Path:
VIII. Die Arbeiterin

Full text: Das weibliche Berlin / Beaulieu, Gertraut Chales de (Public Domain)

104 
Zichorien. Na und zu Abend, da hebt ihr die Portier⸗ 
frau, wo sie in Schlafstelle is, wat von's Mittag uf.“ 
„Aber das ist ja schrecklich!“ 
.Warum jeht sie nich in Stellung wie unsereens,“ 
entgegnete Jette ungerührt. „Ick lieije, wie ick mir 
bhette.“ 
Es ließ mir doch keine Ruhe. Wie wirkst du auf 
dies Mädchen ein? dachte ich. Sie besuchen? Hm ... 
sie ist ia am Tage nie zu Hause. Vor der Portierfrau 
könnte ich ihr auch nicht sagen, was ich denke. Und 
des Sonntags? da geht sie aus und „amesiert“ sich. 
Wie wäre es, wenn — wenn — ja, so geht es. Ich 
schreibe ihr. 
Der Briefumschlag war leicht beschrieben: 
Fräulein Ludmilla Fritze. 
p. a.: Vortier Müller. Berlin 8.W. 
Zimmerstr. 200. 
Aber nun weiter. Geehrtes Fräulein! — Nein, das 
geht nicht. Liebes Kind! — Das klingt mütterlich und 
wohlwollend, Vertrauen erweckend. Also: 
Liebes Kind! 
Eine mütterliche Freundin interessfiert sich für Ihr 
Schicksal. Bitte, besuchen Sie mich und teilen Sie mir 
Ihre Ideen über die soziale Frage und den Zukunfts— 
staat mit. Damit Sie es sich vorher überlegen können, 
stelle ich Ihnen folgende sechs Punkte. zur Beant⸗ 
wortung: 
1. Wie denken Sie sich das Verhältnis der ver— 
schiedenen Stände im Zukunftsstaate?
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.