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Full text: Berliner Prostitution und Zuhälterthum (Public Domain)

jie sah fich no< mehr als bisher auf die Straße geworfen. Die 
Balllofale waren wirklich noc< nicht der Abschaum der Unsitt- 
lichkeit. Man konnte doch wenigstens überwachen, was dort geschah. 
An Sittenbeamten fehlte es nicht. Jede unanständige Geste, jedes an- 
stößige Verhalten konnte sofort gerügt und zur Bestrafung gezogen 
werden; und wenn der Tanz beendet war, dann kroch das Laster 
in lautloser Stille in seine Höhlen zurück, immerhin doch das öffent- 
fir > Vorgerniß vermeidend. Den Balllokalen hat man durch diese 
Ma rozel den Garaus gemacht, sie sind in ihrer früheren Gestalt 
wot « sämmtlich vom Erdboden verschwunden; aber der Dirnen sind 
darum nicht weniger geworden, nur daß sie jebt ihrem schimpf- 
lichen Gewerbe auf der offenen Straße nachgehen müssen. 
Und die Schanfklokale? Ja, wenn man den Herrn Wirthen, 
die „Wein und echte Biere“ bei freundlicher Bedienung verschänken, 
streng auf die Finger sieht, dann hat man ganz Recht. Zwar auch 
weniaer der Unsittlichfeit wegen, die sich in solchen Lokalen breit 
macht, als wegen der durchtriebenen Frechheit, mit der dort halbreife 
und unerfahrene Jünglinge um ihr Geld geprellt und im Verfolg 
solchen Thuns zu Unredlichkeiten gegen Eltern und Prinzipale ver- 
leitet, also zu schlechten Menschen gemacht und. der Strafjustiz in 
die Arme geliefert werden. Aber den Scankstätten, in dem genüg- 
same Menschen um den Preis, von zarter Hand bedient zu werden 
und - mitunter eine kleine Lascivität erlauben zu dürfen, sich ihr 
Sei? | „r 15 Pfennig von etwas schlechterer Qualität als sonstwo 
ferpivon lassen, hätte man das Dasein auch über 11 Uhr Abends 
hino"'8 önnen sollen. Jnudem man ihnen die Lebensader unter- 
ban> warf man auch die Kellnerinnen dieser Lokale, soweit sie der 
Por fitution ergeben waren, auf die Straße, und die wenigen, die 
ich einen ehrbaren Lebenswandel bewahrt hatten, mußten ihnen nach- 
folgen, denn die Trinkgelder (nur von diesen mußten sie leben), 
die sie bis 11 Uhr verdienen konnten, reichten nicht hin, den 
Lebenzunterhalt zu beschaffen und den Toilettenansprüchen zu genügen. 
So liegt der gesammte Schwerpunkt der Berliner Prostitution 
von heute auf der Straße. Jedermann sieht sie, Jedermann qge-
	        
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