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Volume Nr. 47., 13. Juni 1810

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 3.1810 (Public Domain)

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«er der Beoingung, wenn ihre Gemeinen es verlang 
ten. Vermuthlich widerstand dieser Ornat schon da 
mals dem herrschenden Eeschmac? zu sehr; dieser aber 
muß durchaus zu Rathe gezogen werden, will man an 
ders nicht die Männer, deren Würde durch ein Kostüme 
erhöht werden soll, eben durch dasselbe zur Zielscheibe, 
des Spottes machen. 
Unsere Geistlichen, ein Zehntel vielleicht abgerech 
net, dessen eine Hälfte durch modische Zierereien und die 
andere durch Rufiicitäl und Schmuz sich auszeichnen 
dürfte, erscheint gewiß mit Anstand in ihrer AmiS- 
kleidung. Schwerlich war diese je Ursache, daß ein 
Lehrer der Religion, mochte er auf der Kanzel oder 
am Altare, am Krankenbette oder am Grabe seines 
Berufes warten, zum Gegenstand des Acrgernisies 
oder des Gespöttes wurde. Sollte daher auch das 
seit einigen Jahren zirkulirende Gerücht: man denke 
auf eine noch würdevollere Amtskleidung der Predi 
ger, inehr als Gerücht seyn, so sind doch gewiß keine, 
den Geist unserer Zeiten beleidigende, den Satyr rei 
zende, Neuerungen zu erwarten. Dafür bürgt der 
weise Geist unserer Regierung, von dem besonders 
ihre neuen Verordnungen über den öffentlichen Kul 
tus zeugen; bei allem redlichen Eifer, ihn zu heben, 
nehmen sic doch behutsam Rücksicht auf die Verhält 
nisse und aus die jetzige Stimmung des Volks. Diese 
Umsicht wird man auch bei einer neuen Kleiderord- 
nung für die Geistlichen, wenn sie noch erscheinen 
sollte, gewiß nicht vermissen. 3~~- 
sie bedürfen, um eine Fabel zu schaffen, Intriguen 
einzufädeln, Knoten zu schürzen und ihr Werk natür 
lich und anziehend zu machen. Freilich verfehlen sie 
zuweilen idae Ziel welche- sie zu erreichen streben; 
und indem sie die Liebe, die Eifersucht, oder die Ko 
ketterie ihres Geschlechts überhaupt schildern wollen — 
welches ein großes historisches Gemälde seyn wär, 
de — liefern sie uns nur Familien Portraits; denn sie 
suchen und finden ihreMufler in ihrem eignenHerzen. 
und ihre Farben in den Leidenschaften und Gewohnheiten 
ihrer Angehörigen, Freunde und Bekannten. Sie sind 
eigentlich nicht Dichterinnen, sondern sic copircn nur. 
Darf man ihnen daher auch ein schöpferische« Genie 
eben nicht zuschreiben, so muß man wenigstens beken 
nen, daß sie treffliche Beiträge zur Seelenkunde, be 
sonders zur Kenntniß des weiblichen Herzens liefern. 
Dies aber verdient allen Dank, besonders von sol 
chen Männern, denen daran gelegen ist, zu erfahren, 
was eigentlich, und wie mancherlei in den zahlreichen 
Fältchen de» unergründlichen wohl verborgen seyn 
möchte? —17. 
Von Dül 0 w 6 Fest-Vorschlag. 
einrich v. Bülow, ist als genialischer Schrift, 
steller im militairischen Fache bekannt; in seinem 
nachgclaßncnWerke: „Blicke« auf die Lehre der neuen 
christlichen Kirche oder den Swedenborgianismus," 
zeig« er sich auch als einen genialen Religionair. Er 
setzt nehmlich voraus, daß die katholische und pro, 
testantischc Form de« Christenthums bald zu Grunde 
gehn, und dann die reine Lehre desselben, so wie sie 
die Vorsehung durch den bekannten Swedenborg of- 
I fenbar« hat, ihr Licht verbreiten werde. Die Fran 
zosen sollen, ohne e« selbst zu wissen, der neuen Lehre 
den Weg bahnen, deren Herrschaft im Jahr »648 in 
ganz Europa festgestellt seyn werde. Da der künftige 
Kultus derselben Feste nicht ausschließen dürfe, so 
bringt er deren drei in Vorschlag, die mit den alten 
Namen noch eine neue Bezeichnung erhalten. Am 
Pfingstfest sollen nehmlich alle Vermählten ihre Ver, 
bindung erneuern lassen, weil dies die Jahreszeit der 
Blumen ist, ein Sinnbild der ehelichen Liebe in ih 
rer ersten Gluth. Nur am Pfingsten solle man auch 
alle Heirathen schließen, weil dann die Kinder auf 
unsrer Halbkugel zu Ansang der schönen Jahreszeit 
würde geboren werden. Ostern, das Fest des heil. 
Die Romanschreibertnnen. 
§iebe ist der Roman des Lebens! Weiber verstehen 
sich aufs Lieben besser wie Männer, und in ihren niedli 
chen Köpfchen sicht es deshalb immer ein bischen roman, 
rischer aus, als hinter unsrer crnstern Stirn. Weiber 
spielen daher nicht nur lieber, und angelegentlicher 
und schlauer und gewandter, al« wir, Romane, son 
dern sie «räumen sich auch dergleichen, wenn er ei« 
wa an Gelegenheit fehlen sollte, irgend einen wirk 
lichen anzuspinnen. Geht e« nun endlich ans Roman 
schreiben, so haben sie natürlich vor den Männern 
die sich ebenfalls damit beschäftigen, ausnchmende 
Vortheile voraus. Leichter können sie darstellen, was 
sie lebhafter empfinden, wa» ihnen weit geläufiger 
ist, al« uns. Ihnen bieten sich in ihrer eignen Lage 
»der in ihrem Gedächtniß alle Hülfsmittel dar, deren
	        
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