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Volume Heft 5

Full text: Illustrirtes Panorama (Public Domain) Issue5.1865 (Public Domain)

Aus gewitterschwerer Zeit 
oder 
Drei Emissäre der Revolution. 
Historischer, die denkwürdigen Vorgänge des Jahres 1848 behandelnder Roma». 
(Fortsetzung.) 
„Sie sprachen von einem Freunde Ihres Hauses," wandte 
er sich zu Bergmann, der sich neben ihn gesetzt, in flüstern 
dem Tone, „verschmäht er es, mit Offizieren Sr. Majestät 
an einem Tische zu sitzen?" 
„Sie meinen, ich solle ihn rufen?" 
„Besser wäre es. Wenn meine Kameraden hören, daß 
ein Fremder in Ihrem Hause, muß es sehr auffallen, daß 
er sich verborgen hält." 
Bergmann erhob sich, um Hermann zu holen. 
Als er wieder auf der Schwelle erschien, hob Hochstet 
ten gerade den Chanrpagnerkelch empor und rief: „Dies 
Glas dem Siege der königlichen Truppen!" 
„Und dem Verderben der Canaille!" setzte Holms hinzu. 
Hermann Weber war Bergmann gefolgt, nachdem er 
sich lange dagegen gesträubt. Der Toast, den Hochstetten 
ausbrachte, ließ ihn stutzen, er fühlte, daß er in diese Gesell 
schaft nicht gehen könne, ohne Bergmann arg zu compromit- 
liren, da riesen ihm die Worte des Grasen die helle Zornes- 
gluth auf die Wangen und der Vorsatz, wieder umzukehren, 
sein Versprechen, Bergmann's Gäste zu achten, war ver 
gessen. _ • 
Mit zornsprühenden Augen und flamniendem Antlitze 
stand er da und sein Auge begegnete den Blicken der Offi 
ziere, die ihn schon bemerkt, mit herausforderndem Trotze. 
„Ein Civilist — wohl Ihr Herr Sohn?" fragte Holms 
den Kaufmann. „Aber warum tritt der Herr nicht näher?" 
rügte er beftemdet hinzu. 
„Der Sohn meines Freundes, Herr Weber" — stotterte 
Bergmann. „Hermann," flüsterte er diesem zu, „wenn Du 
nicht Alles verderben willst, so sei vernünftig." 
Marie war bei dem unerwarteten Eintritt ihres Gelieb 
ten errathet und sie zitterte so heftig, daß die Offiziere Arg 
wohn schöpfen mußten, wenn die eigenthümlichen Blicke Her- 
mann's sie nicht schon mißtrauisch gemacht. Jeder fühlte, 
JllustrirteS Panorama. Band V. Lief. 6. 
daß dem heiteren Feste eine Krisis nahe. Die Offiziere hat 
ten sich erhoben. 
„Sollten wir hier unwillkommene Gäste sein?" bemerkte 
Hochstetten, indem er sich den Bart drehte. 
„Verzeihen Sie, meine Herren," unterbrach Hermann 
endlich die verlegene Pause, „Herr Bergmann sagte mir, daß 
er ermüdete Gäste erfrische, ich sehe aber, daß man hier ein 
fröhliches Fest feiert. Ich bin überrascht, bin nicht in der 
Stimmung, daran Theil zu nehmen und ziehe mich daher 
zurück." 
„Das ist ein Vorwurf, den ich nicht verstehe!" entgeg- 
nete Holms. „Ich bitte, mein Herr, sich zu erklären." 
„Ich verweigere diese Erklärung," erwiderte Hermann 
in demselben herausfordernden Tone, „Sie würden mich auch 
nicht verstehen, denn es ist Sache des Gefühls, darüber zu 
entscheiden, ob ich Recht habe oder nicht." 
„Unsere Toaste scheinen Ihnen nicht zu gefallen, mein 
Herr? Sie haben wohl Freunde unter der Canaille?" 
„Ich weiß nicht, wen Sie mit diesem Titel beehren?" 
entgegnete Hermann, zitternd vor Erregung. 
„Die Mordbrenner und Rebellen!" 
„Genug!" rief Ollberg, sich dazwischen werfend, wäh 
rend Bergmann vor Schrecken keines Wortes mächtig war; 
„Herr Rittmeister, wir sind in Gesellschaft einer Dame und 
hier Gäste —" 
Er konnte nicht aussprechen, Hermann Weber fühlte sich 
nicht mehr Herr seiner Leidenschaft. „Sie morden Wehrlose," 
rief er, „und prahlen mit dem Siege, das nenne ich —" 
„Kein Wort mehr!" unterbrach ihn Ollberg, während 
Holms schon nach dem Säbel griff. „Sprechen Sie keine 
Beleidigung aus, der Herr Graf konnte nicht ahnen, daß 
seine Worte hier Jemand verletzen. Auch ich erkläre, daß 
Prahlerei hier nicht am rechten Orte gewesen wäre, denn es 
ist kein großer Ruhm dabei, Schwächere zu besiegen. Wir 
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