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Full text: Im Warthebruch

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ein langer Fall durch die Drossenerstrasse zum Scluiiutter- 
|ilatz der Stadt Sonnenburg führt, wo wir im Gasthof 
„Stadt Warschau“ für kurze Zeit Quartier beziehen. 
Soimenburg ist ein kleines, stilles Städtchen, dem nur 
das Zuchthaus einige Bedeutung für die Kriminal-Justiz des 
Lande# giebt; uns interessiert es jedoch vor allem als Sitz 
der Ballei Brandenburg des Johanniter-Ordens. In dem um 
1080 gestifteten Johanniter-Orden nahm die Ballei — gleich 
Territorialbesitzung — Brandenburg, die in zehn Komtureien* 
zerfiel, von Anfang an eine ziemlich unabhängige Stellung 
ein. Ungeheuer reich, nachdem ihm der grösste Teil der 
Güter der Templer zugefallen, schloss der Orden sich früh 
zeitig der Reformation an. Seit 1425 seinen ständigen Wohn 
sitz in Sonnenburg habend, wurde der Orden 1810 aufge 
hoben und seine Güter eingezogen, um mit den dadurch frei 
werdenden ungeheuren Mitteln die Heere zu schaffen, welche 
Preussen und Deutschland von den Invasionsarmeen Napo 
leons befreiten. Nur dazu wurde die grosse Erbschaft des 
Johanniter-Ordens verwendet und dies muss man bedenken, 
wenn man die arme — wir finden kaum eine treffendere 
Bezeichnung — Schloss-Ausstattung des im Jahre 1812 neu 
gestifteten und 1852 von Friedrich Wilhelm IV. seiner jetzigen 
Bestimmung gewidmeten Ordens sieht. 
Die heutige „Ballei Brandenburg des ritterlichen Hospi 
talordens von St. Johannes zu Jerusalem“ ist eine adlige 
Gesellschaft zur Gründung von Krankenhäusern und zur 
Krankenpflege und besteht aus etwa 600 Rechts- und etwa 
1600 Ehrenrittern, deren Herrenmeister Prinz Albrecht alle 
zwei Jahre den Ritterschlag erteilt. 
Es istfein stolzes Fest nach dem stolzen Namen der Ritter 
und ihrem edlen Wirken und so wenden wir uns interessirt 
dem, unter dem Herrenmeister Moritz von Nassau umge 
bauten einfachen Schlosse** zu. Nur der ungeheuer hohe 
* Vergl. Ausflug XVI, „Ins LandLebus“. 
** Meldung beim Gärtner im linken Nebengebäude.
	        
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