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I. Abschnitt. Darstellung des Lebens

Full text: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen / Hesekiel, Friedrich (Public Domain)

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schreiben. Ex ist mir um so theurer geworden, je mehr 
ich bemerfe, wie lebendig durch diese Erfahrung sein 
Glaube, und wie innig seine Liebe geworden ist. Gott 
hat ihm ein Gemüth gegeben, welches durch seinen na- 
fürlichen Gleichmuth die festeste Stütze seines Lebens zu 
werden verspricht, Bei aller Lebhaftigkeit des Geistes 
wird er nicht leicht von der Freude 'oder dem Schmerz 
fortgerissen und darum vereinigt er die größte Innigkeit 
des Gefühls mit einer Ruhe, die ihn über sein Alter er- 
hebt und bei der es ihm möglich kst, überall mit Beson- 
nenheit zu handeln. "Von seinen Schwestern und Freun- 
den "wird er zärtlicher als je geliebt, und er erwiedert 
diese Liebe mit größerer Wärme. Fest entschlossen, sich 
dem Berufe des Vaters zu widmen, sucht er schon jekt 
die Ferkigkeiten: zu erringen, welche dem Kanzelredner 
nicht fehlen dürfen, und da ihm ein so gutes Organ ver- 
liehen ist, so wird diese Naturanlage gewiß einst-seine 
Bestrebungen unterstüßen.“ 
Im Jahre 1787 bezog der siebzehnjährige Jüngling 
die Universität zu Frankfurt an der Oder, die er 
besonders der dortigen reformirt-theologischen Fakultät 
wegen zu wählen genöthigt war, da er der reformirten 
Konfession zugethau war und die damalige Beschränfkt- 
heit der theologischen Ansichten einen strengeren Unter- 
schied in den Bekenntnißformen machte, als jekt. Er 
fand nicht, was er suchte; seine jugendlich aufstrebende 
Begeisterung ' wurde durch die Trockenheit in den Vor- 
trägen manches Lehrers sehr niedergeschlagen und in den 
Kreisen der Jünglinge gefiel er sich nicht lange wohl, 
da die gewöhnlichen Zerstreuungen seinem ernsten Sinne 
nicht zusagten und ihm zu viele Zeit raubten + die er gern
	        
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