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Band H. VI-IX

Volltext : Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe VII.1857 (Public Domain)

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Th.  Weishaupt,  Die  Homberg-Ruhrortcr  Rheintraject-Anstalt.

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darauf  erfolgende  Senkung  der  leeren  Bühne  im  Ganzen
drei  Minuten  in  Anspruch  nimmt,  so  ist  der  als  Motor
dienenden  Dampfmaschine  eine  Zeit  von  drei  Minuten
gegeben,  um  so  viel  Kraft  anzusammeln,  als  in  der  halben ­
  Minute  verbraucht  wird.  Sie  hat  hiernach  nur  ein
Sechstel  der  Kraft  im  Vergleich  zu  einer  andern  nöthig,
welche  dieselbe  Hebung  direct  bewirken  soll.
Mit  Rücksicht  auf  diesen  Umstand  wurde  für  jeden
der  beiden  Hebe-Apparate  zu  Homberg  und  Ruhrort  eine
SOpferdige  Dampfmaschine  ausreichend  befunden,  um
die  Hebung  einer  Bootsladung  von  12  Wagen  in  rascher
Aufeinanderfolge  zu  bewirken.  Da  jedoch  die  jedesmalige ­
  Entladung  und  Wiederbeladung  der  Darapßahre  mit
je  12  Wagen  selbst  unter  günstigen  Umständen  in  frühestens ­
  30  Minuten  bewirkt  werden  kann,  und  hierauf  bis
zur  nächsten  Operation  eine  namhafte  Pause  eintritt,  während ­
  welcher  die  Thätigkeit  der  Maschine  nicht  in  Anspruch ­
  genommen  wird,  so  sind  zum  Betriebe  der  Dampfmaschine ­
  zwei  Dampfkessel  von  je  15  Pferden  angelegt,
von  denen  für  gewöhnlich  nur  einer  benutzt  wird.  Hierbei ­
  nimmt  die  Dampfspannung  in  dem  benutzten  Kessel
zwar  ziemlich  rasch  ab,  weil  ein  Kessel  allein  nicht  im
Stande  ist,  den  erforderlichen  Dampf  für  den  gröfsten
Effect  der  Maschine  von  30  Pferden  bei  anhaltender  Benutzung ­
  zu  erzeugen;  in  Folge  des  großen  Wassergehaltes ­
  der  cylindrischcn  Kessel,  so  wie  der  zulässigen  hohen
Spannung  der  Dämpfe  von  52  Pfd.  pro  QZoll  darin  findet ­
  sich  jedoch  eine  solche  grofse  Wärme-Menge  in
dem  Kessel  angehäuft,  dals  die  Arbeit  der  Hebung  von
12  Wagen  verrichtet  werden  kann,  ehe  die  Dampfspannung ­
  unter  denjenigen  Grad  herabsiukt,  welcher  zur  Inganghaltung ­
  der  Maschine  nebst  Pumpen  mindestens  erforderlich ­
  ist.  Das  der  Entladung  folgende  Hinablassen
von  12  Wagen  auf  das  Fährboot  für  den  Transport  nach
dem  anderen  Ufer  würde  gar  keine  Kraftanstrengung  seitens ­
  der  Dampfmaschine  bedingen,  wenn  nicht  die  Platform
  hierbei  6  mal  leer  wieder  gehoben  werden  müfste.
Um  den  Kraftaufwand  dabei  auf  das  zulässige  Minimum
zu  beschränken,  ist  ein  besonderer  kleiner  Hebccylinder
angebracht,  der  aber  auch,  sofern  die  zu  überwindende
Last  es  nöthig  macht,  gleichzeitig  mit  dem  grofsen  Hebecylinder
  in  Wirksamkeit  treten  kann.
Wenn  das  Heben  der  Schiffsladung  erfolgt  ist  und
die  Wiederbelastung  des  Schiffes  mit  12  Wagen  geschieht,
wird  zwar  der  Zuflnfs  des  geprefsten  Wassers  nach  dem
Hauptcylinder  abgeschnitten  und  nur  der  kleine  Cyünder
in  Thätigkeit  gesetzt.  Nichtsdestoweniger  füllt  sich  auch
ersterer  bei  jedem  Aufgange  der  Bühne  mit  Wasser,  welches ­
  er  aus  einem  hoch  im  Thurme  gelegenen  besonderen ­
  Reservoir  empfängt,  und  beim  Niedergehen  des  Kolbens ­
  nach  Maafsgabe  der  Ooffnung  des  gewissermaafsen
als  Bremse  nutzbaren  Auslafsventilcs  dahin  auch  wieder
abgibt,  während  der  kleine  Cylinder  von  sehr  geringem
Inhalte  mit  vollem  Wasserdrücke  die  leere  Bühne  nebst
dem  Kolben  des  grofsen  Cylinders  in  die  Höhe  hebt.

Wenn  die  Kraft  der  Dampfmaschine  bei  Benutzung
eines  einzigen  Kessels  durch  die  Hebung  von  12  Wagen
erheblich  geschwächt  ist,  bleibt  ihr  sonach  nur  die  geringe ­
  Arbeit  einer  sechsmaligen  Füllung  des  kleinen  Hebecylinders
  zum  Heben  der  leeren  Platform,  wozu  der  regclmäfsigc
  Effect  eines  einzigen  Kessels  vollständig  ausreicht. ­
  Hieraus  ist  ersichtlich,  dafs  die  Entlastung  und
Wiederbeladung  dos  Fährbootcs  mit  einem  durchschnittlichen ­
  Krafteffecte  von  15  Pferden  in  kurzer  Zeit  vor
sich  gehen  kann.  Diese  Art  und  Weise  des  Betriebes
ist  daher  hinsichtlich  der  Oekonomie  der  Betriebskräfte
eine  höchst  vorteilhafte.
Zur  praktischen  Ausführung  dieser  Betriebsweise
wurde  an  den  Hafenbassins  auf  beiden  Ufern  des  Rheins
ein  Hebetburm  angelegt,  in  welchem  sich  eine  grofse,
mit  2  Seiten  -  und  einem  längeren  Mittel-Geleise  versehene ­
  Platform  auf-  und  niederbewegen  läfst.  Der  grofse
Hcbecylinder  hierfür  ruht  auf  2  starken,  mit  einander
verkuppelten  schmiedeeisernen  Trägern  im  Thurme,  welche
so  hoch  liegen,  dafs  sie  der  freien  Passage  der  Wagen
kein  Hindcrnifs  entgcgcnstellen.  Der  Cylinder  hat  eine
Höhe  von  nahe  30  Fufs  und  umschliefst  einen  ebenfalls
cyhndrisch  geformten  Kolben  von  nahe  gleicher  Länge.
An  den  Kreuzkopf  des  letzteren  sind  sowohl  diejenigen
beiden  Ketten  befestigt,  in  welchen  die  Bühne  hängt,
als  auch  zwei  andere  Ketten,  welche  nach  den  Gegengewichten ­
  der  Bühne  führen.  Ferner  befindet  sieb  im
oberen  Theile  des  Thurmes  der  kleine  Cylinder  nebst
Kolben  von  etwa  der  halben  Länge  des  grofsen  und  bewirkt ­
  bei  Verdoppelung  seiner  Hublängc  durch  Flaschenzug-Bewegung
  die  Hebung  der  leeren  Bühne  mittelst
einer  besonderen,  ebenfalls  am  Kreuzkopfe  des  grofsen
Cylinders  befestigten  Kette.  Die  senkrechte  Führung
des  grofsen  Hebekolbens  durch  Schienen  ist  an  zwei
starken  Balken  angebracht,  welche  auf  dem  grofsen  Cylinder ­
  stehen  und  mit  der  Zimmerung  des  Thurmgeröstes
  mehrfach  verbunden  sind.
Das  Maschinengebäudo  ist  in  einiger  Entfernung
vom  Hcbethurme  angelegt  und  mit  demselben  durch  Röhrcalcitungen
  verbunden.  Es  enthält  aufser  den  beiden
Dampfkesseln  einen  besonderen  Maschinenraum.  Darin
ist  die  30  pferdige,  nach  Locomotiv-System  eingerichtete ­
  und  mit  2  liegenden  Cylindern  versehene  Dampfmaschine ­
  aufgestellt,  welche  aufser  den  beiden  Haupt-Druckpumpen
  eine  Speisepumpe  so  wie  2  Brunnenpumpen ­
  betreibt.
Dem  Maschinenraum  schliefst  sich  der  Accumulatorraum
  an,  in  welchem  sich  der  belastete  Kolben  des
Accumulators  bis  zu  17  Fufs  Höhe  auf  und  nieder  bewegt.
Das  Druckwasser,  welches  von  dem  Maschinenraume
und  durch  die  Röhrenleitung  den  Hebecylindern  zugeführt ­
  wird,  fliefst  nach  gemachtem  Gebrauche»  in  Behälter ­
  zurück,  welche  über  dem  Maschinenraume  aufgestellt
sind  und  aus  welchen  die  Druckpumpen  wieder  gespeist
werden.
            
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