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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

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ander3? Und ist nicht schließlich doch das Loos einer Dirne im 
Bordell beneidenswerth gegen die aller Menschlichkeit baare Knecht- 
schaft, in der sie bei einem Unthier von Zuhälter lebt? Man muß 
sich hüten, in solchen Dingen den Empsindlichen zu spielen. Solche 
Verhältnisse: müssen genommen werden, wie sie sind. Sie sind 
s<mußig, folglich gehört ein derber Handschuh dazu, wenn man sie 
anfassen will. 
Der zweite Hauptgrund zeigt scheinbar schon eine größere 
sittliche Vertiefung. Er ruft mit Emphase: Der Staat darf sich 
nict zum Hort der Unsittlichkfeit machen! =- Das hört sich sehr 
gut an, aber es ste>t nichts dahinter; es ist absolut nichts, als 
eine ho" 's Phrase. Kein Mensch, der seinen Verstand beisammen 
hat, wird vom Staate verlangen, daß er der Unzucht Vorschub 
leisten soll. Das aber ist eine gebieterische Forderung an den 
Staat, daß er ein Uebel, das er nicht zu beseitigen vermag, weil 
es sich eben überhaupt nicht beseitigen läßt, wenigstens in die engsten 
Grenzen verweist, daß er verhütet, wie ein solches Uebel immer 
weiter um sich frißt und immer größere Kreise in Mitleidenschaft 
zieht. Das Mittel ist ihm in Betreff der Prostitution in den Boxr- 
dellen gegeben. 
Schon die alten Römer kannten öffentlihe Freudenhäuser. 
Im Mittelalter waren die Jnhaber von Bordellen Bedienstete des 
Magistrats, die in Eid und Pfliht genommen wurden, und ihre 
feilen Dirnen zahlten Gefälle an die öffentlichen Kassen. Jn 
Preußen haben die Bordelle bis zum Jahre 1856 bestanden. Ju 
Leipzig sind sie erst vor etwa Jahresfrist. =- wie man behauptet, 
auf Drängen Preußens -- aufgehoben worden. Jn Hamburg und 
anderen Deutschen Städten bestehen sie no< heute, sie haben ihre 
genauen Regulative, sie werden polizielich geduldet und streng über- 
wacht. Wer will denn in allen diesen Fällen im Ernste behaupten, 
daß der Staat sich zum Hort der Unsittlichkeit mache! 
" Man übersieht dabei auch ganz und gar, daß der Staat 
das, was die Cinen von ihm fordern, wenn auch in anderer 
Form, und was die Anderen ihm als unsittlich verwehren wollen, 
AU
	        
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