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Volume Heft 5

Full text: Illustrirtes Panorama (Public Domain) Issue5.1865 (Public Domain)

Illustrirtes Psnorams. 
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jor Sinclear übertrage. Die Offiziere schwören, nur dem 
Könige zu dienen, empfingen die Parole und Sinclear 
traf seine Anordnungen. Ein Theil der Garden besetzte das 
Schloß und zwar so, daß man ihre Anwesenheit nicht be 
merkte. Ein anderer Theil, Infanterie und Cavallerie, warf 
sich in das Gehölz, um den Weg zur Stadt zu beobachten. 
Ein dritter Theil verlegte eine Viertelmeile nach dem Mälar 
zu den Weg, um gegen die hochadliche Jagdgesellschaft gedeckt 
zu sein. „Jedermann, der von dort herkommt, wird arretirt!" 
lautete die Ordre. Der Rest der Truppen sicherte Schloß 
und Park nach dem Canal, wie die Straße von Norrbacko. — 
Während der König in Gesellschaft des Fürsten den Tag er 
wartete, nahm Sinclear zu Pferde die Ausstellung der 
Truppen in Augenschein. 
Der Morgen begann zu dämmern, tiefe Stille lag um 
die Carlsburg, nichts verrieth die Umwälzung, welche bevor 
stand. — Als es hell genug geworden, um die Umgebungen 
deutlich zu erkennen, ließ Sinclear aus einem südlichen 
Fenster des Schloßthurmes eine Fahne wehen. Das Signal 
wurde jenseits des Canals von der Villa Hernsberg er 
widert und bald darauf setzte eine Anzahl von Männern, in 
Mäntel gehüllt, auf Booten nach der Carlsburg über. Es 
war der französische Gesandte mit den vornehmsten Gliedern 
der patriotischen Partei, an ihrer Spitze Georg v. Gottland, 
Rhemschöld, Steenbock, Levenhaupt, Adelssors und 
Storöen. Stumm von Sinclear empfangen und in's 
Schloß geleitet, wurden sie in den Jagdsaal geführt; wenige 
Augenblicke später erschien der König. Er schloß feierlich 
Friede mit seinen bisherigen Gegnern, warf seine Vergangen 
heit hinter sich und man begann rasch über das Dringlichste 
zu berathen, was zur Besserung der Zustände zu thun sei. 
Der Morgen war wundervoll klar und sonnig; so recht 
geschaffen zu Lust und Behagen! — Gegen elf Uhr hatte 
Kanzler v. Ribbing seine Geschäfte beendet, mit Wan da 
Toilette gemacht und sie bestiegen die Pferde. Ein Packwagen 
mit Garderobe und Jagdzeug, zwei Diener mit Pferden und 
ein Piqueur mit einem Spiel trefflicher Hunde sollten 
folgen; man hatte sich auf längere Lustbarkeiten eingerichtet. 
Wanda, in enganschließendem Jagdkleide, das ihre üppigen, 
vollen Formen hob und, halb ausgeschnitten, Nacken und 
Brust mit einer steifen, zierlichen Krause umschloß, trug auf 
der behandschuhten Linken einen norwegischen Edelfalken, ihr 
Lieblingsthier, mit zierlicher Kappe und Schellen au den 
Fängen. Auf ihrem dreistutzigen Männerhute wehte eine 
blaue Feder, mit der Rechten schwang sie graziös die Reit 
peitsche, gleichzeitig die Galoppade ihres leicht dahintänzelnden 
Zelters zügelnd. — Mochte das herrliche Wetter, die zaube 
rische Wirkung der Landschaft, ihr bevorstehendes Lieblings 
vergnügen, die Jagd, oder die gesteigerte Gewißheit einer 
stolzen Zukunft ihr Gesicht freudig verklären, kurz es erschien 
ihr an diesem Tage die Welt schöner als sonst und ihr 
Scherzen und Lachen schien selbst den sonst in sich gekehrten 
Vater zu größerer Heiterkeit anzuregen. 
^ „Da ist der Carlsweg schon, Papa! Laß mit der dunrpfen 
Stadt nun alle Sraatsgeschäste hinter Dir, denke nur an die 
grüne Waldesluft, die vor uns liegt! Alle Verhältnisse kom 
men uns jetzt so trefflich zu statten und an des Königs Seite 
erwartet uns Sinclear, ein ergebener Freund, der sein Glück 
ja allein in dem unseren begründen kann." 
„Ich glaube selbst, daß dem so ist. Auch wenn er Dich 
weniger liebte, viel geringeren Anlaß hätte, dankbar zu sein, 
viel weniger abhängig von uns wäre, die offenbare Verach- 
tung, welche die Genossen seines Vaters ihm auf Schritt und 
Tritt beweisen, seitdem er Friedrich's Adjutant ist, müßte 
ihn, selbst wenn seine Adern des Fisches kaltes Blut erstarren 
lie Äi n £ r U ^Echem Hasse entstammen! Das Einzige, was 
mich besorgt macht, ist, daß er zu talentvoll und gewandt 
IjJ' einen Ueberblick zeigt, der mich betroffen macht. 
.hellte mach doch wundern, daß ein Mensch bei solchen Gaben 
man den Ehrgeiz haben sollte, sie zu seinemNutzen anzuwenden." 
„Haha, und das beruhigt mich eben! Die Liebe, 
Papa, hat alle seine Talente zur Blüthe gebracht, und ich 
wüßte nicht, ob es je ein Ziel gab, das für einen Mann 
lockender —" 
„Aber jenes Billet," fiel ihr hastig Ribbing in's Wort, 
„das Du vom Adjutanten Baron Küttler erhieltst, als wir 
schon in den Sattel steigen wollten, es warnte uns vor der 
Carlsburg —!?" 
„Sonderbar, Papa," lachte sie, „daß eine gewisse krank 
hafte Erregung Dich jetzt über Etwas nachdenken läßt, was 
Dir, als nur uns in der Stadt befanden, gar keine Wichtig 
keit zu haben schien? Dieses Billet ist eine Narrheit, die 
ich mir in Zukunft vom Baron Küttler sehr energisch ver 
bitten werde. Ich habe ihm oft genug angedeutet, wie miß 
fällig mir seine Liebe ist, aber er ist unermüdlich zudringlich. 
Daß er Malcom verleumdet, seine elende Eifersucht ihn 
selbst zur Erfindung falscher Gefahren hinreißt, beweist nur, 
wie feige und unmännlich die Art seiner Gunst, wie seines 
Hasses ist. Gesetzt aber auch, Küttler wäre ein Mann, der 
wirklich mein Interesse verdiente, wirklich ernstlich wegen un 
seres Besuches beim Könige aus irgend welchem Grunde be 
sorgt wäre, vergessen Sie denn ganz, daß Sieveking seit 
gestern Abend bei Seiner Majestät ist und —" 
„Horch! — Wird nicht hinter uns in der Stadt Ge 
neralmarsch geschlagen?!" — Er hielt an. 
„Ah bah, was Sie für Gespenster sehen! Der Wind 
wirft den Schall herum! Wahrscheinlich kommt das Wirbeln 
von der Parade am Carlsberge. Lassen Sie uns vorwärts 
reiten, wir verschwenden nur die Zeit, welche wir besser dem 
Vergnügen widmen könnten, mit unnöthigen Grillen!" 
Sie beschleunigte den Lauf ihres Pferdes und Ribbing 
folgte ihr. — Das Rasseln der Trommeln wurde gedämpfter, 
ferner Man erreichte den Forst, und nach raschem Ritte 
erblickte man links die Carlsburg friedlich im Hellen Glanze 
liegen. 
Als Ribbing mit Wanda in's Portal sprengte und 
die Wache präsentirte, fiel es ihnen zwar auf, daß dieselbe 
ansehnlich verstärkt, überhaupt das Schloß belebter zu sein 
schien, als bei dem kurzen Aufenthalte des Königs zu ver 
muthen war; doch zu weiteren Gedanken blieb ihnen keine 
Zeit mehr, den Sinclear empfing sie bereits an der Frei 
treppe, half Wanda aus dem Sattel, empfahl einem Unter 
stallmeister die dampfenden Rosse, übergab den Falken einem 
Jäger und „im Namen Seiner Majestät" Beide willkommen 
heißend, führte er sie empor nach dem Audienzsaale. War 
es sein ceremoniöses Benehmen, oder das unheimliche Funkeln 
seines Blicks, was Wanda plötzlich an Küttler's Warnung 
erinnerte? Sie blieb. im Vorsaale plötzlich stehen und sah 
Ribbing betroffen an. Auch der Kanzler mochte wenig be 
friedigt von des Majors Betragen sein, denn seine Haltung 
bekam etwas Zögerndes. 
„Nur näher, wenn's beliebt, Seine Majestät wartet!" 
Damit öffnete Sinclear die Thürflügel des Audienzsaales. 
Da stand Friedrich von Schweden, umgeben von dem 
russischen und französischen Gesandten, Remschöld, Stxen- 
bock, Adelssors, Storöen, kurz allen seinen Gegnern. 
„Wir sind verrathen, verloren!" schrie Ribbing auf, 
und faßte der erbleichenden Tochter Hand. 
„Auf Befehl des Königs, treten Sie näher, Reichskanzler 
von Ribbing!" herrschte ihm Sinclear zu. 
Mit Mühe hatte sich Wanda aufrecht erhalten, aber 
beim Tone der Stimme jenes Mannes, der sie so betrogen, 
flammte sie in Zorn und Haß, in beleidigtem Stolze auf. 
„Kommen Sie, mein Vater!" 
Ribbing und Wanda traten zwar blaß, aber trotzig 
in den Audienzsaal. Einen einzigen, langen, heißen, viel 
sagenden Blick richtete das schöne Mädchen auf den König, 
ein letzter, stummer Anruf an seine Liebe. — Friedrich er 
widerte ihn mit Verachtung. 
„Sie treffen hier unerwartete Gesellschaft, Herr von
	        
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