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Full text: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen / Hesekiel, Friedrich (Public Domain)

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gerufen: „alles vergeben, Friede, Friede!“ und so ist 
sie ganz in der schönen, liebevollen und glaubensvollen 
Gesinnung gestorben , durch die ihr Leben so ausgezeich- 
net schön und musterhaft war. Gott hat ihr die Gnade 
geschenkt, daß sie in den letzten Wochen die trüben Tage 
ihres belasteten Lebens meistens in sanftem Schlummer 
zubrachte, und selten zum deutlichen Bewußtsein erwachte. 
An Dieselbe. 
Den 2. Juni 1823. 
Recht glücklic) haben wir, geliebte Julie, unsere 
Reise zurückgelegt, und zehren nun von der Rück- 
erinnerung an so viel schöne Genüsse und Herzensfreu- 
den! Jc<h fand alles gesund, nur meinen kleinen Engel 
nicht, das liebe Kind war wieder mit Blutigeln gequält 
worden, hatte ein gewaltiges Fieber, und hustete viel. 
Am folgenden Tage hatte ich zwar die Freude, Pauline 
einen Augenblick lächeln zu. sehen, aber recht freuen 
konnte sie sich meiner nicht, wie gern sie sich auch an 
meine Backe legte, um sich lullend herum kragen zu 
lassen. So ist mir denn die Freude des Wiedersehens 
sehr verkümmert, und es war ein Glück, daß ich am 
Sonntag nur zu kaufen hatte, schon dies wurde mir 
sauer. = Wie schön war doch der Genuß dieser zwölf 
Tage! Lange wird die Erinnerung daran und an Deine 
kindliche Zärtlichfeit meinem Herzen wohlthun. . Täglich 
werde ich mich mit dem Gedanken an so reine Freuden 
beschäftigen, und Gott preisen, daß er mir diese schönen 
Tage schenkte. Möge das Wiedersehen Dich mit neuer 
Kraft zum geduldigen Ertragen der Trennung von Dei- 
nen Geliebten ausgestattet, und Dir an Leib und Seele 
recht wohl gethan haben. Welchen Nachgenuß gewährt 
es mir, von diesen schönen Tagen zu erzählen, und Dei- 
ner Mutter Sehnsucht nach Dir dadurch einigermaßen 
zu stillen.
	        
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