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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

rechnen auch hierfür die unsinnigsten Preise, so daß ein solc<' armes 
Geschöpf in der Regel tief in Schulden steckt. Das ist es aber eben, 
was der Vermiether bezwektz nun ist das Mädchen ganz in seine 
Hand gegeben, und nun peinigt er es in der unerhörtesten Weise. 
Tag und Nacht, es mag wollen oder nicht, das Wetter mag sich 
anlassen, wie es will, wird es hinausgetrieben auf die Straße, um 
seinem Gewerbe bis zur Erschöpfung, bis zu Krankheit und Siech- 
thum nachzugehen und das sauer zusammenverdiente Sündengeld 
in die gierigen Hände des Vermiethers zu .legen. 
Ja, der Glanz, den die kleinen Mädchen auf der Treppe an- 
staunten, ist ein glänzendes Elend, und wenn sie das wüßten und 
besser verstehen könnten, würde sich manches hüten, in diese Fuß- 
tapfen zu treten. 
Kann man unter diesen Umständen eine Regung des Mitleids 
den Prostituirten gegenüber kaum unterdrücken, so muß diese 
Empfindung gänzlich erlöschen gegenüber den Vermiethern, welche 
jene aussaugen, selbst dann, wenn sie für ihr Verhalten wegen 
Kuppelei vor das Forum des Strafrichters gezogen werden. Und 
doch liegt hierin eine große Härte, ja eine, wenn auch freilich nnbe- 
absichtigte Ungerechtigkeit. 
Der 8 180 unseres Strafgesezbuchs bedroht Den mit Strafe, 
der „gewohnheitzmäßig oder aus Eigennutß dur< Vermittlung, Ge- 
währung oder Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub 
leistet.“ =- Es läßt sich nicht bezweifeln, daß dieser Thatbestand 
Platz greift. Aber der 8 360 ad 6 will bestraft wissen : eine „Weibs- 
person, welche wegen gewerbsmäßiger Unzucht einer polizeilichen Auf- 
sicht unterstellt ist, wenn sie den in dieser Hinsicht zur Sicherung 
der Gesundheit, der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen An- 
standes erlassenen polizeilihen Vorschriften zuwiderhandelt, oder 
welche, ohne einer solchen Aufsicht unterstellt zu sein, gewerbsmäßig 
Unzucht treibt.“ 
Hier sind also genau die Grenzen und Male angegeben, 
innerhalb deren die Prostitution sich zu bewegen hat. Hält sie diese 
inne, so ist sie straffrei, ist sie geduldet. Einem Gewerbe aber (ganz
	        
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