Publication:
Berlin: Rockenstein, [1898]
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365674
Path:

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Noch härter erging es Frankfurt nach der unglücklichen
Schlacht bei Kunersdorf im Jahre 1759 durch die schweren
Bedrückungen durch die Bussen und Oesterreicher; nicht
ganz so arg hatte die Stadt durch die Franzosen zu leiden,
immerhin zogen auch diese nicht ab, ohne die Oderbrücke zu
verbrennen. Doch die vernichtende Gewalt der Ereignisse
des siebenjährigen Krieges wird in der Oderstadt unver
gessen bleiben.
Die Neuzeit hat dem ehrwürdigen Frankfurt endlich
eine ruhige Entwicklung gebracht, das merkt der Tourist
sofort, wenn er in die Stadt eintritt. Durch Bahnhofsstrasse
und Kichtstras.se flutet geschäftiges Leben; die ansehnliche
Industrie und der durch Schiffahrt und Eisenbahnverbindung
ausgedehnte Handel, sowie die mächtigen Braunkohlengruben
haben die „Gartenstadt“ — ihrer reizenden landschaftlichen
Umgebung halber — zu einem bedeutenden Handels
emporium*) gemacht.
Die altertümlichen, hocligiebeligen Häuser haben viele
Geisteshelden in ihren Mauern gesehen. Hier wurden die
Dichter Heinrich von Kleist und Franz von Gaudy geboren,
auch Anton von Werner erblickte hier das Licht der Welt.
An der Frankfurter Universität studierten die Gebrüder Hum
boldt und in der Oderstrasse künden uns Gedenktafeln, dass
hier von Moltke 1822—23 und Leopold von Banke 1818 bis
1825 wohnten.
Langsam pedalieren wir durch die Breite Strasse der
freundlichen, an Erinnerungen so reichen Stadt, dann ziehen
wir über die prächtige neue Oderbrücke. Breit und maje
stätisch gleitet im hellen Morgensonnenschein die massige
Wasserfülle dahin, lange Züge von Frachtschiffen, durch
rasselnde Schleppdampfer gezogen, schier unendliche Floss-
reihen und im vollen Segelschmuck dahingleitende Lastboote
tragend.
Und nun sind wir in der Daininvorstadt und ziehen
! ) Yergl. Ausflug XVI, „In’s Land Lebus“ u. XXII, „An Oder u. Neisse“.
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