210
«er der Beoingung, wenn ihre Gemeinen es verlang
ten. Vermuthlich widerstand dieser Ornat schon da
mals dem herrschenden Eeschmac? zu sehr; dieser aber
muß durchaus zu Rathe gezogen werden, will man an
ders nicht die Männer, deren Würde durch ein Kostüme
erhöht werden soll, eben durch dasselbe zur Zielscheibe,
des Spottes machen.
Unsere Geistlichen, ein Zehntel vielleicht abgerech
net, dessen eine Hälfte durch modische Zierereien und die
andere durch Rufiicitäl und Schmuz sich auszeichnen
dürfte, erscheint gewiß mit Anstand in ihrer AmiS-
kleidung. Schwerlich war diese je Ursache, daß ein
Lehrer der Religion, mochte er auf der Kanzel oder
am Altare, am Krankenbette oder am Grabe seines
Berufes warten, zum Gegenstand des Acrgernisies
oder des Gespöttes wurde. Sollte daher auch das
seit einigen Jahren zirkulirende Gerücht: man denke
auf eine noch würdevollere Amtskleidung der Predi
ger, inehr als Gerücht seyn, so sind doch gewiß keine,
den Geist unserer Zeiten beleidigende, den Satyr rei
zende, Neuerungen zu erwarten. Dafür bürgt der
weise Geist unserer Regierung, von dem besonders
ihre neuen Verordnungen über den öffentlichen Kul
tus zeugen; bei allem redlichen Eifer, ihn zu heben,
nehmen sic doch behutsam Rücksicht auf die Verhält
nisse und aus die jetzige Stimmung des Volks. Diese
Umsicht wird man auch bei einer neuen Kleiderord-
nung für die Geistlichen, wenn sie noch erscheinen
sollte, gewiß nicht vermissen. 3~~-
sie bedürfen, um eine Fabel zu schaffen, Intriguen
einzufädeln, Knoten zu schürzen und ihr Werk natür
lich und anziehend zu machen. Freilich verfehlen sie
zuweilen idae Ziel welche- sie zu erreichen streben;
und indem sie die Liebe, die Eifersucht, oder die Ko
ketterie ihres Geschlechts überhaupt schildern wollen —
welches ein großes historisches Gemälde seyn wär,
de — liefern sie uns nur Familien Portraits; denn sie
suchen und finden ihreMufler in ihrem eignenHerzen.
und ihre Farben in den Leidenschaften und Gewohnheiten
ihrer Angehörigen, Freunde und Bekannten. Sie sind
eigentlich nicht Dichterinnen, sondern sic copircn nur.
Darf man ihnen daher auch ein schöpferische« Genie
eben nicht zuschreiben, so muß man wenigstens beken
nen, daß sie treffliche Beiträge zur Seelenkunde, be
sonders zur Kenntniß des weiblichen Herzens liefern.
Dies aber verdient allen Dank, besonders von sol
chen Männern, denen daran gelegen ist, zu erfahren,
was eigentlich, und wie mancherlei in den zahlreichen
Fältchen de» unergründlichen wohl verborgen seyn
möchte? —17.
Von Dül 0 w 6 Fest-Vorschlag.
einrich v. Bülow, ist als genialischer Schrift,
steller im militairischen Fache bekannt; in seinem
nachgclaßncnWerke: „Blicke« auf die Lehre der neuen
christlichen Kirche oder den Swedenborgianismus,"
zeig« er sich auch als einen genialen Religionair. Er
setzt nehmlich voraus, daß die katholische und pro,
testantischc Form de« Christenthums bald zu Grunde
gehn, und dann die reine Lehre desselben, so wie sie
die Vorsehung durch den bekannten Swedenborg of-
I fenbar« hat, ihr Licht verbreiten werde. Die Fran
zosen sollen, ohne e« selbst zu wissen, der neuen Lehre
den Weg bahnen, deren Herrschaft im Jahr »648 in
ganz Europa festgestellt seyn werde. Da der künftige
Kultus derselben Feste nicht ausschließen dürfe, so
bringt er deren drei in Vorschlag, die mit den alten
Namen noch eine neue Bezeichnung erhalten. Am
Pfingstfest sollen nehmlich alle Vermählten ihre Ver,
bindung erneuern lassen, weil dies die Jahreszeit der
Blumen ist, ein Sinnbild der ehelichen Liebe in ih
rer ersten Gluth. Nur am Pfingsten solle man auch
alle Heirathen schließen, weil dann die Kinder auf
unsrer Halbkugel zu Ansang der schönen Jahreszeit
würde geboren werden. Ostern, das Fest des heil.
Die Romanschreibertnnen.
§iebe ist der Roman des Lebens! Weiber verstehen
sich aufs Lieben besser wie Männer, und in ihren niedli
chen Köpfchen sicht es deshalb immer ein bischen roman,
rischer aus, als hinter unsrer crnstern Stirn. Weiber
spielen daher nicht nur lieber, und angelegentlicher
und schlauer und gewandter, al« wir, Romane, son
dern sie «räumen sich auch dergleichen, wenn er ei«
wa an Gelegenheit fehlen sollte, irgend einen wirk
lichen anzuspinnen. Geht e« nun endlich ans Roman
schreiben, so haben sie natürlich vor den Männern
die sich ebenfalls damit beschäftigen, ausnchmende
Vortheile voraus. Leichter können sie darstellen, was
sie lebhafter empfinden, wa» ihnen weit geläufiger
ist, al« uns. Ihnen bieten sich in ihrer eignen Lage
»der in ihrem Gedächtniß alle Hülfsmittel dar, deren