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Zweites Kapitel. Lustfahrt von Berlin nach Alt-Landsberg, Straußberg, Wriezen, Freienwalde und Neustadt-Eberswalde; von dort zurück über Biesenthal, Bernau, Werneuchen, Buch, Französisch-Buchholz, Schönhausen und Pankow nach Berlin

Full text: Die Umgegend Berlin's (Public Domain)

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in einen erquikenden Mairegen kommen ; und hätten wir es uns 
zum Grundsaß gemacht, den einzelnen Kapiteln entsprechende 
Mottos beizufügen, so würden wir durch die Worte, „durch 
Nacht zum Licht!“ wenigstens bei diesem Kapitel unseren Zwe 
auf eine ausgezeichnete Weise erreicht haben. 
Wir gehen nach dieser kurzen, aber nöthigen Abschweifung 
zu Unserem Hauptzwecke über, wenden uns nach dem dstlichen 
Theile der Umgend Berlin's durch das landsberger Thor, wo 
der Wanderer eines Anblicks genießt, auf den ohne Zweifel der 
Tadel der Süddeutschen „Berlin liege in einer trostlosen Sand- 
steppe“' vornämlich basirt ist. Der Weg von hier aus bis Alt- 
Landsberg über die Dörfer Marzahn , Hönow und Seeberg ist 
wirklich ohne allen Reiz, und nur der Gedanke, daß der Boden 
dieses Landstrichs doch von der Art ist, den Bewohner desselben 
den nöthigen Unterhalt zu geben, läßt die Dürftigkeit der Na- 
turreize in den Hintergrund treten. Alt-Landsberg , das nächste 
Ziel der Wanderung, ist 3 Meilen von Berlin entfernt und liegt 
am landsberger Fließ, das eine Meile von hier entspringt, einte 
Mähle treibt und sich dann mit der Spree verbindet. Die 
Stadt ist mit Mauern umgeben, hat eine Vorstadt, 3 Thore, 
eben soviel Kirchen, 144 Häuser und etwa 1130 Einwohner, 
die sich mit mehreren städtischen Gewerben , vorzüglich mit der 
Tuchweberei beschäftigen , außerdem aber auch Ackerbau treiben. 
Das hier befindliche reformirte Waisenhaus verdankt seine Grün- 
dung dem edlen Grafen Otto von Schwerin, dem die Stadt 
vormals gehörte, und von dem ste König Friedrich 1. 1709 kaufte. 
Der genannte Graf gründete auch hier eine Stistung für Pre« 
diger-Wittwen. Gegenwärtig befindet sich hier ein Justiz- und 
Domainenamt. Die Stadt ist ohne Zweifel sehr alt, hat aber, 
obgleich ihrer bereits in einer Urkunde von 1349 Erwähnung ge- 
schieht, wahrscheinlich nie eine bedeutende Rolle gespielt. Die, 
sie umgebenden Mauern, zum Theil von Kiesel: und Granitstei- 
nen, tragen den Stempel eines hohen Alters, und die Gebäude
	        
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