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Berlin bis zur Mitte des XVII. Jahrhunderts

Full text: Leitfaden der Entwicklungsgeschichte Berlins von seiner Gründung bis in die Neuzeit / Borrmann, Richard (Public Domain)

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beiden nächsten Nachfolgern, sowohl nach dem Master wie nach der Schloß 
freiheit zu, allmählich bis auf den heutigen Umfang vergrößert wurde. 
Hiermit hing auch die Anlage eines Frnchtgartens, des nachmaligen Lust 
gartens, auf der Nordhälfte der Spree-Insel zusammen. Auch die Anfänge 
des Thiergartens fallen in jene Zeit, seitdem (1527) Kurfürst Joachim I. 
die sumpfige Wildniß der Spreeniederung zwischen Berlin und Lietzow 
(Charlottenburg) erworben und zu einem Jagdgehege eingerichtet hatte. Es 
gehörten dazu im XVI. Jahrhundert auch noch der zwischen Leipziger- und 
Dorotheenstraße belegene Teil der heutigen Stadt, sowie die Grunderwerbungen 
auf dem rechten Spree-Ufer, der sog. kleine Thiergarten, eine Bezeichnung, 
die sich in den Anlagen an der Straße Altmoabit noch erhalten hat. 
Sumpfiges Wiesengelände füllte die Gegend südlich vom Landwehrkanal bis 
zu den Schöneberger und Wilmersdorfer Höhen, die Nordabhänge des Kreuz 
berges bis zur Hasenhaide deckten Weinpflanzungen, die Ackerflächen und die 
Gemeindeweide reichten bis an die Stadtgräben und wurden nur vor den 
Stadtthoren durch die die Landstraßen einsäumenden Krautgärten und Baum 
pflanzungen unterbrochen. 
Eine inselartig abgeschlossene Anlage bildete der heutige Friedrichs- 
Werder zwischen den Wasserläufen der Spree mit seinen Schleusen, 
Mühlen und mehreren zum kurfürstlichen Hofhält gehörigen Baulichkeiten, 
als dem Gießhause (hinter dem Zeughause), dein Reitstall (Werdersche 
Kirche), dem Jägerhof (auf dem Grundstücke der heutigen Bank) und dem 
kurfürstlichen Holzgarten (Grundstück der Münze). Sehen wir von diesen 
doch wahrlich bescheidenen Anlagen und dem allerdings für feine Um 
gebung doppelt reichen und aufwandvollen Schloßbau Joachims II. ab, so 
bot uns die damalige Residenz an der Spree nicht viel mehr als das Bild 
einer Handels- und Ackerstadt, wie es, mutatis mutandis, manche mittlere 
märkische Stadt noch heute geblieben ist. — Berlin besaß im Jahre 1564 
im Ganzen 908 Feuerstellen, Köln deren 408, und wie gering auch die 
vorstädtische Bebauung war, ergeben die ältesten Schoßbücher um die Mitte 
des XVI. Jahrhunderts, welche vor dem Georgen-Thore nur 10, vor dem 
Köpenicker Thore 11 und vor dem Gertrauden-Thore 15 Häuser aufzählen. 
Hieran hat sich bis zuni dreißigjährigen Kriege gewiß nicht viel geändert. 
In Wahrheit beschränken sich deshalb auch die vielbesprochenen Zerstörungen, 
die i. I. 1640/41 bei Annäherung der Schweden in den Berliner Vorstädten 
vorgenommen wurden, auf das Niederbrennen einiger das Schußfeld und 
die freie Sicht beeinträchtigender Häuser und Scheunen. Plünderungen und 
Verwüstungen hat Berlin im. dreißigjährigen Kriege nicht erfahren. Gleich 
wohl mag die Verteidigungs-Unfähigkeit seiner Residenz wohl schon zu Be 
ginn seiner Regierung in dem Großen Kurfürsten den Plan zu einer Maß- mo-iess 
regel gezeitigt haben, welche von tiefeingreifenden und weitreichenden Folgen 
für die Entwickelung der Stadt werden sollte. Es ist dieses ihre Befestigung 
nach neuerem holländischen System, womit die Regulirung der Kölnischen 
Spreearme und die Einverleibung des Stadtteils Friedrichs-Werder zn- 
sammenhingen. Die Umrißlinien der neuen Werke sind auf dem Plane in 
Zinnoberrot, der Lauf der Wassergräben in Blau eingetragen. Mit eiserner
	        
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