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V. Das Hundstagstantchen

Full text: Das weibliche Berlin / Beaulieu, Gertraut Chales de (Public Domain)

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Seife, Olfarbe und Plättbolzen erfüllen jetzt alle 
Räume. 
Tante plättet mit den achtundzwanzig Shawls Gar— 
dinen, für die vierzehn Fenster der Wohnung, Schwielen 
an ihre Hände; sie gerät sogar so in Eifer, daß sie selb— 
ständig den Plan faßt, die Speisekammer neu mit OÖl— 
farbe zu streichen, und es auch thut. Alle Arbeit und 
alles Unbehagen erträgt sie gern, aber eins nicht: daß 
die Brausen gegen ihren Grenadier intriguiert. 
Regnete es schon bei den Kinderspielen Redens— 
arten, so prasselt jetzt ein wahrer Platzregen herab. Es 
regnet Katzen und Hunde, oder Schusterjungen, wie der 
Berliner sagt. Die Brausen wettert: „Nanu hat det 
Trampelthia von's Militäa wieda allens injedreckt, wo 
ick ma eben de Knochen zaschunden hab', um et een 
biscken menschlich ze machen.“ 
„Aber, liebe Frau Brause —“ 
„Jott, sind Se bloß stille. Wenn ick Ihn'n schon 
höre mit die Sanftmut, lauft mich de Jalle üba.“ 
Als es aber eines Tages Frau Brause zu arg treibt, 
macht Lotte ihr in aller Sanftmut den Standpunkt klar. 
Piepchen und der Grenadier — wenn's diese beiden so 
verschiedenen Wesen betrifft, versteht Tante keinen Spaß. 
Und wunderbar — jetzt wird die Brausen mit einemmal 
ganz verträglich und nett. Sie duldet es sogar, daß 
Johann an einem dienstfreien Nachmittage Tante Lotten 
bei der Anfertigung von Guirlanden und dem Malen 
einer Papptafel mit „Willkommen!“ hilft. 
Eine Woche ist seit der Ankunft der Postkarte ver— 
gangen, welche wie eine Bombe den Frieden des hunds— 
Beaulieu, Das weibliche Berlin.
	        
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