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Wissenschaftliche Anstalten, die zugleich den Lehrzwecken der Universität dienen

Full text: Berlin in Wissenschaft und Kunst / Paszkowski, Wilhelm (Public Domain)

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Sprachen pflegen zwei Jahre im Seminar zu verbleiben 
und sich im vierten Semester zur Prüfung zu melden, 
dagegen pflegen die kolonialen Studien nur in Ausnahme 
fällen über zwei Semester hinauszugehen. 
Ein drittes Studiengebiet, das gegenüber den Dol 
metscherstudien und den kolonial-wissenschaftlichen Vor 
trägen und Übungen einen komplementären Charakter hat, 
sind die europäischen Sprachen: das Englische, Französische, 
Russische, Spanische, Rumänische und Neugriechische, deren 
Studium in den meisten Fällen neben einem Hauptstudium 
als Nebenaufgabe getrieben wird. So z. B. wird jemand, 
der sich für eine praktische Tätigkeit im osmanischen Reiche 
vorbereiten will, sich eines erheblichen Vorteils versichern, 
wenn er neben der Kenntnis des Türkischen auch die 
jenige des Neugriechischen mitbringt. 
Der Lehrkörper des Seminars bestand zur Zeit seiner 
Gründung aus 11 Personen, gegenwärtig im Sommer 
semester 1910 besteht er aus 46 Personen. Im Durch 
schnitt ist jedes Sprachgebiet durch einen deutschen Ge 
lehrten, dem ein oder mehrere einheimische Lektoren zur 
Seite stehen, vertreten. Die kolonial-wissenschaftlichen 
Realfächer werden von besonderen Dozenten gelehrt. 
Das Seminar war im Winter 1887-88 von 98 Schülern 
besucht, im Winter 1909-10 von 300 Schülern und 20 Hospi 
tanten. Die Schüler des Seminars haben sich im Laufe der 
Zeit in allen asiatischen und afrikanischen Ländern, wo 
deutsche Interessen vertreten sind, betätigt, bei den 
Gesandtschaften und Konsulaten in Japan, China, Persien, 
im Osmanischen Reiche, Ägypten, Marokko, Abessinien 
und Zanzibar sowie in den afrikanischen Kolonien des Reichs. 
Das Seminar veröffentlicht alljährlich unter dem Titel: 
„Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen“ 
drei Bände wissenschaftlicher Forschungen aus den im 
Seminar vertretenen Studiengebieten. Außerdem hat das 
Seminar 24 Bände „Lehrbücher des Seminars für Orien 
talische Sprachen“ veröffentlicht und läßt seit 1902 ein 
„Archiv für das Studium deutscher Kolonialsprachen“ 
erscheinen. Das Seminar besitzt eine reichhaltige Biblio 
thek.
	        
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