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Full text: Vom Brandenburger Thor bis zu Kroll / Salingré, Hermann (Public Domain)

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wovor habe ich Dir denn? Da kommen Leute, jleich schlenkere 
mit de Beine und bibbere mit de Zähne. Mit de Kunst allein 
is es Cssig, man muß auch einen jämmerli< aussehenden Ben- 
gel bei sich haben, der vor Kälte mit de Zähne klappert (geigt). 
(Der Herr mit'm Pelz geht mit der corpulenten Dame Arm 
in Arm vorbei, ohne etwas zu geben. Fritße klappert mit 
Händen und Füßen.) 
Musikant (innehaltend). Die sind Beide so in Gedanken 
vertieft, daß sie mein Spiel ganz überhören. Herrjott, das 
ist ja die Umfangreide =- und das st der Noble mit'n Pelz 
-- die kamen do< vorhin nic zusammen? Na, das muß 
man unsere Berliner junge Herrenwelt lassen -- höflich und 
zuvorkommend sind se -- sie lassen nie 'ne Dame Abends 
alleine na< Hause gehen. Da kommt wieder einer. Friße, 
ic: bitte mir ein anständiges Zähneklappern aus! (geigt.) 
(Fritze klappert mit den Zähnen.) 
H Fn nfenner. Gott Gerechter = was spielen Sie vor'n 
aß. 
Musikant (bei Seite). Des nennt der Baß. 
Kunstkenner (stehen bleibend, sucht nach kleiner Münze). 
Sie könnten auc) was Besseres thun, als einem hier die Ohren 
vollquieken. Hier nehmen Se (giebt ihm Geld.) aber thun Se 
mer den Gefallen und hören Se auf (abgehend.) Gott, was 
hat der Mensc< für'n Streicher mit dem Violinbogen! (ab.) 
Musikant. Es war doh jut, Fritzen mit de Zähne 
klappern zu lassen, diesen Jedanken blies mir ein Jenius ein. 
Doch -- stille, man kommt. Fritze, fange an zu bibbern. 
Ein Sachse. Ei Herr Jemersch, setind Se ä Musikante? 
Musikant. Jawohl, mein Herr! 
Sachse. Und des nennen Se spielen? Bei uns derheeme 
in Sachsen nennt mer des kratzen; worum spielen Se denn 
eejentlich ? 
Musikant. Ums tägliche Vrod. 
Sachse. Ums täglihe Brod? Ei Herr Jemersc<, wie 
mer sic< erren kann. Mir warsch beenah als spielten Se -- 
um verrückt zu werden. 
Musikant. O ih kann au< was besseres spielen, war- 
ten se mal -- (will geigen).
	        
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