und das sinkende Leben 
wieder aufzurichten : wie werden Sie sich dann getröstet 
und gestärkt fühlen, und den Herrn preisen, der die Her- 
zen verwundet, aber auch heilet, der uns im Glauben 
seinen Himmel geöffnet hat, und der nur darum die lie- 
benden Herzen trennt, damit in uns erwache das heilige 
Verlangen nach der Vollendung unsers unvergänglichen 
Geistes, nach dem Frieden, der höher. ist, denn aller 
Menschen Vernunft, nach dem Licht, in welchem wir ihn 
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