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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

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jenigen Gründe, welche man für die Bordelle anzuführen in der 
Lage ist. Denn neben allem Anderen sind vier Gesichtspunkte für 
ihre Einführung von solcher Wichtigkeit, daß alle anderen Gründe 
für und wider dagegen in den Hintergrund treten müssen: 1; sie 
sichliezen die Prostitution ab gegen die Außenwelt, 2; sie dämmen 
sie ein auf das nothwendige Maß, wie es sich durc< das Be- 
dürfniß herausstellt, 3; sie geben der Männerwelt einen wirksamen 
Schut gegen Ausbeutung, Bestehlung, Erpressung und Mißhandlung, 
und 4; sie geben die denkbar größte Sicherheit in gesundheitlicher 
Beziehung. 
Drei Hauptgründe sind es zumeist, welche die Gegner der 
Bordelle in's Feld führen. 
Der erste ist am raschesten abgethan; es ist derselbe, der 
in den 50er Jahren hauptsächlih zur Aufhebung der Berliner 
Bordelle geführt hat, denn man folgte damals in der Hauptsache 
einer frömmelnden und sentimentalen Regung. Man sagte damals 
und sagt es auch heute wieder, daß das Loos der Prostituirten in 
den öffentlihen Häusern ein betrübendes, mit der Menschenwürde 
nicht zu vereinigendes sei, daß es freie Menschen zu Sklaven herab- 
wür“ *. Nun, wir glauben in unseren Ausführungen bewiesen 
zu “ben, daß uns das Mitleid mit dieser verworfenen Menschen- 
fla? * feineswegs abgeht, und wir stehen auch nicht an, zuzugeben, 
daß ihr Loos in Bordellen keineswegs beneidenswerth ist. Aber 
das Loos dieser Geschöpfe ist überhaupt nicht beneidenswerth, selbst 
da nicht, wo es in Sammet und Seide gehüllt, unter den 
"heinbar günstigsten Lebensbedingungen und mit der sc<<ranken- 
'osesten Freiheit auftritt. Und dann: wer sich selbst unter den 
Wonschen, ja unter das Thier herabwürdigt, hat do< gewißlich keinen 
Ansyruch darauf, von der Gesellschaft wie ein Gleichgestellter behandelt 
zu werden. Niemand erzwingt gewalsam den Cintritt einer Dirne in ein 
öffentliches Haus; es ist ihr freier Wille; wer aber diesen Schritt thut, 
der muß auch seine Consequenzen tragen. Daß dabei vielfach Un- 
erfahrenheit mitspricht und bittere Enttäuschung nachfolgt, ist unver- 
meidlich. Aber ist es denn unter unseren heutigen Zuständen
	        
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