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Volume Heft 2

Full text: Illustrirtes Panorama (Public Domain) Issue5.1865 (Public Domain)

Illuflrirtes Panorama. 
C.O 
glaubst, daß ich Dich ewig au mich kette?! Fordere von mir, 
was Du willst!" 
„Was ich will? — O, wirst Du nicht lachen, daß ich 
toll genug bin, nicht einmal mit einem Könige theilen zu 
wollen? — Theile das Herz doch, ohne daß es blutet und 
stirbt? Das ist eben so große Narrheit, als den Ocean mit 
dem Messer zu durchschueiden!" 
„Höre mich, einziger Malcom, höre mich! Alles will 
ich Dir geben, will mein WM und Wehe vor Dir aus 
schütten, magst Du mich dann Krachten, entehren, wenn Du 
kannst! Der Kampf der Parteien hat meinen Vater an die 
Spitze des Staats gebracht, hat die alte gefräßige Leidenschaft 
des Stammes der Ribbing, den unersättlichen Ehrgeiz, 
geweckt. — Laß von den Mitteln mich schweigen, die dazu 
aufgewendet worden, aber wir stehen an jener scharfen Kante 
des Glückes, wo es nur einen Schritt aufwärts gibt, um 
das Letzte zu erringen, oder abwärts, um Alles zu verlieren. 
Der Preis des Glücks bin ich, das Opfer, welches um eine 
Krone eingesetzt wird! Der König ist weib- und kindlos. 
Jhnr eine Gattin geben, heißt Schweden dem Fürstenhause 
erhalten, dem Lande die Unabhängigkeit zurückerobern, welche 
dem Ehrgeiz zu Liebe fast geopfert worden. Friedrich's 
Buhlerin wird Wanda Ribbing nie, sie kann nur eines 
sein— Schwedens Königin, und sie wird's! Soll ich 
Dir sagen daß mein Herz für Friedrich nichts empfindet, 
ich diesen lebendigen Schatten eines Mannes verachte? Aber 
ich weiß, daß er nicht lange an meiner Seite sein wird — 
sein soll, wenn Du es willst, und müßte die Liebe mich 
zum Verbrechen treiben! Du magst wählen, Einziger, ob 
ich Schwedens Herrscherin und Du mir Alles, Alles sein 
sollst, oder — ob wir getrennt und elend — Du landlos 
in verzweifelter Entsagung irren, ich und mein Geschlecht in 
tiefer Schande untergehen soll! Wähle!" — 
Eine kurze Pause entstand. Dann richtete Malcom 
sein bleiches Haupt empor. „Wanda, ich könnte Deinen 
kühnen Träumen folgen, wenn ich ehrgeizig wäre, aber mir 
hat das Geschick alle Gefühle versagt, bis aus zwei, Liebe 
und Haß! Liebe, unsägliche Liebe zu Dir und Haß gegen 
Alles, was Dich mir entreißt! Ich fühle, daß die Natter 
der Eifersucht mich verzehrt, daß ich Dir nicht glauben kann! 
Gib mir den Beweis, daß Du selbst unterm Diadem nur 
mich allein liebst, daß Dir die Krone nur Kaufpreis un 
seres ewigen Glückes ist, und es gibt kein Schreckliches, 
was ich nicht überwände!" 
Wanda jauchzte auf, „O, ist's dies, was ewig uns 
zusammenkettet?! — Sieh! — Nimm!" — Sie zog aus 
einem geheimen Fach ihres Toilettentisches mehrere Briefe 
und ein Medaillon. „Hier sind die Schwüre, die Verspre 
chungen Friedrich's und sein Bild. Daß ich sie in Deine 
Hand lege, beweise Dir, wie werthlos sie mir sind, und 
wie sehr ich Dich liebe; denn hierdurch gebe ich Dir die 
Mittel in die Hand, mich zu vernichten! Verlangst Du 
noch glühendere Beweise?!" 
„Wanda, es gibt noch einen letzten Beweis! Daun 
ist mein Herz ganz beruhigt. Ich muß meinen fürstlichen 
Nebenbuhler im Auge behalten, an seiner Seite sein, um — 
Dich und mich rächen zu können, wenn er — Dich ent 
weiht und betrügt!" 
„Das wolltest Du? Du, mit eigener Hand, Malcom?" 
und das schöne Weib sah ihn unheimlich flammenden Blickes 
in's Auge. 
„Mit eigener Hand — das will ich! Ein schottischer 
Stoß —!" 
„O genug, Du sollst fortan in seiner Nähe sein, Mal 
com, mein Geliebter —" 
Beide fuhren jäh euipor! Ein Geräusch von Außen 
nahte. Malcom verbarg Medaillon und Briefe in seinem 
Hute. 
Es war die Dienerin Wanda's, welche hastig eintrat. 
„Seine Majestät!" 
„Gut, Emmy. Wenn ich dann mit dem Könige im 
Gespräch bin, läßt Du Herrn von Sinclear unbemerkt aus 
dem Zimmer!" 
Malcom küßte ihre Hand, Wanda, von der Zofe be 
gleitet, verließ das Gemach, der Offizier war allein. Hastig 
ergriff er das Medaillon, die Briefe, und prüfte sie, zu dem 
Armleuchter tretend. — Ein seltsames Lächeln glitt über sein 
Gesicht. — Dann öffnete er seuw^ Uniform und barg des 
Königs Liebespfänder auf seiner Brust, trat vor den Spiegel 
und ordnete seine Garderobe. 
..Hodge Hobby, ach, wie Bist du schön, 
„Hodge Hobby Dort Gleenoch. 
„Dir muß es immer wohl ergeh'», 
„Hodge Hobby von Gleenoch!“ 
Während Sinclear, leise trällernd, durch das Zimmer 
schritt, bemerkte man in den Sälen plötzlich eine große Be 
wegung. Der König trat ein. 
(Fortsetzung in Lief. 3.) 
Die Uhr Öe«s «Straßöurger «Münster. 
Alter Erwin —! Sohn Johannes Erwin — Schwester 
Sabine Erwin! wackerer Johann Hiltzen! 
Ihr braven deutschen Meister edler Kunst, die Ihr alle 
so trübe und trauernd gestorben, hattet Ihr vielleicht eine 
Ahnung davon, daß Euer Werk deutschen Genies, deutscher 
Ausdauer, deutschen Muthes und deutscher Kraft auf deutscher 
Erde, stolz und kühn errichtet, einst nicht deutsch sein und 
bleiben sollte? 
Lege Trauer an, deutsches Volk, das größte Meisterstück 
deutscher Baukunst, statt sich dem Nationalfeinde drohend 
gegenüber zu stellen, um ihm weithin zu verkünden, was er 
von dem Volke der Meister des Werkes, dem Volke der In 
telligenz und Kraft zu erwarten habe, steht außerhalb der 
Grenzen deutschen Landes, um, weit in dasselbe hineinblickend, 
seine Zerfahrenheit und Schwäche als Ganzes zu verhöhnen 
und zu verspotten. 
Ja, der stolze Bau steht jenseits des Rheines und der 
Franke schreit, der Rhein ist unsere natürliche Grenze; aber 
das Volk der Franzosen nennt sich auch das erste der Welt, 
ergo, es müßte deshalb auch die ganze Welt beherrschen und 
ein Bonaparte bestärkte es in dieser Meinung. 
Als aber der deutsche Bär sich geschüttelt, als der Franke 
erkennen mußte, wie nicht das prahlerische Wort, sondern die 
energische That, Mann und Volk ehre, da — schacherte und 
schacherte ein entarteter Sohn des Germanenstammes, vergaß 
aber dem nationalen Rechte Rechnung zu tragen, ließ Kurland, 
Tiefland u. s. w. bei Rußland, Schleswig-Holstein bei Däne 
mark und — den Elsaß bei Frankreich! Und doch war der Elsaß 
gestohlen — geraubt — von Ludwig XIV. geraubt! Alter 
geschmähter Wallenstein, hättest Du doch bei dem großen 
Länderschacher Deinen Grundsatz: „Keine Handbreit deutscher 
Erde soll unter einem fremden Herrscher stehen!" geltend machen 
können. 
Sonderbare Gefühle sind es, welche die Brust des 
denkenden, patriotisch gesinnten, reisenden Deutschen bestür 
men, wenn er sich dem schon in weiter Ferne sichtbaren 
Riesenbaue nähert; und sie sind wohl geeignet, den langen 
Streit vergessen zu machen, ob der Münster zu Straßburg,
	        
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