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VI. Die "feine Fleischwarenfrau"

Full text: Das weibliche Berlin / Beaulieu, Gertraut Chales de (Public Domain)

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Eines nach dem anderen der sauberen dreiundeinhalb— 
prozentigen, preußischen Staatspapiere wurde zu Geld 
gemacht und flatterte davon, wie weiße Schmetterlinge, 
die auf einem blühenden Kleefelde Süßigkeit gesogen 
haben, durch plötzliche rauhe Störung aufgescheucht, davon⸗ 
fliegen. Das blühende Kleefeld war das feine Fleisch— 
warengeschäft, die Störung der stimmungsreiche Dichter. 
Das gute Riekchen, das außer der verzeihlichen 
Schwäche für ihren Fedoro, nie etwas Böses im Leben 
begangen hatte, konnte bald nicht mehr sämtliche Stim— 
mungen des Herrn Doktor ertragen. Er riet ihr schließ⸗ 
lich selbst, nach Berlin zurückzukehren, da sie im all⸗ 
gemeinen nicht nach Italien, im besondern nicht nach 
Monaco und im besondersten nicht zu ihm passe. 
Eines Tages erschien Frau Doktor Mummi ohne 
Sang und Klang wieder in Berlin und mietete in der 
Steglitzerstraße, wo ihr früheres Geschäft liegt, eine kleine 
Parterrewohnung. Zuerst tapezierte und zierte sie nur 
ihre gute Stube mit Schinken und Würsten aus, 
dann fing sie an, Sülze und italienischen Salat zu 
bereiten und endlich mietete sie wieder einen Laden. 
Friederike Mummi-Kringel“ steht über dem Ein— 
gang. Dort besuche ich sie zuweilen. Sie hat ihr 
Ideal erreicht, denn sie ist ganz mager geworden und 
das Rot ihrer Wangen ist gebleicht. Fix und auf dem 
Fleck ist sie jedoch wie früher. Die Energie und Tüchtig— 
keit, welche ihr der kurze Liebesrausch auf einige Zeit 
genommen, sind wiedergekommen. Auch ihre Schlag— 
fertigkeit. Wehe dem, der sich eine Andeutung auf Herrn 
Doktor Mummi erlaubt.
	        
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