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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

-=: '929. -- 
Und noc< merkwürdiger: dieselben Leute, die sich nicht be- 
sinnen, in der Gesebgebung auf allen möglichen Gebieten herum 
zu experimentiren, in denen man noch gar keine Erfahrung hat, 
bieten nicht ihre Hand zur Abänderung des Strafgeseßes, zur Ver- 
besserung socialer Verhältnisse, selbst wenn der Nothstand offen zu 
Tage liegt und unbestreitbar ist. Schlagwörter, wie Ausnahme- 
gesebgebung, Gesebgebung von Fall zu Fall u. dergl. mehr sind 
dann immer bei der Hand. Als wäre nicht die Gesebgebung 
von Anbeginn der Welt eine Gesetgebung von Fall zu Fall. Es 
fommt nur darauf an, daß man den Fall richtig erkennt, der 
eine Aenderung nothwendig macht. Paßt das Geseß nicht mehr 
in die Verhältnisse, so wird es eben aufgehoben; bedingen neue Ver- 
hältnisse eine Aendernng, nun so wird es geändert. Wo liegt da 
die Gefahr, welchen Schaden kann das bringen? 
Wir beabsichtigen ja auc< gar fein Geseß, das sagt: die 
Kuppelei ist fortan Jedermann erlaubt, die Kuppelwirthe werden 
gesezlih geschüßt. . Aber man kann dom; dem mehrerwähnten 
3 180 eine einschränfende Fassung geben, man kann Ausnahmen 
zulassen, wenn man sich überzeugt hat, daß sie erforderlich sind, 
Ausnahmen, die es ermöglichen, daß die Prostitution unter ge- 
wissen Voraussezhnngen, unter Beobachtung bestimmter Regeln auf 
besondere Räume beschränkt wird, daß diese Räume unter staat- 
licher Aufsiht von Privaten zum Zwecke des Erwerbs hergegeben 
werden, und daß diese Private straffrei sind. Der Staat erklärt 
ja doch shon die gewerbsmäßige Unzucht für straflos, wenn sie 
sich an seine Vorschriften bindet, warum nicht den, der unter 
Beobachtung der gleichen Vorschriften ihr die Möglichkeit der 
Ausübung bietet, wenn er -- abgesehen von seinem eigenen sitt- 
lihen Niveau =- Ordnung, Moral, Sorge für die Gesundheit 
unterstüßt, Verlezung des Schamgefühls und verbrecherische Aus- 
wüchse zu verhindern mitwirkt. 
Will man das nicht, nun, dann muß man die Folgen über 
sich ergehen lassen. Alles, was dann sonst geschehen kann, liegt
	        
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