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des Königs und des Vaterlandes, sie wußte sich in der Hand höherer Gewalten, Noch ein Uufschrei des unglücklichen
Opfers: „ich soll dahin gehen, wo ich nicht begraben sein möchte.“ Schon am nächsten Morgen aber, unter tausend
Thränen, „als ginge sie in den Tod“, nahm sie Ubschied und bestieg den Wagen, der sie durch die in frischestem
Grün prangenden Ebenen Litauens von Memel nach Picktupöhnen trug, dem korsischen Jmperator entgegen.
In dem verzweiflungsvollen Gemüte der Königin war kein Raum für die Hoffnung. „Je me latte de rien,“
hatte sie auf den Befehl des Rönigs erwidert; und schon vorher hatte sie an ihren Lieblingsdichter Schiller gedacht,
an das Wort der Maria Stuart vor Königin Elisabeth: „In dieser Brust wohnt kein Herz.“ Was. sie unterwegs
noch durch einen Brief des Königs erfuhr, die Zurücknahme der für die linkselbischen UÜbtretungen anfänglich
versprochenen Entschädigungen, die auf Napoleons wiederholtes Gebot vollzogene Entlassung Hardenbergs, erhöhte
die DVerzweiflung der Uönigin, stärkte aber zugleich ihren Entschluß, alles zu versuchen, um den erbarmungslosen
Sieger zur Milde zu rühren.
Nach zehnstündiger Fahrt am UÜbend des 4. Juli in Piktupöhnen angelangt, während der URönig noh in
Tilfit verweilte, sprac die Königin lange mit Hardenberg, der sie für die Unterredung mit Napoleon vorbereiten
sollte. So Hatte sie selbst gewünscht, denn, wie sie sagte, sie wollte wohl „par cxur“ mit Napoleon sprechen, aber
nicht „de cur“. Sorgfältig las und bewahrte sie die Ratschläge, die Hardenberg ihr aufschrieb; sie wurden die
Grundlage der Unterhaltung mit Napoleon.
Um nächsten Tage kam Kaiser Ulexander, der die Friedensbedingungen Tapoleons mitbrachte, die bestimmte
Forderung der Abtretung aller Lande links der Elbe und rechts der Memel. Während er mit dem Uönig und der
Königin speiste, erschien Caulaincourt, um die Königin im Auftrage Napoleons zu ihrer Ankunft zu beglükwünschen
und nach ihrem Befinden zu fragen. Der Kaiser bedauere, das neutrale Tilsit nicht verlassen zu können, werde aber
die Königin, wenn sie nach Tilsit käme, besuchen und einladen. Caulaincourts Komplimente wurden höflichst erwidert;
dem steifen und eitlen Formalismus seines Herrn gegenüber hielt man es aber für angemessen, die Reise der Königin
nach Tilsit zunächst noch hinauszuschieben.
Um Uachmittage des 6, Juli endlich, na<dem sie am Vormittage noch den verhaßten Bennigsen gesprochen,
fuhr Königin Luise mit dem Kammerherrn von Buch, den Gräfinnen Voß und Tauenkien, geleitet von einer
Ubteilung preußischer Gardeducorps, mitten durch russische und französische Truppen, bei deren Anblik all ihr Haß
und Abscheu wieder auflebten, zur Memel und über eine Fähre zu dem nahen Quartiere des Königs, der ihr
nach Tilsit voraufgegangen war. Unterwegs hatte KalFreuth sie begrüßt, der ihr noch einmal für die Unterhaltung
mit Mapoleon gute Lehren zu geben suchte. Bei dem König traf sie Kaiser Alexander und Graf Goltz, den Uachfolger
Hardenbergs; beide waren trostlos über den Stand der Verhandlungen; beide beschworen die Königin, in der die letzte
Hoffnung ruhe, den Staat zu retten.
Sie hatten faum einige Worte mit der Königin gewechselt und sich dann entfernt, als die Unkunft des
französischen Kaisers gemeldet wurde. Ein großes glänzendes Gefolge umgab ihn, in dem vor allen Murat durch
die bunte Pracht seiner Uniform auffiel. Von der Oberhofmeisterin und der Hofdame empfangen, eilte Napoleon
die Treppe hinauf -- ein Augenblick, und er stand der Königin gegenüber,
Die Schönheit der Königin, das versichern alle Nugenzeugen?, strahlte niemals heller als in den dunklen
Tagen von Tilsit. Die glänzend großen Augen in Schwermut leicht verschleiert, die sonst shon zur Fülle neigende
Gestalt, die jezt, durc< zehrenden Kummer zu zartem Ebenmaß verfeinert, vergeistigt schien, gehüllt in ein weißes
silberbestites URreppfleid, dessen Falten anmutig an den schlanken Gliedern herabflossen, auf dem biegsamen Halse
das stolz erhobene Haupt unter dem Perlendiadem =- so stand Uönigin Luise da, in Schmerz und Trauer, in
1 Sie meinte die Worte: „Uus diesen Zügen spricht kein Herz.“ -- * Gräfin Tanentzien: „Ich erinnere mich kaum sie schöner
gesehen zu haben, als in diesen Tagen," (S, Schwerin, S, 254.) Tagebuch Kessels, 8, Juli 1807! „Mie soll die Königin so schön
gewesen sein, als eben damals“ (bei der Unterredung). Auch der König schreibt in einer späteren Aufzeichnung: „Schöner sah ich sie nie
als den Tag ihres zweiten Besuches in Tilsit.“
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