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Volume Heft 5

Full text: Illustrirtes Panorama (Public Domain) Issue5.1865 (Public Domain)

Illustrirtrs Panorama 
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Unsinn immer wieder zum Ausbruch kommt und so erzählte 
denn der New-Nork Sun vor einigen Monaten ganz ernst 
haft von einer Reise nach dem Monde. 
Modern konnte unser Amerikaner nur reisen, und zwar 
moderner als, modern, nämlich mit regierbarem Luftballon, 
— er hat zugleich das unslösbare Problem gelöst, den Ballon 
zu steuern, auf lange zu verproviantiern und ihn gegen alle 
Wetter schuß-, stich- und hiebsest zu machen. Nur zwanzig 
Tage hat ver kühne Reisende zwischen Erde, Sonne, Mond 
und anderen Gestirnen — unser Bild zeigt es — umherge 
schwebt; doch es waren verdienstvolle Tage; denn er führte 
Rechnung über sie, er zeichnete auf, was er erlebte, und dies 
war viel. 
Am ersten April des gesegneten Jahres 1864 stieg 
unser Mann wohlgemuth in die höheren Regionen auf, stieg 
am Telegraphen - Drahte zwischen Berlin und Spandau 
stranden ließ. Am 17. April endlich war der große Tag; 
der Reisende erwacht. 
Der neueste Entdecker in neuester Manier erholt sich, er 
strandet nicht, denn er hat ausgeschlafen, er landet auf dem 
Monde, er findet menschliche Wesen, denen leider — trotz 
ihrer adamitisch-paradiesischen Schöne — die Sprache versagt 
ist. Hier geht dem Sun der Athem aus, auf der Rückreise 
kann sein Reisender zum Teufel fahren, denn er hat ja das 
Tagebuch desselben und somit die Möglichkeit, den Mond zu 
erreichen, die Möglichkeit, dort fruchtbare Ländereien, Früchte 
Metalle, ja vielleicht selbst Gold und Petroleum :c. zu finden. 
Und der Sun hätte etwa nicht gescherzt? 
Er denkt nicht daran, jer ergießt sich in ein Meer von 
Aussichten, Hoffnungen und Möglichkeiten. So zum Bei- 
Einc Reise nach dem Monde. 
und stieg, stieg Tausende von Toisen, ja Zehntausende — doch 
wozu weitere Zahlen, eS ist genug gesagt, daß er sich bis 
dahin verstieg und England ihm zunächst wie eine Semmel 
vorkam — die leider den Amerikanern immer noch zu warm. 
Frankreich und einige andere Länder sah er allerdings auch 
— doch fort zog es ihn wieder, weiter, immer weiter, bis 
er sich anr 6. April 1864 über dem Nordpol befand, 
7,254,000 Toisen — richtige Messung — über demselben. 
Die Reise ging aber noch weiter — von Höhen konnte nun 
nicht mehr die Rede sein — am 17. April erreichte er die 
Region der Schrecken; hier verfiel er in einen sechsnnddrcisiig- 
stuudizen Todesschlaf, will heißen bewußtlosen Zustand, der 
indessen in Folge jenes Fluidums herbeigeführt sein könnte, 
welches einst drei kühne Lnftschiffer, das Gerücht nannte 
einen derselben, nicht Münchhausen, sondern Wachcnhauseu, , 
spiel schließt er: . Es dürfte daher die Zeit nicht mehr fern 
sein, in der unser Trabant ganz seiner Namcnsbezeichnung 
angemessen uns nicht allein mit einer seiner Eigenschaften, 
sondern mit allen derselben zu dienen gezwungen werden 
wird. 
Ja, Jonathan — gezwungen werden wird, das ist das 
rechte Wort — und so überzeugend wirkten bereits diese 
Reiseberichte inr Sun, daß Leichtgläubige aus den verschie 
densten Schichten der Gesellschaft thatsächlich nähere Aus 
kunft über die Beschaffenheit des Ackers, der Ländereien auf 
dem Monde, begehrten. Somit dürste der Versuchtes Be 
trügers, Dumme in sein Netz zu locken, um ihren Geld 
beutel zu erleichtern, doch nicht ganz ohne Folgen geblieben 
sein. 
C. S.
	        
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