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Full text: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen / Hesekiel, Friedrich (Public Domain)

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habet von allem, -was Ihr als Vorurtheil, Aberglauben 
und leere Einbildung erkennen, und dessen Ihr Euch 
schämen .müsset, so oft Ihr Eurer eigenen, oder einer 
fremden Vernunft - Rechenschaft davon ablegen, und es 
rechtfertigen sollet. MBedenket, wie unverzeihlich es ist, 
mit sehenden Augen. nicht zu sehen, und mit hörenden 
Ohren nicht zu hören, und ausgestattet mit einer Ver- 
nunft, die alles Grundlose, Widersprechende und mit 
unbezweifelten Wahrheiten Unvereinbare zu verschmähen 
und zu verwerfen gebietet, auch das Unvernünftigste, Unu- 
begreiflichste und Ungedenkbarste leichtgläubig anzunehmen, 
es nur darum anzunehmen, weil es Euren überspannten 
Gefühlen zusagt, oder Eure schwärmerischen Hoffnungen 
begünstigt, oder Eurer Eitelkeit schmeichelt, und Eurem 
Hochmuth gefällt. 
Wir leben, a. Z+, in einer Zeit, die uns in den 
traurigsten Erscheinungen die verderblichen Folgen der 
Befangenheit des Geistes, und der daraus hervorgehen- 
den schwärmerischen Hinneigung zum blinden Glauben, 
und selbsi zum. Aberglauben erblicken: läßt. Man über- 
redet sich, es sey gefährlich, und mit der Ehrfurcht gegen 
die Offenbarung unvereinbar , seine Vernunft zu gebrau- 
c<hen, zu forschen und zu prüfen, und fordert einen Glau- 
ben ohne Vernunft und vernünftiges Nachforschen , un- 
eingedenk der Warnung Jesu Christi: „„So siehe uun zu, 
daß nicht das Licht , welches in dir ist, Finsterniß werde ;' 
man preist die Feierlichkeit eines Gottesdienstes, der 
Auge und Ohr beschäftigt, und klagt über die Kälte-und 
Einförmigkeit der Anbetung Gottes.im Geist und in der 
Wahrheit; man. ruft. die Kunst, welche unsere Zeit zum 
Gößen gemacht hat, zu Hülfe, um durch sinnliche. An- 
regungen „und  Aufregungen die Phantasie zu erhitzen, 
und schwärmerische Gefühle „zu erwecken; man rühmt 
das Alte, bloß weil es alt ist, und sett das Neue herab, 
bloß weil es neu ist, ohne zu bedenken, daß alles Alte 
auch einmal neu war, und thut seinen Gefühlen Gewalt
	        
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