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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

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für den Ordnungssinn der Prostituirten, nicht für ihre Schlechtig- 
keit. Auch die Strafen, die gelegentlich die Zuhälter wegen 
Beamtenbeleidigung und Widerseßlichkeit, wegen Kuppelei, Rauferei 
und Messerstehens zu erleiden haben, meinen wir nicht, selbst wenn 
dabei einmal ein Menschenleben zum Opfer fallen sollte. 
Bedenklicher jind die Gelegenheitsdiebstähle, deren sich die 
Dirnen vielfach gegen ihre Besucher schuldig machen, und die 
Unterschlagungen an Kleidungsstüken und Möbeln, die sie nur 
leihweise in ihrem Besiße hatten, sowie die Unterstüßung, die ihnen 
namentlich in Form von Hehlerei ihre Zuhälter hierbei gewähren. 
Indeß der Schwerpunkt liegt in der täglichen Berührung 
mit dem Verbrecherthum und den hieraus mit Nothwendigkeit sich 
ergebenden Folgen. 
Es bedarf keiner Ausführung, daß Prostituirte sowohl, wie 
Zuhälter bei ihrer umherschweifenden Lebensweise, bei ihrem Herum- 
lungern in den anrüchigsten Schank- und Tanzlokalen fortgesebt 
mit der Hefe der Bevölkerung, mit den verworfensten Menschen, 
mit dem gewerbsmäßigen Verbrecherthum Fühlung erhalten müssen. 
Der Zuhälter, Anfangs vielleiht nur ein arbeitsschener Mensch, 
der es bequem findet, sich von einer Dirne unterhalten zu lassen, 
findet Genossen seines Müßiggangs, die ihm den Weg des Ver- 
brechens weisen und ihm die goldenen Früchte dieses Thuns 
vorgaufeln. Er mag eine Zeit lang widerstehen, jedo<h die 
Verführung ist zu groß, sein moralischer Halt zu gering, er 
verfällt dem Verbrechen in vielerlei Gestalt. Die Prostituirte muß 
diese Wandlung mitmachen, sie mag wollen oder nicht. Viele 
folgen bereitwilligst den Lo>ungen; die anderen werden gezwungen. 
So kommt es, daß sich in der Zunft der gewerbs8mäßigen 
Verbrecher viele Zuhälter befinden, in mannigfacher Gestaltung 
des Verbrechens, Bauernfänger, Scwindler, Hochstapler, zumeist 
aber Diebe, Einbrecher. Wo sie nicht selbst eingreifeu, da leisten 
sie wenigstens Hülfe; vor, während und nach der That. Wo sie 
aber selbst thätig sind, da fällt diese Rolle den Dirnen zu, die 
jie namentlich als Hehlerin meisterhaft dur<zuführen verstehen, denn
	        
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