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I. Die Offiziersfrau

Full text: Das weibliche Berlin / Beaulieu, Gertraut Chales de (Public Domain)

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tümlichkeit jeder Berliner Stube, immer dunkel zu sein, 
welche Beleuchtungsart die Verlegenheit der Einjährigen 
liebend verdeckt. 
Johann führt einen Mann, der alte Uniformstücke 
zu kaufen sucht, mit den empfehlenden Worten ein: 
„Ein Herr, was Visit machen will.“ Er fertigt einen 
Erbonkel aus der Provinz, welcher mehr Wert auf 
inneres als auf äußeres legt, mit der herben Kritik ab: 
„Draußen ist ein Kerl, wo handelt. Soll ick ihm raus— 
schmeißen?“ 
Trotz dieser kleinen Schnitzer ist Johann XXIV. 
nicht für seine Jette oder Rieke allein ein Schatz, sondern 
auch für seine Herrschaft, nur in anderem Sinne. Er 
kauft in der Markthalle viel besser ein, als die Köchin, 
ja, weil er hübsch und ein forscher Kerl ist, geben ihm 
die jungen Hökerfrauen immer mehr als jedem anderen 
Kunden. Und selbst das älteste, gröbste und geriebenste 
Grünkramweib wagt es nicht, ihm einen verwelkten oder 
angefaulten Kopf Kohl „anzuschmieren“ oder schlechte 
unter die guten Apfel zu schmuggeln. Holt Johann 
die Milch, so nimmt er stets den größten Topf aus der 
Küche, denn es ist sein Ehrgeiz, daß ihm die Mamsell 
im Milchbüreau den Liter „mit einem Haufen“ einschänkt. 
Hatte Gusta ihren Johann, was Kunst und Woh— 
nungseinrichtung und Servieren betraf, belehrt, so macht 
sie dafür unter seiner Anweisung ihre ersten Marktein— 
käufe und bereitet sich zu einer Hausfrau vor, die es 
verstehen wird, sich nach einer Leutnantsdecke zu strecken 
oder vielmehr zusammenzuziehen. Denn eine Leutnants— 
decke ist meist recht knapp und dünn.
	        
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