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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

Dienstmädchen, Kellnerin, Verkäuferin, Fabrikarbeiterin, Tingel- 
tangelsängerin und dergl. mehr; aber sie entspringen auch anderen 
Ständen, meist niederen, oft auc< höheren, zuweilen hohen Grades. 
Sie Alle sind nicht als Verworfene auf die Welt gekommen. Die 
Cinen hat ein Fehltritt aus wirklicher Liebe, die Anderen die Treu- 
losigfeit des Geliebten, wieder Andere der pure Leichtsinn und die 
Sucht nach eitlem Flitterwerk, und Viele der nate Hunger auf die 
abschüssige Bahn gebracht. Ueberall hat die Verführung die Hand 
im Werke gehabt, und einmal gefallen ist es mit ihnen von 
Stufe zu Stufe gegangen, bis sie ihren Körper ganz und gar zum 
Werkzeug des Erwerbs herabwürdigten. 
Alle diese unglücklichen Geschöpfe haben eine Mutter gehabt, 
eine Familie, irgend Jemanden, der sie erzogen hat. Mag die 
Erziehung noch so schlecht gewesen sein, sie hatten doc einen Menschen, 
dem si? sich zugesellen konnten. Der Mensch, und besonders das 
Weib: vt ja 79 ungern allein und schließt sich so gern an. Nun 
ist es in Folge seines schimpflihen Gewerbes hinausgestoßen, geächtet, 
es sto"t ganz allein. In seinem Berufe findet es wohl niemals 
Befriedigung, aber es kann nicht zurük; es will auch nicht zurüc, 
denn es will nicht arbeiten; e8 hat das Arbeiten auch verlernt. 
Mit den Mädchen, die gleich ihm dem schimpflichen Gewerbe nach- 
gehen, vermag es sich nicht zu stellen, denn Zanksucht und wider- 
lich» Neid herrscht unter ihnen Allen. Die Männer, deren Besuche 
die Dirne empfängt, sind nicht geeignet, ihr Ersaß für das Verlorene 
zu bieten; sie kommen und gehen und wollen von Dem, was sich 
im Innern der Proftituirten regt, nichts wissen. Sie fühlt sich 
namenlos unglücklich. Aber sie will es sich nicht gestehen, sie betäubt 
ihre Gefühle durc< Trinken und wüstes Schreien, durc< unfläthige 
Redensarten und gemeine Zoten. Und in diesem, Taumel, in dieser 
widerlichen Gemeinheit naht sich ihr ein Gleichgesinnter, ebenfalls 
ein Ausgestoßener, Einer, der sich mit ihr auf dieselbe Stufe stellt, 
ein Mann, der ihr sagt, daß er ihr gut sei, daß er bei ihr bleiben und 
sie beschüßen wolle, ein Mensch, an den sie sich anschließen kann =
	        
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