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II. Teil. Ernstes IV. Unter den Berliner Kellnerinnen

Full text: Berlins dunkle Existenzen / Born, Paul (Public Domain)

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Animierkneipen. Diese unterscheiden sich von den 
„reellen" Wirtschaften mit Damenbedienung haupt 
sächlich dadurch, daß die Kellnerinnen vom Wirt 
geradezu angewiesen werden, die Gäste zu über 
mäßigen Ausgaben zu verleiten, indem sie neben 
ihnen j)latz nehmen, mit ihnen zechen, zoten und 
schweinigeln und sich ihre Zudringlichkeiten wider 
standslos gefallen lassen. Damit sind aber die Ob 
liegenheiten einer Animierkellnerin noch lange nicht 
erschöpft. Die meisten dieser Kneipen haben ein 
sogenanntes Weinzimmer, in das der Gast, der auf 
besondere Genüsse ausgeht, sich, nachdem er vorher 
eine oder mehrere Flaschen elenden, teuren Weines 
bestellt hat, mit der Kellnerin zurückziehen kann. 
Dort ist das Mädchen ganz der brutalen Willkür 
des Gastes preisgegeben — es muß ihn gewähren 
lasten, wenn es seine Stelle nicht verlieren will. Der 
Znhaber der Animierkneipe setzt die „dumme Gans", 
die ihm durch übel angebrachte Ziererei das Geschäft 
verdirbt, alsbald an die frische Luft. Sie muß 
„Kasse machen" und gehen. Auch körperliche Miß 
handlungen seitens des ehrenwerten Wirtes und
	        
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