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Volume Heft 10

Full text: Illustrirtes Panorama (Public Domain) Issue5.1865 (Public Domain)

IUustrirtes Panorama. 
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schlechts, und drei ganz kleinen, die am Fuße der Säule 
ihre Spiele treiben. 
Hauptsächlich aber muß ein junger, kräftiger und'schöner 
Mann genannt werden, dessen Gesicht gebräunt ist, dabei 
aber den Ausdruck heiteren Glückes zeigt, mit dem er' die 
magere Suppe, aus der die Mahlzeit besteht, zu sich nimmt. 
„Also wirklich nur drei Tage, Juan?" sagt die junge 
Frau, „das ist doch eine zu kurze Zeit; ich meine, Du 
könntest einmal eine Tour ausfallen lassen, Du strengst Dich 
zu sehr an, wir schränken uns lieber ein, gönne Dir etwas 
Ruhe!" 
Der Mann blickt das junge Weib mit einem zärtlichen 
Blicke voll Liebe an, nickt ihr zu und deutet mit den Augen 
zugleich auf die äk«re Frau, welche seufzt und die Kinder, 
welche sich dadurch nicht in ihrer Beschäftigung stören lassen. 
„Später, Jvsepha!" sagt er daun unter heiterem Lachen, 
„ja, ja, später, auch meine Zeit wird kommen und dann — 
aber was habt Ihr?" 
„Welcher Engel!" fährt sie auf den Säugling deutend, 
fort „heilige Jungfrau, ich kann nicht länger; Philipp, Philipp! 
warum hast du mir das gethan? trautest Du mir weniger 
Edelmuth, wie Dir zu?" 
Der junge Mann erhebt sich schnell und seine Bewe 
gungen zeigen plötzlich den vornehmen Herrn. 
„Sennora!" sagt er verlegen. 
„Stille, Philipp — stille!" erwidert die Dame; „lasse 
mich Deine Kinder küssen!" 
Der Marquis schweigt und wirft einen bittenden Blick 
auf den Grasen, welcher denselben jedoch nicht beachtet. Die 
beiden Frauen blicken erstaunt und fragend um sich, alle 
Uebrigen, auch die kleineren Kinder, drängen sich um die 
Frauen. Die Marquise kümmert sich jedoch um nichts, küßt 
erst den Säugling und dann die drei anderen Kleinen, welche 
es dulden;'das Gesicht der Marquise ist gleichsam verklärt. 
„Deine Kinder sind meine Kinder, Philipp!" sagt die 
Marquise, „komm recht bald zu mir, ich habe mit Dir zu 
Der Besuch der Marquise. 
(Siehe: Sonderbare Passionen ans Seite 379.) 
Die ältere wie die jüngere Frau, zeigen nämlich in 
ihren Zügen unverkennbar Staunen mit Verlegenheit gepaart; 
die junge Mutter erhebt sich sogar und dies veranlaßt den 
Mann, hinter sich zu sehen, kaum jedoch hat er den Kopf 
halb umgewendet, als er zusammenfährt, sein Gesicht wird 
in demselben Momente fahl. 
Die Ursache aller dieser Bewegungen sind zwei Per 
sonen, welche, die Gasse herabkommend, plötzlich durch die 
kleine Pforte getreten sind und sich jetzt dem Tische nähern. 
Es sind ein Herr und eine Dame, die wir bereits kennen, 
nämlich die Marquise und der Graf; Erstere im höchsten 
Grade erregt, Letzterer mit ernsten, fast finsteren Mienen. 
„Laßt Euch nicht stören, lieben Leute!" ruft die Mar 
quise äußerst lebhaft, „ich habe von Eurem Glücke gehört 
und möchte mir ein Menschenglück dieser Erde einmal in 
der Nähe ansehen." 
Die beiden Frauen lächeln verlegen, der junge Mann 
betrachtet die Dame mit prüfenden Blicken, als wolle er er 
kennen, was dieser Einleitung folgen werde; die Marquise 
wirft ihm einen vielsagenden Blick zu. 
! sprechen; bereite jedoch Deine Familie auf eine Veränderung 
ihrer Lage vor; lebt wohl, meine Lieben, wir sehen uns bald 
! wieder!" 
Die Marquise reicht Philipp die Hand, welche dieser 
! an seine Lippen drückt; dann geht sie mit dem Grafen, der 
kein Wort spricht und auch kein Zeichen eines Grußes macht, 
davon. Der Ochsentreiber starrt Beiden nach bis sie ver 
schwunden, dann wirft er sich wieder auf die Bank, stützt 
den Kopf in beide Hände und sieht vor sich nieder. Alle 
j schweigen längere Zeir. 
„Wer war die Dame, mein Sohn?" fragt endlich die 
ältere Frau. 
„Ja, wer ist sie und was will sie von Dir, Juan?" 
fügt die junge Mutter hinzu, „warum nennt sie Dich Philipp?" 
Juan-Philipp hebt seinen Kopf mit einem tiefen Seufzer. 
„Edles Weib!" murmelte er, „ja, hätte ich das gewußt 
— doch ich weiß eben nichts, Mutter, ich war ihr Diener, 
liebe Frau — aber eins weiß ich dennoch, Josepha, ich 
werde keine Stiere mehr aus der Sierra holen!" 
Der junge Mann lächelt, als er die letzten Worte spricht,
	        
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