357
Th. Weishaupt, Die Homberg-Ruhrortcr Rheintraject-Anstalt.
358
darauf erfolgende Senkung der leeren Bühne im Ganzen
drei Minuten in Anspruch nimmt, so ist der als Motor
dienenden Dampfmaschine eine Zeit von drei Minuten
gegeben, um so viel Kraft anzusammeln, als in der halben
Minute verbraucht wird. Sie hat hiernach nur ein
Sechstel der Kraft im Vergleich zu einer andern nöthig,
welche dieselbe Hebung direct bewirken soll.
Mit Rücksicht auf diesen Umstand wurde für jeden
der beiden Hebe-Apparate zu Homberg und Ruhrort eine
SOpferdige Dampfmaschine ausreichend befunden, um
die Hebung einer Bootsladung von 12 Wagen in rascher
Aufeinanderfolge zu bewirken. Da jedoch die jedesmalige
Entladung und Wiederbeladung der Darapßahre mit
je 12 Wagen selbst unter günstigen Umständen in frühestens
30 Minuten bewirkt werden kann, und hierauf bis
zur nächsten Operation eine namhafte Pause eintritt, während
welcher die Thätigkeit der Maschine nicht in Anspruch
genommen wird, so sind zum Betriebe der Dampfmaschine
zwei Dampfkessel von je 15 Pferden angelegt,
von denen für gewöhnlich nur einer benutzt wird. Hierbei
nimmt die Dampfspannung in dem benutzten Kessel
zwar ziemlich rasch ab, weil ein Kessel allein nicht im
Stande ist, den erforderlichen Dampf für den gröfsten
Effect der Maschine von 30 Pferden bei anhaltender Benutzung
zu erzeugen; in Folge des großen Wassergehaltes
der cylindrischcn Kessel, so wie der zulässigen hohen
Spannung der Dämpfe von 52 Pfd. pro QZoll darin findet
sich jedoch eine solche grofse Wärme-Menge in
dem Kessel angehäuft, dals die Arbeit der Hebung von
12 Wagen verrichtet werden kann, ehe die Dampfspannung
unter denjenigen Grad herabsiukt, welcher zur Inganghaltung
der Maschine nebst Pumpen mindestens erforderlich
ist. Das der Entladung folgende Hinablassen
von 12 Wagen auf das Fährboot für den Transport nach
dem anderen Ufer würde gar keine Kraftanstrengung seitens
der Dampfmaschine bedingen, wenn nicht die Platform
hierbei 6 mal leer wieder gehoben werden müfste.
Um den Kraftaufwand dabei auf das zulässige Minimum
zu beschränken, ist ein besonderer kleiner Hebccylinder
angebracht, der aber auch, sofern die zu überwindende
Last es nöthig macht, gleichzeitig mit dem grofsen Hebecylinder
in Wirksamkeit treten kann.
Wenn das Heben der Schiffsladung erfolgt ist und
die Wiederbelastung des Schiffes mit 12 Wagen geschieht,
wird zwar der Zuflnfs des geprefsten Wassers nach dem
Hauptcylinder abgeschnitten und nur der kleine Cyünder
in Thätigkeit gesetzt. Nichtsdestoweniger füllt sich auch
ersterer bei jedem Aufgange der Bühne mit Wasser, welches
er aus einem hoch im Thurme gelegenen besonderen
Reservoir empfängt, und beim Niedergehen des Kolbens
nach Maafsgabe der Ooffnung des gewissermaafsen
als Bremse nutzbaren Auslafsventilcs dahin auch wieder
abgibt, während der kleine Cylinder von sehr geringem
Inhalte mit vollem Wasserdrücke die leere Bühne nebst
dem Kolben des grofsen Cylinders in die Höhe hebt.
Wenn die Kraft der Dampfmaschine bei Benutzung
eines einzigen Kessels durch die Hebung von 12 Wagen
erheblich geschwächt ist, bleibt ihr sonach nur die geringe
Arbeit einer sechsmaligen Füllung des kleinen Hebecylinders
zum Heben der leeren Platform, wozu der regclmäfsigc
Effect eines einzigen Kessels vollständig ausreicht.
Hieraus ist ersichtlich, dafs die Entlastung und
Wiederbeladung dos Fährbootcs mit einem durchschnittlichen
Krafteffecte von 15 Pferden in kurzer Zeit vor
sich gehen kann. Diese Art und Weise des Betriebes
ist daher hinsichtlich der Oekonomie der Betriebskräfte
eine höchst vorteilhafte.
Zur praktischen Ausführung dieser Betriebsweise
wurde an den Hafenbassins auf beiden Ufern des Rheins
ein Hebetburm angelegt, in welchem sich eine grofse,
mit 2 Seiten - und einem längeren Mittel-Geleise versehene
Platform auf- und niederbewegen läfst. Der grofse
Hcbecylinder hierfür ruht auf 2 starken, mit einander
verkuppelten schmiedeeisernen Trägern im Thurme, welche
so hoch liegen, dafs sie der freien Passage der Wagen
kein Hindcrnifs entgcgcnstellen. Der Cylinder hat eine
Höhe von nahe 30 Fufs und umschliefst einen ebenfalls
cyhndrisch geformten Kolben von nahe gleicher Länge.
An den Kreuzkopf des letzteren sind sowohl diejenigen
beiden Ketten befestigt, in welchen die Bühne hängt,
als auch zwei andere Ketten, welche nach den Gegengewichten
der Bühne führen. Ferner befindet sieb im
oberen Theile des Thurmes der kleine Cylinder nebst
Kolben von etwa der halben Länge des grofsen und bewirkt
bei Verdoppelung seiner Hublängc durch Flaschenzug-Bewegung
die Hebung der leeren Bühne mittelst
einer besonderen, ebenfalls am Kreuzkopfe des grofsen
Cylinders befestigten Kette. Die senkrechte Führung
des grofsen Hebekolbens durch Schienen ist an zwei
starken Balken angebracht, welche auf dem grofsen Cylinder
stehen und mit der Zimmerung des Thurmgeröstes
mehrfach verbunden sind.
Das Maschinengebäudo ist in einiger Entfernung
vom Hcbethurme angelegt und mit demselben durch Röhrcalcitungen
verbunden. Es enthält aufser den beiden
Dampfkesseln einen besonderen Maschinenraum. Darin
ist die 30 pferdige, nach Locomotiv-System eingerichtete
und mit 2 liegenden Cylindern versehene Dampfmaschine
aufgestellt, welche aufser den beiden Haupt-Druckpumpen
eine Speisepumpe so wie 2 Brunnenpumpen
betreibt.
Dem Maschinenraum schliefst sich der Accumulatorraum
an, in welchem sich der belastete Kolben des
Accumulators bis zu 17 Fufs Höhe auf und nieder bewegt.
Das Druckwasser, welches von dem Maschinenraume
und durch die Röhrenleitung den Hebecylindern zugeführt
wird, fliefst nach gemachtem Gebrauche» in Behälter
zurück, welche über dem Maschinenraume aufgestellt
sind und aus welchen die Druckpumpen wieder gespeist
werden.