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I. Abschnitt. Darstellung des Lebens

Full text: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen / Hesekiel, Friedrich (Public Domain)

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gewöhnten sich die Brüder doch bald an die öden Wohn- 
zimmer und die kargen Mahlzeiten, und freuten sich des 
Sonntags und der Mittwoch , an welchen Tagen es 
ihnen erlaubt war, mehrere Stunden im Vaterhause zu- 
zubringen. 
Unter den wenigen Lehrern dieses Gymnasiums, 
welche den Anforderungen an einen Pädagogen in unserer 
Zeit entsprechen, war der berühmte Engel, und Wilm- 
sen hatte das Glück, der Liebling dieses ausgezeichneten 
Mannes zu werden, wie er es vorher von Moritz ge- 
wesen war. Wie regte der, wenn auch etwas unzusam- 
menhängende und zuweilen des rechten Ernstes erman- 
gelnde, aber immer geistreiche Unterricht, den dieser gab, 
den Fleiß des Jünglings an, und es ifi gewiß- eine Folge 
des Umgangs mit diesem Meister in der deutschen Prosa, 
daß er nachher eine so leichte einfache , klare und fließende 
Schreibart gewann. 
Die ernstern wissenschaftlichen und linguistischen Stu- 
dien ließen dem mit lebhafter Einbildungskraft begabten 
Wilmsen immer einige Zeit, die ihm von der Natur 
zu Theil gewordene dichterische Anlage auszubilden und 
er fand Gelegenheit genug, seine Muse sprechen zu lassen 
bei den Fleinen häuslichen Ereignissen, die dem Gefühl- 
vollen nichts weniger als unbedeutend sind. 
In dem letzten Schuljahre wurde sein Gemüty durch 
einen Schreckensfall erschüttert, der die ganze Familie in 
die schmerzlichste Trauer versenkte. Die älteste Tochter 
war in einiger Entfernung von Berlin an einen jungen 
Geistlichen verheirathet und wurde an dem ersten Weih- 
nachtsfeste, welches sie nicht im Vaterhause zubrachte, 
von den beiden ältern Brüdern besucht. Aber die Freu-
	        
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